Flora und Vegetation von Tasmanien: Klima

Einleitung

Geographie

Menschliche Besiedelungs- 
geschichte  

Das Klima 

Biogeographie unter besonderer Berücksichtigung der Gattung Nothofagus   

Schlüssel für die Samenpflanzen-

Familien Tasmaniens

Schlüssel für die Samenpflanzen- 
Gattungen Tasmaniens 

Schlüssel für die Farngattungen Tasmaniens

Die Vegetation 

kühltemperierte Regenwälder

Eucalyptuswälder 

Vegetation der alpinen Stufe

Die Flechtenflora 

Forstwirtschaft 

Vegetationsbilder

Literatur

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last updates: March 1999  


 
 

Das Klima und die Geomorphologie Tasmaniens

*von Barbara Emmerer 
 

Übersicht: 
Klima  

Klimagang 
Niederschläge 
Schnee  
Regen  
Überschwemmung/Hochwasser  
Wind  
Gewitter/Hagel/Tornados 
Temperatur  
Sonneneinstrahlung 
Klimageschichte 
Geomorphologie  
Entstehung der Oberflächenformen  
Flußsysteme 
Geologie 
Böden 
References 


Klima 

Das Klima auf Tasmanien wird als temperat maritim eingestuft. Es sind vier ausgeprägte Jahreszeiten ausgebildet. Die Tagestemperaturen schwanken im Küstenbereich um 7°C. Landeinwärts verdoppelt sich diese Schwankung, wodurch ein Kontinentaleffekt erkennbar wird (ANONYMUS, 1993: 1) 
Die durchschnittliche Sommertemperatur liegt in Hobart bei 21-22°C, im Winter sind es 10-12°C. Es können aber sowohl im Sommer als auch im Winter plötzliche Kälteeinbrüche auftreten. Aufzeichnungen berichten in diesem Zusammenhang von 10°C im Sommer und 4°C im Winter. 
In Tasmanien herrscht im Vergleich zu jenen Gebieten in Europa und N-Amerika, die in ähnlichen geographischen Breiten liegen, ein sehr temperates Klima. Dafür ist der umliegende Ozean verantwortlich. Seine Temperaturen schwanken im Laufe eines Jahres um 6-7°C, wodurch er stabilisierend auf die Temperaturen der Insel wirkt. Dieses Ozean/Land-Verhältnis wirkt sich auf der gesamten S-Hemisphäre ähnlich aus (ANONYMUS, 1993: 1). 

  
Abbildung 1: Klimadiagramme Zonobiom IV aus Tasmanien: Launceston (N-Küste), Hobart (S-Küste) und Oatlands aus dem trockenen Osten Tasmaniens (aus WALTER & LIETH 1967) 

Abb. 1 zeigt  Beispiele von Klimastationen des Zonobioms IV, Abbildung 2 eine Klimastation des Zonobioms V aus dem humiden Westteil, das letzte Klimadiagramm von Miena aus dem Zentrum der Insel zeigt ein Gebirgsklima. 
    
Abb. 2: Klimadiagramm aus dem Zonobiom V aus Tasmanien: Zeehahn aus dem Westen der Insel;  Gebirgsklima: Miena aus Zentraltasmanien (aus WALTER & LIETH, 1967); 
 

Klimagang 

Nach Löffler & Grotz (LÖFFLER & GROTZ, 1995: 37) bestimmen die jahreszeitlichen Schwankungen im Verlauf der subtropischen Hochdruckzellen (Antizyklonen) das Wettergeschehen. Diese überqueren den australischen Kontinent in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen von West nach Ost. Da auf der südlichen Hemisphäre die Luftbewegung innerhalb einer Antizyklone entgegen dem Uhrzeigersinn verlaufen, ist dadurch ihre für Tasmanien interessante südliche Randzone durch Westwinde gekennzeichnet. 
Der Meeresraum zwischen der Ostküsten Patagoniens und der Westküste von Tasmanien wird von keiner Landmasse unterbrochen, deshalb treffen die kalten, westlichen Depressionen ungehindert an der tasmanischen Westküste auf Land, die West- und Süd-Küste der Insel sind für ihre schwierigen Wind- und Seeverhältnisse bekannt. Dem gegenüber ist der östliche Bereich der Insel verhältnismäßig gut geschützt. Dieser zirkumarktische Meeresraum um Tasmanien ist auch als Bereich der "Roaring Fourties" bekannt (SCHWEINFURTH, 1962: 10). Diese Verhältnisse wirken sich auch auf die Niederschlagsverteilung aus. 
Im Sommer liegt das subtropische Hoch über S-Australien und die Westwinde, die auf Tasmanien treffen, werden periodisch unterbrochen. 
Durch die winterliche Nordverlagerung der Hochdruckzellen um 5 - 10° gelangt der Westen Tasmaniens völlig unter den Einfluß der Westwindzone. Diese bringt die zuverlässigen Winterniederschläge, was vor allem den Erhebungen zu verdanken ist, die mehr oder weniger senkrecht zur Windrichtung verlaufen. Diese Bevorzugung der W-Küste durch die Niederschläge spiegelt sich im Vegetationsbild, hauptsächlich in der Verteilung der Wälder wider. 

