Aus Anlaß des 100. Geburtstags von Marguerite Yourcenar Marguerite Cleenewerck de Crayencour, besser bekannt als Marguerite Yourcenar, kam am 8. Juni 1903 in Brüssel als Tochter eines französischen Vaters und einer belgischen Mutter zur Welt. Obgleich sie von früher Kindheit an ein Nomadendasein führt und die zweite Hälfte ihres Lebens in den Vereinigten Staaten von Amerika verbringt, wird sie sich immer als Französin und französische Schriftstellerin fühlen. Je suis française de culture - Ich bin Französin aus kultureller Prägung, sagt sie einmal mit unnachahmlicher Überzeugung in einem Interview. Sie verliert die Mutter zehn Tage nach ihrer Geburt und erfährt eine intensive, aber gleichzeitig eine von jeden Zwängen freie, unabhängige Beziehung zu ihrem Vater, der, als er ihr geistiges Potential erkennt, sie nachhaltig fördert und sie in ihrem Bestreben, eine literarische Karriere einzuschlagen, unterstützt. Es ist ihm noch vergönnt, ihre ersten Publikationen mitzuerleben und sie auf dem richtigen Weg zu wissen. Marguerite Yourcenars äußere Lebensumstände sind wohl bekannt, aber ihr Seelenleben hält sie verborgen. Sie spricht nicht gerne über sich selbst und läßt lieber ihr Werk sprechen. Im deutschsprachigen Raum ist ihr Name vor allem mit den Büchern Ich zähmte die Wölfin - die Erinnerungen Kaiser Hadrians und Die schwarze Flamme bekannt geworden. Ihr Œuvre umfaßt Romane und Erzählungen, Theaterstücke, Essais, Übersetzungen und auch eine dreibändige Familienchronik, die ihre Eltern und Vorfahren, aber kaum sie selbst zum Thema hat. Ihr Stil ist von glasklarer Brillianz, ihre Sprachbeherrschung von seltener Präzision und Perfektion. Ihre Bildung ist profund, tief verwurzelt und von einem Ausmaß, wie es nur selten anzutreffen ist. Sie erhält für ihr Werk zahlreiche Preise und Auszeichnungen, wie etwa den Prix Femina, den Grand prix national de culture, den großen Preis der Académie française, den Erasmuspreis, …. Marguerite Yourcenars Berühmtheit erreicht ihren Höhepunkt, als sie 1981 als erste Frau in die Académie française aufgenommen wird. Weniger bekannt ist, daß Marguerite Yourcenar sich sehr engagiert zum Schutz der bedrohten Umwelt und der schutzlos preisgegebenen Natur eingesetzt und eine Reihe einschlägiger Organisationen unterstützt hat, die sie auch in ihrem Testament bedacht hat. Sie stirbt am 17. Dezember 1987 im Spital zu Bar Harbor, Maine und wird am Friedhof von North East Harbor auf der Mount Desert Island, ihrem letzten ständigen Wohnsitz, beigesetzt. Die Verabschiedungszeremonie hat sie selbst gewählt, ebenso wie die Schlußworte, die ihr Vater auf das Sterbebildchen von Marguerites Mutter schreiben hatte lassen: Man solle nicht über das weinen was nicht mehr ist, sondern sich über das freuen, was war. | 
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