Achtung, Baustelle!
Hitliste
„Was ist das schönste, was Du auf Deiner Reise gesehen hast?“ ist eine immer wieder gehörte Frage, und natürlich hat sie keine Antwort. Auf dieser Seite will ich aber trotzdem, nach Kategorien geordnet, einige meiner Lieblingsorte aufzählen; das kann man natürlich auch als eine sehr persönlich gefärbte Liste von Reiseempfehlungen werten.
Großstädte
Vor dem beleuchteten Palast von Mysore
Schrein (Asok Binayak) in Kathmandu
In Indien sind größere Städte meist schwer zu ertragen: Zu laut, zu schmutzig und rundherum demotivierend. Richtig angenehm finde ich jedoch Amdavad und Mysore, und natürlich meine Traumstadt schlechthin, Kathmandu, wo ich mehrere Male war.
Städte
Mausoleum in Junagadh
Viele Städte mittlerer Größe (also wenige Lakh) haben eine ausgeprägte und individuelle Atmosphäre, die sich gewöhnlich aus der Lokalgeschichte ergibt. Zu meinen Lieblingsorten gehören Junagadh, Tiruchirappalli, Bhopal und sogar das touristisch sonst eher wenig beliebte Jammu.
Unter den srilankanischen Städten sticht Galle wegen seinder historischen Atmosphäre ganz besonders hervor. Die Bergstadt Kandy hat eine hohe Dichte an religiösen und landschaftlichen Sehenswürdigkeiten und ein erbaulich freundliches Ambiente zu bieten.
Umgekehrt gibt es auch Städte, die einfach nur mächtig auf den Geist gehen; allen voran Jaipur, das leider auch sehr viele schöne Sehenswürdigkeiten anbietet und deshalb fast zwangsweise besucht werden muß; aber die betrügerischen und dabei ziemlich schleimigen Einheimischen vermiesen den Aufenthalt. Dasselbe gilt leider auch für das nicht weniger sehenswerte Srinagar, das ich wegen seiner traumhaften Lage und seiner hochinteressanten Sehenswürdigkeiten immer wieder besuche, obwohl jeder in der Tourismus-Industrie Tätige nichts unversucht läßt, um mich rasch wieder wegzuekeln.
Dörfer
Ruinen und Tempel in Hampi
In Indien ist es durchaus möglich, daß winzige Dörfer mit ein- oder zweitausend Einwohnern mit hochkarätigen Sehenswürdigkeiten locken — oft wechseln das Kriegsglück oder die politische Wetterlage und entvölkern ehemalige Hauptstädte. Das klassische Beispiel dafür ist Hampi in Südindien: Das Dorf mit knapp 1000 Einwohnern (und 10000 Betten) steht am Platz einer im 16. Jahrhundert zerstörten Millionenstadt. Auch Mandu und Orcha waren einmal Hauptstädte von kleinen aber reichen Fürstentümern und sind heute auf ähnlich winzige Größe geschrumpft.
Oft findet man auch signifikante Tempel (oder Tempelruinen) innerhalb sehr kleiner Orte. Der prachtvolle Sonnentempel von Konark, der „Maistempel“ von Somnathpur oder der einzigartige Doppeltempel von Halebid sind solche Exemplare, und der unfaßbar schöne Jain-Tempel von Ranakpur muß sogar ganz ohne ein assoziiertes Dorf auskommen.
Ein Dorf ganz ohne Sehenswürdigkeiten, aber mit einer lieblich–freundlichen Atmosphäre und einem wohlriechenden Highlight ist Gopalpur, das zwar von einer Handvoll badefreudiger Inlandstouristen, aber so gut wie nie von Ausländern besucht wird.
Historische Sehenswürdigkeiten
Bronzezeitliches Warenhaus in Lothal
Wirklich Altes ist in Indien nur selten zu sehen; kaum eine Struktur ist 2000 Jahre alt, da die wechselhafte und meist kriegerische Geschichte des Subkontinents (und die pragmatische Natur seiner Bewohner) dem Alter von Gebäuden eine natürliche Grenze setzt. Ausgenommen sind natürlich die Ausgrabun­gen der Industalzeit (Lothal), und vereinzelt haben alte buddhistische Stupas die Jahrtausende überlebt oder sind restauriert (Kushinagar, Sarnath und Lumbini in Nepal).
