In vielen europäischen Sprachen, allerdings nicht in den
nordgermanischen, bezeichnet man dieses Kraut als Bärenlauch
,
Bärenzwiebel
oder Bärenknoblauch
. Die
folgende Tabelle gibt einen Überblick:
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Bärlauch am Beginn der Blühperiode
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| Sprache | Name | Übersetzung | Bär
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| englisch | bear’s garlic | Bärenknoblauch | bear
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| niederländisch | beerlook | Bärenknoblauch | bear
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| lateinisch | Allium ursinum | Bärenknoblauch | ursus
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| italienisch | erba orsina | Bärenkraut | orso
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| französisch | ail des ours | Knoblauch der Bären | ours
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| wallonisch | A des oûsses | Knoblauch der Bären | ???
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| spanisch | ajo de oso | Knoblauch des Bären | oso
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| albanisch | qepë e arushë | Zwiebel der Bären | arush
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| polnisch | czosnek niedźwiedzi | Bärenknoblauch | niedźwiedź
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| tschechisch | medvědí česnek | Bärenknoblauch | mědved
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| slowakisch | cesnak medvedi | Bärenknoblauch | medved
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| russisch | chesnok medvezhij [чеснок медвежий] | Bärenknoblauch | medved [медведь]
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| russisch | luk medvezhij [лук медвежий] | Bärenzwiebel | medved [медведь]
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| weißrussisch | cybulia miadzvežaja [цыбуля мядзвежая] | Bärenzwiebel | miadzvedź [мядзведзь]
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| ukrainisch | tsybulya vedmezha [цибуля ведмежа] | Bärenzwiebel | vedmid [ведмідь]
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| bulgarisch | luk mechi [лук мечи] | Bärenzwiebel | mechok [мечок]
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| serbokroatisch | medvjeđi luk [медвеђи лук] | Bärenzwiebel | medvjed [медвед]
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| slovenisch | medvedji česen | Bärenknoblauch | medved
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| Farsi | sirkhers [سیرخرس] | Bärenknoblauch | khers [خرس]
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| ungarisch | medvehagyma | Bärenzwiebel | medve
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| finnisch | karhunlaukka | Bärenzwiebel | karhu
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| estnisch | karulauk | Bärenzwiebel | karu
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| lettisch | lakši, laksis | ? | lācis
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| litauisch | meškinis česnakas | Bärenknoblauch | meška
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Das rumänische leurdă gehört auch in
diese Reihe: Es besteht aus einem Element (a)le-
Knoblauch
(von lateinisch
allium) und einem zweiten Element -urda,
verwandt mit modernem Rumänisch urs Bär
.
Bulgarisch levurda [левурда]
ist aus dem Rumänischen entlehnt.
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Bärlauch (verwelkende Blätter und Fruchtstände)
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Woher der enge Bezug
zum Bären kommt, ist mir nicht klar; angeblich gibt es einen Volksglauben,
wonach Bären nach ihrem Winterschlaf im Frühjahr Bärlauch fressen.
Das Wort Bär ist den germanischen Sprachen gemeinsam (altenglisch
bera, altnordisch bjǫrn); in den gegenwärtigen
Sprachen haben wir z.B. englisch bear, niederländisch
beer oder schwedisch björn.
Es handelt sich dabei um ein Hüllwort (Tabuwort), wahrscheinlich mit der
Bedeutung der Braune
, das sich von der indoeuropäischen Wurzel
BʰER braun
ableitet; einer anderen Theorie zufolge
schließt es an griechisch
ther [θήρ] Tier
und
lateinisch ferus wild
an und leitet sich von
indoeuropäisch ǴʰWER- Tier
ab. Die Germanen
befürchteten wohl, durch Aussprechen des richtigen
Namens des
Bären das gefährliche Tier herbeizurufen.
Auch hinter dem russischen Namen des Bären,
medved [медведь],
und seinen slavischen Verwandten steckt ein Tabu: Der Name bedeutet
wörtlich Honigesser
. Das russische
med [мед]
Honig
hat in fast allen indoeuropäischen Sprachen enge Verwandte.
