Antoine de Saint-Exupéry (29.6.1900 - 31.7.1944)
Zum Gedenken an seinen 100. Geburtstag

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Der SchriftstellerIn der Familie erinnert man sich, daß Antoine von früher Kindheit an seine Gedanken auf kleinen Zetteln zu Papier brachte, die er in Schachteln unterbrachte; später schrieb er sie in Leder gebundene Notizbücher. Der erste, der auf seine schriftstellerische Begabung aufmerksam wurde, war einer seiner Lehrer in Le Mans, der Abbé Auguste Launay, Das Märchen vom Zylinderhut, das einen Preis in der Schule erhält und auch später veröffentlicht wurde. Saint-Exupérys Bücher sind sehr persönliche Bekenntnisse, in denen er vieles gestaltet, was er selbst oder seine Freunde erlebt haben. Sein erster Roman, Courrier Sud, erscheint 1929. Sein nächster Roman, Vol de Nuit (Nachtflug) hat als Ausgangspunkt das Bestreben eines Flugdirektors, wie er selber einer war, auch Flüge bei Nacht durchzuführen, was zu der damaligen Zeit noch grosses Risiko in sich barg. Das zentrale Motiv ist jedoch die Bedeutung der Pflichterfüllung, die Erfüllung des Reglement, die Vorrang vor allem anderen hat. Vol de Nuit wird mit dem Prix Femina ausgezeichnet. Das Buch wird nach einem Drehbuch von Saint-Exupéry verfilmt. Dennoch ist der Erfolg nicht uneingeschränkt: Kritik kommt vor allem aus Pilotenkreisen, die ihre eigene Rolle und die Rivières, für dessen Figur - dichterisch angereichert - Didier Daurat, der Chef der Aerpostale, Vorbild war, kontroversiell diskutieren. Negative Kritik hat Saint-Exupéry von Kindheit an immer schwer getroffen, besonders zu schaffen machte ihm aber die seiner unmittelbaren Freunde und Kollegen. Er beschließt, keinen Roman mehr zu schreiben, sondern er denkt eher daran, eine Sammlung von Artikeln und Essais in einem Band zu veröffentlichen. In Terre des hommes (Wind, Sand, und Sterne) kommen nicht mehr fiktive Helden zu Wort sondern Saint-Exupéry selbst und seine Kameraden. Das Buch ist eine Synthese der Lehren und Weisheiten, die aus den Erlebnissen und Schicksalen der darin vorkommenden Personen resultieren, die über ihre Alltäglichkeit hinauswachsen. Das Buch hat sogleich bei seinem Erscheinen durchschlagenden Erfolg und wird in viele Sprachen übersetzt. Wenn auch kein Roman, wird es mit dem Grand Prix du Roman der Académie française ausgezeichnet. Bei Ausbruch des Krieges erreicht Saint-Exupéry mit viel Beharrlichkeit, einer Fliegerstaffel, der 2/33, zugeteilt zu werden, der er von 1939 - 1940 und von 1943 bis zu seinem Tod angehören wird. Ihr ist auch sein Buch Pilote de guerre (Flug nach Arras) gewidmet, das 1942 gleichzeitig in den Vereinigten Staaten und Frankreich erscheint. Es ist die Schilderung der Aufklärungsmission über der Stadt Arras am 23. Mai 1940, deren Ziel war herauszufinden, ob es Lücken in den deutschen Linien gäbe. Der Flug zählte zu den gefährlichsten, die die 2/33 je zu fliegen hatte. Eingestreut in die Rekonstruktion des Fluges sind andere Begebenheiten, Erinnerungen, Gedanken und Überlegungen zur Situation des geschlagenen und besetzten Frankreichs. Das wohl bekannteste und liebenswerteste Buch von Saint-Exupéry Le petit Prince (Der kleine Prinz) erschien 1943. Die Geschichte oder zumindest Teile davon trug er sicher schon längere Zeit bei sich. Auch zeigen manche Illustrationen der Briefe an seine Familie und Freunde große Ähnlichkeit zu dem kleinen Prinzen. Unter welchen Aspekten man das Buch lesen und interpretieren mag, als Märchen für Kinder, als Parabel für Erwachsene, als Botschaft der Hingabe und Liebesversprechen an seine Frau Consuelo, als Vermächtnis seiner Lebensphilosophie: es spricht zu seinen Lesern heute wie vor beinahe sechzig Jahren. | 
