Die AfD (Alternative für Deutschland) – Partei der Ostdeutschen?
Die „Alternative für Deutschland“ (AfD) gilt bisher überwiegend als eine Partei der Ostdeutschen. In keinem westdeutschen Bundesland schneidet sie (bisher) bei Wahlen so erfolgreich ab wie in den Ländern und Kommunen der ehemaligen DDR. Obwohl auch in Westdeutschland die AfD-Wählerschaft immer mehr zunimmt, präsentiert sich die AfD im Osten mittlerweile fast flächendeckend als die stärkste politische Kraft. Das Spektrum der AfD-Wähler ist breit, sowohl was Geschlecht, sozialen Status und Alter angeht.
Der Vortrag versucht, diesen Befund durch eine historische Tiefenanalyse weiter zu erhellen. Dabei werden die Erfahrungen von drei Generationen analysiert: die bis 1930 Geborenen, die 1945 junge Erwachsene waren und die Gründer-Generation der DDR repräsentiert; die Generation derjenigen, die in die DDR hineingeboren wurden (Jahrgang 1949), keine andere historische Erfahrung hatten und beim Zusammenbruch des Staatssozialismus in der Mitte ihres Lebens standen. Für diese beiden DDR-Generationen liegt ein dichter Bestand von lebensgeschichtlichen Interviews vor, welche die Vortragende Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre in der DDR, bzw. in Ostdeutschland durchgeführt hat. Schließlich gibt es noch einen Ausblick auf die Generation der „Wendekinder“, die, in den 1980er Jahren geboren, nur teilweise überhaupt eigene Erinnerungen an die DDR haben und ihre Eltern oft als Opfer der Wende begreifen.
Der Vortrag fragt danach, welche Bedeutung diese familiären Erfahrungen für die DDR-Wählerschaft haben und wie sie in die Wahl der AfD eingehen. Da eine solche Wahl Ende September in dem ostdeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt stattgefunden haben wird, lassen sich die Folgen der genannten Generationserfahrungen schon genauer bestimmen. Im Ausblick soll danach gefragt werden, ob das politische Angebot der AfD auch vor dem Hintergrund westdeutscher historischer Erfahrungen auf Erfolgskurs sein könnte.
Dorothee Wierling ist Historikerin mit Forschungsschwerpunkten in der Sozial- und Erfahrungsgeschichte, Oral History, Geschlechter- und Generationengeschichte sowie der Geschichte der DDR. Sie war bis 2015 stellvertretende Direktorin der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg und Professorin an der Universität Hamburg. Zu ihren Veröffentlichungen gehören u. a. Eine Familie im Krieg. Leben, Sterben und Schreiben 1914–1918 (2013) und Mit Rohkaffee handeln. Hamburger Kaffeeimporteure im 20. Jahrhundert (2018). Zuletzt erschien „Wenn die Norskes uns schon nicht lieben, …“. Das Tagebuch des Dienststellenleiters Heinrich Christen im besetzten Norwegen 1941–1943 (2021) herausgegeben von Dorothee Wierling.
Konzept und Organisation:
Institut für Geschichte, Arbeitsbereich Zeitgeschichte