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Events der 9er Jahre
1849 | | Erlass des Rektors an die Studenten: Da eine Akademische Legion nicht mehr bestand, durften Studierende ab sofort in Uniform und Kalabresern nicht mehr „auf öffentlichen Plätzen“ erscheinen. |
1879 | | Das mineralogisch-geologische Institut wurde in ein geologisch-paläontologisches und in ein mineralogisch-petrographisches Institut geteilt. |
1899 | | Julius Wagner von Jauregg, der spätere Nobelpreisträger, wurde zum Professor für Psychiatrie und Nervenpathologie in Graz ernannt. |
1919 | | Die von den Sozialdemokraten unter Karl Renner geführte Regierung steuerte außenpolitisch den Anschluss an Deutschland an. Innenpolitisch setzte die Regierung in Verfolgung dieses Zieles Maßnahmen, die einen weitgehenden Gleichklang in der Organisation der Hochschulen zwischen Deutschland und Österreich herbeiführten, deren erste am 14. März 1919 die Anerkennung der in Deutschen Reich erworbenen akademischen Grade und die Gleichstellung der aus Deutschland stammenden Studenten mit Inländern war. Diese von Deutschland anerkannte Gleichstellung war in der Folge gerade für Jungakademiker mancher Studienrichtungen, etwa der Chemie, von höchster Bedeutung, wenn sie sich in dem unvergleichlich größeren Arbeitsmarkt Deutschlands nach einer Berufsmöglichkeit umsehen konnten. Mit Kriegsende organisierte sich die Studentenschaft. Die im Sommer 1918 geführten Gespräche der Vertreter von Studentenverbindungen zur Schaffung eines Allgemeinen Deutschen Hochschulausschusses waren vorderhand wenig zielführend. Erst als im Oktober 1918 eine allgemeine Studentenversammlung die Gründung eines Sicherungsdienstes beschloß, wurde ein Allgemeiner Studentenausschuß als gemeinsame studentische Vertretungskörperschaft gegründet, die einer größeren Öffentlichkeit dadurch in das Bewußtsein rückte, daß Studenten auf Bahnhöfen Wache hielten, sich zu einem freiwilligen Einsatz zur Sicherung der Drau als Südgrenze der Steiermark bereiterklärten, wozu es allerdings nicht kam, und 1919 ein Freikorps für die Kämpfe in Kärnten stellten. An diesen Kämpfen des Jahres 1919 beteiligte sich auch ein Kontingent der Leobner Studenten, von denen einer fiel. Die auf sozialdemokratische Initiative unternommenen Versuche der Schaffung neuer Institutionen der demokratischen Willensbildung und der politischen Einflussnahme in der Form der Hochschullehrerkammer wurden von den Hochschulen nicht angenommen; eine solche Einrichtung wurde als eine die Autonomie und die Kompetenzen der akademischen Behörden bedrohende Zwischeninstanz empfunden. Ein ähnliches Schicksal erlebten die von der Rektorenkonferenz empfohlene Einrichtung von "Hochschulräten". In Graz traten 1919 die gemischten, aus Professoren und Studenten bestehende Hochschulausschüsse zusammen, in denen allgemeine Hochschulangelegenheiten gemeinsam diskutiert wurden; ihnen war ein für beide Hochschulen zuständiger Hochschulhauptausschuss übergeordnet. Neben der Schaffung einer Studentenvertretung wurde 1919 die Stellung der Assistenten neu geregelt, deren wesentlichste Elemente die Schaffung von Zweijahresverträgen und die Gleichstellung in der Entlohnungshöhe mit den Mittelschulprofessoren waren. Diese Änderungen brachten die materielle Absicherung des akademischen "Mittelbaus" und waren in ihrer sozialen Bedeutung und auch hochschulpolitisch folgenreich, zumal damit im Grunde die Assistententätigkeit als Lebensstellung möglich wurde und die universitäre Laufbahn nicht mehr auf die notwendige Erlangung einer Professur allein ausgerichtet war. |
| | Die Habilitation von Frauen Als Folge der Zulassung von Frauen zum Hochschulstudium war schon vor dem ersten Weltkrieg die Frage der Habilitation von Frauen erörtert worden, und zwar sowohl universitätsintern als auch auf der Ebene der Rektorenkonferenz und schließlich auch im Rahmen der Hochschulkonferenzen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. In Graz war die Frage durch das Gesuch Mathilde Uhlirz' um Habilitation für das Fach Geschichte des Mittelalters während des ersten Weltkrieges virulent geworden; damals hatte die prinzipielle Erörterung dieser Frage zur Ablehnung der Habilitation von Frauen geführt, und zwar mit 15 zu 12 Stimmen.1 Im Jahre 1919 scheiterte der Habilitationsversuch der Germanistin Christine Touaillon.2 Veranlasst durch die "in weiten Gebieten des öffentlichen Lebens durchgeführte Gleichstellung der Frauen", erbat das Ministerium für Inneres und Unterricht im Herbst 1919 eine Stellungnahme der Fakultäten und des Akademischen Senates zur Frage der Zulassung von Frauen zur Habilitation an den weltlichen Fakultäten. In Graz zeigte man sich eher zurückhaltend bis ablehnend, der Akademische Senat wollte diese Frage im Zusammenhang mit der bevorstehenden Regelung der Stellung der Privatdozenten verbunden wissen, hielt aber grundsätzlich fest: "Die Habilitierung einer Frau soll nur in ganz ausnahmsweisen Fällen, in welchen eine außergewöhnliche Begabung, sowohl für den wissenschaftlichen, wie für den Lehrberuf feststeht, erfolgen. Ein gesicherter, wissenschaftlicher Ruf soll eine unentbehrliche Voraussetzung für die Habilitierung einer Frau sein". Die Habilitationsnorm des Jahres 1920 enthielt keine geschlechtsspezifische Aussage. [1] Walter Höflechner, Mathilde Uhlirz, in: Kernbauer - Schmidlechner (Hgg.), Frauenstudium und Frauenkarrieren, 197. [2] Rainer Leitner, Christine Touaillon, geb. Auspitz. Gelehrte und Feministin (1878-1928), in: Kernbauer - Schmidlechner (Hgg.), Frauenstudium und Frauenkarrieren, 210-247.
