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Universität Graz Neuigkeiten Heast as net – mehr? Warum Dialekte in Österreichs Städten verschwinden

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Montag, 18.05.2026

Heast as net – mehr? Warum Dialekte in Österreichs Städten verschwinden

Junge Frau mit langen dunklen Haaren, gemusterter Bluse und verschränkten Armen steht in einem hellen Flur mit Sitzreihen und Plakaten.

Johanna Fanta-Jende ist Assistenzprofessorin am Institut für Germanistik und beschäftigt sich mit Dialekten. Foto: Uni Graz/Schweiger

Hob’n Sie scho amoi drüber nochdenkt? Darüber, ob Sie im Dialekt sprechen oder wie immer mehr Menschen „Hochdeutsch“ verwenden? Vor allem in Österreichs Städten verschwindet allmählich die Mundart und wird von einer einheitlichen Standardsprache abgelöst. Johanna Fanta-Jende, Dialektforscherin an der Universität Graz führt für diese Entwicklung mehrere Faktoren ins Treffen: „Vor allem in der Stadt möchten sich die Menschen mit dem „Hoch-Deutschen“ Prestige vermitteln und sich von der ländlichen Umgebung abgrenzen.“ Weiters führen erhöhte soziale und geografische Mobilität sowie der Einfluss von TV- und Social-Media-Kanälen zu einer schleichenden Angleichung.

In Wien ist der Prozess besonders weit fortgeschritten, stellt Johanna Fanta-Jende fest. „Man findet kaum jemanden unter 50 Jahren, die oder der im Dialekt spricht.“ In Graz und Salzburg verlaufe dieser Prozess zwar etwas langsamer, aber auch in diesen Landeshauptstädten schleift sich die Sprache stetig ein. Einen der Gründe nennt die Germanistin: „Mundart ist nach wie vor stigmatisiert und wird gelegentlich mit dem Bäuerlichem assoziiert. Hochdeutsch – mit österreichischem Einschlag – genießt höheres Ansehen.“ Dabei handle es sich beim Dialekt um einen „ungeheuren Schatz“: „Dialekt steht uns wie eine zweite Sprache zur Verfügung. Die spezifische Systematik mit eigener Grammatik und besonderen Ausspracheregeln ist historisch gewachsen und verdient gleichwertiges Ansehen wie eine Standardsprache.“

Lokales verschwindet

Außerhalb von Städten ist Mundart noch eher verbreitet. Doch selbst in den ländlichen Gebieten gleiche sich die Redeweise mehr und mehr an, berichtet die Forscherin: „Lokale Dialekte, die oft auf einzelne Gebiete wie Täler beschränkt waren, verschwinden zusehends. Es entstehen sogenannte Regionaldialekte und Umgangssprachen, die häufig mit den Bundesländern deckungsgleich sind.“

Eine Nivellierung lasse sich außerdem damit erklären, dass die Gesellschaft mobiler geworden sei. Menschen wechseln aufgrund des Jobs viel häufiger Wohnort und Regionen. Bestes Beispiel dafür ist Johanna Fanta-Jende: „Ich bin in Kärnten aufgewachsen und zur Schule gegangen. Meine Mutter ist Niederösterreicherin, die als Anglistin mit mir auch Englisch gesprochen hat.“ Nach dem Studium an der Universität Graz hat sie für ihr Doktorat jahrelang in Wien gelebt und ist mittlerweile am Institut für Germanistik der Uni Graz tätig.

Hochdeutsch in der Familie

Bewegung in puncto sozialen Aufstiegs habe ein verbessertes Bildungsniveau der vergangenen Jahrzehnte bewirkt. Dadurch habe die Generation ab den 1970er-Jahren ihre Ausdrucksweise weitergegeben, sagt Fanta-Jende: „Die Eltern gingen und gehen wohl davon aus, dass sich mit Hochdeutsch ihren Kindern in der Schule und im Leben mehr Chancen eröffnen.“ Um die Vielfalt in der Sprache zu bewahren, könnte man auch über die Förderung des Dialekts in Schule und Gesellschaft mehr nachdenken.

Tiefe Spuren habe ebenso unser Nachbarland hinterlassen, das Österreichs TV- sowie Streaming-Konsum prägt und die Synchronisierung von Filmen dominiert. So war die Sprechausbildung, etwa von Schauspieler:innen und TV-Moderator:innen, jahrzehntelang durch norddeutsche Normierung gekennzeichnet.

Eine Veränderung erwartet die Wissenschaftlerin durch die sozialen Medien, die fern von Standards regionale Färbungen von Sprache zulassen. Fanta-Jende: „Auch ohne rhetorische Ausbildung kann ich einen Kanal betreiben und darauf losplaudern.“ Zudem gebe es durch den anglo-amerikanischen Einfluss eine starke Übernahme englischer Begriffe, die mit der Zeit sogar ins offizielle Deutsch übernommen werden.
Die Wissenschaftlerin weist auf ein weiteres städtisches Phänomen hin. Unter Jugendlichen bilden sich vermehrt sogenannte Soziolekte. „Bestimmte Worte und Redestile werden als Code für die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe verwendet.“ 
Einen Verlust von Vielfalt beklagt Fanta-Jende nicht, denn Sprache verändere sich laufend. Sie plädiert dafür, sich authentisch auszudrücken und sprachlich flexibel zu sein, um „je nach Situation zwischen den einzelnen Sprachen und Stilen zu switchen“.

Erstellt von Andreas Schweiger

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