
Als Fahrtkostenzuschuss wurde ein Kostenbeitrag von 15.- EUR
pro Tagesexkursion festgelegt,
einzuzahlen bis jeweils 1 Woche vor
Exkursionstermin auf Karl-Franzens-Universität Graz, bei Raiffeisen Landesbank
Steiermark, BLZ 38000, KtoNr. 49460, Zahlungszweck AEX165102035.
Flora und Vegetation im Ostalpenraum
Lehrveranstaltung für den
Bakkalaureat-Studiengang Biodiversität und Ökologie" bzw. Biologie
Diplom (Studienzweig Botanik)", vorgesehen für das 6. Semester
Lehrinhalte:
Die Vegetationsgeschichte ab
dem Jungtertiär
Die Entstehung der
postglazialen Landschaften
Geoelemente der Flora der
Ostalpen und deren Umland
Kennenlernen der prägenden
Vegetationsformationen der Ostalpen samt ihrer Charakterarten und Dominanten
Die Auswirkungen
anthropogener Einflüsse auf das Landschaftsbild
Lehrveranstaltungskonzept
Vorlesungsteil
1-stündig
pro Woche in der ersten Semesterhälfte, ohne Überprüfung der Anwesenheit, aber
Teilnahme dringend empfohlen
Vorlesungsstoff
in Punktuationsform auf meiner homepage, gesammelte Graphiken als handout um
EUR. 2.-
Exkursionsteil
3
Tagesexkursionen, Teilnahme Pflicht, Termine nach Vereinbarung in der zweiten
Semesterhälfte
Kurzabriss
des Exkursionsprogrammes der 3 Tagesexkursionen auf meiner homepage
Prüfungen
3
Termine pro Semester lt. Vorschrift > Beurteilungskriterien
Beurteilungskriterien
Satzung
der KFU Sudienrechtliche Bestimmungen § 22 (2): Zu Semesterbeginn sind
in den Lehrveranstaltungen den Studierenden die genauen Beurteilungskriterien
mitzuteilen
Prüfung
besteht aus 2 Anteilen:
1.
Schlusstest schriftlich: Stoff ist der Vorlesungsteil Einführungen"
und die Erläuterungen im Gelände (Vorlesungen im Freiland"), für
eine positive Beurteilung sind 50% der erreichbaren Punkte nötig
2.
Prüfungsteil mündlich: Anhand von ausgewählten, zu identifizierenden
Pflanzenarten werden die Standortsbedingungen, die Gesellschaftsbindung und die
vergesellschafteten Arten abgefragt, ferner deren systematische Stellung,
Lebensform, Autökologie und Arealkunde
Für
die Gesamtnote werden beide Anteile in gleichem Maße gewichtet
Lehrveranstaltungsplan
2010
Mo,
8. März 2010, 11.00 Uhr s.t., HS 32.01: Einführungsvorlesung
Folgende
Montage bis auf Widerruf: Einführungsvorlesung (Forts.)
Exkursionen
(ganztägig), Abfahrt jeweils 07.00 Uhr, Parkplatz Holteigasse 6, Beiträge der
Studierenden EUR 15.- pro Exkursionstag
1.
Exkursion: Waldtypen des Hügellandes, Grünland, Ackerland, Vegetation an
Fließgewässern und an stehenden Gewässern (Umgebung Deutschlandsberg, Mureck,
Leibnitz)
Sa, 12. Juni 2010, Exkursionsgruppe I
Fr, 13. Juni
2010, Exkursionsgruppe II
2.
Exkursion: Bergwald und hochmontane bis alpine Vegetationskomplexe über
Karbonat (Umgebung Aflenz - steirischer Seeberg)
Sa, 26. Juni 2010, Exkursionsgruppe I
Fr, 27. Juni
2010, Exkursionsgruppe II
3.
Exkursion: Bergwald und hochmontane bis alpine Vegetationskomplexe über Silikat
(Umgebung Judenburg - Zirbitzkogel)
Sa,
3. Juli 2010, Exkursionsgruppe I
Fr,
4. Juli 2010, Exkursionsgruppe II
Abschlussprüfung
Mo,
5. Juli 2010, 09.00 Uhr, HS 32.01: Schlusstest schriftlicher Teil
Die,
6. Juli 2010, ab 08.00 Uhr, Ort wird gesondert bekannt gegeben: Schlusstest
mündlicher Teil, inkl. Überprüfung der Pflanzenkenntnis
nächste
Termine: Anfang Oktober 2009, Anfang Dezember 2009,
Floren-
und Vegetationsentwicklung seit dem Tertiär
(als Erklärung für die
rezente Verteilung der der Pflanzen und Pflanzengesellschaften in
Zentraleuropa)
Geological
time scale
Der
Status quo in Europa im Tertiär
in
Mitteleuropa im Eozän
vermutlich
ein tropisches Klima mit 2 Regenzeiten (vergleichbar zu rezenten Verhältnissen
in Ostafrika
in
Mitteleuropa im Miozän (Jungtertiär beginnt vor 23 Mio J.)
Jahresmitteltemperaturen
über 20° C
ein
subtropisches Klima (vergleichbar zu rezenten Verhältnissen auf Madeira oder im
Mississippidelta) = warme ZBV-Verhältnisse
+/-
subtropische Vegetation, mit vielen Lorbeerwaldelementen und entsprechender
Tierwelt (z. B. Elefanten, Nilpferde)
in
Nordeuropa und anderen polnahen Gebieten zur gleichen Zeit
Jahresmitteltemperaturen
ca. 10-15° C
eine
Flora sehr ähnlich der heute in Mitteleuropa und anderen ZB V/VI-Biomgruppen
vorkommenden = Arktotertiärflora
Paläosubtropische
Flora (Lorbeerwaldflora, lauriphylle Vegetation)
im
Eozän (ca. 55 bis 38 Mill. Jahre vor heute) in Europa formenreich
im
Neogen (ca. 22 bis 2,4 Mill. Jahre vor heute) in Mitteleuropa schon mit
Reliktcharakter
In
Europa erhalten gebliebene Elemente: Buxus, Hedera, Ilex, Laurus,
Rhododendron, Smilax
In
Europa ausgestorbene Elemente: Alangium, Castanopsis, Cinnamomum,
Engelhardia, Ficus, Mastixia, Ocotea, Persea, Phoenix, Sabal, Sideroxylon,
Symplocos, Visnea; dazu mehrere Taxodiaceae: Arthrotaxis, Cryptomeria,
Cunninghamia, Doliostrobus, Sciadopitys, Sequoia, Taiwania
Zeitgleich
in arktischen Gefilden: die Arktotertiärflora
Auf
Spitzbergen in jungtertiären Sandsteinen Fossilien von 178 Gefäßpflanzenarten
Mit
Arten der Gattungen Taxodium, Sequoia, Metasequoia, Magnolia,
Hamamelis, Aesculus, Vitis
Auf
Grönland in jungtertiären Sandsteinen Fossilien von 282 Gefäßpflanzenarten
Mit
Arten der Gattungen Ginkgo, Sassafras, Diospyros, Castanea,
Platanus, Vitis
Grundstock
der Arktotertiärflora in Mitteleuropa
im
Pliozän (ca. 5 bis 2,4 Mill. Jahre vor heute) in Mitteleuropa vorherrschend
In
Europa erhalten gebliebene Elemente: Acer, Alnus, Betula, Carpinus,
Castanea, Corylus, Fagus, Fraxinus, Juglans Ostrya, Platanus, Populus, Quercus,
Salix, Tilia, Ulmus, Zelkova; Abies, Larix, Picea, Pinus
In
Europa während der Eiszeiten ausgestorbene Elemente, die nur noch in [Ost-]
Asien und/oder Nordamerika vorkommen: Ailanthus, Ampelopsis, Carya, Catalpa,
Comptonia, Corylopsis, Eucommia, Fothergilla, Gleditsia, Hamamelis, Itea,
Liquidambar, Liriodendron, Magnolia, Morus, Nyssa, Parrotia, Parthenocissus,
Phellodendron, Pterocarya, Rhus, Sassafras, Staphylea; Glyptostrobus,
Metasequoia,Taxodium, Tsuga
Svalbard: todays landscape
and fossils
Die
Klimaentwicklung und die Florenverschiebungen seit dem Tertiär
Ende
Oligozän-Anfang Miozän (vor ca. 25-20 Mio Jahren) beginnende leichte Abkühlung
zeitgleich mit beginnender Auffaltung der alpiden Kettengebirge
>
langsam einsetzende Florenverschiebung
Verhältnisse
Anfang Pliozän: in Mitteleuropa schon gemäßigtes Klima mit reichhaltiger
sommergrüner Laubwaldflora (etwa wie heute am Fuß der Appalachen)
Im
Pliozän (vor ca. 3-2,5 Mio Jahren) massive Abkühlung
>
Florenwanderung Richtung Süden durch E-W verlaufende Gebirge massiv behindert
>
Aussterben vieler Elemente des tertiären Florenstockes in Europa
ab
ausgehendem Pliozän Aufeinanderfolge mehrerer Kaltzeiten (Eiszeiten, Glazial),
im Rhythmus von ca. 100000 Jahren v. Chr.) unterbrochen von Warmzeiten
(Interglazial)
Die
Temperaturen lagen während den Kaltzeiten ca. 4-8°C tiefer, während der
Warmzeiten ca. 2-3°C höher als heute.
Ursache:
eingestrahlte Sonnenenergie wegen Überlagerungen von Elementen der Erdbahn mit
regionalen Schwankungen
Theorie
von Milankovitch (1930)
Theorie
gestützt durch O18-Daten aus Meeressedimenten
Jahresmitteltemperatur
zwischen ca. 12° und 0-2°C
Theorie
von Milankovitch (1930)
Milankovitch-Zyklen
Kausalkette
für Beginn oder Ende einer Eiszeit
Beginn
einer Kaltzeit
Weniger
Einstrahlung längere Schneebedeckung auf Landmassen stärkere
Rückstrahlung
Ozean
mit größerem Wärmepotenzial langsameres Zufrieren mehr
Schneefälle
Ende
einer Kaltzeit Beginn einer Zwischeneiszeit
Verstärkte
Einstrahlung Abbau des Eises an Land mehr Süßwasser in Meere
Süßwasser
bleibt an Oberfläche rascheres Zufrieren wenig Schneenachschub
Geologische
Indizien
O16:O18
in Ozeanen als wichtigsten Maß für an Land als Eis gebundenes Wasser
O16
verdunstet leichter > O18 in Meerwasser angereichert, wenn nicht
Ausgleich über Flüsse
Wird
dokumentiert in Kalkschalen von Plankton und nach Absterben im Schlamm des
Ozeanbodens
>
steigt O16:O18 Quotient, ist das ein Indiz für
ausgedehnte Eisschilder auf dem Festland
Das
O-Isotopenverhältnis im Lauf der Zeit
Niederer
Wert > geringe Eismassen > Interglazial
Die
Ausdehnung des Eises im Alpenraum im Riss- und Würm-Glazial
Eisflächen
im Riss-Glazial größer als im Würm-Glazial
Jedes
Glazial für sich mit beachtlichen Vorstößen und Rückzugsphasen (Riss 1, 2; Würm
1, 2, 3 [=Weichsel])
Großräumige
Verteilungscharakteristika: in Europa 2 große Eisschilde: Nordeuropa, Alpenraum
Regionale
Verteilungscharakteristika des alpinen Eisschildes:
am
Alpenostrand drei große Gletscherströme (Enns, Mur, Drau)
östliche
Gebirgsgruppen der Ostalpen nur mit Lokalgletschern
Die
globale Ausdehnung des Eises im Pleistozän
Europa
während und gegen Ende der letzten Eiszeit
Die
Ausdehnung des Eises am Ostrand der Ostalpen
Klimatische
Bedingungen in Mitteleuropa während der letzten Eiszeit
nicht
vergletscherte Teile im Alpenvorland mit Kältewüsten und Kältesteppen (etwa
entsprechend der typischen Tundra) , lokal begünstigte Stellen mit
Strauchtundra (etwa entsprechend der südlichen Tundra)
Periglazialräume
im Südosten mit trockenem Kältesteppenklima
>
in Mitteleuropa zur Eiszeit praktisch keine Überlebensmöglichkeiten für
höherwüchsige Gehölze
>
heutige Wälder resultieren aus nacheiszeitlichen Wiedereinwanderungen von
Baumarten
Auswirkungen
der Eiszeiten auf die europäische Gehölzflora
Gehölze
durch Abkühlung zur tendenziellen Abwanderung nach Süden gezwungen
Was
nicht schnell genug wandern konnte, ist ausgestorben
>
Verarmung der Gehölzflora Europas im Vergleich zu Nordamerika und Ostasien
ausgestorben
sind in Europa z.B. Liriodendron, Hamamelis, Magnolia, Catalpa,
Carya, Thuja, u. a. siehe oben!
Relikträume
für Gehölze im Umfeld des zentraleuropäischen Eisschildes waren:
balkanischer
Karst und küstennahe Gebirgsfüße bis Nordalbanien
Küstennahes
SW- und SE-Vorland der Westalpen bis in die Provence
küstennahe
Talschluchten Kleinasiens und mediterraner Inseln
Die
Balkanhalbinsel und das angrenzende Kleinasien als Refugialraum
In
geschützten Schluchtstandorten des Balkans haben einige wenige Reliktarten des
Tertiärs überdauert
z.B. Ramonda nathaliae (Gesneriaceae)
Im
südlichen Teil des Balkans liegen die Reliktareale mehrerer Gehölze, die sich
spontan nach dem letzten Glazial nicht wieder ausgebreitet haben, allenfalls
aber durch menschliches Zutun heute weit verbreitet sind:
z.B.
Aesculus hippocastanum (Hippocastanaceae), Syringa vulgaris
(Oleaceae), Forsythia europaea (Oleaceae), Platanus orientalis
(Platanaceae)
Im
angrenzenden Kleinasien liegen die Reliktareale mehrerer Gehölze, deren nächst
Verwandte in Nordamerika und/oder Ostasien noch weit verbreitet sind, und die
aus tertiären Ablagerungen auch aus weiten Teilen Europas belegt sind
z.B.
die Hamamelidaceen Liquidambar styraciflua (östl. Nordamerika) - Liquidambar
orientalis (Westanatolien) - Liquidambar formosana u. a. (Ostasien)
z.B.
die Juglandaceen Pterocarya macroptera (östl. Nordamerika, in miozänen
Fossilschichten) - Pterocarya fraxinifolia (= P. pterocarpa) (Kaukasus)
- Pterocarya stenoptera u. a. (Ostasien)
Reliktendemiten
der Balkanhalbinsel
Reliktendemiten
der Balkanhalbinsel
Liquidambar styraciflua (Hamamelidaceae),
eine Leitart der Wälder im SE Nordamerikas
Liquidambar orientalis (Hamamelidaceae),
eine Reliktart der Waldreste in Tälern Westanatoliens
Temperaturverlauf
im späten Pleistozän
Ausgangspunkt
: Eishochstand des letzten Glazials (entspricht Würm-Eiszeit in Zentraleuropa,
Weichsel-Eiszeit in Nordeuropa, Wisconsin-Eiszeit in Nordamerika)
beginnende
Erwärmung vor ca. 18000 BP
schubweise
Erwärmung, Wechsel von mehreren Warmphasen (Interstadial) unterbrochen von
Kaltphasen (Stadial)
Temperaturanstieg
nach der jüngeren Dryas = Ende der Eiszeit
Stadiale
und Interstadiale im Weichsel-Spätglazial
Meiendorf-Interstadial
(12.500 bis 11.850 v. Chr.) älteste bzw. erste Warmphase nach dem letzten
Hochglazial
Älteste
Dryaszeit, auch Älteste Tundrazeit oder Dryas 1 (11.850-11.720 v. Chr.)
Bölling-Interstadial
(11.720-11.590 v. Chr.)
Ältere
Dryaszeit, auch Mittlere Tundrazeit oder Dryas 2 (11.590-11.400 v. Chr.)
Alleröd-Interstadial
(11.400-10.730 v. Chr.)