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1929 | | Alfred Wegener (berühmt wegen seiner Kontinentalverschiebungstheorie) unternahm seine erste Grönland-Expedition. – Literatur: Helmut W. Flügel, Alfred Wegeners vertraulicher Bericht über die Grönland-Expedition 1929 (= Publikationen aus dem Archiv der Universität Graz 10) Graz 1980. |
1939 | | Die Katholisch-Theologische Fakultät wurde 1939 gänzlich geschlossen, nur drei ihrer Angehörigen wurden an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien weiterverwendet. |
1949 | | In Graz entdeckte Frisch erstmals die Fähigkeit der Ommatidien des Bienenauges, so wie der Analysator einer Polarisationseinrichtung zu funktionieren. Später fand man, daß dies ein wesentliches Funktionsprinzip vieler, wenn nicht überhaupt aller Komplexaugen bei Krebsen, Spinnentieren und Insekten war. Diese fundamentalen Erkenntnisse wären ohne die Grazer Forschungsarbeit Frisch' wohl erst viel später gemacht worden. Die Ergebnisse führten Frisch im März 1949 an die Cornell University in Ithaca (N.Y.), wo er seine neuesten Forschungsergebnisse vorstellte. Die Rockefeller-Foundation genehmigte 1949 erhebliche Mittel, die die Weiterführung der Forschungen Frisch‘ möglich machten. Das Fach Philosophie wurde in Graz nach dem Krieg von Konstantin Radakovic, der schon vor 1938 als Dozent tätig gewesen, emigriert war und nach seiner Rückkehr ab 1949 als Ordinarius wirkte. |
1959 | | Im Jahre 1959 wurde die erste ordentliche Professorin an der Karl-Franzens-Universität emeritiert: Dr. Clara Zawisch-Ossenitz hatte ihre wissenschaftliche Laufbahn an der Universität Wien begonnen und war ihrer katholischen Gesinnung wegen in die USA emigriert, kehrte 1946 nach Österreich zurück und wurde 1947 zur außerordentlichen Professorin für Histologie und Embryologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Graz ernannt; die Ernennung zur ordentlichen Professorin erfolgte 1956. |
1969 | | Ab dem Jahre 1969 fand alljährlich auf Initiative der Universität und der Technischen Hochschule und unter Beteiligung der Fachvertreter der Montanistischen Hochschule das „Steiermärkische Mathematische Symposium“ unter internationaler Beteiligung statt. |
1979 | | Die Rechtswissenschaftliche Fakultät begeht ihre 200-Jahr-Feier mit zahlreichen Aktivitäten. |
1989 | | Im Jahre 1989 tritt der Professor der Physiologie Dr. Thomas Kenner das Amt des Rektors an. Er sollte der letzte Angehörige der Medizinischen Fakultät sein, der dieses Amt für die Karl-Franzens-Universität führte. |
1999 | | Nach recht kurzer Beratung wurde im Jahre 1993 ein Universitätsorganisationsgesetz beschlossen, das zu einer völligen Neugestaltung universitären Lebens überleitete. Dieses Gesetz betonte monokratische Strukturen der Entscheidungsfindung, wohl als Reaktion auf die angesichts des Wachstums der Universitäten überaus schwerfällig gewordene Entscheidungsfindung in Kommissionen. Als Vorbilder dieser Universitätsstruktur hatten ursprünglich die angelsächsischen Organisationsformen gedient, die man allerdings nur ansatzweise übernahm. Eine der Neuerungen bestand darin, dass anstelle des ehrenamtlichen Rektors ein hauptamtlicher mit vierjähriger Amtszeit eingeführt wurde. Ihm obliegt die Letztentscheidung u.a. bei Professorenernennungen. Die Einführung dieser Organisationsform nahm einige Zeit in Anspruch und war an kleineren Universitäten früher abgeschlossen als an großen. An der Karl-Franzens-Universität endete die Übergangsphase am 3. Dezember 1999. Professor Dr. Lothar Zechlin war der erste Rektor neuen Typs. |
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