Flora und Vegetation von Tasmanien: Geographie

Einleitung

Geographie

Menschliche Besiedelungsgeschichte

Das Klima 

Biogeographie unter besonderer Berücksichtigung der Gattung Nothofagus

Schlüssel für die Samenpflanzen-Familien Tasmaniens

Schlüssel für die Samenpflanzen-
Gattungen Tasmaniens

Schlüssel für die Farngattungen Tasmaniens

Die Vegetation 

kühltemperierte Regenwälder

Eucalyptuswälder

Vegetation der alpinen Stufe

Die Flechtenflora 

Forstwirtschaft 

Vegetationsbilder

Literatur

Links 



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Adresse: 
Karl-Franzens-Universität
Institut für Botanik, 
Holteigasse 6 
8010 Graz 
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Übersichtskarte Tasmaniens: punktierte Bereiche liegen über 500 m NN 

Einführung in die Geographie Tasmaniens

*von Martin Magnes

Übersicht: 
Einleitung, Geschichte
Bevölkerung, Regierung
Geomorphologie, Klima und Geologie
Wirtschaft
Landwirtschaft
Fischerei
Forstwirtschaft
Bodenschätze
Tourismus
References



"For Europeans it represents the literal end of the world: of you travel any further you are on the way home again" (COLLENETTE, 1990).

Einleitung, Geschichte 

Tasmanien ist eine, inklusive etwa 30 kleinerer Inseln, ca. 63.300 km2 (ca. ¾ von Österreich) große Insel im Süden des australischen Kontinents, die Form entspricht etwa einem auf der Spitze stehenden, gleichseitigen Dreieck, die längste Nord-Süderstreckung ist 296 km, die größte West-Osterstreckung beträgt 315 km (vgl. KEPARS, 1997: XIII, Abbildung). Im Vergleich umfaßt Tasmanien ca. 3/4 der Größe Österreichs. Die Insel liegt zwischen dem 39° und 44° südlicher Breite und 143° bis 149° östlicher Länge (JACKMAN, 1974: 10, WILLIAMS, 1974) und ist damit neben Teilen von Südamerika und Neuseeland eine der Haupt-Landmassen innerhalb der von den Seeleuten wegen der starken Westwinde so genannten "Roaring Forties". 

Die 240 km breite Bass-Strait, die an der seichtesten Stelle nur etwa 70 m tief ist, trennt die Insel vom australischen Kontinent. Bis zum Ende der Glazialzeiten existierten Landverbindungen zum Mainland, die neben Pflanzen- und Tierarten auch vom prähistorischen Menschen benutzt wurden (vgl. Beitrag menschliche Besiedelungsgeschichte).

Tasmanien wurde 1642 vom Holländischen Kapitän Abel Tasman entdeckt und von ihm "Van Diemen´s Land" benannt, danach geriet die Insel in der westlichen Welt wieder in Vergessenheit, bis zu Ende des 18. Jhdts. die Kolonisationsbestrebungen Frankreichs und Englands im Gebiet aufeinandertrafen. Um mögliche Ansprüche Frankreichs von vorne herein abzuwehren, wurde Tasmanien ab 1803 von England in Besitz genommen und von Hobart aus besiedelt. Auf die Insel gelangten 1000e Häftlinge, deren billige Arbeitskraft mit ein Grund für den nach 1820 erfolgenden, raschen wirtschaftlichen Aufschwung war.

Bevölkerung, Regierung 

Während am Mainland Australiens der Großteil der Bevölkerung in den großen Städten lebt, wohnen die 471.700 Tasmanier etwas stärker verstreut, ca. die Hälfte der Bevölkerung lebt in und in der Umgebung der Hauptstadt Hobart, der Rest im wärmeren Norden, im Bereich der Städte Burnie, Devonport und Launceston, zum Teil  aber auch in Dörfern. Im Gegensatz zum Mainland leben in Tasmanien heute keinen reinblütigen Aboriginees mehr, die etwa 5.000 Eingeborenen, welche zur Zeit der Besiedelung durch die Engländer zu Beginn des 19. Jhdts. auf der Insel lebten, starben an eingeschleppten Krankheiten und den Verfolgungen durch die Weißen (vgl. Kapitel Menschliche Besiedelungsgeschichte). Die letzte reinblütige Eingeborene starb 1876 in Hobart.

Seit 1901 ist Tasmanien ein Staat (der kleinste) des Commonwealth of Australia. Das tasmanische Parlament besteht aus zwei Kammern, dem "Lower House" (House of Assembly, 25 Sitze) und dem "Upper House" (Legislative Council, 15 Sitze). Die Partei, die im House of Assembly die Mehrheit besitzt, stellt die Regierung und den Premierminister, das Legislative Council fungiert als "House of Review" (vgl. Internetseite des Parliament of Tasmania, http://www.parliament.tas.gov.au/).

