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| Zweig des Pimentbaums |
Die karibische Insel Jamaica ist für ihre feurigen Jerk-Pasten bekannt, mit denen man Fleisch vor dem Grillen einreibt und mariniert. Diese Pasten bestehen hauptsächlich aus Zwiebel und lokalen Chili-Arten mit fast unübertrefflicher Schärfe. Den typischen Geschmack verdanken sie Pimentkörnern, daneben noch Piment- oder Zimtblättern, Knoblauch, Thymian und Essig oder Limettensaft. Das Rezept ist variabel; mögliche weitere Zutaten sind Orangensaft, Korianderblätter, Ingwer, Muskat und Zimt. Pimentzweige im Grillfeuer erhöhen die Authentizität.
Piment wird, wenngleich in geringerer Qualität, auch in México angebaut und für die zentralmexicanischen mole-Saucen (siehe Paprika) und die südmexicanische recado-Marinade (siehe Annatto) verwendet.
In Europa ist Piment vor allem in England beliebt, wo man es nicht nur für Schmor- und Suppengerichte, sondern besonders für sauer eingelegte Gemüse verwendet (oft zusammen mit weißen Senfsamen). Auch in den Vereinigten Staaten wird Piment gerne verwendet und zu ähnlichen Zwecken gebraucht.
Am europäischen Kontinent schätzt man Piment weniger; es ist allerdings in vielen kommerziellen Gewürzmischungen für Würste und besonders Pasteten enthalten. Viele der Zutaten zum dänischen smørrebrød (einem kalten Buffet aus mit Wurst, Pastete, Fisch, Käse und Gemüse belegten Weißbrotschnitten) sind mit Piment gewürzt; von allen Kontinentaleuropäern haben die Skandinavier den höchsten Pimentverbrauch. Andere besonders in Skandinavien beliebte Gewürze sind Dill und Cardamom.
Piment ist auch optionaler Bestandteil der etwas altertümlichen
französischen Gewürzmischung quatre épices
(siehe Muskatnuß). Irgendwie gelangte Piment auch
nach Osteuropa, wo er einzelnen Speisen sein typisches Aromaprofil aufprägt,
etwa dem ukrainischen Suppentopf borshch oder borshtsh [борщ].
Dabei handelt es sich um einen aufwendigen Suppentopf aus mehreren Sorten Fleisch, Wurzelgemüsen oder Kohl und noch oft anderem Gemüse.
Borshch wurde in im zaristischen Rußland populär und verbreitete sich
über das russische, später das sowjetische Einflußgebiet;
heute findet man ihn auch in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion.
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| Steriler Pimentzweig |
Interessanterweise hat sich Piment in den verschiedenen asiatischen Küchen nicht durchsetzen können, obwohl es sich angeblich manchmal in Currypulvern Verwendung findet (siehe Curryblätter) und im südeuropäisch-ostmediterranen Raum (z.B. Griechenland, Türkei, Syrien) durchaus bekannt und beliebt ist. Weiter im Osten ist es aber kaum bekannt. Piments scharf-aromatischer Geschmack entspricht jedoch sehr den arabischen Würzgewohnheiten, und es verwundert, daß man es nicht häufiger in orientalischen und indischen Lammfleischrezepten findet; wahrscheinlich ist das jedoch keine Frage des Geschmackes, sondern eine der Verfügbarkeit, da Piment in Asien nirgendwo in signifikanter Menge angebaut wird.
Auch in Indien sind Pimentbeeren größtenteils unbekannt. Allerdings erlangten in den letzten Jahren Pimentblätter in den gewürzproduzierenden Teilen Südindiens (also den West-Ghats) eine gewisse Popularität zum Würzen von südindischen Adaptionen mogulischer Speisen, vor allem für biryani (siehe Cardamom). In den Rezepten vertreten sie die aus dem Norden stammenden indischen Lorbeerblätter, die ja auch recht ähnlich riechen. Viele südindische Köche sind sich gar nicht bewußt, daß es sich dabei um zwei verschiedene Gewürze handelt.
Die einzige altweltliche Küche, in der sich Pimentkörner
etablieren konnten, liegt im Hochland Ostafrikas: Die äthiopische
Gewürzmischung berbere enthält oft Piment, das auf
der nicht allzu weit entfernten Insel Réunion angebaut wird (siehe langer Pfeffer).


