FORSCHUNGSTHEMEN DES DOKTORATSPROGRAMMS VISUAL CULTURE / VISUELLE KULTUR (VICE)
Visuelle Konzepte der Situiertheit (Prof. Bernd Hackl)
Unsere Forschungsarbeit schließt an den phänomenologischen Lebenswelt-Begriff an und spezifiziert ihn in Hinblick auf einen erziehungswissenschaftlichen Fokus. Die Situiertheit alles individuellen, intentionalen und rationalen menschlichen Handelns in unbewussten, unbegriffenen und unbemerkten Bedingungen ist gerade für Erziehungs- und Bildungsprozesse von besonderer Bedeutung.
Im Rahmen unseres Forschungsschwerpunktes untersuchen wir daher einerseits, in welcher Weise diese Situiertheit selbstbehindernder Lebensführung, unauffälliger Herrschaftsausübung und gezielter Manipulation den Boden bereitet sowie andererseits, in welcher Weise humanistisch gemeinte pädagogische Handlungskonzepte scheitern, wenn sie das Phänomen dieser Situiertheit ignorieren oder durch bloße Proklamationen und Willensakte aufzuheben versuchen. Dabei untersuchen wir Prozesse, Protokolle und Dokumente der Realpädagogik des beginnenden 21.Jahrhunderts und versuchen zu bestimmen, inwieweit sie dem aufklärerischen Bildungsauftrag förderlich oder hinderlich sind.
Corporal communication. Latent sense structures of classroom interaction (Sandra Hummel)
In meinem Dissertationsprojekt geht es um die Erforschung leiblich kommunizierter Bedeutungen im Schulunterricht. Die leibliche Dimension von Lehren und Lernen stellt eine der zentralen "Arenas" der impliziten Strukturen pädagogischer Realitäten dar und gewährt insbesondere Einblicke in inhaltliche, prozedurale und interpersonale Gegebenheiten. Somit zielt mein Forschungsinteresse vorrangig auf die Rekonstruktion von Strukturen, die im jeweiligen nonverbalen Verhalten zum Ausdruck gebracht werden, ab (wie etwa Einstellungen, Motivationen, Dispositionen, (mangelnde) Kooperation, (mangelnder) Respekt, Interessen, hierarchische Konstitutionen, institutionelle Erfordernisse etc.).
Da körperlicher Ausdruck sich dem Gegenüber primär visuell präsentiert, werden Unterrichtsstunden videographisch festgehalten. Mein methodologischer Zugang zum empirischen Material orientiert sich an phänomenologischem Gedankengut (wie etwa Waldenfels, Schmitz) und die Rekonstruktion erfolgt regelgeleitet, unter Einhaltung der Prinzipien der objektiven Hermeneutik.
Über die Veränderung der Plakatkultur in der Steiermark (Eva Klein)
Wie entwickeln sich Bilder im Werbemedium Plakat? Wann fand das Bild Einzug in die Werbewelt und wie ging man damit um? Welcher Formensprache und Machart bedienten sich Künstler, Gebrauchsgrafiker und Grafikdesigner im 20. Jahrhundert und wie lässt sich die Affinität zur Kunstentwicklung erklären.
Als Grundlage dienen mir über 8.000 Plakate, die im Raum Graz in diversen Archiven, Museen und Firmen geortet werden konnten und einer Selektion und Analyse nach den Methoden der Kunstgeschichte unterzogen werden. Eine ikonologische Bearbeitung unter Berücksichtigung einer bildwissenschaftlichen Hermeneutik erfolgt,indem vertiefend auf die visuellen Aspekte eingegangen wird.
Wallfahrtstourismus – Von mentaler Wellness bis zum heiligen Schauer (Lidija Vindiš)
Der Mensch als Homo viator/ der Mensch auf dem Weg ist auf dem heutigen Sinngebungsmarkt mehr denn je verloren. Er wird von der Sehnsucht nach der Weite in die Weite getrieben und findet sich vermehrt in der heutzutage positiv besetzten "Wallfahrt". Tatsache ist, dass mehr als 80% an modernen Pilgern durch die Tourismusbüros zu den heiligen Stätten weltweit gebracht werden.
Es handelt sich um zwei mobile Gruppen – Touristen und Pilger – die sich aus verschiedenen Beweggründen zu den "Orten der Kraft" begeben. Die Arbeit soll deuten, aus welchen Bedürfnissen heraus ist der Mensch stets ein Homo viator und welche Vorstellungen leiten ihn. Sie geht der Frage nach, wie sich die sakralen Stätten an Hand der touristisch-weltlichen Aufmerksamkeit verändern. Sie tut dies aus dem slowenischem Beispiel der Wallfahrtskirche von Ptujska Gora, wo gerade ein territoriales europäisches Projekt zwischen Slowenien und Österreich begonnen wird.
Migration in der Kleinstadt - Am Beispiel der Bezirkshauptstadt Weiz (Franziska Schloffer-Schaffler)
Aufgezeigt werden die Veränderungen seit den 1970iger Jahren durch den vermehrten Zuzug von Menschen mit nichtdeutscher Muttersprache: Veränderungen in der Gastronomie, in unterschiedlichen Bildungseinrichtungen, in kommunalen Einrichtungen, am Arbeitsmarkt und in Sportvereinen.
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