Niederschlag 

Wie schon erwähnt, erhält Tasmanien wie auch der südliche Abschnitt Australiens die Niederschlagsmaxima im Winter. Die Niederschläge fallen hier mit relativ großer Regelmäßigkeit und Zuverlässigkeit im Gegensatz zum restlichen australischen Festland. Am südlichen Ende Tasmaniens ist der Niederschlag gleichmäßig über das Jahr verteilt. 

Regen 

Zwei Drittel von Tasmanien erhalten einen jährlichen Niederschlag von über 750 mm (JEANS, 1986: 29), diese Werte werden hauptsächlich durch das Zusammenspiel von Luftströmung und Topografie bestimmt (ANONYMUS, 1993: 3). 
Besonders regenreich ist die W-Küste Tasmaniens, die, wie oben angesprochen, fast andauernd unter dem Einfluß der Westwinde steht und Niederschlagsmaxima bis 3000 mm aufweist. 
Abgesehen vom Regen, den die Westwinde auf die Insel bringen, erhalten die höheren Gebiete am westlichen Inselteil zusätzlichen Niederschlag durch Steigungsregen.  

Schnee 

Schneefall kann in den Hochländern über 900 m jederzeit vorkommen. Stärkerer Schneefall kommt vor allem im Juli und August vor (ANONYMUS, 1993: 5). Schnee unter 150 m Seehöhe fällt höchstens 1 mal in zwei Jahren und ist mit einem untypisch kräftigen Ausbruch kalter Luft aus dem Süden verbunden. Im Juli 1986 verursachte ein derartiger Kaltluftausbruch großräumig heftigen Schneefall im gesamten Staat. Damals fiel der Schnee bis auf Meeresniveau an der West- und Südküste, an der Nordküste nach Osten bis Ulverstone und an der Ostküste nach Noren bis Bicheno. 
Auch wenn der Schnee nur im Winter fällt, kann er über mehrere Monate in einer Höhe von 1000-1500m auf den Berg-Plateaus von Tasmanien liegen bleiben, wo Schneewehen manchmal an den S-Hängen über den Sommer erhalten bleiben.  

Überschwemmung/Hochwasser 

In Tasmanien kommt Hochwasser eher saisonal vor. Es tritt im Winter häufiger auf, wenn die Abflußgebiete angefüllt sind (ANONYMUS, 1993: 7). 
Das Flußsystem des South Esk River im Süden von Launceston ist von Zeit zu Zeit besonders stark überschwemmt. Einige Flußläufe dieses Systems fließen durch flaches Land, wodurch weite Gebiete vom Hochwassers betroffen sind. 
Der Derwent River besitzt (bei New Norfolk) ein 7750 km2 großes Abflußgebiet. Kleinere Überschwemmungen kommen dank eines Wasserkraftspeichers nicht so regelmäßig vor wie im South Esk. Die Speicher haben aber bei stärkerem Hochwasser wenig Effekt. 
Der Huon River südlich von Hobart besitzt ein Abflußgebiet von 2100 km2 und der Wasserspiegel des Flusses kann schnell steigen. 
Die Flüsse Forth und Mersey im Norden des Staates sind zwar durch Wasserkraftwerke stark reguliert, trotzdem können sie größere Überschwemmungen verursachen. 
Kurze, schnell fließende Flüsse im NE und E von Tasmanien steigen und sinken sehr schnell, können aber nur wenig Schaden anrichten. 

