"FEZt-gefahren"
Die Schauplätze Beide Schauplätze, Thessaloniki und Istanbul, sind nicht nur durch ihre byzantinische, lateinische und osmanische Vergangenheit in mehreren kulturellen Traditionen, d.h. transnational/-lokal verortet, sondern auch durch ihre geostrategische Lage am Mittelmeer und an den Kreuzungspunkten der schon seit der Antike wichtigsten Handelsverbindungen zwischen Orient und Okzident miteinander verbunden, sowie aufgrund der Tatsache, dass Thessaloniki seit 1912/13 und Istanbul seit 1923 ungeachtet ihrer kulturell heterogenen Traditionen hellenisiert bzw. türkisiert, also so weit wie möglich ethnisch homogenisiert wurden.
Erst in den letzten gut fünfzehn Jahren kündigt sich beiderorts, wenn auch zeitlich etwas verschoben, ein Umdenkungsprozess an, der auf die Wiederentdeckung der kulturellen Vielfalt dieser Metropolen abzielt; ein ehrgeiziges Ziel, dass aber nur durch wiederholte Rückgriffe auf die osmanische Vergangenheit bzw. auf ein mehreren Volksgruppen gemeinsames, nicht mehr einer einzelnen Gruppe exklusiv zuordenbares historisches Erbe erreicht werden kann. Doch stellt dieses Bestreben eine enorme Herausforderung an die jeweilige Kulturpolitik dar, zumal diese mittels Musealisierung und Nostalgisierung von Geschichte versucht, einerseits Globalisierungstendenzen entgegenzusteuern, andrerseits aber keine Zweifel an einem Bekenntnis zu Europa aufkommen zu lassen. Dabei treten immer wieder Unsicherheiten der eigenen identitären Befindlichkeit zutage, die durch Rückgriffe auf eine vertraute, oft weit zurückliegende Vergangenheit kompensiert werden müssen, sich jedoch in einen ausgeprägten Ethnozentrismus und Provinzialismus verbeißen und ihre Ableitung in einer gezielten Vernachlässigung (von bestimmten Kulturgütern), in deren vorsätzlicher Vernichtung oder aber übertriebener Glorifizierung, in (Kontext-)Verfälschungen, oder auch in der unmotivierten Errichtung von Denkmälern und Gedächtnisorten finden. Diese Herangehensweise an die eigenen Geschichte spiegelt sich natürlich auch in der jeweiligen Souvenirkultur wider. Der zeitliche Rahmen Rund um die Diskussion über die EU-Reife des Beitrittskandidaten Türkei erweist es sich immer wieder als unerlässlich Geschichtsbilder und die ihnen inhärente Symbolik deuten zu können, auf denen das Selbstverständnis eines Landes oder einer Stadt letztlich beruht. Das Ausstellungsprojekt nimmt dies zum Anlass, der Geschichte und Gegenwart, insbesondere den Strategien der Vergangenheitsaufarbeitung der Städte Istanbul und Thessaloniki aus vergleichender Perspektive nachzuspüren. Die Ausstellung umfasst einen zeitlichen Rahmen von mehr als 100 Jahren, vom Berliner Kongress (1878) bis in die Gegenwart, wobei besonderer Wert auf solche Symbole gelegt wird, die transnational/-lokal in beiden Städten verortet sind: eingebettet in für die beiden Schauplätze zentrale historische Ereignisse fiel die Wahl dabei u.a. auf die Narrenfigur des Nasreddin Hodscha, des orientalischen Till Eulenspiegel, der hier den Titel der Ausstellung FEZt-gefahren verkörpert, wenn er durch seine Parabeln immer wieder versucht, zwischen zwei oder mehreren (Konflikt-)Parteien, hier zwischen Griechen und Türken, zu vermitteln.
Anhand eines stark vereinfachten Überblicks über die wichtigsten Eckdaten zur griechischen und türkischen Geschichte wird für den Besucher unschwer zu erkennen sein, dass griechische Feiertage meist türkische Trauertage sind und vice versa, was erneut auf den Titel FEZt-gefahren rekurriert. Im Wege der Alltagskultur, etwa den Bereichen Küche, Sitten und Gebräuche, aber auch mittels der Souvenirkultur wird die oben angesprochene Vermischung von Kulturen, Religionen und Mentalitäten sowohl der Griechen in Thessaloniki als auch der Istanbuler Türken verdeutlicht und somit erneut ein Konnex zum Titel FEZt-gefahren hergestellt. Ausstellungsteam
Einen herzlichen Dank unseren Sponsoren,
|







