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Geschichte / Selbstverständnis

Das Institut für Volkswirtschaftslehre kann sich wie das Institut für Finanzwissenschaft und Öffentliche Wirtschaft auf Joseph Alois Schumpeter (1883-1950), der zu den herausragenden Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern aller Zeiten zählt, berufen. Für die vom Institut für Volkswirtschaftslehre vertretenen Inhalte ist der Wirtschaftstheoretiker und Theoriehistoriker Schumpeter relevant. Während seiner Tätigkeit als Professor an der Universität Graz erschien eines seiner Hauptwerke, die „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ (1911), die Innovationen als zentrale Triebkräfte endogener sozioökonomischer Veränderungen betont. An der Harvard University verfasste Schumpeter seine monumentale „History of Economic Analysis“.

In Anlehnung an den berühmten Ahnherrn ist die Analyse der wirtschaftlichen und sozialen Dynamik der Weltwirtschaft und der sich immer stärker in diese integrierenden Volkswirtschaften ein Hauptforschungsschwerpunkt des Instituts. Der zweite Forschungsschwerpunkt befasst sich mit direkt nicht beabsichtigten Nebenwirkungen der von Schumpeter so meisterhaft beschriebenen Dynamik des modernen Kapitalismus: den von Menschen verursachten Veränderungen von Klima und natürlicher Umwelt und den Möglichkeiten, sich wirtschaftlich vernünftig an diese anzupassen bzw. sie zu vermeiden.

Methodisch bedienen sich die Institutsmitglieder der international anerkannten Instrumente der klassischen und neoklassischen allgemeinen Gleichgewichtstheorie sowohl im Rahmen von analytisch überschaubaren als auch großen, nur mehr numerisch lösbaren Gleichgewichtsmodellen. Komplementär dazu kommen modernste ökonometrische Verfahren und andere Methoden der empirischen Wirtschaftsforschung wie die Input-Output-Analyse zum Einsatz. Neben der theoretischen und quantitativ-empirischen Orientierung der Institutsmitglieder gibt es eine starke theorie- und ideengeschichtliche Ausrichtung mehrerer Institutsmitglieder.

Allen gemeinsam ist das Bekenntnis zu methodologischer Pluralität im Rahmen international anerkannter Forschungstraditionen. Dies gilt nicht nur für die Forschung, sondern auch für die von den Institutsmitgliedern vertretene Lehre.

Geschichtlich betrachtet reichen die Wurzeln des Instituts für Volkswirtschaftslehre bis in das Jahr 1778 zurück, als an der Juridischen Fakultät das „Institut für Cameral- und politische Wissenschaften“ gegründet wurde. Vor und nach Schumpeter haben andere bekannte Ökonomen wie Alfred Amonn, Hans Mayer oder Wilhelm Röpke in Graz gelehrt. Mit der Aufteilung der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät in die Rechtswissenschaftliche und die Sozial- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät wurde 1977 das Institut für Volkswirtschaftslehre und Volkswirtschaftspolitik gegründet, das 1999 in das Institut für Volkswirtschaftslehre umbenannt wurde.

Grundsätze und Ziele in der Lehre

Die Institutsmitglieder decken zusammen mit den Kollegen/-innen von der Finanzwissenschaft und Öffentlichen Wirtschaft alle Hauptgebiete der Volkswirtschaftslehre ab. Im Rahmen des Bachelorstudiums Volkswirtschaftslehre sind dies die Einführung in die Volkswirtschaftslehre, Mikro- und Makroökonomik, Internationale Ökonomik und Wirtschaftspolitik auf einführendem und intermediärem Niveau. Abgerundet wird dieses Angebot durch Ökonometrie und empirische Wirtschaftsforschung, Theoriegeschichte und Umweltökonomik. Ziel dieser Lehrveranstaltungen ist neben der Vermittlung eines soliden ökonomischen Grundverständnisses die Befähigung zur Beherrschung international gebräuchlicher theoretischer und empirischer Analysemethoden. Damit soll Berufsfähigkeit in Form von fächerübergreifenden Schlüsselqualifikationen und Metakompetenzen erreicht werden. Das Masterstudium Volkswirtschaftslehre dient der fachlichen Vertiefung und Ergänzung der wissenschaftlichen Berufsvorbildung. Die internationale Anschlussfähigkeit des Grazer Masterstudiums ist ein klares Ziel. In der Tat sind Absolventinnen und Absolventen des VWL-Studiums an guten ausländischen Universitäten und internationalen Organisationen tätig, nicht zu sprechen von Volkswirtinnen und Volkswirten, die an anderen österreichischen Universitäten und Forschungseinrichtungen beschäftigt sind.  

Neben der Betreuung der eigenen Studienrichtung sind die Institutsmitglieder intensiv im Bachelorstudium Betriebswirtschaft engagiert. Dabei geht es primär um die Vermittlung ökonomischer Denkprinzipien und die Einbettung einzelwirtschaftlicher Problemstellungen in gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge. An zweiter Stelle nach der Betriebswirtschaftslehre rangieren die Lehrveranstaltungen der Institutsmitglieder für das Studium der Umweltsystemwissenschaften mit den Fachschwerpunkten Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaft. Schließlich speisen Institutsmitglieder Lehrinhalte in fächerübergreifende Studiengrogramme wie Interdisziplinäre Geschlechterstudien und in die Masterstudien Sustainable Development und Global Studies ein.

