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"FEZt-gefahren"

Ausstellung vom 19.1 bis 10.3.2007
Dr. Ulrike Tischler-Hofer (KFUG, Inst.f.Geschichte), Leitung des Ausstellungsprojekts und wissenschaftliche Konzeption
Nikola Albaneže, M.A. (Univ. Zagreb), Gestaltung der Ausstellung

Fotos von der Eröffnung.

Präsentiert werden zahlreiche Gegenstände aus der breiten Palette der Saloniker und Istanbuler Souvenirkultur, (historische) Fotographien, (historische) Poster, Postkarten, Kopfbedeckungen, Memorabilia, Militaria, etc.

Ausstellungskatalog

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Die Ausstellung

Die Idee zu der Ausstellung FEZt-gefahren geht auf eine Lehrveranstaltung zurück, die als Arbeitsgemeinschaft im SS 2006 am Institut für Geschichte der KFUG unter Leitung von Dr. Ulrike Tischler-Hofer angeboten wurde unter dem Titel Die Last des osmanischen Erbes in der Geschichte Griechenlands und der Türkei. Thessaloniki und Istanbul im Vergleich.

In Kooperation mit der Universität Zagreb, namentlich dem Ausstellungsgestalter, Herrn Nikola Albanee, und zehn Studierenden der Museologie an der Univ. Zagreb, bereiteten die Grazer und Zagreber Studierenden unter fachkundiger Anleitung der Lehrveranstaltungsleiterin und des Museologen das erworbene Wissen für dessen Kommunizierbarkeit durch das Medium Ausstellung an ein breiteres, nicht exklusiv wissenschaftliches Publikum vor.

Da dieser Themenkomplex auf Geschichtsbilder in einem weiteren Sinne fokussiert, ermöglicht das Kommunikationsmedium Ausstellung durch eine große Bandbreite an Präsentationsformen sämtliche Sinnesebenen einer breiten Öffentlichkeit anzusprechen, sie zu visuellen Alliterationen zu motivieren und so wissenschaftlich erforschte Inhalte über einen kommunikativen sensiblen Stil mitzuteilen. Es wurde ein evocativ, emotional, expressiv und konstruktiv kombiniert ausgerichteter Ausstellungsstil gewählt, um über differenzierte Zugangswege möglichst heterogene Zielgruppen zu erreichen.

Logo

Die Schauplätze

Beide Schauplätze, Thessaloniki und Istanbul, sind nicht nur durch ihre byzantinische, lateinische und osmanische Vergangenheit in mehreren kulturellen Traditionen, d.h. transnational/-lokal verortet, sondern auch durch ihre geostrategische Lage am Mittelmeer und an den Kreuzungspunkten der schon seit der Antike wichtigsten Handelsverbindungen zwischen Orient und Okzident miteinander verbunden, sowie aufgrund der Tatsache, dass Thessaloniki seit 1912/13 und Istanbul seit 1923 ungeachtet ihrer kulturell heterogenen Traditionen hellenisiert bzw. türkisiert, also so weit wie möglich ethnisch homogenisiert wurden.

Constantinopel: Goldenes Horn

Erst in den letzten gut fünfzehn Jahren kündigt sich beiderorts, wenn auch zeitlich etwas verschoben, ein Umdenkungsprozess an, der auf die Wiederentdeckung der kulturellen Vielfalt dieser Metropolen abzielt; ein ehrgeiziges Ziel, dass aber nur durch wiederholte Rückgriffe auf die osmanische Vergangenheit bzw. auf ein mehreren Volksgruppen gemeinsames, nicht mehr einer einzelnen Gruppe exklusiv zuordenbares historisches Erbe erreicht werden kann.

Doch stellt dieses Bestreben eine enorme Herausforderung an die jeweilige Kulturpolitik dar, zumal diese mittels Musealisierung und Nostalgisierung von Geschichte versucht, einerseits Globalisierungstendenzen entgegenzusteuern, andrerseits aber keine Zweifel an einem Bekenntnis zu Europa aufkommen zu lassen.

Dabei treten immer wieder Unsicherheiten der eigenen identitären Befindlichkeit zutage, die durch Rückgriffe auf eine vertraute, oft weit zurückliegende Vergangenheit kompensiert werden müssen, sich jedoch in einen ausgeprägten Ethnozentrismus und Provinzialismus verbeißen und ihre Ableitung in einer gezielten Vernachlässigung (von bestimmten Kulturgütern), in deren vorsätzlicher Vernichtung oder aber übertriebener Glorifizierung, in (Kontext-)Verfälschungen, oder auch in der unmotivierten Errichtung von Denkmälern und Gedächtnisorten finden. Diese Herangehensweise an die eigenen Geschichte spiegelt sich natürlich auch in der jeweiligen Souvenirkultur wider.

Der zeitliche Rahmen

Rund um die Diskussion über die EU-Reife des Beitrittskandidaten Türkei erweist es sich immer wieder als unerlässlich Geschichtsbilder und die ihnen inhärente Symbolik deuten zu können, auf denen das Selbstverständnis eines Landes oder einer Stadt letztlich beruht. Das Ausstellungsprojekt nimmt dies zum Anlass, der Geschichte und Gegenwart, insbesondere den Strategien der Vergangenheitsaufarbeitung der Städte Istanbul und Thessaloniki aus vergleichender Perspektive nachzuspüren.

Die Ausstellung umfasst einen zeitlichen Rahmen von mehr als 100 Jahren, vom Berliner Kongress (1878) bis in die Gegenwart, wobei besonderer Wert auf solche Symbole gelegt wird, die transnational/-lokal in beiden Städten verortet sind: eingebettet in für die beiden Schauplätze zentrale historische Ereignisse fiel die Wahl dabei u.a. auf die Narrenfigur des Nasreddin Hodscha, des orientalischen Till Eulenspiegel, der hier den Titel der Ausstellung FEZt-gefahren verkörpert, wenn er durch seine Parabeln immer wieder versucht, zwischen zwei oder mehreren (Konflikt-)Parteien, hier zwischen Griechen und Türken, zu vermitteln.

Mullah Nasrudin

Anhand eines stark vereinfachten Überblicks über die wichtigsten Eckdaten zur griechischen und türkischen Geschichte wird für den Besucher unschwer zu erkennen sein, dass griechische Feiertage meist türkische Trauertage sind und vice versa, was erneut auf den Titel FEZt-gefahren rekurriert. Im Wege der Alltagskultur, etwa den Bereichen Küche, Sitten und Gebräuche, aber auch mittels der Souvenirkultur wird die oben angesprochene Vermischung von Kulturen, Religionen und Mentalitäten sowohl der Griechen in Thessaloniki als auch der Istanbuler Türken verdeutlicht und somit erneut ein Konnex zum Titel FEZt-gefahren hergestellt.

Ausstellungsteam

  • Dr. Ulrike Tischler-Hofer (KFUG, Inst.f.Geschichte), Leitung des Ausstellungsprojekts und wissenschaftliche Konzeption
  • Nikola Albanee, M.A. (Univ. Zagreb), Gestaltung der Ausstellung
  • DI Sigurd Hofer, Logo und Ausstellungsaufbau
  • Mag. Christine Rohr, Requisiten
  • Corinna Schaffer, Studentin der Geschichte
  • Mag. Daniela Schanes, Doktorandin (Geschichte)
  • Nadine Thesz (Cluj, Rumänien), Erasmusstudentin (Geschichte)

Constantinopel

Einen herzlichen Dank unseren Sponsoren,
deren Unterstützung diese Ausstellung erst ermöglichte!

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