Karl
Marx (1818-1883)
Biographie
1818 in Trier geboren;
Vater: Heinrich Marx, Rechtsanwalt, vom Judentum zum Protestantismus
konvertiert, Mutter: Henriette.
1835-36: Studium;
zunächst Jura in Bonn, dann
1836-41: Philosophie und
andere Fächer in Berlin.
1841: Promotion (Diss.thema: Differenz der demokritischen und
epikureischen Naturphilosphie).
Marx als Journalist
und Autor tätig.
1842-1843: Redakteur,
später Chefredakteur der "Rheinischen Zeitung" in Köln.
1843: Heirat mit Jenny
von Westphalen (1814-1881), seit 1836 heimlich
verlobt; Vater Ludwig von Westphalen, Baron und
Regierungsrat; Karl und Jenny bekommen im Lauf ihres Lebens 7 Kinder, 4 davon
sterben frühzeitig.
1843-1883: aus
Zensurgründen die meiste Zeit außerhalb Deutschlands verbracht. 1843-45: Paris,
als Journalist tätig.
ab 1844: in ständigem
Kontakt mit Friedrich Engels (1820-1895).
1845-48: Brüssel; lebt
hauptsächlich von Geldspenden und -anleihen, später auch von Erbschaften.
1847 2. Kongreß des
'Bundes der Gerechten' in London; Umbenennung in 'Bund der Kommunisten'. Marx
macht sich an die Ausformulierung des Manifestes der kommunistischen Partei.
1848: Revolution in
Paris, Louis Philippe dankt ab; Marx wird aus Belgien ausgewiesen, geht
zunächst nach Paris, dann nach der Berliner Erhebung nach Deutschland;
übernimmt die 'Neue Rheinische Zeitung' in Köln. Konterrevolution setzt ein,
Marx wird erneut abgeschoben. Lebt zunächst unter falschem Namen (Ramboz) in Paris, wird neuerlich ausgewiesen.
ab 1849: lebt in finanziell
tristen Verhältnissen in London, wird von Engels und anderen Anhängern
unterstützt, erst ab 1864 bessern sich seine Verhältnisse. Schreibt u.a. für die New York Daily Tribune.
1861: Amnestie, Marx
kann wieder nach Deutschland einreisen, lebt weiter in London.
1864: Internationale Arbeiterassociation ('Internationale') gegründet, Marx und
Engels führend beteiligt. Marx nimmt maßgeblich an den Kongressen der
Internationalen in London, Den Haag und Genf teil.
1883: Marx stirbt in
London.
Werke u.a.:
Kritik der Hegelschen
Rechtsphilosophie, 1844
Manifest der
Kommunistischen Partei, 1848
Zur Kritik der
politischen Ökonomie, 1859 (Vorwort!)
Das Kapital. Kritik
der Politischen Ökonomie Bd.1, 1867 (Bd. 2+3 aus dem Nachlaß von Engels 1883
herausgegeben)
Vgl. auch: http://agso.uni-graz.at/lexikon/
Wichtige
Begriffe in den Werken von Marx
Kennzeichen
der kapitalistischen Gesellschaft
- Entfremdung
- Privateigentum
Mehrwert
Lohnarbeiter verkaufen
ihre Arbeitskraft zu einem bestimmten Preis - dem Lohn; Arbeitskraft kann aber
im Gegensatz zu vielen anderen Waren selbst Wert schaffen! Der Wert der
Arbeitskraft wird bemessen nach den für ihre Reproduktion notwendigen
Lebensmitteln, für deren Produktion eine bestimmte Zeit benötigt wird (6
Stunden z.B.), dies ist die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit. Der
Arbeiter arbeitet aber z.B. 12 Stunden für den Kapitalisten, d.h. 6 Stunden
schafft er einen über seine eigene Reproduktion hinausgehenden Mehrwert.
(V) = variables
Kapital: Arbeitskraft des Menschen, diese kann selbst einen Wert schaffen - den
Mehrwert.
(K) = konstantes
Kapital: Betriebsmittel, Rohstoffe; diese schaffen keinen Mehrwert.
Der
tendenzielle Fall der Profitrate (=nach Marx ein Grund für den Niedergang des
Kapitalismus)
Profitrate: Verhältnis
von Mehrwert und Gesamtkapital; die Tendenz der kapitalist.