Personal

Dem Institut für Volkswirtschaftslehre sind folgende Professuren (lt. Entwicklungsplan) und Universitätsdozenten/-innen zugeordnet:

Professur für Makroökonomik: Univ.-Prof. Robert Hill, Ph.D.
Professur für Mikroökonomik: O. Univ.-Prof. Mag. Dr. Heinz Kurz
Professur für Internationale Ökonomik: Univ.-Prof. Dr. Jörn Kleinert.
Professur für Ökonometrie und empirische Wirtschaftsforschung: O. Univ.-Prof. DI Dr. Stefan Schleicher

Universitätsdozenten/-innen
Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Karl Farmer
Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Christian Gehrke
Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Margareta Kreimer
Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Christian Lager
Univ.-Prof. Mag. DDr. Michael Steiner
Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Karl Steininger
Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Ronald Wendner


Siehe auch "Mitarbeiterinnen".

  

Forschung

Forschungsaktivitäten

Die Forschungsaktivitäten der Institutsmitglieder sind auf das Verstehen der inneren Logik und der Funktionsprinzipien marktwirtschaftlicher Systeme im nationalen und internationalen Kontext konzentriert. Besonderes Interesse findet die diesen Systemen innewohnende ökonomische und soziale Dynamik, die nicht ohne Grund einen der beiden Hauptforschungsschwerpunkte des Instituts und des mit dem Institut eng verbundenen Graz Schumpeter Centre darstellt. Die historisch einmaligen Erfolge marktwirtschaftlicher Systeme gemessen an den Steigerungen des Pro-Kopf-Einkommens und des Lebensstandards breiter Bevölkerungsschichten waren aber nicht ohne externe Kosten im Bereich der natürlichen und sozialen Umwelt zu erzielen. Der Analyse der vielfältigen ökologischen Externalitäten und ihrer wirtschaftspolitischen Regulierung widmen sich jene Institutsmitglieder, die im zweiten Hauptforschungsschwerpunkt Globaler Wandel: Klima, Umwelt und Raum verbunden sind. In diesem Zusammenhang ist auf die enge Verbindung mit dem Wegener Zentrum für Klima und Globalen Wandel hinzuweisen. Es soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass mehrere Institutsmitglieder an den fakultätsübergreifenden Forschungsschwerpunkten „Modelle und Simulation“, „Umwelt und Globaler Wandel“ sowie „Heterogenität und Kohäsion“ beteiligt sind.

Die Hauptforschungsschwerpunkte (FSP) umfassen eine Reihe von Forschungsfeldern. Zum FSP Wirtschaftliche und Soziale Dynamik sind folgende Forschungsfelder zu zählen: Wachstum, Innovation und technologischer Wandel im regionalen, nationalen und internationalen Kontext

  • Geschlechterforschung und Arbeitsmarktökonomik
  • Dynamische  Fiskalpolitik bei sozialen Externalitäten
  • Sozial- und Familienpolitik (gemeinsam mit dem Institut für Finanzwissenschaft und Öffentliche Wirtschaft)
  • Theorie der Produktion und Einkommensverteilung
  • Internationale Vergleiche von Lebensstandards und die Messung von Vermögenspreisen
  • Geschichte großer Theoretiker ökonomischen und sozialen Wandels
  • Internationale Makroökonomie, internationaler Handel und multinationale Firmen
  • Ökonometrie und empirische Wirtschaftsforschung

Zum FSP Globaler Wandel: Klima, Umwelt und Raum gehören folgende Forschungsfelder:

  • Klimapolitik im nationalen und internationalen Kontext
  • Nachhaltige Verkehrspolitik
  • Sektorale Strategien zur Anpassung an Wetteranomalien
  • Makroökonomische Bewertung der Wirkungen von klimatischen Veränderungen in den Bereichen Landwirtschaft, Tourismus und Energieerzeugung
  • Dynamik erschöpfbarer und erneuerbarer Ressourcen

Publikationen der Institutsmitglieder im Bereich der Forschungsfelder der beiden Forschungsschwerpunkte erscheinen regelmäßig in folgenden referierten, international führenden Fachzeitschriften: Journal of Public Economics, Macroeconomic Dynamics, Review of Income and Wealth, Journal of Housing Economics, Economic Modelling, Metroeconomica, International Review of Economics, European Journal of the History of Economic Thought, Journal of the European Economic Association, Structural Change and Economic Dynamics, Regional Studies, The Economic Record, Zeitschrift für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Economic Inquiry, Journal of Economic Behavior & Organization, Economic Systems Research, Journal of Econometrics, Atlantic Economic Journal, Journal of Business and Economic Statistics, Journal of Markets & Morality, Climate Policy, Ecological Economics, Environmental and Resource Economics, Energy Policy, Environmental Science and Technology.

