Seit vielen Jahren beschweren sich GrazerInnen und EU über Feinstaub in Graz. ExpertInnen sind der Meinung, dass ca. die Hälfte des Feinstaubs im Verkehr entsteht (mehr). Wir brauchen eine kreative, mehrheitsfähige Lösung.
Öffi-Karten für AutofahrerInnen! Vorschlag: Wer ALLEIN in einem C02-erzeugenden Fahrzeug in Graz fährt, muss eine gültige Öffi-Fahrkarte dabei haben. Die Preise werden dementsprechend reduziert: 1 Stunde = 1 Euro, 1 Jahr = 150 Euro. Die Karten werden wie üblich am Jakominiplatz, per Handy usw. verkauft. Die Kontrolle erfolgt z.B. bei Ampeln und die Geldstrafen sind gleich wie derzeit in den Öffis. Das heißt: keine neue Infrastruktur ist nötig. Das dahinter stehende Prinzip: Gleichzeitig werden privater Verkehr teurer und öffentlicher Verkehr billiger und besser. Das zu erwartende Ergebnis: Viele AutofahrerInnen steigen auf Bus, Bahn und Bim um, wofür sie eine Fahrkarte schon gekauft haben. Fahrtgemeinschaften werden häufiger. Mit den neuen finanziellen Mitteln werden Öffi-Strecken verlängert und Fahrpläne verdichtet, was wiederum mehr Menschen zum Umsteigen motiviert. Andere Städte setzen die gleiche Idee um. Gleichzeitig werden drei Probleme gelöst: Feinstaub, CO2 und Stau.
Auch eine Art Kombivignette wäre möglich - für Autobahn und Stadtverkehr mit einem Abschnitt zum abtrennen als Fahrkarte für den öffentlichen Verkehr (Helga Mühlbacher, E-Mail vom 15.4.2012).
Die Idee, den öffentlichen Verkehr billiger und gleichzeitig den privaten Verkehr teuerer zu machen, klingt nach Sozialismus. Sie wäre aber auch ein marktwirtschaftliches Experiment. Wir schätzen den privaten Verkehr, weil wir (i) (fast) jederzeit allein und ohne Vorplanung fahren können, (ii) nicht zusammen mit fremden Menschen fahren müssen und (iii) bei Regen weniger nass und im Winter weniger kalt werden. Dafür neben wir im Kauf, dass wir etwa im Stau sitzen oder keinen Parkplatz finden. Wie viel ist uns dieses Privileg wert? In den letzten Jahren ist der Benzinpreis massiv gestiegen, was aber kaum jemand zum Umsteigen auf Öffis bewegt hat (mehr). Der eigentliche Marktwert des privaten Verkehrs muss also noch höher sein, als der aktuelle Preis. Wir werden nur auf Öffis umsteigen, wenn (i) die Kosten des privaten Verkehrs den eigentlichen Marktwert angleichen und (ii) die Öffis überall schnell, bequem, verlässlich und billig sind.
Freilich gilt diese Argumentation in erster Linie für den Mittelstand. Reiche werden vermutlich immer mit dem Auto fahren, egal wie viel es kostet. Ärmere werden früher auf Öffis umsteigern, wenn der Preis des privaten Verkehrs noch höher wird. Ist mein Vorschlag diesbezüglich unfair? Ich glaube nicht. Schließlich sollen die Öffis billiger werden, was finanziell bedürftigen Menschen zugute käme. Die Alternative wäre ein Fahrverbot in der Innenstadt; dafür wäre eine teuere neue Infrastruktur nötig. Dass auch andere Strategien gegen Armut nötig sind, liegt auf der Hand (mehr).
If we are going to make public transport cheaper, why not just make it free?
Öffi-Karten für Autos wäre ein wichtiger Schritt, der das Problem schon weitgehend lösen könnte. Trotzdem möchte einen weiteren Schritt anregen.
Langfristig sollte und könnte der öffentliche Verkehr kostenlos sein. Denn:
Verteilte man die Gesamtkosten des Grazer öffentlichen Verkehrs auf alle SteuerzahlerInnen, würde jede Person 1 bis 2 Euro/Tag/Person zahlen. Finanzierte man die Öffis zu 100% (wie etwa die Straßen und Fußwege, dafür zahlt man auch nichts), würden fast alle BürgerInnen davon profitieren:
Wenn Graz saubere Luft haben soll,
sind nachhaltige
Lösungsstrategien dringend nötig. Zum Beispiel:
Get off your bum and get on your bike
Promote cycling
Make public transport free!
Folgendes ist nicht die verrückte Idee eines unverbesserlichen Idealisten, sondern eine praktische Lösung für ein wichtiges aktuelles Problem.
The bottom line
Wer mit dem öffentlichen Verkehr oder mit dem Fahrrad fährt oder zu Fuß geht, trägt direkt zur Lebensqualität der Stadt bei. Stellen Sie sich vor, liebe/r Internetsurfer/in: Wie wäre die Luftqualität in Graz, wenn diese Menschen sich nicht so verhalten würden oder wenn der öffentliche Verkehr in Graz nicht so gut wäre? Diesen Menschen sowie der engagierten Leitung des Grazer Verkehrsbetriebs ist zu danken, dass wir in Graz überhaupt noch atmen können.
Autofahren in der Stadt ist ein Privileg für Behinderte, Kranke und Menschen mit sehr großem oder schwerem Gepäck. Alle anderen können mit dem Fahrrad oder den Öffis fahren oder zu Fuß gehen. Wer unnötig Auto fährt, ist faul und rücksichtslos. Sie oder er macht andere und sich selbst krank und trägt persönlich dafür die Verantwortung. Sie oder er agiert oft nicht einmal im eigenen Interesse.
Wir brauchen einen Umweltknigge: eine Erziehung zum globalen Verantwortungsbewusstsein und Rücksicht. Im Übrigen ging es Knigge in seinem Buch "Über den Umgang mit Menschen" (1788) nicht in erster Linie um Umgangsformen, sondern vielmehr um Demokratie und Menschenrechte. Darum geht es auch dem Autor dieses Textes. Alle haben ein Recht auf frische Luft; folglich haben alle auch das Pflicht, die Luft nicht unnötig zu verunreinigen.
Die Gesamtkosten des öffentlichen Verkehrs sollen nicht nur von den Fahrgästen, sondern vor allem und auch im eigenen Interesse von den AutofahrerInnen getragen werden. Da GVB-Fahrgäste und AutofahrerInnen zusammen die überwiegende Mehrheit der Grazer Bevölkerung ausmachen, sollen die Gesamtkosten des öffentlichen Verkehrs unter allen Mitgliedern der Gesellschaft geteilt werden.