Produktionsweise läuft darauf hinaus, den Anteil des konstanten Kapitals
(Maschinen) am Gesamtkapital zu steigern. Es kommt daher zu einem ständigen
Sinken der Profitrate. Dahinterstehende Annahme: nur aus variablen Kapital kann
man Profit schlagen.
Verelendung
(=nach Marx ein weiterer Grund für den Niedergang des Kapitalismus)
Das immanente Gesetz
der kapitalistischen Akkumulation führt zur Expropriation immer weiterer
Bevölkerungsteile. Durch den Zentralisationsprozeß des Kapitals sammelt es sich
in immer weniger Händen. Konkurrenten werden ausgebootet. Es kommt zu einer
immer unerträglicheren Lage des Proletariates (Verelendung) und
schließlich zur Revolution.
Basis -
Überbau
Basis: Produktivkräfte
und Produktionsverhältnisse
Überbau: Sphäre der
juristischen, politischen und kulturellen Einrichtungen einer Gesellschaft,
sowie der Ideen, Glaubenssysteme etc.
Grundthese von Marx:
Nicht das Bewußtsein bestimmt das Leben, sondern das Leben bestimmt das
Bewußtsein.
Dialektik
Den Begriff der
Dialektik übernimmt Marx von Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831). Marx
überträgt die Dialektik auf den materiellen Bereich: die technisch-ökonomischen
Entwicklungen stehen in einem Widerspruch zu den traditionalen sozialen
Verhältnissen - die Veränderungen der Produktivkräfte bewirken auch eine
Veränderung der Produktionsverhältnisse, sprengen diese und setzen neue ein;
dieser Prozeß wiederholt sich auf einer höheren Ebene so lange es keine
Abschaffung des Privateigentums gibt. Erst in der klassenlosen Gesellschaft des
Kommunismus endet die Geschichte im herkömmlichen Sinne.
Klasse
Klasse an sich -
objektive materielle Lage einer gesellschaftlichen Gruppe.
Klasse für sich -
Bewußtsein einer Gruppe, als Klasse aufzutreten; Bewußtsein der Gemeinsamkeit
gegenüber einem Gegner und der Möglichkeit die Gesellschaftsordnung durch das
gemeinsame Handeln zu verändern.
Marx geht implizit von
einem teleologischen Weltbild aus. D.h. der Geschichtsprozeß ist klar auf ein
Ziel hin ausgelegt, und zwar die klassenlose Gesellschaft ohne Privateigentum
und ohne Entfremdung. Die bisherige Geschichte - oder auch Vorgeschichte
genannt - endet mit Erreichen der kommunistischen Gesellschaft. Danach ist der
Mensch fähig als bewußter Träger und Gestalter des Geschichtsprozesses
aufzutreten. Es kommt zur Bewußt- und Subjektwerdung der gesellschaftlich
Handelnden. Vorher waren sich die Menschen nicht darüber bewußt, daß sie die
gesellschaftliche Produktion - die Arbeit und Praxis - selbst hervorbrachten.
Sie erlebten sich daher als fremdbestimmt. In der kommunistischen Gesellschaft
werden sie zu verantwortlichen Subjekten der gesellschaftlichen Praxis und
ihrer Geschichte. Marx betont in seinen Schriften immer wieder das aktives Tun
... es kommt darauf an, die Gesellschaft zu verändern ... allerdings nicht im
Sinne von kurzzeitigen Sozialreformen, sondern im Hinblick auf Erreichung des
Zieles der kommunistischen Gesellschaft und damit der Abschaffung der
Entfremdung. Hierfür ist es notwendig, daß alles was bisher war, zuerst
zerstört wird; erst dann kann eine neue, andere Gesellschaft geschaffen werden.
Literaturhinweise:
Max Braubach, Von der
Französischen Revolution bis zum Wiener Kongreß, Gebhardt Handbuch der
deutschen Geschichte, Bd. 14, 5. Aufl., München 1982
Reinhart Koselleck, Preußen zwischen Reform und Revolution.
Allgemeines Landrecht, Verwaltung und soziale Bewegung von 1791-1848, Stuttgart
1967
Gertraude Mikl-Horke, Soziologie: Historischer Kontext und
soziologische Theorie-Entwürfe, München Wien 1989
Leszek Kolakowski, Die Hauptströmungen des Marxismus, München 1978
Françoise Giroud, Das Leben der Jenny Marx. Biographie, 2. Aufl.,
München 1998