Die oft gehörte Behauptung, dieser oder jener Tempel sei 5000 Jahre alt, darf nicht ernstgenommen werden; vor 5000 Jahren gab es in Indien keine hinduistische Religion, kein Sanskrit, keine Arier und daher auch ganz bestimmt keine Vishnu- oder Shivatempel. Daß irgendwelche Strukturen aus dieser Zeit überlebt haben oder gar kontinuierlich als Kultstätten wechselnder Religionen genutzt wurden, ist äußerst unwahrscheinlich.
In der Realität kann man nordindischen Tempeln ein Alter von einigen Jahrhunderten bis zu etwa einem Jahrtausend zuschreiben; die Tempelgruppe von Khajurāho erreicht ziemlich genau dieses Limit. Im Süden reicht der Horizont weiter zurück, bis maximal 1500 Jahre. Natürlich ist es immer möglich, daß ein Tempel am Ort einer älteren Kultstätte errichtet wurde, aber in diesem Fall verbleibt vom Vorgängertempel im allgemeinen exakt nichts. Manchmal wird behauptet, daß ein Kultbild wesentlich älter sei als der darumgebaute Tempel (besonders von Lingams hört man das häufig); das ist natürlich denkbar, aber der puranische Hinduismus mit dem Kult der heutigen Hindu-Gottheiten ist keine zweitausend Jahre alt, und vedische Tempel hatten meines Wissens keine Kultbilder.
Statue in Somanathapura
In Südindien gibt es eine Anzahl mehr als tausendjähriger Tempel, die heute noch in Betrieb sind (siehe unten); außerdem stehen in Mamallapuram grandiose Höhlen- und Felsentempel, und die ebenfalls „toten“ Hoysala-Tempel in Somnathpur und Halebid gehören zum Schönsten, was ich in Indien gesehen habe. Masse und Klasse findet man in der Ruinen- und Tempelstadt Vijayanagara, deren Platz heute vom Dorf Hampi eingenommen wird.
Die 'vielen Paläste in Rajasthan sind selten älter als 300 Jahre und in den meisten Fällen wiederholt umgebaut. Mogulische Paläste reichen bis ins 16. Jahrhundert, im Fall von Grabmälern und Moscheen eventuell noch weiter, zurück. Die älteste Palastanalage, von der man heute noch etwas sehen kann, habe ich in Hampi gefunden.
In Nepal gibt es abgesehen von den archäologischen Resten in Lumbini keine „historischen“ Stätten; alles ist dort lebende Kultur, auch wenn es tausend Jahre alt ist. Das ist ein Grund, weshalb das Kathmandu-Tal der für mich schönste Ort Südasiens ist.
Durch ungeschickte Reiseplanung habe ich die meisten der historischen Stätten in Sri Lanka leider nicht besuchen können; aber zumindest in der Umgebung von Kandy und vor allem im völlig unterbewerteten Monaragala konnte ich ein paar eindrucksvolle Zeugen der sinhalesischen Geschichte vor die Kamera bekommen.
Palastruine in Mandu
Hauptplatz in Kathmandu
Paläste
Rajasthan kann unzählige Erbstücke aus der Rajputen-Zeit vorweisen; während Grabbauten oft gut erhalten sind, machen viele Paläste einen jämmerlich heruntergekommen Eindruck. Die wichtigste Ausnahme dazu ist Jodhpur, aber auch in Jaipur, Udaipur und Bundi bekommt man noch einen guten Eindruck des vergangenen Glanzes. Wunderschöne muslimische Palastanlagen im Ruinenzustand kann man in Mandu bewundern, und einen unglaublich romantischen Wasserpalast findet man ganz am Ende Indiens nahe Agartala. Natürlich sind auch die mogulischen Bauten in Delhi und Agra zu erwähnen.
Nepalische Paläste sind meist nur von außen zugänglich; aber selbst das lohnt eine weite Anreise. Die Tempel- und Palastkomplexe im Zentrum von von Kathmandu, Patan und Bhaktapur muß man gesehen haben!