Jüngere
Dryaszeit, auch Jüngere Tundrazeit oder Dryas 3 (10.730-9.700 v. Chr.)
damit
teilweise koinzident Gletschervorstöße der Alpengletscher (Bühl, Steinach,
Gschnitz [ca. 14.000 v. Chr.], Clavadel/Senders, Daun, Egesen
[Moränenstabilisierung in jüngerer Dryaszeit], und Kromer/Kartell)
Postglaziale
Klimaentwicklung in Zentraleuropa (Temperaturverlauf im Holozän)
rascher
Anstieg auf heutiges Temperaturniveau vor ca. 10 000 J. (Präboreal 9.610-8.690
v. Chr.)
Anstieg
auf Jahrsmitteltemperaturen ca. 1-2° über heutigem Niveau vor ca. 8000 J.
(späteres Boreal und jüngeres Atlantikum)
danach
tendenziell sinkende Temperaturen auf heutiges Niveau
Ausreisser
in historischer Zeit
ab
ca. 1200 v. Chr. Klimapessimum der Bronzezeit"
ab
ca. 500 v. Chr. Klimaoptimum der Römerzeit" (217. v. Chr. Hannibals
Alpenquerung)
Temperaturanstig
ab 800 n. Chr., letzte kurze relative Warmzeit ca. 1000-1200 n. Chr. (Mittelalterliches
Klimaoptimum")
Um
1500-1850 n. Chr. relative Kaltzeit (Kleine Eiszeit", LIA)
Die
Höhe der Gleichgewichtslinie (equilibrium line altitude, ELA = Höhe bei der
jährlich so viel Eis gebildet wird wie abschmilzt) von LIA ist die wichtigste
Bezugsgröße der Glaziologie im Holozän
ELA
ist sehr stark von der geographischen Breite abhängig
Ursachen
des Temperaturänderungen am Beginn und Ende der jüngeren Dryas-Zeit
Abschmelzen
des Laurentischen Eisschildes erzeugt Süßwassersee in der Eismulde
zuerst
nur Abfluss über Mississippi
dann
Ausbruch des Süßwassers über Hudson und St. Lorenzstrom
Minderung
des Salzgehaltes und der Dichte des Oberflächenwassers
Aussetzen
oder deutliche Schwächung der Tiefenkonvektion im Nordatlantik als Teil des
thermohalinen Strömungsbandes
>Temperatursturz
um ca. 3-4 Grad in wenigen Jahrzehnten!
am
Ende der Dryas allmählicher Anstieg des Salzgehaltes und Ingangkommen der
thermohalinen Strömung
>
Temperaturanstieg von ca. 7-10 Grad in ca. 50 Jahren!
Klimatische
Gliederung des späten Pleistozäns und frühen Holozäns, Einwanderung von
Gehölzen und die jeweiligen humanen Kulturperioden
Anstieg von Temperaturen
ermöglicht Wiedereinwanderung von Gehölzen aus den Refugialräumen
in Allerödzeit in
Mitteleuropa die erste flächige Wiederbewaldung nach der letzten Eiszeit (Birke
mit Kiefer),
[etwa zeitgleich in Periode
15000-12000BP Aussterben vieler großer Mammalia!]
in jüngerer Dryas
lockere Birke-Sadebaum-Bestände, Kiefer zurückgedrängt
Präboreal (10.300 - 9.500BP) Vorwärmezeit mit
viel Birke und Kiefer (Mesolithikum)
Boreal (9.500 - 7.500BP) Frühe Wärmezeit mit
starkem Anstieg der Haselpollen (Mesolithikum)
Atlantikum (7.500 - 5.000BP) Mittlere Wärmezeit
- Eichenmischwaldzeit - mit höchsten Jahresmitteltemperaturen in der Zeitspanne
Ende Würm Gegenwart (Neolithikum) = nacheiszeitliches Optimum,
Ötzis letzte Reise 3400 v. Chr.
Subboreal (5.000 - 2.700BP) Späte Wärmezeit -
Abkühlung und langsame Einwanderung von Buche und Tanne (Bronzezeit)
Subatlantikum (2.700 - Gegenwart) Nachwärmezeit -
starke Ausbreitung der Buche durch kühles und feuchtes Klima (Eisenzeit)
Postglaziale
Waldgeschichte in Zentraleuropa
Einwanderungsfolge
von Waldbäumen in die NE-Alpen in ca. 1000 m:
1.
Birke und Kiefer (vor ca. 12000 J.)
2.
Hasel und Eiche (vor ca. 9000 J.)
3.
Fichte (vor ca. 8000 J.)
4.
Buche und Tanne (vor ca. 6000 J.)
Zuwanderungswege
von Waldbaumarten: 2 Hauptwanderungswege
Von
SE
Von
SW
Die
Wälder der Tieflagen in Europa etwa zu Christi Geburt waren nach einer Rekonstruktion
von Firbas (1949): großflächig Rotbuchenwälder mit wechselndem Eichenanteil
Vegetation
Europas seit der letzten Eiszeit
Vegetation
Europas seit der letzten Eiszeit
Vegetation
Europas seit der letzten Eiszeit
Vegetation
Europas seit der letzten Eiszeit
Auswirkungen
der Eiszeiten auf die rezente Florenzusammensetzung in Zentraleuropa
Entstehen
von Großdisjunktionen durch Relief und Migration von Arten
Am
Beginn der Glazialperioden
Fragmentierung
des spättertiären holarktischen Laubwaldgebietes (= die nach S gewanderte
Arktoteriärflora) resultiert in >
Europäisch-nordamerikanisch-ostasiatische
Großdisjunktion (Laubwaldarten)
z.B.
Hepatica nobilis agg., Fagus spec. div., Castanea spec.
div.
Am
Ende der letzten Kaltzeit Zurückweichen der Tundrenvegetation und Zuwanderungen
aus anderen Gebieten der Umgebung
Fragmentierung
des spätglazialen zentraleuropäischen Tundrengebietes resultiert in >
Arktisch-alpine
Großdisjunktion
z.B.
Dryas octopetala, Loiseleuria procumbens
Phylogeographie
zeigt: N-europ. Populationen sind i.d.R. phylogentisch jung
In
Wärmeperioden des Postglazials Ausbreitung der submediterranen Vegetation nach
Norden bzw. Ausbreitung der mitteleuopäischen Vegetation nach Norden (z.B.
Mittelschweden), dann erneut leicht Abkühlung
Fragmentierung
des submediterranen laubwerfenden Waldgebietes in Hauptareal am Nordrand des
Mediterrangebietes und isolierten Vorkommen N davon (extrazonale
Vegetationsinseln)
In
den Gebirgen viele freie Nischen > Neuentstehung von Arten
Areal
mit europäisch-nordamerikanisch-ostasiatischer Großdisjunktion, z.B. Hepatica
nobilis agg.
Areal
mit europäisch-nordamerikanisch-ostasiatischer Großdisjunktion, z.B. Ginkgo
biloba
Areal
mit arktisch-alpiner Großdisjunktion: z.B. Loiseleuria procumbens
Arealtypen
und Geoelemente in Österreichs Flora
Geoelemente
sind Arten mit einem Verbreitungsschwerpunkt in einem bestimmten Gebiet und
Einstrahlungen in andere
Geoelemente
in der Ostalpenflora (mit Beispielen):
mitteleuropäische
G.: Fagus sylvatica, Quercus robur
boreale G.: Picea abies, Arnica montana
arktische G.: Loiseleuria procumbens, Dryas
octopetala, Betula nana
submediterrane G.: Quercus pubescens, Fraxinus ornus
submediterran-illyrische G.: Ostrya carpinifolia,
Dentaria trifolia
pontisch-pannonische
G.: Acer tataricum, Adonis vernalis
südsibirische
G.: Daphne mezereum
aralo-kaspische
G.: Salicornia europaea
subatlantische
G.: Ilex aquifolium, Digitalis purpurea, Sarothamnus scoparius
alpische
G.: (oft zugleich endemische Arten): Thlaspi alpestre
Mitteleuropäische
Geoelemente, z.B. Fagus sylvatica
Mitteleuropäische
Geoelemente, z.B. Trapa natans
Boreale Geoelemente, z.B. Arnica
montana
Arktische
Geoelemente, z.B. Betula nana
Submediterrane Geoelemente, z.B.
Primula vulgaris
Pontisch-pannonische
Geoelemente, z.B. Adonis vernalis
Mittelrussisch-südsibirische
Geoelemente, z.B. Daphne mezereum
Aralo-kaspische Geoelemente, z.B.
Salicornia europaea
Subatlantische Geoelemente, z.B.
Ilex aquifolium
Alpische Geoelemente, z.B. Cyclamen
purpurasens, Gentiana bavarica
Endemismus im Alpenraum
West-
und Ostalpen mit unterschiedlicher geologischer Vorgeschichte
bei
in den Alpen weit verbreiteten Arten in den West- und Ostalpen oft nahe
verwandte Taxa, z.B.
Senecio
incanus ssp.
incanus (WA) und ssp. carniolicus (OA)
Valeriana celtica ssp. celtica (WA)
und ssp. norica (OA)
Kleinräumiger
Endemismus tritt in zwei Typen auf:
Paläo-
oder Reliktendemismus: Reliktareale alter Pflanzensippen auf während der
letzten Glaziale eisfreien Flächen
z.B.
Saxifraga paradoxa, Doronicum cataractarum, Moehringia
diversifolia; Dianthus alpinus, Pedicularis portenschlagii, Thlaspi alpestre
Neoendemismus
in Gattungen mit lebhafter Artbildung, Neoendemiten sind junge, neu entstandene
Sippen, die (noch) keine Gelegenheit zur weiteren Ausbreitung hatten, sind oft
allopolyploide Sippen oder Arten in Gattungen mit häufiger Apomixis
z.B. Nigritella austriaca, Nigritella
widderi, Nigritella minor
Pflanzen
der Alpen mit unterschiedlichen Rassen in West- und Ostalpen, z. B. Senecio
incanus, Valeriana celtica
Reliktendemiten
der Ostalpen (nordöstl. Kalkalpen), z. B. Primula clusiana, Campanula pulla
Reliktendemiten
der Ostalpen (nordöstl. Kalkalpen), z. B. Dianthus alpinus, Euphorbia
austriaca
Reliktendemiten
der Ostalpen (östl. Niedere Tauern), z. B. Sempervivum pittonii, Saxifraga
styriaca
Paläoendemiten der Ostalpen (Steir.
Randgebirge), z. B. Doronicum cataractarum, Saxifraga paradoxa
Reliktendemiten der Ostalpen
(südöstl. Kalkalpen), z. B. Wulfenia carinthiaca, Gentiana froelichii
Neoendemiten
der Ostalpen, z. B. Nigritella austriaca, Nigritella widderi, Nigritella
minor
Verbreitungsmuster
endemischer Gefäßpflanzen Österreichs I
Verbreitungsmuster endemischer
Gefäßpflanzen Österreichs II
Large climate changes in
Europe/Near East during the last 15,000 calendar years (note that these dates
are in 'real' years not radiocarbon years).
14,500 y.a. - rapid warming and moistening of
climates. Rapid deglaciation begins
13,500 y.a. - climates about as warm and moist as
today's
13,000 y.a. 'Older Dryas' cold phase (lasting about
200 years) before a partial return to warmer conditions
12,800 y.a. (+/- 200 years)- rapid stepwise onset of
the intensely cold Younger Dryas. Much drier than present over much of Europe
and the Middle East, though wetter-than-present conditions at first prevailed
in NW Europe
11,500 y.a. (+/- 200 years) - Younger Dryas ends
suddenly over a few decades, back to relative warmth and moist climates
(Holocene, or Isotope Stage 1)
11,500 - 10,500 y.a. - climates possibly still
slightly cooler than present-day
9,000 y.a. - 8,200 y.a. - climates warmer and often
moister than today's
about 8,200 y.a. - sudden cool phase lasting about 200
years, about half-way as severe as the Younger Dryas, wetter-than-present
conditions in NW Europe, but drier-than-present in eastern Turkey
8,000 - 4,500 y.a. - climates generally slightly
warmer and moister than today's
(but; at 5,900 y.a. - a possible sudden and
short-lived cold phase corresponding to the Elm decline')
Since about 4,500 y.a. - climates fairly similar to
the present
2,600 y.a. - relatively wet/cold event (of unknown
duration) in many areas
(but; 1,400 y.a. {536-538 A.D.} wet cold event of
reduced tree growth and famine across western Europe and possibly elsewhere)
(Followed by 'Little Ice Age' about 700-200 y.a.)
Rezentvegetation
im Ostalpenraum
Begriffsbestimmungen
Methodische
Ansätze zur Vegetationsbeschreibung (Auswahl)
Ökologie
der Gefäßpflanzen unter besonderer Berücksichtigung der Waldbäume
Die
aktuelle Vegetation im Ostalpenraum
Grundformen
der Landnutzung und anthropogene Vegetation
Taxa
- Syntaxa
Taxon (pl. Taxa):
systematische Einheit(en) unbestimmter Rangstufe (z.B. Carex ferruginea,
Pinus, Fagaceae; Rana esculenta)
Taxonomie
(Systematik) ist der Wissenschaftszweig, der sich mit der Definition und
hierarchischen Ordnung von Taxa beschäftigt
betrieben
von Botanikern, Zoologen, Mikrobiologen
Syntaxon (pl. Syntaxa) :
synsystematische Einheit(en) unbestimmter Rangstufe (z.B. Caricetum
ferrugineae, Fagion sylvaticae, Querco-Fagetea)
Syntaxonomie
(Synsystematik) ist der Wissenschaftszweig, der sich mit der Definition und
hierarchischen Ordnung von Syntaxa beschäftigt
betrieben
von Geobotanikern
Syntaxonomie
ist diejenige Teildisziplin der Geobotanik, die sich mit der Definition und
Ordnung von Vegetationstypen" beschäftigt
Flora
- Vegetation
Flora
= Summe der Pflanzensippen (Taxa von Artrang und darunter) eines Gebietes
Terminus
im übertragenen Sinn auch für die Publikation im Gebrauch, die die
Pflanzensippen eines Gebietes aufzählt
Vegetation
= Summe der Pflanzengemeinschaften (Syntaxa von Assoziationsrang und darunter)
eines Gebietes
Das
Grundschema der Lebensformen von Gefäßpflanzen (Raunkiaer 1937)
Therophyten
Kryptophyten
= Geophyten
Hemikryptophyten
Chamaephyten
Phanerophyten
Pflanzenbestände
- Pflanzengesellschaften
Pflanzenbestände:
konkret, in der Natur vorhanden
enthalten
n Individuen m verschiedener Taxa
Pflanzengesellschaften
: durch floristischen Vergleich abstrahiert
Ideen
(Konzepte) von in der Natur wiederkehrend gefundene Gruppen von Arten, die
gemeinsam vorkommen (= die unter +/- identischen Standortsbedingungen wachsen)
Einzelbestand
zeigt von der idealen Pflanzengesellschaft, der er zugerechnet wird, immer
leichte Abweichungen
eine
Pflanzengesellschaft wird durch diagnostische Arten" charakterisiert
Mögliche
Kenngrößen zur Beschreibung der Vegetation
Abundanz (abundance)
schätzt Menge einer Art oder Zielgruppe noch vordefinierter Skala (z.B. selten,
wenig häufig, häufig, dominant)
Dichte (density)
Abundanz, gemessen als Zählung pro Flächeneinheit, für mehr als eine Zählung
werden Mittelwerte gebildet
Frequenz (frequency)
Prozente der Probenpunkte, an denen eine Art beobachtet wurde. Frequenzdaten
werden oft zu Klassen zusammengefasst (I = 1-20%, II = 21-40%, III = 41-60%, IV
= 61-80%, V = 81-100%.