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Der PilotSeine Flugtaufe erlebt Saint-Exupéry im Alter von 12 Jahren auf dem kleinen Flugplatz von Ambérieu in der Nähe von Saint-Maurice auf einem Eindecker. Er nützt seine Militärzeit, um zunächst seinen zivilen (1921) und dann militärischen Flugschein (1922) zu machen. Trotz seiner Leidenschaft für das Fliegen entscheidet er sich gegen eine Laufbahn bei der Luftwaffe und nimmt aus Liebe zu seiner Verlobten Louise de Vilmorin eine Stelle als Büroangestellter in Paris an. Die Verlobung ist jedoch nicht von Dauer. Nach den freudlosen Jahren als Büroangestellter und später als Lastwagenverkäufer gelingt Saint-Exupéry 1926 der Eintritt als Pilot in die noch junge Fluglinie Latécoère. 1928 wird er Flugplatzdirektor der Latécoère-Basis von Cap Juby, nördlich von Villa Cisneros, heute Tarfaya, in dem damals zu Spanien gehörenden Rio de Oro. Vor dem Flugplatz lag der Atlantik, dahinter dehnte sich die endlose Wüste aus. Der Eindruck der Verlassenheit und Öde wurde noch durch das unmittelbar angrenzende Straflager verschärft, das von spanischen Fremdenlegionären bewacht wurde. Die Zeit und die Erlebnisse am Cap Juby finden ihren Niederschlag im Werk von Saint-Exupéry, vor allem in Wind, Sand und Sterne, Der kleine Prinz und in Die Stadt in der Wüste. 1929 tritt er seine Stellung als leitender Angestellter bei der Aeroposta Argentina an, wo er einen neuen Flugdienst nach Patagonien und Feuerland einrichten wird. Seine Tätigkeit als Verwaltungsdirektor läßt ihn befürchten, im Kreis der Kameraden eine Sonderstellung einzunehmen, die ihm nicht angenehm ist. Es war auch nicht seine Sache, andere Piloten zu gefährlichen und risikoreichen Flügen zu zwingen, nur um den Ansprüchen der Fluglinie zu entsprechen. Diese Erlebnisse hat er in Vol de Nuit (Nachtflug) verarbeitet. Am 29. Dezember 1935 bricht Saint-Exupéry zusammen mit seinem Bordmechaniker André Prévot in seiner eigenen Simoun F-ANRY auf, um den Streckenrekord Paris - Saigon von 98 Stunden und 52 Minuten von André Japy aus dem Jahr 1932 zu brechen. Dafür war ein Preis von 150.000 Francs ausgesetzt. Am nächsten Tag, Saint-Exupéry hatte nur drei Viertel der von ihm angenommenen Strecke zurückgelegt, stürzt die Maschine in der libyschen Wüste ab. Wie durch ein Wunder bleiben beide Insassen unverletzt, aber das Flugzeug ist ein Wrack. Am 16. Februar 1938 starten die beiden wieder gemeinsam, diesmal mit einer Simoun F-ANXR, von New York aus über die Anden nach Punta Arenas. Die Strecke ist 14.000 Kilometer lang, allein 8.500 Kilometer führen über die Anden. Unmittelbar nach der Einleitung des Starts in Guatemala City, wo die Maschine aufgetankt worden war, kommt es zu einem katastrophalen Absturz, bei dem beide Männer schwer verletzt werden und von dem Flugzeug nur ein Trümmerhaufen übrigbleibt. Man darf den Flieger Saint-Exupéry sicher nicht nur nach seinen Pannen beurteilen. Erfolgreich erschließt er 1937 für Air France eine neue Langstrecke von über 9000 Kilometern von Casablanca nach Timbuktu. Von Saint-Exupéry, dem Flieger, existieren eindrucksvolle Aufnahmen, die der ameri-kanische Photograph John Phillips im Mai 1944 von ihm machte. Eine Serie zeigt auch das mühsame Anlegen der Fliegermontur, worüber Saint-Exupéry auch in