Wind 

Der Westwind ist ein klimabestimmendes Element. Darüber hinaus können sich die Verhältnisse auch stark ändern sobald sich der Wind dreht. Kommt er aus Süden, also aus der Antarktis, ist vor allem im Süden das ganze Jahr über mit Schnee zu rechnen. 
Wenn Luftströmungen aus dem NW, aus dem Inneren des australischen Festlandes auf die Insel treffen, tritt auffallende Trockenheit ein. 
Windgeschwindigkeiten von 63 km/h oder mehr kommen bevorzugt im westlichen Teil der Insel vor, wo starke Tiefdruckzellen nahe an der Südspitze Tasmaniens vorbeiziehen. Die Windgeschwindigkeit der stärksten Windstöße beträgt 150 km/h und wurde im Regional Office in Hobart am 28. September 1965 aufgezeichnet (ANONYMUS, 1993: 11). 

Gewitter/Hagel/Tornados 

In Tasmanien treten Gewitter im Schnitt an höchstens an 10 Tagen im Jahr auf (ANONYMUS, 1993: 13). Ihre Bildung wird durch eine Kombination aus gebirgigem Terrain und feuchten, warmen, labilen Luftmassen begünstigt. 
Hagel kann in Verbindung mit Gewittern, aber auch getrennt von solchen auftreten. Schwere Hagelschauer können zusammen mit den Auswirkungen eines Gewitters schwere Schäden an Gebäuden und Fahrzeugen, sowie in der Landwirtschaft verursachen. Glücklicherweise sind die von der Zerstörung betroffenen Gebiete relativ klein. 
Tornados können ebenfalls zusammen mit schweren Gewittern entstehen und verursachen nur ganz lokale Verwüstungen. 
Buschfeuer durch Blitzschlag treten selten auf, die Brände werden großteils von Menschen, absichtlich oder unabsichtlich, verursacht. Natürliche Vegetationstypen wie Grassland und dry sclerophyll forests sind an eine Regeneration nach Feuereinwirkung angepaßt, während Arten aus dem Regenwald durch Feuer vernichtet werden (vgl. Kapitel Vegetation). 

Temperatur: 

Im E und SE Tasmaniens können im Jänner und Februar Höchsttemperaturen von bis zu 40°C erreicht werden. Die höchste, in Tasmanien verzeichnete Temperatur beträgt 40,8°C und wurde in Bushy Park am 26. Dezember 1945 und im Hobart Regional Office am 4. Jänner 1976 gemessen (ANONYMUS, 1993: 19). 
Die tiefste Tempteratur beträgt -13°C und wurde in Shannon, Tarraleah und Buttlers Gorge am 30. Juni 1983 aufgezeichnete. 

Sonneneinstrahlung 

Nach Beadle (BEADLE, 1981: 12) wäre die Sonneneinstrahlung in Tasmanien annähernd gleich stark wie am Äquator, wenn man dauernd wolkenlose Verhältnisse annimmt. Die tatsächliche Einstrahlung wird allerdings durch das häufige Auftreten von Wolken reduziert. 

Eingestrahlte Sonnenenergie auf Tasmanien (nach ANONYMUS, 1993: 21) 
  
Jänner 600 mW/cm2/h
April 300 mW/cm2/h
Juli 200 mW/cm2/h
Oktober 500 mW/cm2/h
  

Klimageschichte (vgl. auch Kapitel Biogegographie)

Die Veränderungen des Klimas resultieren hauptsächlich aus der kontinuierlichen Wanderung Australiens nach Norden und der Trennung von der Antarktis, da diese Vorgänge die Einflüsse atmosphärischer Strömungen auf Australien veränderten und die ozeanischen Zirkulationen teilweise erst möglich machten. Allgemein war das Klima im Tertiär relativ stabil, während die Verhältnisse im Quartär schnell und stark schwankten. 