Das Spektrum unserer Forschungsprojekte

  • Leadership Actions for the knowledge-based economy: FP7 Marie Curie Initial Training Network
  • The Unpublished Papers and Correspondence of Piero Sraffa (drei Bände bei Cambridge University Press, finanziert von der Banca d’Italia)
  • Der Einfluss von Mehrfachdiskriminierungen auf Karriereverläufe von Betroffenen (OENB Jubiläumsfondsprojekt)
  • Integrating Expenditure and Production Estimates in International Comparisons (US National Science Foundation Grant)
  • The Carbon Content of International Trade Flows in Austria (BMWFJ)
  • Adaptation to Climate Change in Austria (Austrian Climate Research Program)
  • Regulatory policy and energy-efficient spatial structures: evaluation of instrument and least-cost approaches (Klima- und Energiefonds / FFG)

Konferenzteilnahmen

Die Mitglieder des Instituts stellen ihre Forschungsergebnisse bei zahlreichen nationalen und internationalen Tagungen vor, darunter bei den Jahrestagungen der American Economic Association, der European Economic Society, der European Econometric Society, der European Association of Evolutionary Political Economy, des Vereins für Socialpolitik, der European Society for the History of Economic Thought, der Internationalen Input-Output Association, der History of Economics Society, der Österreichischen Nationalökonomischen Gesellschaft, der European Society for Operations Research, der German Society for Operations Research, der Atlantic Economic Society, der Australian Society for the History of Economic Thought, der European Association for Environmental and Resource Economics, der European Society for Ecological Economics und des International Institute of Public Finance

Zentren

Graz Schumpeter Centre

Wegener Zentrum für Klima und globalen Wandel

Besuchen Sie auch die Seite "Forschung".

Gastprofessuren von Institutsmitgliedern

Zahlreiche Mitglieder des Instituts wurden von anerkannten Universitäten des Auslandes zur Wahrnehmung von Gastprofessoren eingeladen, gaben bei Tagungen und Seminaren Keynote Lectures oder wurden zu Vortragsreisen eingeladen. Einzelheiten sind dem aktuellen Institutsbericht zu entnehmen.

         

Gastprofessuren am Institut

Laufend sind in- und ausländische Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen als Gastprofessoren und Gastprofessorinenn am Institut tätig.

          

Herausgabe von Fachzeitschriften und Refereetätigkeit

Mitglieder des Instituts gehören den Editorial Boards mehrerer international anerkannter Fachzeitschriften an. Zwei derartige Zeitschriften werden von Graz aus herausgegeben bzw. mitherausgegeben: Metroeconomica und The European Journal of the History of Economic Thought. Als ein Ausdruck ihrer internationalen Reputation sind Mitglieder des Instituts regelmäßig als Referees für führende Fachzeitschriften und Fachverlage tätig.

         

Wirtschaftswissenschaftliches Kolloquium

Das wirtschaftswissenschaftliche Kolloquium ist ein Forum für die Diskussion aktueller Forschungsergebnisse von Angehörigen der Universität Graz sowie von in- und ausländischen Gastvortragenden. Es soll insbesondere auch jüngeren ForscherInnen die Gelegenheit zur Präsentation ihrer Arbeiten geben


Besuchen Sie auch die Seite "Wirtschaftswissenschaftliches Kolloquium".

       

Grazer Schumpeter Gesellschaft

Die Grazer Schumpeter Gesellschaft ist am Institut angesiedelt. Die von der Landesregierung der Steiermark finanziell unterstützten Grazer Schumpeter Vorlesungen finden jährlich statt. Ein wissenschaftliches Komitee nominiert eine Wissenschaftlerin auf Grund ihrer Originalität und fachlichen Leistung. Das Ziel der jeweils vier Vorlesungen besteht darin, über die Fortschritte in Feldern sozioökonomischer Forschung zu informieren, die durch besonders rasche Innovation und die potentielle Anwendbarkeit der erzielten Resultate in wirtschaftlichen und politischen Entscheidungsprozessen gekennzeichnet sind. Die Vorlesungen haben auch zum Ziel, enge Fachgrenzen zu sprengen und zu einer umfassenderen Sicht sozioökonomischer Phänomene und Probleme beizutragen. In den Jahren 1999 und 2000 wurden folgende Grazer Schumpeter Vorlesungen abgehalten:
Professor Ian Steedman (Manchester), "Consumption and Time", 27 May - 1 June 1999;
Professor Erich Streissler (Vienna), "Exchange Rates and International Financial Markets. An Asset Theoretic Perspective with Schumpeterian Innovation", 18 - 22 May 2000.
Die Buchmanuskripte werden im Verlag Routledge, London, in der Reihe The Graz Schumpeter Lecturesveröffentlicht.
Frühere Graz Schumpeter Lectures sind in der Berichtsperiode als Bücher erschienen:
Loasby, Brian J., Knowledge, Institutions and Evolution in Economics, Routledge 1999;
Rosenberg, Nathan, Schumpeter and the Endogeneity of Technology. Some American Perspectives, Routledge 2000.

Webpage der Grazer Schumpeter Gesellschaft   Webpage Graz Schumpeter Centre