Deckung (cover)
Gesamtdeckung
(total cover): Prozente, mit denen eine Vegetationsdecke die
Grundrissprojektion einer Probenfläche bedeckt
Deckung
einer Art (species cover): Prozente, mit denen eine Art die Grundrissprojektion
einer Probenfläche bedeckt
Artenzahl (richness): die
Artenzahl, die in einer Probenfläche vorkommt
Biomasse (biomass): das
Trockengewicht der Gesamtvegetation oder einer Art auf einer Probefläche
Methoden
der Vegetationsbeschreibung (Auswahl)
Vegetationsformation
(Grisebach 1838):
charakterisiert
über dominante Lebensformen der obersten Schicht eines großflächig auftretenden
Vegetationstyps
verwendet
für landschaftsprägende große Bestände
erlauben
Rückschlüsse auf ökologische Wuchsbedingungen
Quadrat-Methode
(z.B. Vegetationsaufnahme nach Braun-Blanquet 1921)
Auswahl
homogener Aufnahmeflächen mit Mindestfläche (>/= Minimumareal) abhängig vom
Vegetationstyp
Erstellen
einer Artenliste des Bestandes
Zuweisung
von Kennzahlen nach einer kombinierten Abundanz (= Individuenzahl) - Dominanz
(= Deckung der Grundfläche in %) - Skala (= Artmächtigkeit)
Auswertung:
Tabellenarbeit
Transekt-Studien
In
Form von Linientransekten oder Streifentransekte (lineare Serie von Quadraten)
besonders
für Flächen mit ökologischen Gradienten und Übergangsbereiche zwischen
einheitlichen Pflanzenbeständen
Analyse
von Streifen im rechten Winkel zu Gradienten
wichtigstes
Auswertungsverfahren: Ordination
Minimumareal
Das
Minimumareal ist die Flächengröße, die zur Erfassung der repräsentativen,
charakteristischen Artenkombination einer Pflanzenbestandes notwendig ist.
Das
Minimumareal wird über die Änderung der Artenzahl bei schrittweiser
Vergrößerung (Verdopplung) der Beobachtungsfläche ermittelt
Vegetationsformationen
Präsenzspektren
von Lebensformen
zeigen
relative Verteilung der Raunkiaer Lebensformen
beispielsweise
einsetzbar bei Sukzessionsstudien
Quadratmethode:
richtige Anwendung
Quadratmethode:
richtige und falsche Anwendung
Vegetationsaufnahme
Tabellenarbeit
Umordnung
von vielen Vegetationsaufnahmen mit dem Ziel, Muster in der
Artenzusammensetzung zu erkennen und zu visualisieren
Rohtabelle:
ungeordnete Liste mehrerer Aufnahmen (Zeilen = Arten, Spalten = Aufnahmen)
geordnete
Tabelle: Artenreihenfolge nach (Gesamt) Stetigkeit geordnet
differenzierte
Tabelle: Ordnung nach floristischen Ähnlichkeiten → es entstehen Blöcke
(Aufnahmen vs. Arten) !
charakterisierte
Tabelle: Herausarbeiten und Hervorheben von Charakterarten (und
Differentialarten), ökol. Gruppen, Lebensformen
Charakterisierte
Tabelle
Typen
von Arten in Pflanzengesellschaften
Diagnostische
Arten
Leit-,
Kenn- oder Charakter-Arten: Arten, die nur in einem Syntaxon immer
wiederkehrend vorkommen
syntaxonomische
Differentialarten: Arten zur Unterscheidung von Syntaxa einer Rangstufe (DA,
DV, DO, DK)
Arten
zur weiteren Differenzierung von Syntaxa
synökologische
Differentialarten: Arten mit ähnlichen Ansprüchen an bestimmten ökologischen
Faktor (ökologische Gruppen) (D,d)
synchorologische
Differentialarten: regional verbreitete Arten, die nur in Teilareal eines
Syntaxons vorkommen (Δ)
syndynamische
Differentialarten : Arten bestimmter Entwicklungsstadien einer Gesellschaft (↑↓)
Begleiter:
Arten ohne Bindung an Syntaxa
Charakter-Arten
Sonderfall
einer Differentialart
sind
Arten mit Verbreitungsschwerpunkt in einer Gesellschaft; sind also solche
Arten, die nur in (einer) bestimmten Gesellschaften(en) immer wiederkehrend (=
mit hoher Stetigkeit, Gesellschaftstreue) vorkommen und ihn anderen (beim
ersten Hinsehen vielleicht ähnlichen) +/-fehlen
Die
Benennung der Pflanzengesellschaften im methodischen Ansatz nach Braun-Blanquet
erfolgt nach 1 bzw. 2 dieser Charakter-Arten
Stetigkeitstabelle
Transekt-Methode
Was
ist ein Transekt?
Ist
ein Pfad, entlang dessen ein Studiengegenstand registriert oder gezählt wird
(Arten, archäologische Fundstücke, etc.)
Wird
verwendet für
direkte
Gradientenanalyse
Analyse
der Populations-/Objektdichte
Braucht
im einfachsten Fall (Linientransekt) einen Beobachter, der sich entlang eines
fixierten Pfades bewegt und die Studienobjekte entlang des Pfades registriert sowie
deren Abstand vom Pfad
Transekt-Methode
1
Transekt-Methode
2
Transekt-Methode
2
Die
direkte Gradientenanalyse eine 1-dimensionale Ordination
Das
Ökogramm eine 2-dimensionale Ordination
Ökogramme
sind Abstraktionen eines ökologischen Zustandsraumes
i.d.R.
verwendet für Verschneidung von 2 Gradienten
Ökogramme
werden für Arten, ökologische Gruppen und Gesellschaften erstellt
3-dimensionale
Ordination
Dargestelltes
Beispiel: Die ökologische Position von 3 Arten in Abhängigkeit der Menge von 3
Ionen im Oberboden
Multidimensionale
Ordination
Das
syntaxonomisches Grundkonzept (Braun-Blaquet)
Um
die Übersicht über gesamte Vegetation zu erleichtern, ist es sinnvoll, [ähnlich
wie in der Taxonomie] die Syntaxa (Vegetationstypen ) hierarchisch zu ordnen
Bildung
syntax. Namen: Wortstamm eines Gattungsnamens mit rangstufenabh. Endung +
Epitheton im Genetiv
Beispiele:
Caricetum ferrugineae, Seslerio-Caricetum sempervirentis, Cephalanthero-Fagion,
Arabidetalia caeruleae, Molinio-Arrhenateretea
Grundeinheit
der Pflanzensoziologie ist die Assoziation (community) (entspricht der
Art/Species in der Systematik)
Die
Hauptrangstufen in aufsteigender Reihenfolge sind:
Assoziation
(-etum)
Verband
(-ion)
Ordnung
(-etalia)
Klasse
(-etea)
Syntaxonomische
Hierarchiestufen - Beispiel
Vegetationsklassen
Mitteleuropas (Übersicht)
Vegetationsklassen
der Wälder und Gebüsche
Klassen
anthropogen waldfreier Vegetation (Ersatzgesellschaften auf ursprünglich
bewaldeten Flächen)
Klassen
natürlich waldfreier Vegetation
Wälder
und Gebüsche
im Ostalpenraum nach Vegetationsklassen
Querco-Fagetea
(temperate Falllaubwälder)
Vaccinio-Piceetea
(boreale bzw. mitteleuropäisch-montane Nadelwälder)
Pulsatillo-Pinetea
(kontinentale Steppenheiden und lockere Föhrenwälder)
Erico-Pinetea
(basiphile Föhrenwälder)
Alnetea
glutinosae (Bruchwälder und -gebüsche)
Salicetea
purpureae (weidenreiche Auwälder)
Rhamno-Prunetea
(Gebüsch- und Waldmantelgesellschaften des Tieflandes)
Anthropogen
waldfreie Vegetation im Ostalpenraum nach Vegetationsklassen
Molinio-Arrhenatheretea
(Wirtschaftswiesen und weiden)
Festuco-Brometea
(Trocken- und Halbtrockenrasen)
Calluno-Ulicetea
(Zwergstrauchheiden und Borstgrasweiden)
Epilobietea
angustifolii (Vegetation der Waldschläge)
Trifolio-Geranietea
sanguinei (Waldsaumgesellschaften)
Galio-Urticetea
(nitrophile Saumgesellschaften)
Artemisietea
vulgaris (ausdauerende Ruderalgesellschaften)
Stellarietea
mediae (therophytenreiche Unkrautgesellschaften)
Polygono-Poetea
(Trittgesellschaften)
Bidentetea
tripartiti (therophytenreiche Flußufergesellschaften)
Koelerio-Corynophoretea
(=Sedo-Scleranthetea) (Fluren von Kurzrasen und Zwergtherophyten)
Puccinellio-Salicornietea
(Gesellschaften von Salzstandorten)
Natürlich
waldfreier Vegetation im Ostalpenraum nach Vegetationsklassen (Auswahl)
Lemnetea
(Schwimmpflanzengesellschaften)
Charetea
fragilis (submerse Armleuchteralgen-Wiesen)
Potametea
(festwurzelnde Wasserpflanzengesellschaften)
Phragmiti-Magnocaricetea
(Verlandungsgesellschaften von Seen)
Scheuchzerio-Caricetea
fuscae (Gesellschaften der Hochmoor-schlenken und Niedermoore)
Oxycocco-Sphagnetea
(Gesellschaften der Hochmoorbulten)
Montio-Cardaminetea
(Quellfluren)
Mulgedio-Aconitetea
(Hochstaudenfluren)
Caricetea
curvulae (alpine Rasen über Silikatgesteinen)
Loiseleurio-Vaccinetea
(alpine Spalierstrauchteppiche über Silikat)
Salicetea
herbaceae (Schneetälchen-Gesellschaften)
Seslerietea
albicantis (alpine Rasen über Karbonatgesteinen)
Carici
rupestris-Kobresietea bellardii (Nacktried-Kältesteppen über Kalk)
Asplenietea
trichomanis (Felsspaltengesellschaften)
Thlaspietea
rotundifolii (Pionier- und Dauergesellschaften auf Schutt)
Physiologische
Amplitude, Konkurrenz und ökologische Position von Arten
Physiologische
Amplitude: gibt an, unter welchen experimentellen Standortsbedingungen eine Art
zu wachsen imstande ist, z.B.
Amplitude
der Bodenfeuchte
Amplitude
des pH-Wertes des Bodens
Dazu
kommt in der Natur die Konkurrenz als ein wichtiger zusätzlicher
Standortsfaktor
ökologische
Position: gibt an, unter welchen Standortsbedingungen eine Art in der Natur
(unter den physiologischen Bedingungen und den Konkurrenzverhältnissen)
vorkommt
Das
Ökogramm eine zweidimensionale Gradientenanalyse
Klima,
Boden und Vegetation von Mitteleuropa
Klima:
zonal der Ökozone VI angehörend (relativ mild aber mit kurzen Frostperioden)
Jahresmittel
ca. 10 - 12°C
ganzjährig
humid mit Jahresniederschlagssummen von ca. 800 - 1200 mm
Böden:
durchwegs geologisch jung
zonal
ist der Braune Waldboden"
im
Tiefland auch oft azonale Böden (z.B. Schwemmland mit Schotterböden, Sandböden,
Gley und Pseudogley)
in
den Hochlagen oft Böden mit unvollständigem Bodenprofil (z.B. Ranker (S),
Rendsina (K))
zonale
Vegetation: sommergrüne Laubwälder (Gesellschaften der Klasse Querco-Fagetea)
(= ZB VI)
Österreich
ist ein Waldland.
Jedoch:
große Teile Österreichs sind nicht Teil eines zonalen Naturraums sondern
gehören zum Orobiom Alpen (interzonales Kettengebirge)
Die
Alpen ein interzonales Kettengebirge
Die
Alpen liegen an der Grenze zwischen ZBIV und ZBVI
Die
vertikal angeordneten Vegetationszonen eines Gebirges nennen wir Höhenstufen
Die
Höhenstufenabfolgen an der Nord- und Südabdachung besonders in den unteren
Stufen daher mit erheblichen Unterschieden
Die
unteren Höhenstufen am Südfuß der Alpen mit deutlichem (sub-,
meso-)mediterranen Einschlag
Die
unteren Höhenstufen am Nordfuß der Alpen mit deutlichem temperaten Einschlag
Klimagradienten
im Alpenraum
Im
Alpenraum erhebliche Klimagradienten
Randalpen
mit ozeanischem Klimacharakter
Zwischenalpen
als Übergangszone
Innenalpen
mit kontinentalem Klimacharakter
inneralpine
Trockentäler
sind
W-E-streichende Täler, die durch hohe Bergketten abgeschirmt werden (z.B.
Queyras; Suzatal, Aostatal, Vinschgau; Wallis, Oberengadin; oberes Inntal,
Virgental, Murtal zwischen Pöls und Murau)
mit
extrem kontinentalem Klima, mit vielen Steppenpflanzen (Festuca vallesiaca,
Stipa-Arten)
Regionalklimata
mit Auswirkungen auf die Vegetation (z.B. Waldtypen)
In
der Forstwirtschaft wichtig für Wahl standortsgerechter Holzartenmischungen
Definition
von forstlichen Wuchsbezirken
Forstliche
Wuchsbezirksgruppen der Ostalpen
Randalpen
Nördliche
R.
Östliche
R.
Südliche
R.
Zwischenalpen
Nördliche
Z.
Südöstliche
Z.
Innenalpen
Höhenstufen
potentieller Vegetation in den Ostalpen
planar:
unter ca. 250 m
collin:
bis ca. 500 (600) m, Obergrenze = Eichengrenze
montan:
bis ca. 1500 m, Obergrenze = Buchengrenze
subalpin:
Obergrenze = Waldgrenze
untersubalpin:
bis ca. 1800 m, inneralpin bewaldet, randalpin mit Krummholz
obersubalpin:
bis ca. 2200-2400 m, inneralpin bewaldet, randalpin schon waldfrei, Untergrenze
= Zirbengrenze
alpin:
bis ca. 2500-2700 m, Obergrenze = Grenze geschlossener Vegetation
subnival:
bis ca. 2800-3000 m: Obergrenze = Grenze von Gefäßpflanzen
nival:
über ca. 2800-3000 m: nur noch Kryptogamen
Landschaftsprägende
Waldgesellschaften in den Ostalpen
Wälder
der planaren und collinen Stufe: Bu, Ei-Haibu, Ei-Fö-(Kast), u.a.
Wälder
der montanen Stufe: Bu-Ta-Fi (r), Ta-Fi (z), Fi (i), Fö, BAh-Fi, BAh-Ulm
Wälder
der subalpinen Stufe: Fi (r, z), Fi-Lä (z), Lä-Zi (i)
Daneben
auch azonale Waldtypen:
BAh-Esch,
Wei-Pa, GrErl
SchwErl
Die
Waldtypen der Ostalpen in Abhängigkeit von Klimacharakter und Seehöhe
Waldgrenze
und Schneegrenze in den Ostalpen
Beide
Grenzen stark expositionsabhängig
Die
Lage der Waldgrenze in den Ostalpen
Die
potentielle Waldgrenze
randalpin:
17001900 m
inneralpin:
22002400 m
Die
aktuelle Waldgrenze: ca. 200300 m tiefer
Die
Lage der Schneegrenze in den Ostalpen: 27003000 m
Die
Flora und Vegetation oberhalb der Baumgrenze I
Dominante
Formation der alpinen Stufe: Kältesteppe (= gräserdominiert, ohne größere
Gehölze)
In
Hochlagen besonders markante Florenunter-schiede zwischen Gebirgszügen aus
Karbonat- und Silikatgesteinen
Vikariierende
Arten: nahe verwandte Arten auf Silikat- und Kalk-Untergrund, z.B.:
Rhododendron
ferrugineum (S)Rhododendron
hirsutum (K)
Gentiana
acaulis (S)Gentiana
clusii (K)
Florenunterschiede
bedingen auch unterschiedliche Vegetationstypen auf gleichen Standorten, z.B.
