Landkarte
Kandy 3 Siehe auch Kotagiri, Fikkal, Janakpur Ella

Nuwara Eliya නුවරඑළිය/நுவரெலியா (Sri Lanka)

British heritage bungalow in Nuwara Eliya (Nurelia, Nuvarelia), Hill Country, Sri Lanka

Ein als Hotel genutzter britischer Bau

British heritage bungalow in Nuwara Eliya (Nurelia, Nuvarelia), Hill Country, Sri Lanka

Noch eine koloniale Hinterlassenschaft

Golfing ground in Nuwara Eliya (Nurelia, Nuvarelia), Hill Country, Sri Lanka

Golfplatz

General Post Office in Nuwara Eliya (Nurelia, Nuvarelia), Hill Country, Sri Lanka

Die unvergeßliche Hauptpost von Nuwara Eliya

Liebe Birgit,

man möchte an Schwarze Magie glauben: Nun bin ich bereits zum drit­ten Mal in einem Gebirgs­ort mit Tee­anbau, und zum drit­ten Mal kämpfe ich mit Nebel und Regen. Die Erklä­rung ist aber ganz muggelig: Tee braucht leider genau so ein feuchtes Klima für gute Hochland­qualitäten. Somit ist Nuwara Eliya (oder, wie es auf Tamil heißt, Nuwareliya) eben ein weiteres Nebel­loch, aber diesmal ein ganz besonders britisches.

Ceylon, wie es damals noch genannt wurde, war zwar nicht Teil von Britisch-Indien, aber es bildete eine Kron­kolonie unter direkter Ver­waltung durch Eng­land. Daher lebten auch hier viele Briten, die den heißen Sommer­tagen im Tief­land ent­fliehen wollten; und deshalb ent­wickelten sich auch hier die typischen hill stations. Nuwara Eliya ist die bedeu­tendste davon, und auch heute noch hat die Stadt auf 1800 m etwas ausge­sprochen Vor­nehmes und Briti­sches an sich (auch wenn das Wetter eher an Schott­land erinnert). Du wirst es kaum glauben, aber hier gibt es sogar Müll­trenung mit drei verschieden­fäbigen Mülltonnen!

Viele der alten kolo­nialen Bunga­lows sind heute als Hotels im Einsatz, und auch Neub­auten werden im alten Stil er­richtet. Authen­tisch briti­sche Hinter­lassen­schaften um­fassen unter anderem den Golf­platz, der zu den schönsten des Landes zählt (wie man einen weißen Ball in diesem Nebel finden soll, muß mir aber noch jemand erklären), die Pferde­rennbahn und einige Parks — und natürlich das Post­amt, das wie eine Kreuzung aus Kirche und Rat­haus wirkt. Das wichtigste britische Erbe sind aber die ausge­dehnten Tee­plantagen, und damit hängt auch das größte Problem dieser Region zusammen: Die oft etwas abfällig als „Tee-Tamilen“ bezeichneten Nach­kommen der von den Briten hierher­importierten Südinder (von denen gar nicht alle wirklich Tamilen waren).

Tee hat in Sri Lanka gar keine lange Tradi­tion: Die ersten Pflan­zungen mit Tee­stauden aus Assam ent­standen erst Mitte des 19. Jahr­hunderts, und zwar als Ver­legenheits­lösung, nachdem eine Pilz­krankheit die zuvor ange­legten Kaffee­plantagen dezi­miert hatte. Zu diesem Zeit­punkt gab es in Süd­indien bereits große Tee­anbau­gebiete unter britischer Ägide, während in Sri Lanka niemand eine Ahnung vom Tee hatte. Daher lag es nahe, Inder und besonders Tamilen als Arbeiter einzusetzen, zumal es auf der Insel ja auch eine starke tamilische Minderheit gab, mit der die britischen Administration gut zusammen­arbeitete.

Bambarakele Tea Estate near Nuwara Eliya (Nurelia, Nuvarelia), Hill Country, Sri Lanka

Tempel im Bambarakele Tea Estate …

Indian Tamil houses Bambarakele Tea Estate near Nuwara Eliya (Nurelia, Nuvarelia), Hill Country, Sri Lanka

… und hier wohnen die Arbeiter

Old tea bush (Camellia sinensis) in Nuwara Eliya (Nurelia, Nuvarelia), Hill Country, Sri Lanka

Alter, stark verholzter Teestrauch

Diese Leu­te wurden dann hier im Hoch­land ange­siedelt und lebten unter an Sklaverei erin­nernden Bedin­gungen Genera­tion um Genera­tion in den Plan­tagen — selbst ihre Be­hausungen standen auf Werks­gebiet. Diese Bevölkerungs­gruppe war zum Zeit­punkt der Unab­hängigkeit (1948) auf eine knappe Million ange­wachsen und fiel wegen ihrer Armut und geringen politischen Organisa­tion rasch den diversen anti-tamilischen Gesetzen zum Opfer: Den meisten wurde die Staats­bürgerschaft verweigert, und teil­weise lebten sie vier Jahr­zehnte lang als Staaten­lose, die jederzeit nach Indien deportiert werden konnten (was mit Hundert­tausenden auch wirklich geschah). Erst auf viel indischen Druck wurde der verbliebene Rest schließlich eingebürgert.

Wie das in der heutigen Praxis aussieht, habe ich mir im ein paar Kilo­meter außer­halb des Ortes ge­legenen Bamba­rakele Tea Estate flüchtig ange­sehen: Erbärm­liche Behau­sungen aus Well­blech mit externen Toiletten entlang der Straßen, die ganz dicht und platz­sparend innerhalb der Tee­plantage eine Art Sub­standard-Dorf bilden. Immerhin gibt es einen über­raschend großen Hindu-Tempel, und in den winzigen Vor­gärten versuchen die Leute ein paar Blumen zu ziehen, um der Baracken­siedlung ein freundliches Make-up zu verpassen. Daran, und an die harte Pflück­arbeit der jungen Frauen und Mädchen mit einem schwerem Korb am Rücken und giftigen Pestizid­rückständen an den Fingern, werde ich bei meiner nächsten Tasse Ceylon Orange Pekoe wohl denken müssen.