Tertiär (vor ca. 65-5,1 Mio Jahren): 
Am Anfang dieser Epoche (Paläozän) bestand noch eine Verbindung zwischen Australien und der Antarktis und der "Superkontinent" lag noch viel weiter südlich als heute (Siehe Unterkapitel "Geomorphologie", Kapitel Biogeographie). Ein Seeweg zwischen Australien und der Antarktis entwickelte sich erst vor ca. 55 Mio Jahren (Übergang vom Paläozän zum Eozän), wobei sich die Verbindung zwischen den Kontinentalschollen erst 20 Mio Jahre später endgültig löste. 
Dieses Ereignis trug zur Entstehung der zirkumpolaren ozeanischen Strömung bei, obwohl diese nicht in ihrer heutigen Form erkennbar war, bis sich die "Drake Passage" zwischen S-Amerika und der Antarktis öffnete. 
Pollenfunde aus dem Spät-Paläozän weisen am gesamten Kontinent auf hohen Niederschlag mit relativ hohen Temperaturen hin. Schon damals stammte jene Feuchtigkeit, die das Gedeihen von kühltemperierten Regenwäldern in SO-Australiens ermöglichte, von den Antizyklonen über dem warmen Meer. 
Die Zone der Westwinde lag zu dieser Zeit zwischen 60-80° südlicher Breite. Diese beeinflußten schon damals den südlichen Teil Australiens (mit Tasmanien). 
Vor 55 Mio Jahren (Eozän) kam es zu einer Temperaturabnahme in Verbindung mit geringerem Niederschlag und einer Zunahme der Intensität der nordwärts bewegten Westwind-Gürtel. 
Durch diese Abkühlung in den südlichen Breiten wird der Temperaturunterschied zur Äquatornähe immer größer, was wiederum zu einer Verstärkung der atmosphärischen Strömung führt. Das Westwind-System wandert weiter nach Norden und beeinflußt jenen Teil Australiens, der südlicher als 40-45° s. Br. liegt sehr stark. 
Vor ca. 25 Mio Jahren stiegen die Meeresoberflächen-Temperaturen kurzzeitig an und die Foraminiferen-Flora von Tasmanien läßt seichtes Schelfwasser an der S-Australischen Küste und subtropische Temperaturen (15-20°C) vermuten. Weiters gibt es Hinweise auf ausgedehnte Transgression des seichten Meeres auf der S-Küste Australiens (GALLOWAY & KEMP, 1981: 62). 
Eine weite Verbreitung von Nothofagus brassi-Pollen, der allgemein humide Verhältnisse anzeigt, deutet auf hohen Niederschlag hin. 
Diese kurze Erwärmung wird durch eine kühlere Periode mit geringerem Niederschlag abgelöst, als Folge einer raschen Entwicklung der antarktischen Eiskappe  
Gegen Ende des Tertiärs kam es nochmals zu einer ausgesprochenen Erwärmung des Meeres und damit zu einem höheren Niederschlag. Diese Erwärmung war aber nur eine Unterbrechung eines allgemeinen Trends in Richtung aride und kühle Bedingungen. 
Weitere Temperatur- und Niederschlagsschwankungen waren unbedeutend und gingen rasch vor sich.  

Quartär (vor ca. 2 Mio Jahren bis heute): 
In diesen letzten Mio Jahren sind auf Tasmanien Vergletscherungen (siehe Unterkapitel "Geomorphologie") mit relativ feuchten Zwischeneiszeiten nachgewiesen. 
In der ersten Hälfte diese Periode (ca. spätes Pleistozän) schwankt das Klima zwischen kühl-trocken und mediterran-feucht. Gegen Ende der Epoche wird es allgemein trockener. Im Gegensatz zu den Gletschern am Festland nehmen diese auf Tasmanien weiter an Größe zu. 
Das Ansteigen der Baumgrenze und rückziehende Gletscher auf Tasmanien sprechen für ein deutlich wärmeres Klima in der zweiten Hälfte der Epoche. Auch der Niederschlag nimmt wieder zu. 
In den letzten 2 Mio Jahren dürften die Bedingungen annähernd gleich wie heute gewesen sein. 
Nach Page & Clifford (PAGE & CLIFFORD, 1981: 437) eignen sich unter den Pflanzen vor allem Coniferen und Farne als Klimaindikatoren, da sie sich im Laufe der Evolution nur sehr langsam verändert haben. 
Besonders Coniferen blieben nach dem Zerbrechen der tektonischen Platten nahezu unverändert, obwohl Änderungen auf den getrennten Gebieten auftraten. Die Coniferen sind auch taxonomisch und geographisch besser bekannt als die Farne und ihr heutiges Verteilungsmuster stimmt weitgehend mit den Plattenbewegungen überein. 
 