Auch Südindien hat seine Paläste; der Star ist natürlich der relativ moderne Palast von Mysore, aber auch der muslimische Chowmahalla in Hyderabad zeugt von Prunk und Protz vergangener Zeiten; beide sind heute noch in bewohnfähigem Zustand.
Forts
Fort von Chittaur
Fort von Kumbalgarh
Vor allem im Nordwesten mit seiner unruhigen politischen Lage sind viele Städte rund um einen befestigten Hügel errichtet. Die Befestigungsanlagen umfassen standardmäßig massive Mauern, Wehrtürme und schwere Tore; im Inneren steht zumindest ein Palast. Häufig ist der ummauerte Bezirk jedoch groß genug, daß eine kleine Stadt hineinpaßt. Manche dieser Forts stehen heute weitgehend leer; andere bilden immer noch den Stadtkern.
Das schönste derartige Fort ist das von Chittaur; aber auch Delhi, Jaisalmer, Golkonda und Agra können punkten. Ein gut erhaltenes Fort außerhalb der Stadt findet man in Amber nahe Jaipur. Der herausragende Gewinner unter allen indischen Forts ist jedoch Kumbhalgarh, eine riesige Anlage in einem fast menschenleeren, unwirtlichen Gebirge weitab von größeren Ansiedlungen.
Sakralbauten
Was wäre Indien ohne seine Tempel, Mausoleen und Moscheen? Hier findet jeder, was er schätzt: Architektur, Bildhauerkunst oder Erleuchtung.
Moscheen
Marmor-Mausoleum in Mandu
Wirklich schöne Moscheen findet man in Srinagar (wo ich zweimal war) und, auf den ersten Blick überraschend, in Ahmadabad. Dagegen finde ich die berühmte Rote Moschee von Delhi eher zu groß und zu klotzig. Nicht mehr genutzte, historische Moscheen mit schöner Architektur gibt es in Mandu und Ajmer in Rajasthan.
Muslimische Herrscher ließen sich oft in schönen Mausoleen bestatten, auch wenn die meisten davon heute leerstehen. Die bizarrsten Mausoleen Indiens zerkrümeln relativ unbeachtet von der Öffentlichkeit in Junagadh, die romantischsten findet man in der menschenleeren Umgebung von Mandu und die südlichsten in Srirangapatnam.
Wirklich pralles muslimisches Leben kann man nur in Kashmir erwarten; aber viele indische Städte haben muslimische Viertel, in denen sich zumindest ein Schatten islamischer Lebensart findet (allen voran Hyderabad und Bhopal), aber natürlich auch Delhi, Agra und viele weitere).
Buddhistische Tempel und Klöster
Antike Buddha-Statue in Kushinagar
Im indischen Hauptland gibt es eigentlich nur historische buddhistische Sehenswürdigkeiten, allen voran die Vier Stationen im Leben des Buddha (Lumbini knapp jenseits der Grenze zu Nepal, Bodhgaya, Sarnath, Kushinagar); außerdem noch das Ruinenfeld von Sanchi und einige weitere, unbekanntere Stätten in Bihar, die auf meiner Wunschliste stehen.
Lebendigen Buddhismus findet man im indischen Himalaya, vor allem im traumhaft schönen Ladakh, das ich bereits zweimal vergeblich erreichen wollte; außerdem lohnt natürlich noch das friedlich–freundliche Dharamsala einen (auch zweimaligen) Besuch.
Tibetischer Stupa in Bouddhanath
Interesanter in dieser Beziehung ist aber Nepal, da der Buddhismus hier viel lebendiger geblieben ist. Am berühmtesten sind die beiden großen tibetischen Kultstätten in Boudhnath und Swayambhunath, aber eigentlich findet man überall im Kathmandu-
Die großen buddhistischen Heligtümer von Sri Lanka mußten leider kurzfristig ausfallen (das kommt davon, wenn man den Höhepunkt ans Ende legen will); besonders tut es mir um Anuradhapura und Polonnaruwa leid. Dafür war ich mehrere Male in Kandy mit seinem Zahntempel und vielen kleineren Sehenswürdigkeiten in der Umgebung; nicht verpassen sollte man die unfaßbare Perahera.