Geomorphologie, Klima und Geologie (vgl. auch Kapitel Klima)

Tasmaniens Küsten sind sehr vielfältig, wobei die Westküste mit nur zwei für natürliche Häfen geeigneten Plätzen, nämlich Macquarie Harbour und Port Davey, noch am gleichförmigsten ist. Berühmt ist der Mündungsbereich des Derwent River im Süden der Insel: Hier hat sich die Hauptstadt Hobart unter für einen Hafen äußerst günstigen natürlichen Bedingungen entwickelt. 

Obwohl der höchste Gipfel Tasmaniens nur 1617 m hoch ist (Mt. Ossa in den Cradle Mountains) und heute keine Vergletscherung existiert, kann die Insel als sehr gebirgig bezeichnet werden, im Zentrum der Insel und weniger im Süden und Westen gibt es auch Gebiete mit natürlicher alpiner Vegetation (vgl. Kapitel Vegetation, Alpine Vegetation). Obwohl Tasmanien nur etwa 0,9% der Gesamtfläche Australiens umfaßt, kommen hier 50% der Fläche mit "high mountains" vor (vgl. Kirkpatrick 1980: 1). Der größte Teil der Insel ist vom mächtigen Zentralmassiv, das mit seinen Ausläufern fast die ganze Insel von N nach S durchzieht, dominiert. Dieses Gebirge teilt Tasmanien in zwei grundsätzliche Klimatypen: den humiden bis extrem humiden Westen (Niederschlagsmengen bis 3600 mm) und den gemäßigten bis trockenen Osten (Niederschlagsmengen bis unter 500 mm). Diese relative Trockenheit der östlich des Gebirges liegenden Gebiete kommt dadurch zustande, daß Westwinde vorherrschen. Zwischen der Ostküste Patagoniens und der Westküste Tasmaniens liegen 15.000 km kalter Südatlantik bzw. Südindischer Ozean, die von keiner Festlandsmasse unterbrochen sind, sodaß die kaltfeuchten Luftmassen der "Roaring Forties" zum ersten Mal auf die Westabdachung der tasmanischen Zentralgebirge prallen und sich dort abregnen (vg. auch BEARD: 1990 7). Das Klimadiagramm Hobarts zeigt einen relativ ausgeglichenen Temperatur- und Niederschlagsverlauf, in keinem Monat fällt die Durchschnittstemperatur unter 0 °C, trotzdem kann in jedem Monat Schnee fallen, wenn subantarktische Windsysteme auf tasmanisches Wettergeschehen Einfluß gewinnen (vgl. auch Kapitel Klima).

Auch geologisch unterscheiden sich der Westen und der Osten der Insel: besteht der Westteil der Insel aus extrem nährstoffarmen präkambrischen Sedimenten, ist der Ostteil aus trophisch etwas günstigerem Jura-Dolerit aufgebaut (vgl. KANTVILAS, 1995: 434). Die extrem ungünstige Nährstoffversorgung der Böden überlagert besonders im Westen der Insel, auch in Zusammenhang mit den extremen Niederschlagswerten, oft die klimatische Baumgrenze: es können sich hier auch im Tiefland keine Wälder ausbilden, es kommt zur Ausbildung ausgedehnter Moorgebiete, die von der Cyperaceae Gymnoschoenus sphaerocephalus dominiert werden und als "Buttongrass-Moorland" bezeichnet werden (vgl. auch Kapitel Vegetation).

Aufgrund der hohen Niederschlagsmengen gibt es in Tasmanien im Gegensatz zum Mainland Australiens relativ viele Flüsse und im Zentrum und dem Südwesten der Insel einige große Seen. Die immer stärkere und zum Teil rücksichtslose Nutzung der Wasserkraft hat in Tasmanien in den Jahren ab 1960 zum Erstarken der Naturschutzbewegungen geführt (vgl. KEPARS, 1997: XVII).

Wirtschaft  

Landwirtschaft 

Schon seit den Zeiten der Besiedelung Tasmaniens durch die Briten hat die Landwirtschaft große Bedeutung. Die Zentren der landwirtschaftlichen Nutzung sind das Derwent valley, das Huon valley, das Cool River valley und der Norden der Insel (vgl. JACKMAN, 1974: 21). Noch im 19. Jhdt. war Tasmanien ein bedeutender Weizenexporteur, heute haben Gerste und Hafer größere Bedeutung, auch der Gemüseanbau spielt eine gewisse Rolle. Der Name "Apple Isle" weist auf die bedeutende Apfelproduktion, die z. T. nach Großbritannien, aber auch bis in den Ostasiatischen Raum (Japan) exportiert wird. Die weltweite Nachfrage nach fruchtigen Weißweinen hat auch in Tasmanien zur Gründung von neuen "wineries" geführt, die oft unter Anwendung neuester Technik hervorragende Weine keltern, die gute Frucht mit vollem Körper vereinigen, als Rebsorten sind hier Chardonnay, aber auch Riesling (Rheinriesling), Müller Thurgau und Traminer hervorzuheben (http://www.tasmanian-wine.com.au/wine-lovers-guide.htm). Auch Hopfen gedeiht in gewissen Bereichen Tasmaniens gut und ist für die Biererzeugung sehr gefragt. 

