Das erste experimentalpsychologische Laboratorium der österreichisch-ungarischen Monarchie entstand 1894 in Graz. Bereits im Wintersemester 1886/87 begann der Philosoph und Psychologe Alexius Meinong aus eigenen Mitteln an der Karl-Franzens Universität Graz experimentalpsychologische Übungen abzuhalten. Die faktische Leitung des Labors übernahm sehr bald Stephan Witasek (1870 – 1915), der 1913 zum Extraordinarius ernannt wurde. Nach dem frühen Tod Witaseks wurde die Laborarbeit von Vittorio Benussi (1878 – 1927) weitergeführt; er habilitierte 1905 mit einer Habilitationsschrift „Zur Psychologie des Gestalterfassens“. Mit der „Gegenstandstheorie“ gab Meinong den konzeptuellen Rahmen für die gestaltpsychologische Forschung vor. Der letzte Doktorand Meinongs war Fritz Heider (1896 – 1988), der mit seinen in den USA durchgeführten Arbeiten auf dem Gebiet der Attributions- und Balancetheorie zu einem Pionier der modernen Sozialpsychologie wurde. Nach dem Tod Meinongs wurde die Laborarbeit von Othmar Sterzinger, der sich noch 1920 bei Meinong für Experimentalpsychologie habilitierte, nebenberuflich weitergeführt. | 
Universal-Kymographion (Leipzig, Zimmermann, 1905) |