Die meisten germanischen Sprachen haben fast identische Worte für
Honigwein
, z.B. Deutsch Met, isländisch
mjöðr und englisch mead; die
altenglische Form war meodu oder medu.
Alle diese Namen gehen auf eine gemeingermanische Wurzel
MEDUZ zurück. Verwandte Wörter in
nichtgermanischen Sprachen sind lettisch medus Honig
,
Sanskrit madhu [मधु] süß
und griechisch
methy [μέθυ]
(Honig)wein
, das auch dem weinfarbigen Halbedelstein Amethyst
seinen Namen gab. Zugrunde liegt eine indoeuropäische Wurzel MEDʰU
süß, Honig
(siehe auch
Süßholz und Mandel
für weitere Wörter der Bedeutung süß
). Interessanterweise
findet man eine ganz ähliche Wurzel mit der selben Bedeutung auch in der
Finno-Ugrischen Protosprache als METE, was auf einen sehr frühen
Kontakt zwischen diesen beiden Sprachfamilien hinweist.
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Bärlauch vor der Blüte
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Met spielte in der germanischen Kultur eine hervorragende Rolle. Er kommt
auch in der Edda vor und wird z.B. im ersten Kapitel der Liederedda,
völuspá, als
Getränk des allweisen Riesen Mimir genannt:
dreccr miöð Mímir morgin hverian Met trinkt Mimir allmorgendlich
.
Met war das charakteristische Getränk der germanischen Völker
geschichtlicher Zeit; nordgermanische Fürsten (Wikinger) residierten
typischerweise in einer großen hölzernen Methalle. Vergleiche
auch die vielfache Erwähnung von Met im altenglischen Beowulf-Gedicht
und den Namen meduseld Met-Saal
für Beowulfs
eigene Halle. Der Name Beowulf Bienen-Wolf
ist übrigens
selbst ein Bären-Hüllwort, da Bären gerne Bienenstöcke
plündern.
Das ursprüngliche indoeuropäische Wort für den Bären ist
H₂RTḰOS, wohl mit der Bedeutung Zerstörer
, und taucht sowohl
in lateinisch ursus,
persisch khers [خرس],
Sanskrit riksha [ऋक्ष]
als auch griechisch arktos [ἄρκτος]
Bär
auf; letzteres Wort bezeichnete auch das Sternbild des Großen Bären
(auch Großer Wagen genannt) und damit den Norden schlechthin.
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Bärlauch im Frühjahr
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Das englische ramson Bärlauch
geht auf altenglisch
hramsan zurück, läßt sich jedoch nicht weiter
zurückverfolgen; das Wort findet sich auch in einigen anderen germanischen
(etwa schwedisch ramslök oder das regionale
deutsche Ramsen) und slavischen
(russisch cheremsha [черемша],
serbisch cremoš [цремош])
Sprachen, hat jedoch in den anderen indoeuropäischen Sprachen nur sehr
wenige mögliche Verwandte:
Griechisch krommyon [κρόμμυον]
und Sanskrit krimighna [कृमिघ्न] Zwiebel
sowie vielleicht auch walisisch craf
Knoblauch
.
Eine indoeuropäische Wurzel läß sich als KREM rekonstruieen.
In vielen Sprachen bezeichnet man Bärlauch einfach und treffend als
wilden Knoblauch
: Französisch ail sauvage,
griechisch agrio skordo [άγριο σκόρδο],
Russisch dikij chesnok [дикий чеснок],
hebräisch shum habar [שום הבר]
oder türkisch yabanî sarımsak. Vgl. auch
chinesisch ye cong [野葱] wilde Zwiebel
.
Eine andere, etwas weniger häufige, Bezeichnung ist Waldknoblauch
:
Niederländisch woutknooploock,
jiddisch valdknobl [װאַלדקנאָבל]
oder spanisch ajo silvestre. Skurrilerweise bezeichnet der
bulgarische Name div chesun [див чесън]
wilder Knoblauch
allerdings nicht den
Bärlauch sondern den Schnittlauch.
Siehe auch Knoblauch.