GEOMORPHOLOGIE 

Tasmanien kann als ein Gebirgsland bezeichnet werden. Allerdings ist kein einziger Gipfel vergletschert. 
Nach Löffler & Grotz (1995: Karte 1) sind die Oberflächenformen auf Tasmanien allgemein auf einige wenige Typen beschränkt: 
An Teilen der W-Küste ist ein Hügelland ausgebildet. Es weist ausschließlich Erhebungen unter 100 m auf. 
An das Hügelland schließt nach Osten hin ein Mittelgebirge an. Es reicht teilweise bis an die N- und W-Küste von Tasmanien und zeichnet sich durch ein Relief über 300 m aus. In diesem Relieftyp liegen ehemals vergletscherte Gebirge. 
Nach Schweinfurth (SCHWEINFURTH, 1962: 9) wird dieser zentrale Teil der Insel von einem hochgelegenen Plateau beherrscht, über dem zahlreiche Doleritbastionen (z.B. Mt. Ossa: 1560m, Cradle Mt: 1500m, Mt. Rufus, Eldon Peak etc. ) aufragen. 
Im NW ist das Zentralgebirge, das vorwiegend aus kambrischen Gestein besteht, besonders schwer zugänglich und dicht bewachsen. 
Die östliche Hälfte von Tasmanien wird zum Großteil von Bergland mit einem Relief zwischen 100 - 300 m eingenommen, wobei jedoch der zentrale Gebirgszug nach SE mit einigen Doleritbergen (Dolerit = grobkörniges Gestein, in der Entstehung ähnlich Basalt, aber Ausformung nicht an der Oberfläche sondern knapp darunter, mündl. Mitteilung G. Kantvilas) an die Küste herantritt (Mt. Wellington, Hartz Mountains). Das Bergland reicht bis an die O- und N-Küste heran. 
An die Gebirge, in denen früher Gletscher ausgebildet waren, schließt sich nach Osten hin ein kleines Gebiet mit Rumpfflächen auf Sedimentgestein an. 
Der NE von Tasmanien unterscheidet sich durch seinen granitischen Untergrund von der übrigen Insel. 
Eine Übersicht über die Verteilung der wichtigsten Reliefformen der Insel ist in Abb. 3 dargestellt. 
  
 
Abb. 3: Geomorphologie von Tasmanien (nach LÖFFLER & GROTZ, 1995, vereinfacht, für größere Abbildung klicken) 
 

Entstehung der Oberflächenformen: 

Dabei spielen einerseits eine tektonische Aktivität der Kontinentalschollen und Vulkanismus und andererseits die Erosion (z.B. Gletscher!, Flüsse) eine wichtige Rolle. Durch die ersten beiden oben genannten Faktoren gelangte in der Vergangenheit neues Gesteinsmaterial an die Oberfläche. Die heute bestehenden Oberflächen sind durchwegs durch die später einsetzende und auch heute aktive Erosionen entstanden, die wiederum von den klimatischen Bedingungen abhängen. 
Australien war bis vor ca. 55 Mio Jahren mit der Antarktis verbunden, die Wasserfläche zwischen den beiden Kontinenten existiert erst seit ca. 38 Mio Jahren (KEMP, 1981: 33). 
Bei der Betrachtung der erdgeschichtlichen Entwicklung Tasmaniens muß man berücksichtigen, daß die Entstehung der Bass-Straße, welche die Insel vom australischen Festland trennt, bis ins Miozän (vor ca. 25 Mio Jahren) zurückgeht. d.h. für einen weitaus größeren Zeitraum war Tasmanien mit dem Festland verbunden. 
Vor 210 - 140 Mio Jahren (Jura, Kreide) war das Bass-Becken zwischen Tasmanien und Victoria tektonisch aktiv und das Absenken des Beckens dürfte durch einige Auffaltungen in Tasmanien ausgeglichen worden sein. 
Nach Ollier (in JEANS, 1986: 98) deuten Dolerite aus dem Jura darauf hin, daß damals schon ein Riß zwischen Australien und der Antarktis bestanden hat.  
Durch das Tertiär und Quartär kam es wiederholt zu einem Anheben und Absinken der Kontinentalschollen um Australien, in Verbindung mit beträchtlichen Meeresspiegel-Schwankungen. Das bewirkte ein häufiges Öffnen und Schließen der Bass-Straße. Diese Schwankungen erreichten einen Höhenunterschied von bis zu 200 m. 
Die letzte Öffnung der Bass-Straßen in der "Flandrian"-Transgression vor ca. 12000 - 13500 Jahren, welche den Rückzug der letzten Eisschilder begleitete, war die letzte von mindestens acht solcher Vorgänge. 
Das Tertiär wird von einigen Ereignissen geprägt, die für die Ausbildung der Oberflächenformen auf Tasmanien von Bedeutung sind (BEADLE, 1981: 10): 