Krummseggenrasen
(S) Blaugras-Horstseggenrasen (K)
Gemsheide-Spaliere
(S) Polsterseggen-Silberwurz-Spaliere (K)
Vikariierende
Gentiana-Arten
Gleiche
Standorte unterschiedliche Pflanzengesellschaften je nach Substrat
Die
Flora und Vegetation oberhalb der Baumgrenze II
In
alpiner Stufe große Standortsvielfalt mit zahlreichen Vegetationstypen
Schneedecke
mit starker verteilungsregulierender Wirkung
Schneeschutz
und damit Wintertemperaturen nur wenig unter 0°C kein Schneeschutz und
damit extrem tiefe Wintertemperaturen
Verteilung
des Schnees hauptsächlich abhängig von Relief und Wind
Extreme
Lange
Schneebedeckung und damit sehr kurze Vegetationszeit (Schneetälchen)
keine
Schneebedeckung und damit überraschend lange Vegetationszeiten (Windkanten)
Andere
wichtige edaphische Faktoren:
pH-Wert
(Karbonatgehalt) des Bodens
Bodenfeuchte
Gründigkeit
und Skelettanteile im Boden
Alpine
Standortsvielfalt
Extrazonale
Vegetationstypen Mitteleuropas
extrazonale
Vegetationskomplexe: Vegetationsinseln anderer (benachbarter) Zonen bei
ähnlichem Lokalklima
Koniferenwaldinseln
in Nordexposition
Flaumeichenwaldinseln
an Südhängen in der collinen Stufe
Azonale
Vegetationstypen Mitteleuropas
entwickeln
sich unter azonalen Bedingungen
Großklima
(zonal) kann nicht voll wirken, anderer ökologischer Faktor wirkt prägender
natürliche
Faktoren, z.B.
mechanische
Beanspruchung durch fließendes Wasser (Auwälder)
permanente
Staunässe (Schwarzerlenbruchwälder)
mechanische
Beanspruchung durch nachrutschenden Schutt (Schuttgesellschaften)
anthropogene
Faktoren, z.B.
mechanische
Beanspruchung durch Mahd (Wiesen)
mechanische
Beanspruchung durch Beweidung (Weiden)
mechanische
Beanspruchung durch Hackfruchtbau (Ackerunkrautfluren)
Übersicht
der waldfreie Vegetationstypen in Mitteleuropa
A)
Natürlich waldfreie Vegetationstypen
a) Vegetationstypen über der Waldgrenze (siehe Teil II, Teil III)
b) Vegetationstypen unter der Waldgrenze
· Moore (siehe Speziallehrveranstaltungen des Institutes)
· Vegetation von Schutthalden (siehe Teil II, Teil III)
· Felsrasen und Felsspalten (siehe Teil I)
B)
Anthropogen bedingt waldfreie Vegetationstypen
a) Grünland (siehe Teil I)
· Wiesen
· Weiden
b) Ackerland mit Ackerunkrautgesellschaften (siehe Teil I) c) Trittflächen und
unbefestigte Feldwege
d) Vegetation auf Schuttplätzen
Großflächige,
anthropogene Vegetationstypen Mitteleuropas
Wälder
(Forste)
Grünland
(Wiesen und Weiden)
Ackerland
(Äcker und andere Intensivkulturen)
Schicksal
mitteleurop. Wälder im Mittelalter
im
Mittelalter erste Blüte der Städte und rasches Bevölkerungswachstum
regellose
Nutzung der Waldflächen
Holzentnahme
(zeitweise)
Nutzung der Schlagflächen für Getreideanbau (eventuell nach Abbrennen der
Holzreste) = Brandfeldbau
Waldweide
Streurechen
die
Folgen:
gegen
Ende des Mittelalters waren die Waldflächen der Niederungen großteils zu
parkartigen Landschaften über degradierten Böden verkommen
Holzmangel:
im besonderen Konstruktionsholz, aber auch Brennholz
→
Reglementierung der Waldnutzung
im
Spätmittelalter außeralpin erste Primitivformen einer geregelten Waldwirtschaft
(zeitweiser)
Ausschluss des Weideviehs zur Schonung des jungen Stockausschlags
Wirtsschaftsweisen
in Forsten
Niederwaldwirtschaft
(Stockung): Ernte des gesamten Holzes (nur Stangenholz, kein Blochholz) in
Abständen von ca. 15 bis 30 Jahren
Regeneration
erfolgt aus den im Boden verbliebenen Wurzelstöcken und Stümpfen, teilweise
auch aus Wurzelbrut; N. fördert Baumarten, die zu einer Regeneration aus
Stockausschlägen fähig sind (z.B. Carpinus, Alnus) > Veränderung der
Holzartenzusammensetzung
heute
kaum noch üblich (Auwaldstreifen an Flussoberläufen!)
Mittelwaldwirtschaft:
historische Waldbauform, die aus einem Niederwald entstand und aus einer
gleichaltrigen Unterschicht, sowie einer meist ungleichaltrigen Oberschicht
besteht
Schichtung
entwickelte sich, da man bei Aberntung der Stockausschläge gut gewachsene
Bäumchen gewünschter Baumarten (Nutzholz liefernde Lichtbaumarten wie Quercus,
Fraxinus oder Populus) stehen ließ.
Besonders
beliebt war hierbei die Eiche, da sie nicht nur wertvolles Bauholz liefert,
sondern auch eine herbstliche Schweinemast ermöglicht
Hochwaldwirtschaft:
Waldbauform zur Produktion von Hochstämmen (Blochholz), erfordert
Umtriebszeiten von 50-70 Jahren und mehr, je nach verwendeter Baumart
Niederwald
Waldbau
mit Wurzelstockbetrieb, dessen Erneuerung der Bestände vorwiegend auf
vegetative Weise erfolgt (durch Stockausschlag am nach dem Hieb verbleibenden
Schaftteil). Historisch in Europa sehr wichtig, heute in Europa nur noch selten
z.
B. Brennholzniederwald, Akazienniederwald, Kastanienniederwald, Energiewald,
Eichenschälwald
Mittelwald
Über
einer Niederwaldunterschicht hält man Oberholz (Überhälter, z.B. Eichen) zur
Wertholzgewinnung
Waldwirtsschaft
im Alpenraum
1.
große Rodungsperiode (der Primärwälder, Urwälder") in den
Alpenseitentälern etwa 1000-1200 n. Cr.
Einschlag
und Verkohlung vor Ort
Holztrift
zur
Brennholzversorgung der Städte
Verkohlung
am Standort der Flussrechen: zur Holzkohlenversorgung der Metallindustrie
sukzessive
Entwaldung ganzer Gebirgszüge
Wiederaufwuchs
aus Anflug und Stockausschlag
Erste
Hochwälder entstanden außeralpin schon im 16. Jahrhundert
die
große Umstellungsphase auf Hochwaldwirtschaft inkl. künstlicher Begründung der
nächsten Baumgeneration erfolgte im 19. Jahrhundert
damit
verbunden: massiver Holzartenwechsel
Hiebformen
der Hochwaldwirtschaft
Plenterwald:
waldbauliche Eingriffe finden nicht flächenabschnittweise statt, sondern auf
der ganzen Waldfläche einzelbaumbezogen, Entnahme von einzelnen Stämmen,
Naturverjüngung, gut geeignet für Schattenbaumarten (Abies, Picea),
Lichtholzarten benachteiligt
Schlagweiser
Hochwald: Hieb oder Verjüngung wird in konzentrierter Form auf Teilflächen
("Schlag") durchgeführt
Schirmschlag:
sehr starkes Ausdünnen (Auflichten des Kronendaches) des Bestandes, danach
Naturverjüngung
Femelschlag:
Sonderform des Schirmschlages, Abholzung kleinster Flächen, so- dass
Lichtschächte entstehen und Naturverjüngung stattfindet, eventuell Pflanzung
zur Artenanreicherung. Nach mehren Jahren erneute Entnahme von Altbäumen an
anderer Stelle, wieder Naturverjüngung durch die angrenzenden Altbäume
Saumschlag:
streifenweise von einer Seite gegen die Hauptwindrichtung fortschreitende
Nutzung und Pflanzung
Kahlschlag:
völlige Abholzung, danach meist künstliche Verjüngung, also Pflanzung -
gegebenenfalls Wechsel der Baumarten, teilweise nach Auflaufen der
Naturverjüngung, notwendiges Verfahren für Lichtbaumarten (Larix, Quercus)
Hiebformen
im Hochwald - Plenterwald
Vorteile
einer Plenterwaldwirtschaft
erlaubt
auch auf kleinen Flächen nachhaltige jährliche Ernte
hohe
Wertholzleistung
große
Stammdurchmesser permanent vorhanden und damit hohe Stabilität des Waldes
idealer
Schutzwald da permanente Schutzwirkung
Nachteile
einer Plenterwaldwirtschaft
erfordert
hohes waldbauliches Können und generationenlange Kontinuität in der Art der
Waldbehandlung
starke
Eingriffe in Notsituationen (Nothiebe) sind für Plenterwälder sehr abträglich
ständiges
Arbeiten auf ganzer Waldfläche erfordert besonders weitgehende Erschließung mit
Waldstraßen und Rückewegen
Schwierigkeiten
mit lichtbedürftigen Baumarten (Larix)
große
Schwierigkeiten bei der Überführung von Schlagwäldern in Plenterwälder
Hiebformen
im Hochwald Schirm- und Femelschlag
Hiebformen
im Hochwald - Saumschlag
Hiebformen
im Hochwald - Kahlschlag
Vorteile
einer Kahlschlagwirtschaft
pro
Flächeneinheit fallen periodisch (ca. 70-100 a) große Mengen Holz an
es
lohnt sich, Straßen anzulegen und Erntemaschinen einzusetzen
Holzernte
kann billig maschinell erfolgen
Hiebsordnung
ist leicht einzuhalten
große
Freiheit in Baumartenwahl
natürliche
Verjüngung für Lichtholzarten möglich (Samenbaum-Methode)
Nachteile
einer Kahlschlagwirtschaft
Jungpflanzen
müssen gesetzt und über Jahre gepflegt werden
in
geneigtem Gelände droht Erosion
explosionsartige
Entwicklung verjüngungshemmender Bodenvegetation (Vergrasung der Schlagflächen)
die
verbesserten Lebensbedingungen der zersetzenden Bodenorganismen führen bei
durch Kahlschlag unterbrochener Zufuhr frischer Streu zu beschleunigtem Abbau
der toten organischen Substanz, besonders schlecht für humusarme Böden
Nährstoffkreislauf
zwischen Boden und Bestand wird für Jahre entkoppelt
Der
Fichtenhochwald-Monokultur
gleichaltrige
Fichtenmonokulturen in Kahlschlagwirtschaft sind sehr windwurfgefährdet, daher:
Willst
du deinen Wald vernichten, so pflanze nichts als Fichten
Grünland
Die
Bewirtschaftungsweisen
Wiesen:
werden gemäht, Zweck ist Futterbevorratung
Weiden:
Zweck ist eine Ernährung der Haustiere bei minimalem Arbeitsaufwand
Wiesentypen
(Molino-Arrhenatheretea)
Streuwiesen:
auf staunassen Flächen, meist Cyperaceen dominiert, später Schnitt und Nutzung
als Einstreu (historisch sehr bedeutend) (Gesellschaften aus Ordnung
Molinietalia)
Futterwiesen:
Zahl der Schnitte stark abhängig von Nährstoff- und Feuchtevorrat im Boden
(Gesellschaften aus Ordnung Arrhenatheretalia)
Weidetypen
(z. B. Nardetea)
Triftweide:
über Jahre genutzte Weidefläche, Strukturkennzeichen sind Strauchinseln (Arten
häufig mit Stacheln oder Dornen, z.B. Rosa spec., Berberis vulgaris, Crataegus
spec., Juniperus communis)
Standweide:
Vieh bleibt über Monate auf Weidefläche, dann allenfalls Säuberungsschnitt,
Strukturkennzeichen sind Geilstellen
Rotations-
oder Umtriebweide: Weidefläche parzelliert, Vieh bleibt nur wenige Tage bis ca.
2 Wochen auf der einzelnen Weideparzelle
Streuwiese
Mähwiese
Triftweide
Standweide
Rotationsweide
Die
Alm - eine verbreitete Form der Triftweide
Der
Zweck
Schonung
der Grünlandflächen im Tiefland
→
größere Futterbevorratung möglich
→
größere Weidetierzahlen können den Winter über gehalten werden
Die
Auswirkungen
Absenken
der aktuellen Waldgrenze um ca. 200-300 m
Die
Strukturmerkmale:
teilweise
ausgeprägte Trittsteige des Weideviehs (Weidegangeln)
Zunahme
einiger Weideunkräuter" = vom Vieh gemiedener Stauden (z.B. Veratrum
album, Rumex alpinus, Deschampsia caespitosa)
Zunahme
von strauchigen Gehölzen (Pinus mugo, Rhododendron ferrugineum)
zögerndes
Aufkommen von Gehölzen der Baumschicht aus Anflug (z.B. Krüppelfichten)
Pflegemaßnahmen
Aushacken
von die Weidequalität verschlechternder (Holz-)Pflanzen (Schwenden)
[Schlegeln
von Zwergsträuchern und gemiedener Grasfluren]
Almweide
Ackerland
Die
Bewirtsschaftungsweisen
Hackfruchtkulturen:
z.B. Kürbis, Gemüsearten des Hausgartens
Saatkulturen:
z.B. Getreide
Dauerkulturen:
z.B. Klee, Feldluzerne
Kulturmaßnahmen
(Ausschalten der Konkurrenz!) führen zur Auslese eines Sets von Beikräutern
(Unkräuter) mit bestimmten Merkmalen
Dominanz
der Therophyten, auch einige lästige Rhizomgeophyten
rasche
Entwicklung von Blüte und Frucht
viele
Selbstbestäuber, daher Blüten oft unscheinbar
viele
kletternde und windende Arten
weitere,
die Unkraut-Gesellschaften mitbestimmende Fakturen
pH-Wert
des Bodens
Korngröße
(sandig-schotterig oder lehmig-humos)
Herbizideinsatz
Ackerbeikrautgesellschaften
Literaturauswahl
Ellenberg,
H. 1996: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer
und historischer Sicht. 5. Aufl. Stuttgart: Ulmer Verlag. 1096 pp. ISBN:
3-8252-8104-3 [59,00 Eur[D] / 60,70 Eur[A]]
Die
Pflanzengesellschaften Österreichs, 3-bändig, umfangreiche Literaturverz.!
Mucina,
L., Grabherr G. & Ellmauer, T. (Hrsg.) 1993: Die Pflanzengesellschaften
Österreichs. Teil. I: Anthropogene Vegetation. - Jena, Stuttgart, New York:
Gustav Fischer.
Grabherr,
G. & Mucina, L. (Hrsg.) 1993: Die Pflanzengesellschaften Österreichs. Teil.
II: Natürliche waldfreie Vegetation. Jena, Stuttgart, New York: G. Fischer.
Mucina,
L., Grabherr G. & Wallnöfer, S. (Hrsg.) 1993: Die Pflanzengesellschaften
Österreichs. Teil. III: Wälder und Gebüsche. - Jena, Stuttgart, New York:
Gustav Fischer.
Husen,
D. van 1987: Die Ostalpen in den Eiszeiten. Wien: Geologische Bundesanstalt. 24
pp., 1 paläogeographische Karte der letzten Eiszeit 1:500.000.
Mayer,
H. 1974: Wälder des Ostalpenraumes. Fischer: Stuttgart.
Merxmüller,
H. & Poelt, J. 1954: Beiträge zur Florengeschichte der Alpen. - Berichte
der Bayerischen Botanischen Gesellschaft 30: 91 - 101.
Ozenda,
P. 1988: Die Vegetation der Alpen im europäischen Gebirgsraum. Stuttgart, New
York: Gustav Fischer, 353 pp. ISBN: 3-8252-8104-3
Wagner,
H. 1985: Die natürliche Pflanzendecke Österreichs. Wien: Verlag der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Exkursion 1:
Typen laubwerfender Wälder der unteren Höhenstufen am Alpenostrand
Laubwerfende Wälder sind die wichtigste Vegetationsformation des Zonobioms
VI der temperierten, nemoralen Zone.