Roof decotation of Tamil Sita Amman Hindu temple, Sita-Eliya, near Nuwara Eliya (Nurelia, Nuvarelia), Hill Country, Sri Lanka

Das Dach des Sita-Amman-Tempels: Ganz links stehen Lakshman, Rama und Sita, davor kniet Hanuman

Hakgala Garden near Nuwara Eliya (Nurelia, Nuvarelia), Hill Country, Sri Lanka

Ein verbotener Blick in den Hakgala-Garten

Rama idol and Brahmin in Tamil Sita Amman Hindu temple, Sita-Eliya, near Nuwara Eliya (Nurelia, Nuvarelia), Hill Country, Sri Lanka

Brahmane vor dem Rama-Kultbild im Sita-Amman-Tempel

Erfreuliche­re Aspekte der tamili­schen Kultur kann man sich in der Ort­schaft Sita-Eliya auf der Strecke nach Welimada an­sehen: Dort steht der kleine aber feine Sri Sita Amman Ālayam, ein besonders bunter Hindu-Tempel, der dem gott­gleichen Heros Rama, seiner Frau Sita und seinem starken Freund Hanuman gewidmet ist. Er liegt an einem Hang und wird atypischer­weise von oben erreicht, was unver­gleichliche Aus­blicke auf das mit knallig bunten Figuren ge­schmückte Dach und den den Tempel­turm (Viman) ermöglicht. Im Inneren herrschte reger Puja-Betrieb, und außer­halb treibt eine muntere Affen­herde ihr Unwesen, ganz passend für einen Tempel des Affen­gottes Hanuman.

Der Platz die­ses Tempels ist nicht zu­fäl­lig ge­wählt: Auf einem Hügel in der Umgebung soll die Burg des Dämonen­königs Ravana gestanden sein, auf der Sita gefangen­gehalten wurde, und hier kämpften Rama, sein Bruder Lakshmana und Hanuman gegen das Dämonen­heer, um sie wieder zu befreien. Die Geschichte der Ent­führung und Be­freiung Sitas und der damit ver­bundenen Schlachten ist das Thema des Ramayana, des zweit­längsten der großen indischen Epen. Eine berühmte Episoden aus diesem Kampf betrifft Hanuman: Er setzt seinen Schweif in Brand und zieht damit eine Spur der Verwüstung durch Ravanas Land; die Brand­spuren sollen in der Land­schaft hier bis heute sichtbar sein. Dieser Vorfall ist im Tempel auch bild­lich dar­gestellt, und im felsigen Bett des vorbei­fließenden Baches hat Hanuman seine über­dimensionalen Fuß­stapfen in Form badewannen­großer Löcher hinter­lassen.

In einer an­deren Epi­sode wird Hanuman von Rama be­auftragt, Heil­kräuter für den ver­wundeten Lakshmana aus dem Himalaya zu holen. Leider vergißt er auf dem langen Weg, welche Pflanzen jetzt genau gebraucht würden, und deshalb bringt er statt­dessen einen ganzen Berg mit, so daß Rama sich sein Grün­zeug selbst pflücken kann. Dieser fallen­gelassene Berg liegt nur ein paar Kilo­meter weiter und be­herbergt den Hakgala-Garten für (natür­lich!) ayur­vedische Heil­kräuter. Angesichts des exorbi­tanten Eintritts­preises habe ich auf eine Besichti­gung ver­zichtet; von außen wirkt er ziemlich kitschig und wenig wissenschaftlich.

Thyme (Thymus vulgaris) and Marjoram (Majorana hortensis) in Nuwara Eliya (Nurelia, Nuvarelia), Hill Country, Sri Lanka

Ganz wie daheim: Thymian und Majoran

Sri Lankan Food: Chickpea and Broccoli curry

Kichererbsen und Broccoli

Pears on a market in Nuwara Eliya (Nurelia, Nuvarelia), Hill Country, Sri Lanka

Die angeblichen „Birnen“

Damit ist Nu­wara Eliya auch schon ziem­lich voll­ständig beschrie­ben; ich sollte aber noch darauf hin­weisen, daß es hier sehr kühl ist und daß daher viele euro­päische Gemüse gut gedeihen: Kohl, Karot­ten, Knob­lauch und Porree domi­nieren die terras­sierten Felder, und am Markt be­kommt man sogar etwas, was wie eine Quitte aussieht und als „Birne“ bezeichnet wird; der Geschmack ist tat­sächlich birnen­artig, aber das harte, etwas holzige Fleisch hat auch eine un­ange­nehm ad­strin­gierende Note. Zu meiner großen Über­raschung fand ich einen Gärtner, der Thymian und Majoran kulti­viert, und ein Blumen­garten in einem Privat­haus protzte sogar mit einem knorrigen Rosmarin­strauch voller blaß­blauer Blüten.

Auch in den Restau­rants hinter­läßt dieses ver­änderte Gemüse­angebot seine Spuren: So aß ich einmal einen eigen­willigen Curry aus Kicher­erbsen und Broccoli, der dank seiner sehr zarten Würzung den Ge­schmack des Broccoli richtig in den Vorder­grund schieben konnte. Sonst war die Ver­pflegung aber eher eine matte Sache, nicht zu vergleichen mit dem bil­ligeren und viel bes­seren An­gebot in Kandy, und ich spare mir die frustrie­renden Details.



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