Wer die Sikhs sehen will, der muß natürlich nach Amritsar; kleinere Gurudwaras findet man zwar überall im Nordwesten (
Sonnentempel von Konark
Nordindische Tempelarchitektur ist zwar schön, aber wegen ihrer Homogenität auch recht langweilig. Tempel mit einzigartiger Architektur wird man nicht oft finden (Konark iste eine rühmliche Ausnahme), und so beeindrucken die vielen „Tempelstädte“ wie Bhubaneshwar, Jammu, Mandi, Cittauṛ und auch Varanasi eher mit Masse als mit Klasse. Auch die Tempel von Khajurāho beziehen ihre Attraktivität aus der einzigartigen Bildhauerkunst und nicht aus ihrem Bauplan.
Südindische Tempel haben dagegen oft eine ausgeprägte architektonische Individualität. Die schönsten Exemplare findet man in Tamil Nadu, und ich halte das völlig untouristische Kanchipuram für die schönste Tempelstadt Indiens, mit mehreren Tempeln unterschiedlicher Stile. Herausragend schöne Einzelstücke findet man unter anderem in Belur, Madurai und Trichy.
Hinduistische Pilgerorte Nordindiens verdanken ihre Heiligkeit im allgemeinen einem besonderen, legendären Ereignis, das sich dort abgespielt hat; die Tempel sind dann eher der Ausdruck einer bestehenden Heiligkeit, und nicht deren Ursache. Diese Orte zeigen oft eine bizarre Mischung aus Religiösität und Geschäftemacherei, und dadurch wirken sie zugleich faszinierend und abstoßend. Kurzum: Das muß man gesehen und erlebt haben. Die wohl unbestritten heiligste Stadt Indiens ist Varanasi, mit allen Vor- und Nachteilen. Ein anderer bei Ausländern beliebte Ort zum “Guru-Shopping” ist Puri, und auch rund um die historischen Tempel von Khajuraho hat sich eine entsprechende Szene entwickelt.
Elefanten in Tirupati
Die großen Tempelkomplexe in Orissa (Puri, Bhubaneshwar) und Südindien (Tiruchirapalli, Madurai, Srirangapatnam, Chamundeshwari) ziehen ebenfalls viele Pilger an. Die Pilgerschaft zum Venkateshwara-
Kleinere Pilgerorte sind oft ruhiger und entspannender: Jeder liebt Pushkar, und in Dwarka habe ich die einzige Pilgerstadt ohne Nervensägen und Beutelabschneider gefunden. Im Himalaya gibt es eine Anzahl heiliger Höhlen und Berge, die sich nur unter Verzicht auf Bequemlichkeit erreichen lassen und an denen es daher vergleichsweise einsam zugeht (Shivkhori).
Auf nepalischem Hoheitsgebiet gibt es zwei bedeutende Hindu-
Sri Lanka hat im Hinduismus eine besondere Stellung, da es der Schauplatz eines epischen Krieges war, der im Epos Ramayana erzählt wird; Versatzstücke dieser Geschichte kann man nahe Nuwara Eliya besichtigen, aber das wesentliche Zentrum des Hinduismus auf der Insel ist natürlich Jaffna, mit Abstrichen auch noch Trincomalee.
Jain-Kultbild in Ranakpur
Jain-Tempel am Girnar-Hügel
Die Jain-
Theologisch bedeutsamer sind aber Orte, die mit Legenden von Jain-Heiligen verknüpft sind. Herausragend schön ist die Wanderung auf den Girnar-Hügel mit seiner beeindruckenden Synthese von Natur und Kultur. Eine ganz andere, etwas wehmütige Stimmung findet man im südlichsten der Jain-Orte, dem winzigen Sravanabelagola.
Höhlentempel in Mamallapuram
Überall in Indien findet man sie: Die Sammelstätten der Individualisten. Wer monatelang allein durch Indien reist, den zieht es plötzlich in die Gesellschaft zu anderen, die dasselbe tun, damit man im schicken Restaurant bei „westlichem“ Essen und Trinken Erzählungen über die vielen eigenen Erlebnisse zum Schlechtesten geben kann. Und wo geht das besser als an jenen Orten, wo der Individualtourismus die längste Tradition hat und wo bereits die Hippies geplaudert, geraucht und gesonstwast haben?
