Geschlechtergerechte Sprache in Lehre und Studium
Richard Parncutt 2008-2009

Die Uni Graz fördert eine geschlechtergerechte Sprache auf allen Ebenen. Im § 12 des Frauenförderplans (2005) heißt es:

(1) Alle Organe und Angehörigen der Universität Graz sollen sich in Aussendungen, Formularen, Protokollen, Reden, Interviews und anderen an die Öffentlichkeit oder an die Universitätsangehörigen gerichteten Mitteilungen und in der Lehre einer geschlechtergerechten Sprache bedienen. Es soll daher in allen Schriftstücken und öffentlichen Äußerungen entweder explizit die weibliche und männliche Form oder eine geschlechtsneutrale Bezeichnung verwendet werden. Unsachliche Differenzierungen zwischen Frauen und Männern sind zu unterlassen.
(2) Die Verwendung von Generalklauseln, in denen z.B. zu Beginn, am Ende oder in Fußnoten eines Textes festgehalten wird, dass die gewählten personenbezogenen Bezeichnungen für beide Geschlechter gelten, ist unzulässig.
(3) Formulierungen sowie Organ- und Funktionsbezeichnungen sind so zu wählen, dass sie Frauen und Männer gleichermaßen betreffen.

Ähnliches wird von zahlreichen österreichischen Einrichtungen empfohlen:

LVn zum Thema finden Sie im Masterstudium Interdisziplinäre Geschlechterstudien.

Studierende österreichischer Universitäten sind nicht rechtlich verpflichtet, eine geschlechtergerechte Sprache zu verwenden. Insbesondere dürfen Prüfungsnoten nicht davon abhängen, ob eine geschlechtergerechte Sprache verwendet wurde, es sei denn, dass gendergerechtes Schreiben oder Sprechen zu den Zielen oder Inhalten der LV gehören.

Es ist trotzdem für mich in meiner Rolle als LV-Leiter ein Anliegen, dass in meinen LVn eine konsequent gendergerechte Sprache verwendet wird. Das gilt insbesondere für Schriftliches (Powerpoint-Dateien und schriftliche Arbeiten). Der Grund: Ich gehe davon aus, dass eine konsequent gendergerechte Sprache langfristig zum Abbau des Sexismus beitragen kann (dazu gab es einen interessanten Artikel in Unique, der Zeitschrift der ÖH Wien). Wer Musikwissenschaft aus kulturwissenschaftlicher Sicht studiert, versteht, dass Sexismus tief in unserer Kultur verankert ist, auch in unserer Sprache - und dass Kultur und Sprache schwer voneinander getrennt werden können. Freilich gilt das gleiche für andere Kulturen und Sprachen, evtl. sogar für alle Kulturen und Sprachen. Außerdem spielen Machtverhältnisse in den Kulturwissenschaften eine zentrale Rolle.

In diesem Sinne bitte ich meine Studierenden, meine LVn als Anlass und Möglichkeit zu betrachten, sich in die Kunst der gendergerechten Sprache einzuüben, auch wenn sie nicht völlig davon überzeugt sind. Der künstlerische Aspekt liegt darin, dass es für einen gegebenen sprachlichen Inhalt oft mehrere verschiedene gendergerechte Lösungen gibt. Es ist nicht einfach, aus dem Stehgreif die verschiedenen Möglichkeiten zu produzieren und die beste unter mehreren Möglichkeiten für einen gegebenen Sachverhalt zu wählen.

Erst wenn Sie als Student/in diese Fähigkeiten geübt und sich angeeignet haben, sind Sie meines Erachtens wirklich in der Lage, zu entscheiden, ob und inwieweit eine geschlechtergerechte Sprache verwendet werden soll. Und wer schließlich behaupten will, die moderne deutsche Sprache auf höchster Ebene zu beherrschen (das kann ich im Übrigen nicht, da meine Muttersprache nicht Deutsch ist), müsste logischerweise auch diese Fähigkeit vorweisen können.

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