Flug nach Arras schreibt: Denn es dauert lange, das Zeremoniell des Umkleidens, wenn der Auftrag einem verzweifelt vorkommt und man sich so sorgfältig anschirrt, um sich lebendig braten zu lassen. Es ist anstrengend, so eine dreifache Kleidung übereinander anzuziehen, sich mit einer Menge Zusatzgeräten zu vermummen, die man wie ein Trödler mitschleppt, die Sauerstoffröhren, den Herzkreislauf, die Sprachrohre, um die Telefonverbindung zwischen den einzelnen Besatzungsmitgliedern herzustellen. [...] Von Minute zu Minute werde ich schwerer, überladener, schwerfälliger. Ich bewege mich wie ein Klotz ... | 
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Der ErfinderDer Erfinder Saint-Exupéry ist weit weniger bekannt als der Pilot oder Schriftsteller Saint-Exupéry. Er hatte jedoch eine Reihe von Patenten angemeldet, das erste 1936, die ihn zwar nicht reich machten, jedoch Zeugnis sind für seinen vielseitigen, wachen Geist. Drei Patente beschäftigen sich mit dem einziehbaren Fahrgestell bei Flugzeugen, vier betreffen einen Goniographen, weitere beziehen sich auf Motoren-Prüfverfahren, eine Anlasser-Vorrichtung, Melde- und Meßapparate, ein Ortungsverfahren sowie auf ein neues elektromagnetisches Meßverfahren. Im wesentlichen haben seine Erfindungen mit der Steuerung, der Navigation und den Kontroll- und Instrumentensystemen eines Flugzeugs zu tun. Er entwickelt Ideen über den Raketenantrieb, die er nach dem Krieg in die Tat umsetzen möchte. Weite Verbreitung erlangte der von ihm konzipierte Entfernungsmesser, den er unter der Nummer 924.902 zum Patent anmeldete. Im Flugwesen wird diese Erfindung später unter dem Namen D.M.E. (Distance Measuring Equipment) bekannt. | 
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Zeittafel
1900 Geburt von Antoine Jean-Baptiste Marie Roger de Saint-Exupéry am 29. Juni in Lyon;
1902 Geburt seines Bruders François;
1904 Tod seines Vaters; Geburt seiner Schwester Gabrielle; die Mutter lebt mit den 5 Kindern bei einer Tante, Gabrielle de Tricaud, in Lyon; zahlreiche Aufenthalte auf den beiden Familiensitzen Saint-Maurice-de-Remens und La Môle.
1908 Schulbesuch in Lyon bei den Frères des Ecoles Chrétiennes;
1909 Schulbesuch bis 1914 von Antoine und François der Jesuiten-Schule Notre-Dame-de-Sainte-Croix in Le Mans auf Wunsch des dort ansässigen Großvaters, Fernand de Saint-Exupéry;
1912 Erster Flug in Amberieu bei Saint-Maurice
1914 Schulpreis für Antoines Das Märchen vom Zylinderhut;
1915 Schulbesuch von Antoine und François bei den Marianisten (Villa Saint Jean) in Fribourg (Schweiz);
1917 Matura; Tod seines Bruders François; Vorbereitung auf die Aufnahme in die Ecole navale in Paris; eine Cousine, Yvonne de Lestrange, bringt in mit Schriftstellerkreisen in Kontakt;
1918 Bekanntschaft mit Louise de Vilmorin;
1919 Antoine scheitert bei der mündlichen Aufnahmeprüfung für die Ecole navale und entschließt sich für das Architekturstudium an der Ecole des Beaux-Arts in Paris;
1921 Im April Antritt des Militärdienstes in Straßburg; Flugunterricht; erster Aufenthalt in Nordafrika, als Offiziersschüler in Marokko; erhält seine zivile Fluglizenz im Dezember;
1922 erhält seine militärische Fluglizenz; Versetzung zum 34. Fluggeschwader in Le Bourget;
1923 Absturz über Le Bourget, bei dem er schwere Verletzungen erleidet; Verlobung mit Louise de Vilmorin; Verzicht der Familie de Vilmorin zuliebe auf die Karriere eines Militärpiloten; Annahme einer Bürostellung; dennoch Lösung der Verlobung durch Louise;