Jeder dieser Orte hat eine individuelle Atmosphäre und hat gewöhnlich auch spezifische, durchaus hochkarätige Sehenswürdigkeiten zu bieten, die damals die ersten Reisenden angelockt haben. Eine merkwürdige Eigenschaft dieser Orte ist, daß sie auch ungewöhnlich billig sind, vor allem bei der Unterkunft; das gilt jedoch nur für Indien und Nepal, denn die srilankanischen Orte dieser Art sind eher Teuerland, was auf die große Anzahl von Kurzzeittouristen in diesem Land zurückzuführen sein dürfte.
In diese Kategorie gehören das liebliche Pushkar, das freundliche Mamallapuram, das kunsthistorisch unbezahlbare Hampi, das putzige Orcha und das friedliche Bundi; unter den größeren Städten kann man noch Varanasi, Jaisalmer und Puri dazuzählen. Ein Sonderfall ist McLeod Ganj, da es hier keine Sehenswürdigkeiten gibt; stattdessen ziehen die tibetische Bevölkerung und der Dalai Lama das Interesse der Europäer an.
Nepalischer Tempel in Bandipur
Touristenfalle in Ella
In Nepal ist der Tourismus ziemlich konzentriert, und alle von Touristen besuchten Orte sind quasi automatisch „Travellerparadiese“. Das gilt vor allem für die Hauptstadt Kathmandu (wo ich immer wieder gerne hinkomme), aber auch für das in meinen Augen stinkfade Pokhara. Kleine Orte mit einer beschränkten aber angenehmen Traveller-Atmosphäre sind Bandipur und Lumbini.
Die srilankanischen Travelerparadiese liegen tendenziell am Strand, und ich konnte den meisten davon erfolgreich entkommen; allerdings bietet Negombo einen perfekten Einstieg in des Land, und Trincomalee hat außer Stränden auch noch ein paar ersthafte Attraktionen zu bieten. Der schönste Touristenort der Insel ist Ella, ein überraschend freundliches Gebirgsdorf mit vollständig touristischer Ausrichtung.
Überall in Indien ist es heiß — vor allem im Sommer, und deshalb gibt es eine jahrhundertealte Tradition von Sommerfrische-Tourismus. Die Briten perfektionierten dieses System und erschlossen Bergorte mit der notwendigen Verkehrs- und Gastgewerbeinfrastruktur. In manchen Fällen wechselte sogar der ganze Regierungssitz im Sechsmonatsrhythmus, und ein Troß von aktenschleppenden Bürokraten zog in die Berge.
Heute werden diese hill stations sowohl von ausländischen als auch von inländischen Touristen gerne besucht, und der ohnehin langen Liste von britischen hill stations gesellen sich immer mehr neue Urlaubsorte hinzu, denn der indische Mittelstand liebt das Reisen. Viele dieser Orte zehren noch vom Flair der Briten und lassen sich das auch gut bezahlen; andere haben religiöse Sehenswürdigkeiten zu bieten.
Zu den bekanntensten authentischen hill stations im Himalaya gehören Shimla und Darjeeling. Auch das heute nur von Ausländern lebende Dharamsala (bzw. sein Tibeter-Viertel McLeod Ganj ist eine britische Schöpfung, allerdings fast ohne historische Bausubstanz. weitere grandiose Bergorte im Himalaya lassen sich leicht finden, etwa das muslimische Srinagar oder das mit Travellern und Ganja verseuchte Manali. Ausgedehnte Regionen mit großem Wohlfühlcharakter durch ihre buddhistischen Bewohner sind Ladakh und Sikkim.
Im Flachland südlich des Himalaya gibt es natürlich keine Bergerholungsorte, allerdings bietet Rajasthan zumindest einen davon, das auf einem kleinen Granitberg gelegene Mount Abu mit seinem prachtvollen Jain-Tempel. Südindien hat mehr davon, und zumindest eine davon (Kottagiri) habe ich besucht. Bergorte ohne Britentradition gibt es natürlich auch, etwa das gewürzreiche Kumily am Rande des Periyar-Nationalparks.