Das gemäßigte Klima ist mit folgenden Schlagworten charakterisierbar:
ganzjährig humide Verhältnisse, Jahresniederschläge ca. 500 - 800 mm,
Jahrestemperaturmittel ca. 5 - 10° C, Niederschlagsmaximum in der warmen
Jahreszeit, kalte Jahreszeit mit Frost- und/oder Eistagen.
Der zonale Bodentypus ist der Braune Waldboden: Es handelt sich dabei um junge,
im wesentlichen erst im Postglazial entstandene Böden mit schwach abgesetzten
Bodenhorizonten und schwach saurer Reaktion. Die Braunfärbung wird durch die
Abspaltung von Eisenoxidhydraten hervorgerufen und der Humushorizont ist als
Mull ausgebildet. Der Aufbau von sekundären Tonmineralien aus primären
Silikaten ist weit fortgeschritten, jedoch tritt im Gegensatz zu Podsolböden
kein Tonzerfall ein. Im Profil ist kein morphologisch erkennbarer
Anreicherungshorizont nachweisbar. Nicht verwechseln mit Braunem Steppenboden
(= Braunerde, Burosem)!
Laubwurf ist eine Antwort der Gehölze auf die kalte Jahreszeit, um den
Stoffverlust gering zu halten. Laubwerfend sind nicht nur die zonalen Wälder
(z. B. Buchenwälder, Eichenwälder) sondern auch die azonalen (z.B.
Ahorn-Eschenreiche Wälder, Weiden-Pappelwälder).
Wälder in Mitteleuropa sind bis auf winzige Urwaldreste Wirtschaftswälder mit
unnatürlicher Bestandesstruktur. Naturnah ist daher nicht der Wald selbst,
sondern bestenfalls sind die den Wald aufbauenden Gehölzarten als naturnah zu
bezeichnen, sofern sie standortsautochthon sind.
Übersicht der wichtigeren Waldtypen der collinen Stufe
Die zonalen Wälder der Tieflagen sind Eichenwälder oder bodensaure
Buchenwälder. Mit steigender Seehöhe nimmt der Anteil der Rotbuche zu. Der
Anteil der Hainbuche ist durch Wirtschaftsmaßnahmen oft künstlich erhöht; in
postglazialen Urwäldern spielte sie nach palynologischen Befunden eine
wesentlich geringere Rolle als in heutigen Wirtschaftswäldern.
Entsprechend den Bodenfeuchte- und Nährstoffverhältnissen, den pH-Werten der
Böden, allenfalls im Zusammenwirken mit bestimmten thermischen Bedingungen,
sind im Alpenvorland folgende Eichen-und Buchenwaldtypen häufig:
Bodensaure Stieleichenwälder
Solche entwickeln sich am SE-Rand der Alpen vor allem über diluvialen und
alluvialen Schottern und lehmigen Sanden mit Rohhumusauflagen.
Beispiel eines bodensauren Stieleichenwaldes:
Baumschicht: Quercus robur, Pinus sylvestris, Castanea sativa; Picea
abies, Tilia cordata, Carpinus betulus, Betula pendula, Fagus sylvatica, Sorbus
aucuparia
Strauchschicht: Frangula alnus, Cornus sanguinea; lokal auch Alnus
alnobetula!
Krautschicht: Avenella flexuosa, Genista pilosa, Genista germanica,
Genista sagittalis, Hieracium murorum agg., Luzula luzuloides, Vaccinium
myrtillus, Melampyrum pratense, Pteridium aquilinum, Maianthemum bifolium,
Carex digitata, Calluna vulgaris, Oxalis acetosella, Potentilla erecta,
Fragaria vesca, Orthilia secunda.
An nährstoffarmen, sonnigen Böschungen weiters: Sarothamnus scoparius,
Lembotropis nigricans, Chamaecytisus hirsutus, Lychnis viscaria, Campanula
persicifolia, Trifolium medium, Lathyrus linifolius, Fragaria moschata,
Euphorbia cyparissias, Knautia arvensis, Verbascum nigrum.
Eichen-Hainbuchenwälder
Von den zahlreichen in Mitteleuropa beschriebenen Typen finden wir im
steirischen Hügelland über kalkhältigem Untergrund und Braunerde- oder
Humuskarbonatböden eine Gesellschaft etwa folgender Artenzusammensetzung:
Baumschicht: Carpinus betulus, Fagus sylvatica, Quercus robur, Quercus
petraea, Acer campestre, Tilia cordata, Cerasus avium
Strauchschicht: Ligustrum vulgare, Cornus sanguinea, Crataegus monogyna,
Viburnum lantana
Krautschicht: Brachypodium sylvaticum, Knautia drymeia, Campanula
persicifolia, Campanula trachelium, Cyclamen purpurascens, Fragaria vesca,
Hieracium murorum, Melampyrum pratense, Salvia glutinosa, Buphthalmum
salicifolium, Galium sylvaticum, Festuca heterophylla, Poa nemoralis, Sesleria
albicans.
Dieser Typ von Eichen-Hainbuchenwäldern steht je nach Exposition in
Kontakt mit bestimmten Typen von Kalkhangbuchenwäldern und wärmeliebenden
Eichenwäldern. Der hohe Anteil von Hainbuche in der Baumschicht ist
wahrscheinlich anthropogen bedingt, da Carpinus betulus aus Stockausschlag gut
verjüngt. (vergl. Teil 2: Niederwaldwirtschaft).
Siehe auch unter Vegetation an Fließgewässern den Abschnitt über aus
Harten Auen hervorgegangene Eichen-Hainbuchenwälder!
Wärmeliebende (thermophile) Eichenmischwälder
Wärmeliebende Eichenmischwälder haben ihr Hauptverbreitungsgebiet im
submediterranen Raum. In den warmen Gebieten Mitteleuropas gehören zu diesen
extrazonale Dauergesellschaften, die als Relikte des wärmebegünstigten
Postglazials zu verstehen sind. Die mitteleuropäischen Inseln findet man
demnach an trockenen Südhängen über flachgründigen kalkhaltigen Böden. Sie sind
gekennzeichnet durch ein niederes, lückiges Kronendach, gut entwickelte
Strauchschicht und dem gehäuften Auftreten thermophiler Kräuter im Unterwuchs.
Baumschicht: Quercus petraea, Quercus pubescens, Quercus robur, Sorbus
torminalis, Sorbus aria, Acer campestre, Carpinus betulus, Cerasus avium, Pinus
sylvestris, Tilia platyphyllos, Ostrya carpinifolia (reliktär), Fraxinus ornus
(reliktär)
Strauchschicht: Viburnum lantana, Crataegus monogyna, Ligustrum vulgare, Cornus
sanguinea, Corylus avellana, Euonymus europaea, Pyrus pyraster, stellenweise
auch Cornus mas, Rhamnus cathartica, Rosa arvensis, Lembotropis nigricans,
Chamaecytisus hirsutus
Krautschicht: Brachypodium sylvaticum, Brachypodium pinnatum, Festuca
heterophylla, Bromus benekenii, Melica nutans, Poa nemoralis, Sesleria albicans
(wenn unter Karbonateinfluß), Carex humilis, Hierochloe australis (unstet),
Carex spicata, Cardaminopsis arenosa, Arabis hirsuta, Fragaria moschata,
Trifolium medium, Vicia orobus (unstet), Peucedanum cervaria, Peudedanum
oreoselinum, Seseli libanotis (Libanotis pyrenaica), Laser trilobum,
Laserpitium latifolium, Bupleurum falcatum, Euphorbia angulata, Euphorbia
cyparissias, Silene nemoralis, Silene nutans, Silene vulgaris Viola hirta,
Viola reichenbachiana, Knautia drymeia, Cyclamen purpurascens, Melittis
melissophyllum, Teucrium chamaedrys, Clinopodium vulgare, Stachys recta, Salvia
glutinosa, Galium sylvaticum, Verbascum austriacum, Campanula persicifolia,
Campanula trachelium, Campanula rotundifolia, Vincetoxicum hirundinaria,
Tanacetum corymbosum, Leontodon incanus, Buphthalmum salicifolium, Hieracium
murorum, Mycelis muralis, Anthericum ramosum, Polygonatum odoratum, Convallaria
majalis
Auf Lichtungen und an Waldrändern: Geranium sanguineum, Galium glaucum
Im Mosaik mit Eichenwaldresen finden sich felsdurchsetzten Südhängen oft
Felsrasen und Felsspaltengesellschaften
Steile, von Schrofen durchsetzte Hänge bewalden sich auch im Tiefland nur
lückig. Zwischen den locker stehenden Bäumen oder Büschen können natürliche
Rasenflächen und in Gesteinsfugen Felsspaltengesellschaften ausgebildet sein.
Solche entwickeln sich hauptsächlich über Kalkgestein, weil dieses eher zu
solchen Oberflächenformen neigt.
Beispiel eines Felsrasens:
Sesleria albicans, Centaurea stoebe, Centaurea scabiosa, Stachys recta,
Leontodon incanus, Peucedanum oreoselinum, u.a.
Beispiel einer Felsspaltengesellschaft
Asplenium ruta-muraria, Seseli austriacum, Scorzonera austriaca, Dianthus
plumarius, u.a.
Kalkhangbuchenwälder (Trockenhang-Kalk-Buchenwald)
An warm-trockenen Standorten über kalkreichem Untergrund stellen sich
Buchenwälder ein, die durch waldbewohnende Orchideen im Unterwuchs
charakterisiert werden können. Relativ enge floristische Beziehungen bestehen
zu den Flaumeichenwäldern.
Baumschicht: Fagus sylvatica
Strauchschicht: Fagus sylvatica, Cornus sanguinea, Ligustrum vulgare, Acer
campestre, Rosa arvensis, Berberis vulgaris, Lembotropis nigricans
Krautschicht: Cephalanthera damasonium, Cephalanthera rubra, Neottia nidus-avis,
Sesleria albicans, Melica nutans, Poa nemoralis, Calamagrostis varia, Carex
ornithopoda, Genista germanica, Euphorbia amygdaloides, Cyclamen purpurascens,
Salvia glutinosa, Myosotis sylvatica, Veronica grandiflora, Galium sylvaticum,
Knautia drymeia, Cirsium erysithales, Hieracium murorum, Buphthalmum
salicifolium, Prenanthes purpurea, Mercurialis perennis, Solidago virgaurea,
Dryopteris filix-mas
·Hainsimsen-Buchenwälder
Hainsimsen-Buchenwälder sind weit verbreitete Schlussgesellschaften über mineralarmen
Silikatgesteinen mit podsoligen Braunerden und charakteristischen
Moderauflagen. Sie sind einfach strukturiert und hochstämmig.
Beispiel eines Hainsimsen-Buchenwaldes:
Baumschicht: Fagus sylvatica, Abies alba, Quercus robur; durch die Bewirtschaftung
werden gefördert: Picea abies, Pinus sylvestris, Betula pendula (als
Pioniergehölz)
Strauchschicht: Sorbus aucuparia, Frangula alnus
Krautschicht: Luzula luzuloides, Luzula sylvatica, Avenella flexuosa, Milium
effusum, Oxalis acetosella, Vaccinium myrtillus, Veronica urticifolia,
Hieracium murorum, Prenanthes purpurea, Solidago virgaurea, Mycelis muralis,
Dryopteris filix-mas, Athyrium filix-femina
Moosschicht: Polytrichum formosum, Dicranum scoparium.
Vegetation in Talschluchten
Schattige Hangfüße und enge Taleinschnitte sind mit Ahorn-Eschen-Ulmenwäldern
bestockt.
Standörtliche Charakteristika sind die relativ gute Nährstoffversorgung, die
Durchfeuchtung der Böden mit Hangsickerwasser ohne Staunässe und die hohe
mikrobielle Aktivität im Boden. Vom Kleinklima sind die Faktoren Milderung der
Temperaturextreme im Tageslauf und eine hohe Luftfeuchte bemerkenswert.
Floristisch, räumlich und ökologisch bestehen enge Beziehungen zu
Buchenwäldern.
Der Unterwuchs dieser Wälder wird durch zahlreiche großblättrige Stauden, durch
üppiges Farnwachstum und eine gut entwickelte Moosschicht geprägt.
Beispiel eines Ahorn-Eschen-Ulmenwaldes:
Baumschicht: Fraxinus excelsior, Acer pseudoplatanus, Ulmus glabra, Tilia
cordata; Abies alba, Fagus sylvatica, Carpinus betulus, Picea abies
Strauchschicht: Sambucus nigra, Ribes uva-crispa, Viburnum opulus, Salix
caprea, Daphne mezereum
Krautschicht: Milium effusum, Carex sylvatica, Carex brizoides, Carex remota,
Actaea spicata, Lunaria rediviva, Cardamine trifolia, Chrysosplenium
alternifolium, Aruncus dioicus, Mercurialis perennis, Geranium robertianum,
Chaerophyllum hirsutum, Stellaria nemorum, Stellaria holostea, Lamiastrum
montanum, Galeopsis speciosa, Galium odoratum, Phyteuma spicatum, Campanula
trachelium, Impatiens noli-tangere, Hieracium lachenalii, Tephroseris
longifolia, Prenanthes purpurea, Petasites albus, Phyllitis (=Asplenium)
scolopendrium, Polystichum aculeatum, Polystichum braunii, Thelypteris
phegopteris, Polypodium vulgare, Gymnocarpium dryopteris, Dryopteris filix-mas,
Dryopteris dilatata, Athyrium filix-femina, Dryopteris affinis, Asplenium
trichomanes
Weiters kommen vor: Brachypodium sylvaticum, Poa nemoralis, Melica nutans,
Deschampsia cespitosa, an Stellen mit saurerem Boden auch Avenella flexuosa,
Luzula luzuloides; Carex digitata; Paris quadrifolia, Polygonatum multiflorum,
Maianthemum bifolium, Crocus vittatus, Anemone nemorosa, Ranunculus
lanuginosus, Ranunculus ficaria, Cardaminopsis arenosa, Cardamine impatiens,
Hedera helix, Oxalis acetosella, Viola reichenbachiana, Corydalis cava, Asarum
europaeum, Urtica dioica, Rubus fruticosus agg., Aegopodium podagraria,
Sanicula europaea, Moehringia trinervia, Cyclamen purpurascens, Gentiana
asclepiadea, Symphytum tuberosum, Pulmonaria officinalis, Salvia glutinosa,
Melampyrum pratense, Galium sylvaticum, Doronicum austriacum, Mycelis muralis,
Hieracium murorum, Crepis paludosa, Solidago virgaurea
Lokal am Ostrand des steirischen Randgebirges treten hinzu: Dentaria trifolia,
Pulmonaria stiriaca, Carex pilosa, Carex pendula.
Moosschicht sowohl stellenweise auf dem Boden, als auch in Form von Überzügen
von Felsblöcken und kleinen Abbrüchen sowie auf (schrägen) unteren
Stammabschnitten: Conocephalum conicum, Rhizomnium punctatum, Plagiomnium
undulatum, Eurhynchium striatum, Brachythecium rivulare, Atrichum undulatum,
Hypnum cupressiforme, Metzgeria conjugata, Trichocolea tomentella, Plagiochila
asplenioides.
Die pflanzengeographische Sonderstellung der Koralpe (unvergletschert während
der letzten Eiszeit) wird durch das Vorkommen mehrerer Reliktendemiten
unterstrichen. So findet man im Gebiet in der Nähe kleiner Wasserfälle
Doronicum cataractarum, in alpinen, besonnten Felsspalten von Gneisschrofen
Moehringia diversifolia und an schattigen Überhängen in Schluchtwäldern
Saxifraga paradoxa.
Vegetation an Fließgewässern
Bäche und Flüsse werden von Gehölzstreifen begleitet, deren spezifische Zusammensetzung und Bestandesstruktur von der Wasserführung und dem Gefälle des Flusslaufes abhängen (mit den damit in Zusammenhang stehenden Standortsfaktoren mechanische Beanspruchung der Pflanzen in Ufernähe, Erosion, Sedimentation, periodische Nährstoffzufuhr, jährliche Schwankungen des Wasserstandes im Gerinne und im Grundwasserspiegel, Sortierung der Korngrößen der Sedimente). Es handelt sich dabei um typische azonale Vegetationskomplexe.