tektonische Aktivität: 

In dieser Zeit fand eine generelle Anhebung des australischen Kontinentes statt. 
Nach NIX (NIX, 1981: 112) begann die Hebung des Großteils der Hochländer allerdings schon früher im Känozoikum, und setzte sich im Tertiär fort. Die morphotektonische Geschichte ist wahrscheinlich mit jener des SO-Festlandes von Australiens vergleichbar, wo sich durch Hebungen und Einebnung alter Oberflächen Plateaus bildeten, die in Folge stark zergliedert wurden. 
Vor allem vor 25 - 5 Mio Jahren (Pliozän - Miozän) kam es laufend zu Hebungen im Relief von S-Australien.
Vulkanismus:  Diese Aktivitäten treten über das gesamte Tertiär hin auf. Nach Galloway & Kemp (GALLOWAY & KEMP, 1981: 55) kommt Vulkanismus u.a. an der NW-Küste und vereinzelt in der östlichen Hälfte Tasmaniens vom frühen Oligozän bis zum Miozän, zwischen 38 und 25 Mio Jahren vor. 

Indirekt beeinflußte der Vulkanismus besonders die edaphischen Bedingungen und Vegetation durch die Ausstattung der ganzen Inseln mit günstigen Bodenwasser-Bedingungen und relativ hohem Nährstoffgehalt. 

Heute findet man auf Tasmanien keine aktiven Vulkane mehr. Es gibt jedoch Hinweise auf Vulkantätigkeit in der Vergangenheit, wie die weitverbreiteten Doleritvorkommen. 

 
Die Oberflächenentwicklung des australischen Schildes ist seit ca. 1,2 Mio Jahren abgeschlossen, nur in kleinen Gebieten im äußersten SW und auf Tasmanien kam es noch bis vor 650000 Jahren zu Gebirgsbildungen (NIX, 1981: 105). 

Eiszeitliche Vergletscherungen: 

Nach Löffler & Grotz (1995: 68) war die Ausdehnung der vergletscherten Areale auf Tasmanien wesentlich größer als am australischen Festland. Hier belief sich die Gesamtfläche der eiszeitlichen Gletscher auf maximal 5000 km2.  
Belegt durch detaillierte Untersuchungen von Oberflächenformen, glazialen und fluvioglazialen Ablagerungen, unterstützt durch 14C- Messungen, Pollenanalyse und Verwitterungsgrad der glazialen Ablagerungen weisen sie vier Vereisungsperioden auf, die von der jüngsten zur ältesten als Margaret-, Henty-, Govenor- und Linda-Vereisung bezeichnet werden. 
Die Eisbedeckung war in der jüngsten Vergletscherung am geringsten, in der Ältesten am ausgedehntesten. 
Nach Barlow (BARLOW, 1986: 14) gibt es im Dolerit am Zentral-Plateau Tasmaniens und in den schrofferen Western Ranges Hinweise auf vergletscherte Gebiete. 
Nach Wilson & Hannan (WILSON & HANNAN, 1995: 35 - 40) entwickelte sich in der letzten Eiszeit eine große Eiskappe am W-Rand des Central Plateaus und überlappte das Cradle Mountain - Lake Clair - Gebiet. Untersuchungen der Verwitterungsschichten und Bodenprofile der Moränen und des Talbodens ergaben, daß sich das Eis in dieser letzten Eiszeit nicht so weit ausbreitete wie in den vorangegangen Vergletscherungen. Der größte Abfluß, der Mersey-Gletscher, war nach N hin gerichtet und bedeckte ein Gebiet von ca. 282 km2. 
Genauer untersucht wurde das Lake Ayr Valley im W des tasmanischen Central Plateaus. Der Lake Ayr dominiert das Tal und entwässert mit dem Duglas Creek nach W über die Pelion Plains, und mündet in den Fourth River. Der Reedy Lake ist ein kleinerer See am Ost-Ende des Tals über die Entwässerungsscheide des Lake Ayr und entwässert nach E in das Mersay Valley über den Wurragara Creek. 
Wahrscheinlich änderte die letzte Vergletscherung in dieser Gegend die Landschaft nicht so radikal und Gletscher aus dieser Periode folgten wahrscheinlich schon existierenden Gletschertälern aus der vorhergehenden Eiszeit. 
Kennzeichen für eine Vergletscherung im Lake Ayr Valley sind Terminal-, Lateral- und Rückzugsmoränen, deren Höhe stark zwischen einigen Metern bis über 20 m variiert. Die unterschiedlichen Höhen der Lateralmoränen an der N- und S-Seite des Tales ergeben sich aus der abnehmenden Größe der Gletscherzunge bei ihrem Rückzug.  
Entlang der Moränen findet man Schmelzwasserkanäle. Der Abfluß des Lake Ayr wurde in der Rückzugsphase der letzten Vergletscherung gebildet Er dürfte in der Eiszeit mehr Wasser geführt haben und schnitt daher tief in das Quarzit-Grundgestein im W der Pelion Plains ein. 