Presbyterianische Kirche in Shillong
Im Nordosten Indiens ist alles außerhalb von Assam gebirgig. Das quirlige Shillong lohnt die anstrengende Anreise mit Natur, Historie, Kultur und einer einzigartig freundlichen Bevölkerung. Auch die Naga-Hauptstadt Kohima ist eine britische hill stations und bietet ähnliche Erlebnisse, multipliziert mit einer charmanten Rückständigkeit.
Das gebirgige Zentrum Sri Lankas ist prall gefüllt mit grüner Natur und buddhistischen, mitunter auch hinduistischen Sehenswürdigkeiten. Das noble Nuwara Eliya ist mir persönlich zu langweilig, aber Ella ist einfach entzückend.
Nepal kennt keine hill stations, die ja eher etwas für städtische Flachländer als echte Gebirgsbewohner sind. Trotzdem gibt es viele kleine Bergorte mit beschränktem Tourismus-Angebot; mein Liebling ist eindeutig Hile, und Bandīpur sollte man auch noch erwähnen. Das Kathmandu-Tal ist eindeutig zu stark urbansiert, um in diese Kategorie zu fallen, aber ich muß trotzdem erwähnen, daß es meine Lieblingsgegend in Südasien ist.
Tempeleingang in Belur
Jain-Priester in Sravanabelagola
Gibt es in Indien überhaupt noch Orte ohne (Ausländ
Indien hat so viele höchstkarätige Sehenswürdigkeiten, daß vieles Sehenswerte die touristische Wahrnehmungsschwelle kaum erreicht — aus verschiedensten Gründen. Manches wird von nahegelegenen bekannten Orten überlagert, jedenfalls kann ich es mir nicht anders erklären, weshalb kaum jemand die prachtvollen Hoysala-
Auch der Norden hat seine touristenleeren Flecken, sogar im touristischen Kernland Rajasthan: Das monumentale Fort von Kumbhalgarh und der unfaßbare Tempel von Ranakpur sind nur wenigen die mühsame Anreise wert, und selbst Chittorgarh ist bei Ausländern weitgehend unbekannt. Auch das nahe Mandu (in Madhya Pradesh) hätte mehr Besucher verdient.
In Nepal bleiben freundliche Bergstädte wie Hile, Gorkha oder Tansen weitgehend unbesucht, weil die Touristen alle wo anders sind. Der Westen Nepal ist touristisches Niemandsland, obwohl es mir in Surkhet sehr gut gefallen hat und die Reise auf dem Karnali-High&sy;way ein un&sy;vergeß&sy;liches Erlebnis ist. Und in Sri Lanka will niemand in das extrem sehenswerte Monaragala; auch Jaffna war ziemlich verlassen, aber das ist wohl dem erst kürzlich beendeten Krieg geschuldet.
Kunstvolles Fenster einer Moschee in Amdavad
Nordindien, besonders der Westen, ist touristisch ziemlich abgegrast, aber trotzdem zieht der Troß unverständlicherweise am nordwestlichen Bundesstaat Gujarat vorbei. Dabei ist Gujarat kaum weniger sehenswert als das überlaufene Rajasthan, liegt gleich nebenan und wird von höchst angenehmen Menschen bewohnt. Warum will das keiner sehen? Keine Ahnung.
In Gujarat kann man moslemisches Flair in Amdavad genießen, erstklassige archäologische Sehenswürdigkeiten in Patan und Modhera bestaunen, sich in Dwarka am einzigen neppfreien Pilgerort Nordindiens erfreuen und das unvergleichlich exotische Junagadh erkunden. Wunderbar schön war auch Bhuj, aber ich habe es seit dem großen Erdbeben 2001 nicht mehr gesehen. Touisten? Fehlanzeige.
Die beschriebenen Orte werfen keine logistischen Probleme auf: Sie sind verkehrsmäßig gut erschlossen, bieten eine hinreichende Hotel-
Auch der Nordosten ist touristisch „tote Zone“. Und das, obwohl man dort die freundlichsten Inder trifft, Kulturen weit abseits des indischen Mainstreams kennenlernt und höchst ausgefallene und unindische Küche verspeist. Bis 2011 waren weite Teile des Nordostens für Ausländer gesperrt, aber selbst das seit langem befriedete Shillong zieht kaum Ausländer an, ganz zu schweigen vom zugegebenermaßen sehr abgelegenen Agartala. Die Infrastruktur in den Berggebieten des Nordostens ist allerdings mitunter tragisch, und die Sicherheitslage hat sich zwar stark gebessert, aber das Militär ist besonders in Imphal erschreckend präsent.