Flussabschnitte und die sie begleitenden Vegetationstypen:
# Quellauf (mit starkem Gefälle, vorwiegend Erosion): begleitet von
Hochstaudenfluren ohne Zonierung: mit Peucedanum ostruthium, Epilobium
alsinifolium, Saxifraga aizoides, Petasites albus, Crepis paludosa, Carex
frigida, Cardamine rivularis, Deschampsia cespitosa, u. a.
# Oberlauf (Sedimentation von Schotter und Kies, flache Überflutung bei
Hochwasser): Vegetationszonierung in Kiesbettflur (mit Caltha palustris; über
Kalkschottern Chondrilla chondrilloides, Epilobium fleischeri), Weidengebüsch
(mit Salix eleagnos, S. daphnoides, S. purpurea, Myrica germanica) und
Grauerlenwald (Alnus incana in Baumschicht; Petasites albus, Carduus personata,
Mattheucia strutiopteris, Chaerophyllum hirsutum in Krautschicht).
# Mittellauf (von den größeren Gebirgstälern und dem Gebirgsrand flussabwärts,
Dynamik von Erosion und Sedimentation = Anlandung, beginnende
Flussschlingenbildung = Mäander): an unverbauten Flussabschnitten ausgeprägte
Vegetationszonierung in Zone der Einjährigen (Chenopodium-, Polygonum- und
Bidens-Arten), Zone bodendeckender Gräser (mit Agrostis tenuis), Flussröhricht
(mit Phalaris arundinacea), Weidengebüsch (mit Salix triandra, Salix
viminalis), Weiche Au (mit Salix alba, Salix fragilis, Salix triandra, Populus
nigra, Populus alba) und Harte Au (mit Ulmus laevis, Fraxinus excelsior, Tilia
cordata, Quercus robur, Acer negundo, Robinia pseudacacia, Carpinus betulus).
# Unterlauf (mit Gefälle unter 0,3 %, überwiegend feinkörnige Sedimentation,
Mäanderbildung): Vegetationszonierung ähnlich jener am Mittellauf. Den Fluss
begleitende Totarme verlanden seenartig.
# Mündungslauf (Ausbildung von Deltamündungen, wenn Tidenhub im vorgelagerten
Meer gering, wenn Tidenhub groß, dann Trichtermündungen): an Deltamündungen
ausgedehnte Salzmarschen, Sandvegetation und Wiesen, an Trichtermündungen bis
ans Ufer reichende Gehölzformationen.
Beispiel einer Pappel-Eschenau
Baumschicht: Fraxinus excelsior, Populus nigra, Padus avium, Ulmus laevis,
Salix alba, Tilia cordata; weiters die aus N-Amerika stammenden Forstgehölze
Acer negundo und Robinia pseudacacia
Strauchschicht: Sambucus nigra, Cornus sanguinea, Euonymus europaea, Corylus avellana;
Humulus lupulus, Clematis vitalba, Rubus caesius; stellenweise in Ostösterreich
auch Vitis sylvestris
Krautschicht: Arum maculatum, Allium ursinum, Galium aparine, Geum urbanum,
Aegopodium podagraria, Isopyrum thalictroides, Urtica dioica, Asarum europaeum,
Lamium maculatum, Phalaris arundinacea, Impatiens glandulifera (eingeschleppt
aus Ostasien), Cirsium oleraceum, Stellaria media, Ranunculus repens, Dactylis
glomerata, Filipendula ulmaria, Solidago gigantea (eingeschleppt aus
N-Amerika), Galeopsis speciosa, Paris quadrifolia, Lamiastrum montanum,
Cardamine impatiens, Galanthus nivalis, Ornithogalum umbellatum, Cerastium
holosteoides, Deschampsia cespitosa, Colchicum autumnale, Stellaria nemorum,
Geranium phaeum, Pulmonaria officinalis, Anemone nemorosa, Anemone
ranunculoides, Omphalodes scorpioides, Carex sylvatica, Ajuga reptans,
Rudbeckia laciniata (Kulturflüchtling aus N-Amerika), Stachys sylvatica,
Chaerophyllum hirsutum, Anthriscus sylvestris, Heracleum sphondylium, Cardamine
impatiens, Melica nutans, Poa trivialis, Symphytum tuberosum, Tussilago
farfara, Lysimachia nummularia, Gagea lutea, Caltha palustris, Primula
vulgaris, Primula elatior, Corydalis solida, Corydalis cava, Agropyron repens,
Veronica hederifolia, Alliaria petiolata, Ajuga reptans, Chrysosplenium
alternifolium, Chelidonium majus, Geranium robertianum, Rumex obtusifolius,
Allium schoenoprassum, u. a.
An Ufern von Totarmen auch: Phragmites australis, Cardamine amara, Iris
pseudacorus; in Totarmen gelegentlich auch Hottonia palustris, Lemna trisulca
und andere gefährdete Arten.
Die "Harte Au" steht im unmittelbaren Kontakt mit
Eichen-Mischwäldern der Tieflagen. Die Herkunft solcher Eichen-Hainbuchenwälder
aus Auwäldern kann in erster Linie an den feinsandigen Böden und am Auftreten
mehrerer stickstoffliebender Arten in der Krautschicht erschlossen werden.
Beispiel eines Eichen-Hainbuchenwaldes (vormals Harte Au):
Baumschicht: Quercus robur, Carpinus betulus
Strauchschicht: Ulmus campestris, Padus avium, Sambucus nigra, Acer campestre
Krautschicht: Galium aparine, Geum urbanum, Veronica hederifolia, Ficaria
verna, Lamium maculatum, Milium effusum, Lamiastrum montanum, Pulmonaria
officinalis, Corydalis cava, Anemone nemorosa, u. a.
Vegetation an stehenden Gewässern
Typologie von Gewässern nach Nährstoffgehalt: oligotroph, mesotroph,
eutroph, dystroph
In meso- und eutrophen, stehenden Gewässern können organische Substanzen in
solchen Mengen erzeugt werden, daß diese Seen und Teiche allmählich mit
Bestandesabfall aufgefüllt werden (Verlandung). Sedimenteintrag aus Zuflüssen
beschleunigt diesen Prozeß. An Seen und Teichen ist die Vegetation in
gürtelartigen Zonen angeordnet. Die prägenden Standortsfaktoren sind die Dauer
der Überflutung und edaphische Bedingungen. Viele der Pflanzengesellschaften an
Ufern machen rhythmisch limose Ökophasen (Überflutungen) durch, was eine enge
Verzahnung von schwebender Makrophytenvegetation mit Röhricht und Ried bedingt.
Beispiele von limnischen Vegetationskomplexen und Verlandungszonen:
a) unterseeische Rasen mit Characeae und Potamogeton-Arten: vor allem in
karbonatreichen Gewässern
b) Schwimmpflanzendecken: auf dem freien Wasser, aber oft in Ufernähe
zusammengeschwemmt, mit Lemna minor, Spirodela polyrhiza, Riccia fluitans
c) Schwimmblattgesellschaften: mit Potamogeton natans, Trapa natans, Glyceria
fluitans, allenfalls auch Nymphaeaceae (z.B. Nymphaea alba) und Polygonum
amphibium
c) Röhrichte: Gürtel hochwüchsiger Stauden mit Polykormonbildungen,
Pionierverlandungszone, dauernd überflutet, submerse Böden extrem
sauerstoffarm, z. B. Phragmites australis, Typha latifolia, Schoenoplectus
lacustris, Bolboschoenus maritimus, Iris pseudacorus, Scirpus radicans, Acorus
calamus, dazwischen auch Alisma plantago-aquatica, Oenanthe aquatica, Sparganium
emersum; in mesotrophen Gewässern Equisetum fluviatile
d) Großseggenrieder: Bestände mit dominanten hochwüchsigen Seggen mit
Polykormonbildungen, z. B. Carex elata, Carex vesicaria, Carex pseudocyperus,
Carex gracilis, Carex vulpina, Glyceria fluitans, Poa palustris, Alopecurus
aequalis, Leersia oryzoides, Scutellaria galericulata, Lycopus europaeus,
Galium palustre, Callitriche cophocarpa, Lythrum salicaria, Lysimachia
vulgaris, Ranunculus flammula, Myosotis scorpioides, Peucedanum palustre,
Polygonum lapathifolium, Eleocharis acicularis, Eleocharis palustris, Gratiola
officinalis; in mesotrophen Gewässern Carex rostrata
e) Grauweidengebüsch: wassernächster Gürtel mit Gehölzen, z.B. Salix cinerea,
Salix triandra, Frangula alnus, Cirsium palustre, Deschampsia cespitosa,
Agrostis stolonifera, Luzula multiflora
f) Erlenbruch: eine Dauergesellschaft über staunassen Böden, mit Alnus
glutinosa, Frangula alnus, Salix cinerea, Molinia caerulea, Dryopteris
carthusiana, Cirsium palustre, Carex brizoides, Carex elongata, Galium
palustre, Lycopus europaeus, Lysimachia vulgaris, Solanum dulcamara, Myosotis
scorpioides, Valeriana dioica, Caltha palustris, in moorartigen Komplexen auch
Potentilla palustris, Carex rostrata, Equisetum fluviatile und Sphagnum spec.
Grünland
Wirtschaftswiesen: ein Typ anthropogener Vegetation
Ohne Mahd und Beweidung gäbe es in den unteren und mittleren Höhenstufen in
Mitteleuropa über Böden ausreichender Güte praktisch keine Wiesen. Nur
regelmäßig wiederholte Ernte- oder Pflegemaßnahmen können das Aufkommen von
Gehölzen hintanhalten. Wiesen sind daher anthropogene Dauergesellschaften. In
Abhängigkeit von der Bewirtschaftungsform dominieren in Wiesen
regenerationsfreudige, raschwüchsige Hemikryptophyten. Therophyten stellen sich
nur zeitweise an offenen Stellen ein. Regelmäßige Mahd lässt die Bestände rasch
verarmen. Um die Produktivität zu erhalten, muß gedüngt werden. Gedüngte
Wiesen, die mehrfach im Jahr abgeerntet werden können, nennt man Fettwiesen.
Durch hohe Stickstoffgaben werden einige Arten besonders gefördert (bei
Stallmistdüngung Dactylis glomerata, Taraxacum officinale, Rumex obtusifolius,
bei Jauchendüngung Anthriscus sylvestris, Heracleum spondylium) und nehmen
überhand.
Beispiel einer Fettwiese:
Arrhenatherum elatius, Avenula pubescens, Trisetum flavescens, Festuca
pratensis, Poa pratensis, Dactylis glomerata, Anthoxanthum odoratum, Lolium
perenne, Phleum pratense, Holcus lanatus; Cynosurus cristatus, Ranunculus
acris, Trifolium pratense, Lotus corniculatus, Medicago lupulina, Medicago
sativa, Vicia sepium, Cardamine pratense, Heracleum sphondylium, Pastinaca
sativa, Plantago lanceolata, Rumex acetosa, Ajuga reptans, Knautia arvensis,
Veronica serpyllifolia, Rhinanthus minor, Galium album, Campanula patula,
Crepis biennis, Tragopogon orientalis, Achillea millefolium agg., Leucanthemum
ircutianum, Bellis perennis, Equisetum arvense
Differentialarten für hohes Nährstoffangebot: Rumex obtusifolius, Aegopodium
podagaria, Ranunculus repens, Anthriscus sylvestris
Differentialarten für hohen Grundwasserspiegel oder hochliegende
Quellhorizonte: Lychnis flos-cuculi, Alopecurus pratensis, Cirsium oleraceum,
Betonica officinalis, Sanguisorba officinalis
Differentialarten für relative Bodentrockenheit: Bromus erectus, Festuca
rupicola, Carex caryophyllea, Ranunculus bulbosus, Salvia pratensis, Galium
verum, Euphorbia cyparissias, Linum catharticum, Lychnis viscaria, Silene
nutans, Dianthus carthusianorum, Pimpinella saxifraga, Plantago media. Mehrere
dieser Arten kommen auch in reliktären, natürlichen Trockenrasen
(Steppeninseln) vor.
Weitere Formen der Grünlandbewirtschaftung sind Streuwiesen, Standweiden,
Rotationsweiden und Triftweiden.
Ackerunkrautgesellschaften in Mitteleuropa
Große Flächen Europas sind heute Ackerland. Den in Äckern gebauten
Kulturpflanzen sind immer auch unerwünschte, wenig stetige Kräuter beigemengt
(Unkräuter, Ackerbeikräuter). Diese sind entweder seit alters her bei uns
heimisch oder wurden vor längerer oder kürzerer Zeit - oft im Gefolge neu
angebauter Kulturpflanzen - eingeschleppt. Neben Saatgutreinigung, Art der
Kulturpflegemaßnahmen und allenfalls stattfindender chemischer Bekämpfung sind
es vor allem edaphische Standortsfaktoren (pH des Bodens, vorherrschende
Korngröße), die die Artenzusammensetzungen von Unkrautgesellschaften bedingen.
Eigenschaften erfolgreicher Unkräuter:
a) Therophyten mit rascher Entwicklung von Keimung zur Fruchtreife
b) gute Regeneration nach mechanischer Schädigung
c) zeitliche Einnischung in Bearbeitungsrhythmus
d) Toleranz gegen zeitweilige Beschattung oder Fähigkeit zum Hochklettern
e) allenfalls Entwicklung einer Resistenz gegen chemische
Unkrautbekämpfungsmittel
Unkrautfluren eines Getreidefeldes über sauren, sandig-lehmigen Böden
Apera spica-venti, Agropyron repens, Carex hirta, Ranunculus repens, Aphanes
arvensis, Viola tricolor, Vicia hirsuta, Vicia grandiflora, Vicia tetrasperma,
Capsella bursa-pastoris, Stellaria media, Cerastium holosteoides, Spergula
arvenis, Sherardia arvensis, Scleranthus annuus, Chenopodium album, Chenopodium
polyspermum, Fallopia convolvulus, Lamium purpureum, Galeopsis tetrahit,
Polygonum aviculare, Viola arvenis, Convolvulus arvensis, Myosotis arvensis,
Asperula arvensis, Galium aparine, Veronica arvensis, Veronica persica,
Centaurea cyanus, Sonchus asper, Senecio vulgaris, Galinsoga parviflora,
Galinsoga ciliata, Cirsium arvense, Lapsana communis, Matricaria chamomilla,
Gnaphalium uliginosum, Tripleurospermum inodorum, Anthemis arvensis, Anthemis
cotula, Equisetum arvense; früher auch Agrostemma githago
Beachte: Die auffällig blühenden Unkräuter Papaver rhoeas und Centaurea cyanus
wachsen bevorzugt und in größerer Menge in Getreidekulturen über
karbonatreichen Böden.
Unkrautfluren eines Maisackers
Echinochloa crus-galli, Digitaria sanguinalis, Setaria glauca, Amaranthus
retroflexus; im Sommeraspekt oft auch andere panicoide Gräser; im Keimreservoir
des Ackerbodens auch Samen und Früchte zahlreicher anderer Arten
Formen der Waldbewirtschaftung und die Sukzession auf Schlagflächen
Während des Mittelalters begann in Mitteleuropa eine regellose Nutzung der
Waldflächen durch Holzentnahme, Waldweide, Streurechen und Umwandlung in
Ackerland. Gegen Ende des Mittelalters waren die Waldflächen der Niederungen
großteils zu parkartigen Landschaften über degradierten Böden verkommen (alte
Stiche und Ölbilder!). Bau- und Brennholzmangel und Futterknappheit waren die
Folge und verlangten eine Reglementierung der Waldnutzung. Je nach Art der
Bewirtschaftung entwickelten sich folgende Formen der Waldwirtschaft:
1.) Niederwälder
Es handelt sich dabei um die Ur- und Primitivform einer geregelten
Waldwirtschaft. Das Weidevieh musste aus den Schlägen ferngehalten werden, um
den jungen Stockausschlag zu schonen. Vereinzelt sind Niederwälder auch aus
einem extensiven Brandfeldbau hervorgegangen.