Flußsysteme: 

Die wichtigsten unter ihnen sind Arthur, Pieman und Gordon, die nach W hin entwässern, Huon und Derwent fließen nach SE, während der Tamar nach N entwässert.  
Allgemein wird die mögliche Stärke eines Flusses vom Klima und der Topographie bestimmt, da diese Faktoren die Wasserführung und Bachbettneigung vorgeben. Die Ausbildung von Landschaftsformen durch ihre erodierende Wirkung hängt weiters von lokalen Gegebenheiten, wie der Zusammensetzung des Untergrundes ab, welche unterschiedlich erosionsbeständig sein kann und für die Entstehung von Sedimenten verantwortlich ist. Außerdem ändert sich auch die Umgebung der Flüsse zwischen ihrer Quelle und der Mündung, da in diesem Bereich die Korngröße der Sedimente kontinuierlich abnimmt 

Geologie 

Metamorphes Gestein aus dem Präkambrium findet man hauptsächlich im SW, aber auch im NW der Insel (eine gute Übersichtskarte über die Gesteinstypenverteilung in Tasmanien stammt von KANTVILAS, 1995: 434).  
Die Gebirge im Zentrum und im E Tasmaniens bestehen aus Dolerit. Dieser im allgemeinen selten ausgebildete Gesteinstyp stammt aus dem Jura und entsteht, wenn die Magma nicht an der Oberfläche erstarrt, sondern in tieferen Schichten Lücken im schon vorhandenen Gestein ausfüllt. 
Konglomerate aus dem Ordovicium findet man in Teilen des N und E von Tasmanien 

Böden 

Nach NIX (1981: 105) entstanden sie großteils direkt oder indirekt durch tiefgründige Verwitterung einer Kreide- und Tertiär-Landschaft. Am Ende des Miozäns war fast der gesamte Kontinent mit stark verwittertem Laterit (= roter Verwitterungsboden mit Eisenanreicherung und Aluminium) bedeckt. In den Östlichen Hochländern ist diese Decke stärker zergliedert oder nur in Resten erhalten. Auf Tasmanien gibt es lokale Vorkommen von eisenhältigen Lateriten. Diese sind entweder durch Eisenanreicherung oder Auswaschung anderer Elemente entstanden. 
Durch die starke Verwitterung der Böden ist der Nährstoffgehalt der Böden Australiens allgemein gering. Nur in den Östlichen Hochländern, einschließlich Tasmaniens ergaben sich durch Hebungen, Zergliederung und Vulkantätigkeit Böden aus basenreichem Gestein. Basisches Vulkangestein wurde als alluviale Sedimente abgelagert. 