Dasara-Festumzug in Mysore
Indische Feste sind meist laut, durch die Menschenmassen ungemein stressig und manchmal ein bißchen rowdyhaft — aber auch enorm impressiv. Sowohl Hindus als auch Buddhisten lieben farbenfrohe, opulente Feste, und in gewissem Ausmaß färbt das auch auf die Moslems ab. Wer länger im Subkontinent umherreist, kommt ganz zwanglos mit einigen davon in Berührung, da sie überall gefeiert werden; andere sind lokale Spezialitäten und erfordern ein bißchen Reiseplanung. Viele Feste spielen sich jedoch vor allem innerhalb der Familie ab, und dann sieht man auf den Straßen gar nicht so viel.
Das beeindruckendste Fest, das ich in Indien gesehen habe, war das Dasara-
Die indischen Moslems feiern etwas weniger exzessiv, aber das Moharam-
Lankatilaka Perahera nahe Kandy
Indra Jatra in Pashupatinath
In Nepal hat jede Ethnie ihren eigenen Kalender, und daher kann man jährlich mehrere Male Neujahr feiern. Das eindrucksvollste davon ist das Newari-
Das bedeutendste Fest im srilankanischen Jahrecyclus ist die Esala Perahera in Kandy; dieses Großereignis dauert zwei Wochen und fand auf meiner ganzen Reise nicht seinesgleichen. Etwas weniger pompöse Elefanten-Umzüge werden aber auch an vielen kleineren Orten gefeiert und sind dann völlig untouristisch; ich hatte die Gelegenheit, die kleine aber feine Lankatilaka Perahera zu besuchen.
Märkte sind für mich ein Fixpunkt in jeder Stadt, die ich besuche. Das hat viele Gründe: Dort gibt es eigentlich immer etwas Interessantes zu sehen, meist aus dem kulinarischen Bereich. Mit etwas Glück kann ich mich auch über lokale Rezepte schlau machen oder Namen von Gewürzen in exotischen Sprachen und Schriften recherchieren. Und meist kriegt man auch noch regionale Küche angeboten.
Viele Städte haben ein oder sogar mehrere ausgedehnte Bazar-
Unter den nepalischen Marktstädten nimmt natürlich Kathmandu den ersten Rang ein; die ganze Altstadt ist ein einziger Markt voller unglaublicher Sehenswürdigkeiten. Außerhalb des Kathmandu-
Gemüse- und Lebensmittelmärkte sind oft zentral an einem schattigen Platz oder in einer Halle untergebracht; das Umherstöbern kann viel Appetit machen. Spitzenreiter in dieser Hinsicht ist wohl der kräuterreiche „Frauenmarkt“ in Imphal, gefolgt vom brechend vollen tropischen Markt in Kandy. Weitere gute Adressen sind Tezpur, Mandi und Srinagar; Südindien konnte in dieser Hinsicht höchstens mit Mysore punkten.
Wo ißt man am besten? Überall. Nur meistens nicht dort, wo die Touristen sind. Manchmal aber auch dort, je nachdem.
Indien ist größtenteils sehr, sehr schmackhaft. Innerhalb Indiens gibt es einen ausgeprägten Nord–Süd-Gradienten: Der Norden ist duftig, würzig und schwer; der Süden tropisch, leicht und frisch. Beides schmeckt mir gut, aber unterm Strich gebe ich der südindischen Küche dann doch den Vorzug. Am besten gegessen habe ich in Andhra Pradesh, und am besten dort war es im sonst ziemlich uninteressanten Visakhaptnam, aber das liegt vielleicht auch daran, daß das der erste Ort überhaupt war, an dem ich südindische Küche zu essen bekam.
Zu den besten Nordküchen gehört die muslimische Küche von Srinagar mit ihrer atypischen Fleischlastigkeit; ähnlich gut war es im stark muslimisch geprägten Bhopal, und der ewige Biryani-Preis geht nach Junagadh. Typisch nordindisch und gelegentlich richtig scharf kocht man in Rajasthan, und am besten hat es mir dabei in Jaipur und Bundi geschmeckt. Gute vegetarische Küche gibt es überall im Norden, aber Mandu und Gopalpur werden mir besonders in Erinnerung bleiben, und bei Hülsenfrüchten ist Jammu schwer zu schlagen.