1924 Arbeit als Vertreter für die Automobilwerke Saurer.
1926 Veröffentlichung der Kurzgeschichte Der Flieger in Le Navire d' argent; er arbeitet als Pilot für Lufttaufen bei der Compagnie Aérienne Française; erhält seine Lizenz für Transportflüge; im Oktober Eintritt in die Fluggesellschaft Latécoère in Toulouse;
1927 Pilot für Postflüge auf der Strecke Toulouse - Casablanca und Casablanca - Dakar; Tod seiner an Tuberkulose erkrankten Schwester Marie-Madeleine;
1928 Postenchef in Cap Juby;
1929 Veröffentlichung von Südkurier; Navigationskurs in Brest; Betriebsdirektor der Aeroposta Argentina;
1930 Ernennung zum Ritter der Ehrenlegion für Verdienste um die zivile Luftfahrt; Absturz Guillaumets in den Anden; Begegnung mit Consuelo Suncin de Sandoval.
1931 Rückkehr nach Paris; Hochzeit mit Consuelo; Konkurs der Aéropostale; Veröffentlichung von Nachtflug, ausgezeichnet mit dem Prix Femina;
1933 Testpilot für Wasserflugzeuge; Unfall vor Saint-Raphael, bei dem er fast ertrinkt.
1934 Anstellung bei Air France für Werbeflüge im In- und Ausland; erster Patentantrag;
1935 Reportage in Moskau für Paris-Soir; Beim Versuch, den Streckenrekord Paris - Saigon zu unterbieten, kommt es zum Absturz in der libyschen Wüste; Saint-Exupéry und sein Bordmechaniker André Prevost werden, fast verdurstet, in letzter Minute von einem Beduinen gerettet;
1936 Reportage für L'Intransigeant über den Spanischen Bürgerkrieg.
1937 Reportage in Spanien für Paris-Soir.
1938 Absturz in Guatemala bei einem Langstreckenflug New York - Feuerland, wobei er und André Prevost schwere Verletzungen erleiden; Rekonvaleszenz in New York;
1939 Veröffentlichung von Wind, Sand und Sterne, das den Grand Prix du Roman der Académie Française erhält und in Amerika zum Book of the Month gewählt wird; Rekordflug mit Guillaumet nach New York; bei Kriegsausbruch wird Saint-Exupéry in Toulouse als Instruktor mobilisiert, dann aber auf Grund seiner eigenen Interventionen der Aufklärungsstaffel 2/33 zugeteilt;
1940 Aufklärungsflüge mit der Gruppe 2/33, die zuerst in Orconte, dann in Orly stationiert ist; am 22. Mai Aufkärungsmission über Arras, die ihm die Verleihung des Kriegsverdienstkreuzes mit Palme einbringt und die er in Flug nach Arras literarisch umsetzt; nach Unterzeichnung des Waffenstillstandes am 22. Juni wird er demobilisiert; Tod Guillaumets; im Dezember Abreise von Lissabon nach New York; Arbeit an Die Stadt in der Wüste;
1941 Nachbehandlung seiner beim Absturz in Guatemala City erlittenen Verletzungen; Arbeit an Flug nach Arras;
1942 Veröffentlichung von Flug nach Arras in Amerika und in Frankreich, wo die deutsche Besatzungsmacht das Buch aber bald verbieten läßt; Aufruf der Franzosen zur Einigkeit in Brief an die Franzosen, erschienen im New York Times Magazine;
1943 Veröffentlichung von Der Kleine Prinz; Rückkehr nach Algier; Training auf modernen Flugzeugen vom Typ Lightning P 38; Rückkehr zur Gruppe 2/33; Flugverbot nach mißglückter Landung; dank seiner hartnäckigen Bemühungen gelangt er wieder in den aktiven Dienst;
1944 Veröffentlichung von Brief an einen Ausgelieferten (Bekenntnis einer Freundschaft); Verlegung der Gruppe 2/33 nach Korsika; von seinem zehnten Aufklärungsflug am 31. Juli kehrt Saint-Exupéry nicht zurück; diverse Spekulationen über seinen Tod; offizielle Vermißterklärung am 8. September;
1945 Anerkennung "Gefallen für Frankreich" durch das Gericht in Bastia am 20. September
1948 Veröffentlichung des posthumen Werkes Die Stadt in der Wüste;
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