Das Charakteristikum im Habitus von Niederwäldern ist der mehrstämmige Wuchs
der einzelnen Baumindividuen. Im 15- bis 25-jährigen Zyklus wird der
heranwachsende Stockausschlag zur Brennholzgewinnung abgetrieben. Wegen der
Regenerationsfreudigkeit der Laubgehölze war es nicht notwendig, die neue
Baumgeneration durch setzen von Jungpflanzen zu begründen.
Carpinus, Tilia, Acer, Fraxinus, Corylus, Alnus und Salix vertragen den
Niederwaldbetrieb nahezu unbegrenzt. Quercus, Fagus und die Coniferen werden
durch die Niederwaldwirtschaft zurückgedrängt.
Niederwälder waren ab dem 13. Jahrhundert in Mitteleuropa verbreitet und man
findet sie heute noch großflächig im Mittelmeergebiet, in Mitteleuropa vor
allem in Ufergehölzstreifen, insbesondere an den Oberläufen der Flüsse.
2.) Mittelwälder
Das Zurückdrängen der Eiche in der Niederwaldwirtschaft war ein unerwünschter
Langzeiteffekt. Es entwickelte sich deshalb schon früh eine Form der
Waldbewirtschaftung, in der einzelne Bäume, bevorzugt Eichen, vom kurzfristigen
Umtrieb ausgenommen wurden. Es entsteht auf diese Weise der charakteristische
Habitus von Mittelwäldern mit lockerstehenden, sogenannten Überhältern und
einem Niederwald als untere Baumschicht. Eichen als Überhälter waren für die
Schweinemast günstig und lieferten das erwünschte Bauholz. Heute noch lokal im
Mediterrangebiet!
3.) Hochwälder
Vorbedingung für eine Hochwaldwirtschaft war die Trennung von Wald und Weide.
Die Bäume werden in der späten Wachstumsphase oder der Reifephase
eingeschlagen. Es sind die einzige Formen der Waldbewirtschaftung, in denen
ausreichend Bau- und Konstruktionsholz produziert werden.
Erste Hochwälder entstanden im 16. Jahrhundert, die große Umstellungsphase
folgte im 19. Jahrhundert.
Technische Verfahren:
a) Einschlag von Einzelbäumen (Plenterschlag): Angestrebt wird die
unterbrechungsfreie Fortdauer des Hochwaldzustandes. Vorteile: Keine
Degradation des Waldbodens, keine Neubegründung der neuen Baumgeneration.
Nachteil: hoher Arbeitsaufwand.
b) Einschlag von kleinen Baumgruppen (Femelschlag): etwa den Naturwäldern
entsprechende Verhältnisse, Vor- und Nachteile ähnlich wie bei a)
c) Einschlag von größeren Waldflächen (Kahlschlag): Vorteile: rationelle
Bewirtschaftung, homogene Bestände der gewünschten Baumarten. Nachteile:
ungünstig für die Ökologie des Waldes und des Waldbodens, Neubegründung der
nächsten Baumgeneration der gewünschten Baumart mit vorgezogenen Jungpflanzen.
Durch Kahlschlagwirtschaft werden Schattholzarten (z. B. Abies alba)
zurückgedrängt.
Der Einschlag von größeren Flächen setzt auf diesen eine charakteristische
Sukzession lichtliebender Pflanzenarten in Gang. Drastische Änderungen im
Licht-, Bodenfeuchtigkeits- und Humusabbauregime lösen Massenvermehrungen
anfliegender oder im Keimreservoir des Bodens verweilender Diasporen aus.
1. Erdbeer-Stadium: kurzzeitig, mit Fragaria vesca, Gnaphalium sylvaticum
2. grasreiches Stadium: mit Calamagrostis epigejos, Avenella flexuosa,
Brachypodium sylvaticum, Brachypodium pinnatum, Bromus benekenii, Bromus
ramosus, weiters Verbascum thapsus, Verbascum austriacum, Trifolium medium,
Hieracium murorum, Clinopodium vulgare, Salvia glutinosa, Veronica officinalis,
Lactuca perennis, Lathyrus nigricans, Prenanthes purpurea, u.a., auf nährstoffreichen
Böden dominieren Eupatorium cannabinum, Arctium nemorosum und Sambucus ebulus.
3. Himbeer-Stadium: mit Rubus idaeus, dazwischen Hochstauden z.B. Atropa
belladonna, Eupatorium cannabinum, Senecio ovatus, Epilobium angustifolium,
Digitalis grandiflora, Prenanthes purpurea, Stachys sylvatica
4. Stadium mit aufkommenden Vorgehölzen (Vorwald): Anflug von Salix caprea,
Betula pendula, Populus tremula, in mittleren Höhenlagen und darüber auch
Sambucus racemosa, Sorbus aucuparia
Arten des Klimaxwaldes dringen allmählich in diese Vorgehölzbestände ein.
Exkursion 2:
Vegetationsverhältnisse in den Hochlagen der "Kalkalpen"
Waldtypen der Hochlagen der Kalkalpen
Montane Buchen-Tannen-Fichtenwälder
Im Randbereich der Alpen treten in der Montanstufe relativ artenreiche
Mischwälder von Buche, Tanne und Fichte (Abieti-Fagetum) auf. Gegen das
Gebirgszentrum zu nimmt bei kontinentaler werdendem Klima der Buchenanteil
ziemlich rasch ab. Häufig findet man folgende Artenkombination:
Baumschicht: Fagus sylvatica, Abies alba, Picea abies
Strauchschicht: Sorbus aucuparia, Lonicera xylosteum, Daphne mezereum
Krautschicht: Helleborus niger, Ranunculus platanifolius, Sanicula europaea,
Dentaria bulbifera, Dentaria enneaphyllos, Cardamine trifolia, Stellaria nemorum,
Galium odoratum, Primula elatior, Polygonatum verticillatum, Gentiana
asclepiadea, Phyteuma spicatum, Saxifraga rotundifolia, Valeriana tripteris,
Mercurialis perennis, Oxalis acetosella, Adenostyles alliariae, Homogyne
alpina, Senecio ovatus, Paris quadrifolia, Corallorhiza trifida, Luzula
luzulina, Luzula sylvatica, Carex ornithopoda, Dryopteris filix-mas,
Polystichum aculeatum, Athyrium filix-femina.
Bergahornreiche Buchenwälder
In den Hochlagen der Randalpen entwickeln sich an steilen Hängen über
skelettreichen Böden Wälder, in denen in der Baumschicht Buche und Bergahorn
dominieren. Fichte und Tanne sind meist beigemischt. Im Unterwuchs fallen
großblättrige Hochstauden auf. Thermophile Arten fehlen weitgehend. Man findet
oft folgende Artenkombination:
Baumschicht: Fagus sylvatica, Acer pseudoplatanus, Picea abies, Abies alba
Strauchschicht: Salix appendiculata, Lonicera alpigena
Krautschicht: Ranunculus platanifolius, Helleborus niger, Thalictrum
aquilegiifolium, Aconitum napellus, Saxifraga rotundifolia, Rumex alpestris,
Lysimachia nemorum, Stellaria nemorum, Oxalis acetosella, Adenostyles
alliariae, Cicerbita alpina, Crepis paludosa, Prenanthes purpurea, Athyrium
distentifolium, Polystichum lonchitis
Ersatz- und Dauergesellschaften in der subalpinen Stufe
Subalpine Latschengebüsche
Pinus mugo besiedelt subalpine Standorte, an denen höherer Baumwuchs
beispielsweise wegen Lawinen, Steinschlag, heftigem Wind, Trockenheit,
Flachgründigkeit oder menschlichen Eingriffen nicht mehr möglich ist. Latschengebüsche
sind in den Kalkalpen besonders großflächig ausgebildet, kommen jedoch auch in
den Silikatalpen an trockenen Bergrücken und in subalpinen Mooren vor.
In den Kalkalpen sind folgende Arten häufig:
Pinus mugo, Salix appendiculata, Sorbus aucuparia, Rosa pendulina, Sorbus
chamaemespilus, Clematis alpina, Erica carnea, Rubus saxatilis, Polygala
chamaebuxus, Calamagrostis varia, Gymnocarpium robertianum, Dryopteris
austriaca. Achtung: Über Rohhumusauflagen lokal auch Säurezeiger wie z.B.
Vaccinium myrtillus, Vaccinium vitis-idea
Montan-subalpine Erikaheiden und Behaarte Alpenrosengebüsche
Es handelt sich dabei um aufgelockerte Kleingebüsche, die meist im Mosaik mit
Latschengebüsch vorkommen. Regelmäßig treten in ihnen folgende Arten auf:
Erica carnea, Rhododendron hirsutum, Rhodothamnus chamaecistus, Daphne striata,
Daphne cneorum, Juniperus communis subsp. alpina, Polygala chamaebuxus,
Helianthemum grandiflorum, Hippocrepis comosa, Carlina acaulis, Acinos alpina,
Buphthalmum salicifolium, Calamagrostis varia, Globularia cordifolia
Subalpine Hochstaudenfluren
Durch oberflächlich zusammenrinnendes Niederschlagswasser werden die Nährstoffe
in Mulden und Rinnen konzentriert. Wenn diese Stellen früh ausapern und
ganzjährig gut wasserversorgt sind, gedeihen auf ihnen üppige, großblättrige
Stauden, z. B.
Trollius europaeus, Ranunculus platanifolius, Peucedanum ostruthium, Astrantia
major, Geranium sylvaticum, Rumex alpestris, Rumex alpinus, Epilobium alpestre,
Valeriana officinalis, Myosotis alpestris, Doronicum austriacum, Adenostyles
alliariae, Poa hybrida, Veratrum album, Polygonatum verticillatum, Myosotis
alpestris
Waldgrenze - die Untergrenze der alpinen Höhenstufe
In einer bestimmten Seehöhe (entspricht bestimmter Jahresmitteltemperatur) können
höherwüchsige Holzpflanzen nicht mehr gedeihen. Dieser abrupte Zusammenbruch
der Wuchskraft hat komplexe ökophysiologische Ursachen. Die entsprechende
Höhenschichtlinie entspricht der klimatischen Waldgrenze. Die Verhältnisse in
der Natur (z. B. kalte Luftströme, Schuttkegel) verschieben die Waldgrenze
etwas talwärts (potentielle Waldgrenze). In den Alpen und in vielen anderen
Gebirgen der Erde wurde die Waldgrenze durch die Tätigkeit des Menschen
(Ausweitung der Weideflächen) weiter herabgedrückt (aktuelle Waldgrenze).
Ehemalige Waldflächen oberhalb der aktuellen Waldgrenze werden heute oft von
Krummholz eingenommen.
Natürlich waldfreie Vegetationstypen ober der Waldgrenze
Rostseggenrasen
Dichte und wuchskräftige Rasen gibt es in der alpinen Stufe nur an Stellen mit
guter Wasserversorgung, sicherem Schneeschutz im Winter, die andererseits aber
nicht zu spät ausapern. Diese Voraussetzungen sind in der unteren alpinen Stufe
nur lokal gegeben. Häufiger wird man auf die entsprechende Vegetation an zeitweise
waldfreien Stellen in der subalpinen Stufe treffen. Rostseggenrasen enthalten
häufig folgende Arten:
Carex ferruginea, Carex flacca, Carex ornithopoda, Carex panicea, Poa alpina,
Anthoxanthum alpinum, Pheum alpinum, Phleum hirsutum, Festuca nigricans,
Festuca rupicaprina, Gymnadenia conopsea, Hippocrepis comosa, Anthyllis
vulneraria, Trifolium badium, Pulsatilla alpina, Trollius europaeus, Anemone
narcissiflora, Heracleum austriacum, Meum athamanticum, Pimpinella major,
Biscutella laevigata, Cardaminopsis halleri, Polygala amara, Polygonum
viviparum, Hypericum maculatum, Galium anisophyllum, Betonica alopecuros,
Thymus polytrichus, Veronica chamaedrys, Pedicularis foliosa, Melampyrum
sylvaticum, Soldanella alpina, Valeriana montana, Leontodon hispidus, Aster
bellidiastrum, Senecio abrotanifolius, Centaurea scabiosa, Centaurea montana.
Blaugras-Horstseggenhalde
Es ist dies der verbreitetste Vegetationstyp der Kalkalpen. Diese
Pflanzengesellschaften entwickeln sich an den Hängen über ruhenden Böden und fallen
durch den Artenreichtum und die Buntblumigkeit auf. Sesleria albicans und Carex
sempervirens kommen zwar auch in anderen Gesellschaften vor, in den
Blaugras-Horstseggenrasen sind sie jedoch dominant und sie tragen mit ihrem
intensiven Wurzelwerk ganz wesentlich zur Stabilität der Böden an den Hängen
bei. Häufig enthalten diese Rasen folgende Arten:
Sesleria albicans, Helictotrichon parlatorei, Festuca pumila, Carex
sempervirens, Juncus monanthos, Tofieldia calyculata, Coeloglossum viride,
Nigritella widderi, Nigritella nigra ssp. austriaca, Ranunculus hybridus,
Ranunculus montanus, Heracleum austriacum, Ligusticum mutellina, Anthyllis
vulneraria subsp. alpestris, Helianthemum alpestre, Helianthemum grandiflorum,
Dianthus alpinus, Globularia nudicaulis, Thesium alpinum, Soldanella alpina,
Primula clusiana, Gentiana clusii, Biscutella laevigata, Thlaspi alpestre,
Acinos alpina, Pedicularis rostratocapitata, Pedicularis verticillata, Bartsia
alpina, Phyteuma orbiculare, Scabiosa lucida, Homogyne discolor, Carduus
defloratus, Achillea clavenae, Aster alpinus, Hieracium villosum, Selaginella
selaginoides
Polsterseggenrasen und Silberwurzspaliere
Auf früh ausapernden und daher Wind und Kälte frei ausgesetzten Skelettböden an
Graten und Kuppen stellen sich Polsterseggenrasen und Silberwurzspaliere ein.
Häufig enthalten sie folgende Arten:
Carex firma, Carex capillaris, Tofieldia pusilla, Nigritella widderi, Dryas
octopetala, Salix reticulata, Salix retusa, Saxifraga paniculata, Silene
acaulis, Minuartia sedoides, Minuartia gerardii, Polygonum viviparum,
Arctostaphylos alpinus, Pinguicula alpina, Pedicularis portenschlagii, Armeria
alpina, Campanula alpina, Saussurea alpina.
Vegetation in Schneetälchen (Kalk-Schneeböden)
Karrenmulden, Böden von Trichterdolinen, Wächtenlagen und ähnliche Stellen in
der alpinen Stufe sind besonders lange schneebedeckt. Sie werden von
Dauergesellschaften eingenommen, zu deren Charakterarten folgende gehören:
Ranunculus alpestris, Alchemilla decumbens, Saxifraga androsacea, Arabis
caerulea, Thlaspi alpestre, Galium noricum, Soldanella austriaca, Campanula
pulla, Achillea clusiana, Doronicum calcareum, Gnaphalium hoppeanum, Leontodon
montaniformis
Floristische Beziehungen besteht hauptsächlich zur Pioniervegetation auf
Karbonatschutt.
Felsspaltenfluren
Gefäßpflanzen besiedeln Felsen nur entlang von Spalten, in denen sich Feinerde
ansammelt. Charakteristische Bewohner von Kalkfelsspalten sind:
Carex mucronata, Festuca alpina, Potentilla clusiana, Kernera saxatilis,
Primula auricula, Valeriana saxatilis, Veronica fruticans
Karbonatschuttfluren
Kalk- und Dolomitfelsen sind am Fuß wegen der gesteinstypischen Verwitterung
von Schutthalden eingehüllt. Schutthaldenbewohnende Phanerogamen können der
mechanischen Beanspruchung in zweierlei Form entgegenwirken:
Schuttkriecher entwickeln biegsame Sprosse, die sich durch die Spaltenhohlräume
zwischen den Steinen schlängeln: Thlaspi rotundifolium, Rumex scutatus,
Campanula cochleariifolia, Campanula pulla, Achillea atrata, Minuartia austriaca,
Viola calcarata, Linaria alpina, Moehringia ciliata, Pritzelago alpina.