Der Nordosten Indiens hat völlig abweichende Küchen ohne viele indische Merkmale. Ich fand die Khasi-Küche in Shillong am besten, aber auch in Kohima habe ich durchaus gut gegessen. Am eigenwilligsten schmecken die mit Fischaroma durchdrungenen Gerichte der Meitei in Imphal. Da Nordostindien auch die schärfsten Chilies der Welt beherbergt, ist für Feuer immer gesorgt.
In Südindien schmeckt es fast immer; der singuläre Höhepunkt in Visakhaptnam mag Einbildung und Verklärung sein, aber Hyderabad ließ keine Wünsche offen, Mysore war ein Traum, Mamallapuram und Tiruccirāppaḷḷi erfreuten die Geschmackknospen, und erst Kochi!
Wenn es etwas gibt, was noch besser als südindisch schmeckt, dann ist das srilankanisch: Tropisch, kokosnussig, scharf, aromatisch und unglaublich abwechslungsreich. Das beste Essen dort bekam ich in Negombo, Kandy und Ella, aber das ist sicher zum Teil den Zufällen der Restaurantwahl geschuldet.
Nepal ist kulinarisch deutlich weniger interessant. Höhergelegene Himalaya-Orte haben zwar durchaus ihre lokalen Spezialitäten, aber das Angebot bleibt überschaubar; im Tiefland ißt man durchwegs öd. Von jeglicher Kritik auszunehmen ist aber die Newari-Küche von Kathmandu, deren Grandiosität leider so gut wie allen Touristen entgeht: Würzig–scharf, vielfältig und ein ein prachtvolles Beispiel der Fusion von Indisch und Chinesisch. Das ist auch der einzige Ort des Subkontinents, an dem es echte Kneipen als soziale Treffpunkte gibt; Wirtshaushocker sind sonst im ganzen Subkontinent nicht gerne gesehen.
Man kann in Indien aber auch lausig essen, besonders in den Bergen, wo oft außer Dal nicht viel serviert wird; tibetisches Essen jenseits von Momo finde ich auch nicht so fürchterlich prickelnd, obwohl ich in McLeod Ganj ganz gutes bekommen habe. Richtig ärgerlich ist jedoch Gujarat, wo alle guten Curries mit Zucker verseucht sind.
Daß mir in Hampi Touristen-Essen geschmeckt hat, werte ich als einmaligen Ausrutscher; aber in Nepal ging ich öfters mal fremd und genoß in Pokhara koreanisches und in Kathmandau chinesisches Essen. Und wenn mich auch alle Inder dafür hassen, so läßt mir doch die schiere Erinnerung an die Sichuan-Küche im Chengdu Hotel das Wasser im Mund zusammenlaufen. Diesen Laden, mitten in Thamel, dem Tourstenghetto von Kathmandu, und doch von westlichen Reisenden weitgehend unbeachtet, würde ich mir am liebsten als Souvenier mitnehmen.
Indische Süssigkeiten sind mir meistens zu eindimensional und zu süß; die große Ausnahme dazu war in Varanasi. Industrieschokolade ist kakaoarm und grausig süß; aber in den Bergen ganz im Süden habe ich richtig gute hausgemachte Schokolade gefunden, und zwar in Kottagiri und in Kumali, und die vermisse ich leider fürchterlich.
Zu trinken gibt es in Indien weitgehend nichts; Fruchtsaft im Sommer ist das einzige Highlight gegen den Durst, und im Nordwesten kommt noch der gesalzene Limettensaft hinzu. Indischen Chai, Milchtee mit Zucker und Gewürzen, betrachte ich dagegen eher als ein Dessert. Meine Leidenschaft für Riesenmengen ungesüßten Schwarztee sorgt immer wieder für Erheiterung und Verblüffung, und wenn er auch meist brutal gekocht wird, so kriege ich doch manchmal richtig guten mit Gewürzen wie Ingwer oder Pfeffer. Besonders Jaipur bleibt mir da in sehr guter Erinnerung.
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