In der Tierzucht spielt die Rinderhaltung eher eine Rolle in der Eigenversorgung der Insel mit Milch und Fleisch, eine größere Rolle, auch beim Export spielte von jeher die Schafzucht. Im Vordergrund steht dabei die Wollproduktion, es wird aber auch das Schaffleisch genutzt. 

Fischerei 

Ein bedeutender Wirtschaftszweig Tasmaniens ist die Fischerei und die Zucht von Austern, es werden auch bedeutende Mengen an Meereskrebse gefangen. 
 

Forstwirtschaft (vgl Kapitel Forstwirtschaft

Tasmanien ist heute noch zu ca. 50 % bewaldet, die Forstwirtschaft und auch die holzverarbeitende Industrie haben einen dementsprechend hohen Stellenwert. Die in den letzten Jahrzehten sehr stark gewachsene "woodchip-export-industry", welche hauptsächlich nach Japan exportiert, ist zuletzt immer stärker ins Visier von Umweltschutz- und Naturschutzgruppen gekommen (vgl. Kapitel Forstwirtschaft). 
 

Bodenschätze 

(vgl. Mineral Resources Tasmania: http://www.mrt.tas.gov.au/opportunities/opportunities.htm) und Industrie 
Tasmanien ist sehr reich an Bodenschätzen, vor allem Antimon, Arsen, Wismuth, Cadmium, Chrom, Kobalt, Kupfer, Gold, Eisen, Blei, Mangan, Molybdän, Nickel, Osmium, Scheelit (CaWo4), Silber, Schwefel, Zinn, Titan, Uran, Zink, Zirkonium und Kaolin kommen in abbauwürdigen Mengen vor. 

1996/1997 wurden aus dem Abbau in Tasmanien 1.243 Millionen Australische $, daneben aus dem Verkauf von reingeschmolzenem Zink, Aluminium und Eisenlegierungen sowie Zement 706 Millionen Australische $ erlöst. Eine in Tasmanien ansässige Firma ist der größte australische Zink-Produzent und zählt zu den sechs größten der Welt (vgl. Kepars: 1994: XVII). Letztere Produktionszweige profitieren weniger von reichen tasmanischen Vorkommen, als von der relativ billigen elektrischen Energie, die aus großen Wasserkraftwerken gewonnen wird. Der starke Ausbau der Nutzung der Wasserkraft hat schon Ende der 1960er- Jahre in Tasmanien zur Etablierung von Grünbewegungen geführt, eine Grünpartei ist auch heute als kleine Oppositionspartei im House of Assembly vertreten. 

Der Schwerpunkt der tasmanischen Industrie liegt in der Nahrungsmittelverarbeitung und der Papiererzeugung. 

Tourismus 

Tasmaniens Tourismus profitiert in letzter Zeit immer stärker von seiner großteils intakten Naturlandschaft, fast 20% der Fläche liegen in Nationalparks oder anderen Schutzzonen (vgl. auch Tasmanian parks and wildlife service: http://www.parks.tas.gov.au/tpws.html). Vorbildhaft sind die Anlagen, die es dem interessierten Touristen ermöglichen, die in den verschiedenen Landesteilen lokalisierten Parks zu besuchen. Häufig sind auch landschaftlich besonders eindrucksvolle Gebiete mit befestigten Steigen und Informationstafeln versehen, die den Besucherstrom vorsichtig lenken. Auch die Forestry Commission beteiligt sich aktiv an der Naturschutzaufklärung in den Waldgebieten durch Herausgabe von Informationsmaterial. 


References

BEARD, J. S. 1990. Temperate forest of the southern hemisphere. Vegetatio 89: 7-10.- 

COLLENETTE, P. 1990: Tasmania. The History. 79 pp.- 

JACKMAN, S. W. 1974: Tasmania. 200 pp.- 

KANTVILAS, G. 1995. Alpine lichens of Tasmania's South West wilderness. Lichenologist 27: 433-449.- 

KEPARS, I. 1997. Tasmania. World Bibliographic series 194: 1-164.- 

KIRKPATRICK, J. B. 1980. Tasmanian high mountain vegetation. I. A reconnaissance survey of the Eastern Arthur Range and Mount Picton. Papers and Proceedings of the Royal Botanical Society of Tasmania 114: 1-20.- 

WILLIAMS, W. D. 1974: Introduction. Chapter 1. In: WILLIAMS, W. D. (ed.): Biogeography and ecology in Tasmania. Monographiae Biologicae. 3-14.- 
 

last update: 15.06.1999 * cite this page as:  Magnes, M. 1999 onwards: Einführung in die Geographie Tasmaniens. In: Magnes, M. & Mayrhofer, H. (eds.) 1999 onwards: Flora und Vegetation von Tasmanien. Eine Einführung in das Exkursionsgebiet des Instituts für Botanik der Universität Graz im November 1996.