Schuttstauer entwickeln ein kräftiges Wurzelsystem und verhindern/verlangsamen
lokal das Nachrutschen der Steine: Arabis alpina, Athamanta cretensis. In den
Südalpen wichtiges Horstgras: Achnatherum calamagrostis
Kommen Kalkschutthalden in tieferer Lage zur Ruhe, so werden sie u. a. von
Adenostyles glabra, Petasites paradoxus und Valeriana montana besiedelt.
Vegetation auf Kalkfels (Felsbesiedelnde Kryptogamen)
Bei oberflächlicher Betrachtung erscheint kompaktes Kalkgestein vegetationslos.
Bei genauerem Hinsehen offenbart sich ein dichtes Mosaik größtenteils
endolithischer Kalkflechten. Besonders artenreich sind die Verrucariales
vertreten. Häufig sind in der alpine Stufe z. B.
Hymenelia coerulea, Verrucaria coerulea, Verrucaria hochstetteri, Verrucaria
dufourii, Thelidium decipiens, Thelidium pyrenophorum, Thelidium papulare,
Polyblastia cupularis, Rhizocarpon umbilicatum, Xanthoria elegans (gerne auf
Vogelsitzblöcken), u. a.
Exkursion 3:
Vegetationsverhältnisse in den Hochlagen der "Silikatalpen"
Waldtypen in den Hochlagen der Silikatalpen
Montane Fichenwälder und untersubalpine Fichten-Lärchenwälder
In den Zwischen- und Inneralpen gilt das bestandsbildende Auftreten der Fichte
in der montanen und subalpinen Stufe als natürlich. Mit zunehmender Seehöhe
nimmt in den Wäldern der Anteil der Lärche zu. In der subalpinen Stufe wurden
durch die klimatischen Verhältnisse Ökotypen der Fichte mit kurzen Ästen und
schlanker Kronenform ausgelesen. Eine massenhafte Entwicklung der Gräser auf
sonnigen Hängen, eine reiche Entwicklung der Bodenmoose auf schattigen Hängen
prägen den Unterwuchs.
Baumschicht: Picea abies, Larix decidua
Strauchschicht: Sorbus aucuparia, Sambucus racemosa, Salix caprea, Lonicera
caerulea
Krautschicht: Vaccinium myrtillus, Vaccinium vitis-idaea, Avenella flexuosa,
Calamagrostis villosa, Poa chaixii, Luzula luzulina, Luzula luzuloides, Listera
cordata, Oxalis acetosella, Valeriana tripteris, Soldanella major, Melampyrum
sylvaticum, Homogyne alpina, Solidago virgaurea, Dryopteris filix-mas, Athyrium
filix-femina;. Rhytidiadelphus loreus, sowie weitere Moose.
Obersubalpine (Fichten)-Lärchen-Zirbenwälder
In den Inneralpen steigt die Waldgrenze bis gegen 2400 m an, Seehöhen, die in
den Randalpen bereits von alpiner, baumloser Vegetation bedeckt sind. Die
obersubalpine Stufe ist durch das Auftreten von Lärchen-Zirbenwäldern
charakterisiert. Die Artenzusammensetzung des Unterwuchses in diesen Wäldern
ist von der Exposition der Hänge abhängig. Während sonnseitig grasreiche
Ausprägungen mit Calamagrostis villosa vorherrschen, ist schattseitig
reichliches Vorkommen von Rhododendron ferrugineum durchsetzt mit einigen
Bodenmoosen charakterisitisch.
Die 5-nadelige Pinus cembra hat ihr Hauptareal in Sibirien, Enklaven finden
sich in den mitteleuropäischen Orobiomen. Auffällig ist in den Hochlagen auch
der dichte Besatz der Äste mit Laub- und Strauchflechten.
Baumschicht: lockere Bestände von Pinus cembra, Larix decidua, Picea abies
Strauchschicht: Sorbus aucuparia, Lonicera caerulea
Zwergstrauchschicht: Rhododendron ferrugineum, Juniperus communis subsp.
alpina, Calluna vulgaris, Vaccinium myrtillus, Vaccinium vitis-idaea
Krautschicht: Calamagrostis villosa, Avenella flexuosa, Veratrum album, Anemone
nemorosa, Geum montanum, Valeriana tripteris, Peucedanum ostruthium, Soldanella
major, Ajuga pyramidalis, Campanula barbata, Homogyne alpina, Solidago
virgaurea ssp. minuta, Adenostyles alliariae, Pleurozium schreberi, Hylocomium
splendens, Rhytidiadelphus triquetrus, Rhytidiadelphus loreus
Epiphytische Flechten: Pseudevernia furfuracea, Hypogymnia physodes, Vulpicida
pinastri (integraler Schneestandszeiger!), Usnea - Arten, und viele andere
Ersatz- und Dauergesellschaften in der subalpinen Stufe
Subalpine Grünerlengebüsche
Grünerlengebüsche sind meist Ersatzgesellschaften für einst abgeholzte
Fichten-Lärchenwälder oder Lärchen-Zirbenwälder. Nur in steilen, subalpinen
Rinnen bildet die Alnus alnobetula (syn. A. viridis) natürliche Massenbestände
(Dauergesellschaften durch Lawineneinwirkung). Wegen der guten Stickstoff- und
Wasserversorgung stellen sich im Unterwuchs Hochstaudenfluren ein (siehe
dort!).
Subalpine Hochstaudenfluren
Auf Grund von geomorphologischen und hydrologischen Gegebenheiten ergibt sich
in nicht zu spät ausapernden Rinnen ein überdurchschnittliches
Nährstoffangebot, das die Entwicklung von hochwüchsigen Stauden erlaubt. Über
Silikat findet man hier beispielsweise folgende Arten:
Deschampsia caespitosa, Veratrum album, Aconitum napellus, Rumex alpestris,
Rumex alpinus, Peucedanum ostruthium, Gentiana punctata, Geranium sylvaticum,
Epilobium alpestre, Doronicum austriacum, Adenostyles alliariae, Cirsium
heterophyllum, Senecio nemorensis agg., Crepis paludosa, Cicerbita alpina,
Thelypteris limbosperma, Athyrium distentifolium.
Subalpine Borstgraswiesen
Im Bereich stark beweideter Almen gelangt über sauren Böden das Borstgras
(Nardus stricta) zur Herrschaft. Neben einer Reihe von Tieflagenpflanzen findet
man in diesen mehrere boreale Geoelemente, die man allenfalls auch auf
Waldlichtungen antreffen kann.
Nardus stricta, Anthoxanthum alpinum, Festuca nigrescens, Phleum commutatum,
Poa alpina, Briza media, Deschampsia caespitosa, Luzula multiflora, Gymnadenia
conopsea, Leucorchis albida, Nigritella nigra ssp. austriaca, Ranunculus acris,
Potentilla aurea, Geum montanum, Alchemilla vulgaris, Potentilla erecta, Lotus
corniculatus, Trifolium pratense, Hypericum maculatum, Cardaminopsis halleri,
Plantago lanceolata, Rhinanthus aristatus, Veronica chamaedrys, Thymus
polytrichus, Campanula barbata, Phyteuma persicifolium, Arnica montana,
Antennaria dioica, Carlina acaulis, Hypochoeris uniflora, Leontodon hispidus,
Leontodon helveticus, Hieracium pilosella, u.a.
Subalpine Lägerfluren
Auf Flächen ehemaliger Koppeln und Einstallungen sowie anderen Flächen mit
einer Stickstoffüberversorgung entwickeln sich Massenbestände des Alpenampfers,
in denen nur wenige weitere Arten untermischt vorkommen:
Rumex alpinus, Peucedanum ostruthium, Urtica dioica, Senecio nemorensis,
Stellaria nemorum, Chaerophyllum hirsutum, Deschampsia caespitosa
Verlandung von mesotrophen Seen und subalpine Flachmoore
Seen in den Hochlagen verlanden hauptsächlich durch den Eintrag von Sedimenten
auf der Seite des Zuflusses. Hier wird durch das Aufschütten einer flachen
Uferböschung die Voraussetzung für eine Besiedelung mit Gefäßpflanzen
geschaffen. Im Uferbereich entwickelt sich ein artenarmes Großseggenried, das
oft auf der wasserabgewandten Seite mit Flachmooren in Kontakt steht.
Großseggenried: Carex rostrata, Equisetum fluviatile
Flachmoor: Eriophorum angustifolium, Eriophorum vaginatum, Trichophorum
caespitosum, Carex nigra, Carex echinata, Carex pauciflora, Carex canescens, Juncus
filiformis, Molinia caerulea, Allium schoenoprasum ssp. alpinum, Dactylorrhiza
fuchsii; Caltha palustris, Potentilla erecta, Cardamine rivularis, Viola
palustris, Swertia perennis, Tephroseris rivularis, Calycocorsus stipitatus,
Betula nana als Eiszeitrelikt
Quellfluren
Zahlreiche aus dem Untergrund austretende Quellen sind ein hydrologisches
Charakteristikum von Silikatgebirgen in Mitteleuropa. Zudem ist das Quellbett
oft mit Blöcken und Steinen gepflastert, auf denen sich submerse
Süßwasserflechten ansiedeln. Am Ufer findet man z. B.:
Carex frigida, Luzula sudetica, Caltha palustris, Saxifraga stellaris,
Saxifraga aizoides, Swertia perennis, Rhodiola rosea, Cardamine rivularis,
Viola biflora, Epilobium alsinifolium, Epilobium nutans, Swertia perennis,
Pedicularis recutita, Bartsia alpina, Calycocorsus stipitatus, Tephroseris
rivularis, Dicranella palustris, Philonotis seriata, submerse Flechten wie z.B.
Verrucaria funckii, Verrucaria margacea, Staurothele fissa, u.a.
Zwergstrauchheiden an der Waldgrenze
In der eigentlichen alpinen Stufe finden wir in den alpiden Gebirgen nur wenige
Holzgewächse, alle mit dicht an den Boden angedrückten oder gar unterirdischen
Stämmen (z. B. Salix retusa, Salix serpyllifolia, Salix reticulata, Salix
herbacea, Dryas octopetala, Loiseleuria procumbens).
Großflächige, ericaceendominierte Zwergstrauchheiden findet man vom
aufgelockerten Lärchen-Zirbenwald bis etwas über die klimatische Waldgrenze.
Die am Aufbau beteiligten Arten lassen eine abgestufte Frostresistenz erkennen.
Das am meisten frostempflindliche Alpenrosengebüsch ist auf die subalpine
Höhenstufe beschränkt.
Standortsfaktor-Gradienten bzw. Anpassungen ökologische Reihe der
Zwergsträucher
Abnahme des SchneeschutzesAbnahme der BodentemperaturenZunahme der WindgeschwindigkeitAbnahme
der Frostempfindlichkeit Rhododendron ferrugineumVaccinium myrtillusVaccinium
gaultherioides, V. vitis-idaeaLoiseleuria procumbens
Weiters sind in den Zwergstrauchheiden häufig: Vaccinium vitis-idaea, Calluna vulgaris, Juniperus communis subsp. alpina, Avenella flexuosa, Luzula luzuloides; Homogyne alpina, Cetraria islandica, Cetraria ericetorum, Cetraria cucullata, Cetraria nivalis, Cladonia rangiferina, Cladonia arbuscula, Cladonia alpestris sowie weitere Laub- und Strauchflechten
Natürlich waldfreie Vegetationstypen über der Waldgrenze
Physiognomisch unterscheidet sich die alpine Stufe der Silikatalpen von der der Kalkalpen durch magere aber kaum austrocknende Böden sowie insgesamt sanftere Verwitterungsformen, die die Ausbildung von großflächigen Hochgebirgssteppen ermöglichen. Die sich in Abhängigkeit von den klimatischen und edaphischen Bedingungen einstellenden Rasengesellschaften werden meist von einer oder wenigen Grasartigen dominiert. Der verbreitetste Typ alpiner Urwiesen ist der Krummseggenrasen.
Krummseggenrasen
Die Krummseggenrasen bedecken in den Zentralalpen die weniger steilen Hänge und
Bergschultern. Meist entwickeln sie sich über sauren Rasenbraunerden und sind
relativ artenarm. Diese Rasen wirken auch während der Vegetationsperiode
herbstlich braun, weil die Blattspitzen von Carex curvula regelmäßig und
frühzeitig absterben. Erreger dieser Blatterkrankung ist der Ascomycet
Clathrospora elynae. Häufig sind in diesen Rasen folgende Arten:
Carex curvula, Luzula spicata, Sempervivum montanum, Valeriana celtica,
Saponaria pumila, Silene exscapa, Primula minima, Veronica bellidioides,
Euphrasia minima, Campanula alpina, Campanula scheuchzeri, Phyteuma confusum,
Senecio incanus subsp. carniolicus, Erigeron uniflorus, Achillea moschata,
Leontodon helveticus, Hieracium alpinum. In hangfeuchten Ausprägungen ist
Primula glutinosa eine Kennart.
Hangwarme Urwiesen der Silikatalpen
Auf steilen, treppigen Rasenhalden an früh ausapernden Südhängen gelangen
Buntschwingel-Horstseggenrasen zur Herrschaft.
Festuca varia, Avenula versicolor, Carex sempervirens, Agrostis rupestris, Poa
alpina, Pulsatilla alba, Gentiana acaulis, Veronica bellidioides, Pedicularis
oederi, Leontodon hispidus.
Vegetation an Windkanten
In den alpinen Gratlagen herrschen über einen Großteil des Jahres besonders
extreme Bedingungen, im Winter vor allem niedrige Temperaturen mangels
Schneeschutz, im Sommer hohe Verdunstungsraten durch Dauerwind.
Charakteristisch ist unter anderem das Auftreten von bestandsbildenden
Zwergsträuchern.
Loiseleuria procumbens, Empetrum hermaphroditum, Vaccinium gaultherioides,
Salix retusa, Juncus trifidus, Oreochloa disticha, Avenula versicolor, Phyteuma
confusum, Leontodon helveticus, Alectoria ochroleuca, Thamnolia vermicularis.
Vegetation in Schneetälchen
Unter den Verhältnissen durch lange Schneebedeckung stark verkürzter
Vegetationszeiten haben sich eigene Pflanzengesellschaften herausdifferenziert.
In diesen findet man zum Beispiel folgende Arten:
Salix herbacea, Luzula alpinopilosa, Sibbaldia procumbens, Soldanella pusilla,
Arenaria biflora, Gnaphalium supinum, Leucanthemopsis alpina, Polytrichum
sexangulare, Solorina crocea.
Vegetation zwischen Silikatblockschutt
Im Silikatblockschutt kommen wegen Substratmangel nur wenige Gefäßpflanzen auf
und auch diese nur mit geringer Stetigkeit. Charakteristisch sind vor allem die
Farnpflanzen Cryptogramma crispa und Huperzia selago.
Felsbesiedelnde Kryptogamen
Silikatgestein wird bis in die nivale Stufe hinauf von Flechten besiedelt, die
überwiegend den Organisationsformen der Außenkrusten und der Laubflechten
angehören. Besonders charakterisitsch ist das massive Auftreten von gelbgrünen
Rhizocarpon-Arten ("Landkartenflechten") sowie mehrerer
Umbilicaria-Arten ("Nabelflechten"). Wie auch in anderen
Flechtensynusien fällt auch in den Silikatflechtengemeinschaften der hohe Grad
an ökologischer Spezialisierung (z.B. bezüglich Mineralbestand des Gesteins,
Inklination der bewachsenen Flechte, Schneeschutz im Winter, Windexposition, u.
a.) auf. Einige überaus häufige Arten sind:
Rhizocarpon geographicum, Umbilicaria cylindrica, Umbilicaria deusta
(integraler Schneestandszeiger!), Lecidea lapicida, Lecanora polytropa,
Protoparmelia badia, Porpidia macrocarpa, Pseudephebe pubescens, Ophioparma
ventosa, Sporastatia testudinea, Calvitimela armeniaca, u. a.
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last modified: 7.03.2010