Tipps für Universitätslehrende
Tips for university teachers

Gegen Ende eines FWF-Coaching Workshops am 20.10.2009 in Graz wurde eine ppt-Folie mit folgendem Text präsentiert.



Fazit: Machen Sie hervorragende Wissenschaft!
Dann ist Ihr Projekt aus Sicht des FWF ein Erfolg.5


Dazu eine paar Gedanken zur Wissenschaftskommunikation im 21. Jahrhundert

1Unter "Förderung wissenschaftlicher MitarbeiterInnen" meint FWF vor allem,
MitarbeiterInnen zu motivieren und dabei zu unterstützen, ihre Forschungsergebnisse in der internationalen Sprache des jeweiligen Faches auf internationalen Tagungen mit passenden Peer-Review-Verfahren zu präsentieren und anschließend in den besten Peer-Review-Fachzeitschriften zu publizieren. Nur wer das häufig tut, hat im 21. Jahrhundert eine realistische Chance auf eine Professur.

2Unter "international" meint FWF offenbar "in der internationalen Sprache des jeweiligen Faches" - also in den meisten Fällen auf Englisch. Aus diesem Grund müssen FWF-Forschungsanträge in der Regel auf Englisch formuliert werden. Unabhängig vom FWF sollten Forschungsarbeiten in der Romanistik vorwiegend auf Spanisch oder Französisch, in der Slawistik
vorwiegend auf Russisch und in der Germanistik vorwiegend auf Deutsch verfasst werden. Die wissenschaftliche Qualität eines Textes kann nur dann glaubwürdig evaluiert werden, wenn die meisten internationalen ExpertInnen im spezifischen Forschungsbereich des Textes ihn lesen können. Forschung soll  nur dann öffentlich finanziert werden, wenn die meisten einschlägigen internationalen ExpertInnen die Ergebnisse rezipieren und evaluieren können.

3Auf der internationalen Bühne sind in den meisten Fächern englischsprachige Publikationen ca. 10x sichtbarer als deutschsprachige, weil 10x so viele WissenschaftlerInnen sie lesen können. Sie werden daher ca. 10x häufiger zitiert.

4Kommunikation funktioniert bekanntlich nur, wenn Sender/in und Empfänger/in den gleichen Code kennen. Die Wissenschaft brauchte schon immer eine internationale lingua franca. Diese Sprache war im Mittelalter Latein und hätte im 19.-20. Jahrhundert  Deutsch, Französisch oder Esperanto werden können.
Like it or lump it: Heute erreicht man fast alle WissenschaftlerInnen der Welt mit der englischen Sprache.

5Frei nach Wilhelm von Humboldt (Prinzip der Einheit von Forschung und Lehre): Nur wer erfolgreich forscht kann forschungsgeleitet lehren. Forschung, die nicht von internationalen ExpertInnen im gleichen Fach rezipiert und evaluiert wird, existiert für die internationale Fachwelt nicht.


Die auf dieser Seite zum Ausdruck gebrachten Meinungen sind die persönlichen Meinungen des Autors.
Anregungen zur Verbesserung und Ergänzung des Inhalts sind willkommen.

Richard Parncutt, Centre for Systematic Musicology, Faculty of Humanities, University of Graz