Bodentypen: 
Auf Tasmanien findet man v. a. Bodentypen, die für humide Bedingungen charakteristisch sind. Diese Gruppen von Böden bestehen aus Podsolen, podsolierten und solodischen Böden, Terra Rossa, Krasnozemen, gelben Erden und den alpinen Humusböden in höheren Gebirgen. 
Die wichtigsten Typen mit großräumiger Verbreitung sind in Abb. 4 eingezeichnet. Jene Böden, die nur im Text erwähnt werden, beschränken sich auf kleinere Gebiete der Insel. 
Podsolierte Böden sind auf Tasmanien im NW und NE verbreitet. Sie zeichnen sich durch einen relativ geringen Anteil an organischem Material aus. Der A-Horizont ist ausgebleicht und im B-Horizont reichern sich Sesquioxide an (Al, Fe). 
Echte Podsole sind auf den besonders feuchten S und SW Tasmaniens beschränkt. 
Lokale Vorkommen von Terra rossa findet man an der O-Küste von Tasmanien. Es sind oberflächlich rote bis rotbraune Böden und entwickeln sich auf kalkhältigem Untergrund. 
Krasnozeme (=Latosole) treten im N der Insel auf. Sie zählen zu den produktivsten Böden und sind in ihrer Entstehung an vulkanisches Gestein gebunden. Es handelt sich um tiefe, rote Böden. Der Tongehalt nimmt im tieferen Schichten zu. 
Alpine Humusböden findet man in Tasmanien über 1000 m. Sie bestehen aus gut humifiziertem organischen Anteil, vermischt mit mineralischem Boden, wobei sich die einzelnen Horizonte vermischen. 
Saure Torfböden sind am Zentralplateau von Tasmanien ausgebildet. Sie werden von organischem Material dominiert und ihr Profil wird regelmäßig von gestautem Grundwasser beeinflußt. 

  

Abb. 4: Verbreitung der häufigen Bodentypen in Tasmanien (nach LÖFFLER & GROTZ, 1995, vereinfacht, für größeres Bild klicken)   



References 
 
ANONYMUS 1993: Climate of Tasmania. 30 pp. -  

BARLOW, B. A. (ed.) 1986: Flora and Fauna of Alpine Australasia. Ages and Origins.  

BEADLE, N. C. W. 1981. The Vegetation of Australia. Vegetationsmonographien der einzelnen Großräume 4: 1-690.-  

GALLOWAY, R. W. & KEMP, E. M. 1981: Late Cainozoic environments in Australia. Chapter 4. In: KEAST, A. (ed.): Ecological Biogeography of Australia. 51-80.- 

JEANS, D. N. 1986: Australia: a geography. Volume 1: The natural environment.  

KANTVILAS, G. 1995. Alpine lichens of Tasmania's South West wilderness. Lichenologist 27: 433-449.-  

KEMP, E. M. 1981: Tertiary palaeogeography and the evolution of Australian climate. Chapter 3. In: KEAST, A. (ed.): Ecological Biogeography of Australia. Junk. The Hague. 31-50.- 

LÖFFLER, E. & GROTZ, R. 1995: Australien.  432 pp.

NIX, H. A. 1981: The environment of Terra Australis. Chapter 6. In: KEAST, A. (ed.): Ecological Biogeography of Australia. 103-134.- 

PAGE, C. T. & CLIFFORD, H. T. 1981: Ecological Biogeography of Australian conifers and ferns. In: KEAST, A. (ed.): Ecological Biogeography of Australia. I. Monographiae Biologicae. 471-498.- 

SCHWEINFURTH, U. 1962. Studien zur Pflanzengeographie von Tasmanien. Bonner Geographische Abhandlungen 31: 61, 32 plates.-  

WALTER, H. & LIETH, H. 1967: Klimadiagramm-Weltatlas.  

WILSON, R. J. S. & HANNAN, D. G. 1995. From Ice to Ice-Free: Glaciation in the Lake Ayr Valley, Central Tasmania. Papers and Proceedings of the Royal Society of Tasmania 129: 35-42.-  
 

* cite this page as:  Emmerer, B. 1999 onwards: Das Klima und die Geomorphologie Tasmaniens. In: Magnes, M. & Mayrhofer, H. (eds.) 1999 onwards: Flora und Vegetation von Tasmanien. Eine Einführung in das Exkursionsgebiet des Instituts für Botanik der Universität Graz im November 1996.