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Exposé meiner Dissertation

Arbeitstitel:
Motivation und Formen des „Antirepräsentationalismus“.
Zur Revision der Geist-Welt-Beziehung und ihrer Thematisierung

Aufbau
Allgemeine Zielsetzung
Detaillierte Problemstellung
Untersuchungsmethoden
Auswahlbibliographie

 

a. Aufbau

Einleitung. Reflexionen über den klassischen Repräsentationsbegriff

Teil 1. Antirepräsentationalistische Modelle
1.1. Die differentielle Ontologie Gilles Deleuzes
1.2. Robert Brandoms semantischer Inferentialismus und die Pragmatik des sprachlichen Kontoführens
1.3. Dynamizistische Kognitionswissenschaft

Teil 2. Methodologie des Antirepräsentationalismus
2.1. Voraussetzungen und Präliminarien für eine antirepräsentationalistische Methodologie
2.2. Eine antirepräsentationalistische Rekonstruktion des Repräsentationsbegriffs und seiner explanatorischen Vorrangstellung
2.3. Konsequenzen für den in Anspruch genommenen Modellbegriff und das wissenschaftliche bzw. philosophische Selbstverständnis

 

b. Allgemeine Zielsetzung

Das Ziel meiner Arbeit besteht zunächst in einer kritischen Bestandsaufnahme diverser Ansätze, die sich im Rahmen der theoretischen Philosophie gegen die Annahme von Repräsentationen als explanatorischen Grundelementen wenden. Diese etwa seit dem Ende des 19. Jahrhunderts explizit formulierte, bis dato allerdings noch diffuse und kaum in konsequent ausgearbeiteter Form auftretende Tendenz soll in einem ersten Teil anhand von drei entsprechenden Positionen innerhalb der zeitgenössischen Philosophie festgemacht werden. Hierfür werden Gilles Deleuzes differentiell-genetische Ontologie, Robert Brandoms inferentialistisch-pragmatistische Neubegründung der Sprachphilosophie und neueste kognitionswissenschaftliche Ansätze aus dem konnektionistischen und dynamizistischen Paradigma, die sich um situierte und eingebettete Modelle des Geistes bemühen, herangezogen und an ihrem Anspruch gemessen bzw. immanent kritisiert.
Ausgehend von der thematisch gewichteten Darstellung der jeweiligen Ansätze und des philosophischen Potentials ihrer Leitgedanken soll im zweiten Teil die Minimalcharakteristik einer „antirepräsentationalistischen Methode“ skizziert werden, die durchaus als kritische Synthese der präsentierten Ansätze zu verstehen ist. Die meiner Arbeit zugrunde liegende Hypothese besteht nun darin, dass die im ersten Teil präsentierten Ansätze hinsichtlich ihrer Argumentation und ihrer Ergebnisse in gewissem Maße konvergieren und ihre problemzentrierte kritische Lektüre durchaus ein neues Paradigma innerhalb der theoretischen Philosophie zu etablieren imstande ist.
Mit der Skizzierung des angestrebten Alternativmodells erscheint es überdies möglich, entgegen der unreflektierten und inflationären Inanspruchnahme von „Repräsentationen“ (sowohl in den Wissenschaften als auch in der Philosophie) einen aus der zugrunde gelegten Perspektive legitimen Repräsentationsbegriff zu charakterisieren. Gegen eine unkritische Berufung auf Repräsentationen als „unerklärte Erklärer“ soll zudem eine Analyse der notwendigen Bedingungen und Voraussetzungen repräsentativer Konfigurationen geleistet werden. Es wird im Sinne eines „repräsentationalen Nominalismus“ dafür argumentiert, dass Repräsentationen vielmehr selbst einer Erklärung bedürfen und nur anhand eines fundamentaleren Mechanismus „funktionieren“. Darüber hinaus werden Fragen der Konsistenz und Selbstanwendungsproblematik einer nichtrepräsentationalistischen Strategie zu erörtern sein.

 

c. Detaillierte Problemstellung

Wie Richard Rorty (1981) in seiner umfassenden „Kritik der Philosophie“ feststellt, sei die traditionelle Philosophie durchdrungen von der Vorstellung, der Geist habe als Instrument der Weltabbildung zu fungieren, wobei sich die philosophische Disziplin der Erkenntnistheorie der Analyse der hierzu notwendigen Bedingungen und den zugrunde liegenden repräsentationalen Strukturen des Geistes gewidmet habe. Anders als Rorty, der mit der Aufgabe des Repräsentationsdenkens eine pauschale Verabschiedung des erkenntnistheoretischen Projektes und damit der theoretischen Philosophie überhaupt verknüpft sieht, versucht der zweite Teil meiner Arbeit sowohl die Konsequenzen auszuloten, die ein solcher methodologischer Verzicht auf Repräsentationen mit sich führt, als auch ein Alternativmodell zu skizzieren, das ohne weiteres als genuin erkenntnistheoretisches Projekt bzw. als neue Reflexionsstufe innerhalb der Philosophie des Geistes gelten kann.
Hierzu werden im ersten Teil Ansätze innerhalb der theoretischen Philosophie analysiert, die wenn auch nicht unmittelbar klassisch-erkenntnistheoretische Fragestellungen verfolgen, so doch deren zentrale Voraussetzungen in Frage stellen. Die Problemstellung eines generalisierten Antirepräsentationalismus, wie er in meinem Dissertationsprojekt erarbeitet werden soll, lässt sich anhand dieser konkreten Argumentationsstrategien am besten veranschaulichen.

Gilles Deleuze hat vornehmlich in „Differenz und Wiederholung“ (1992) eine Ontologie vorgelegt, die sich nicht nur von der Subjekt-Objekt-Dichtomie distanziert, sondern auch das ihr zugrunde liegende ontologische Dingschema durch eine genetische Theorie des Seins ersetzt, das als sinnlich nicht erfassbarer differentieller Prozess bestimmt wird. Deleuze optiert für einen „transzendentalen Empirismus“, der von den sinnlichen Phänomenen zu den „Bedingungen realer Erfahrung“ zu gelangen sucht und die Genese des aktuell Gegebenen oder Empirischen nachzeichnet, ohne hierzu auf zur Repräsentation geeignete Grundkomponenten zu rekurrieren. Vielmehr würde durch die Annahme eines selbstidentischen Subjekts und eines sich im aktuell Gegebenen erschöpfenden Objekts die genetische Differenz verfälscht und zur bloß „begrifflichen Differenz“ degradiert, die immer schon durch die Repräsentation vermittelt sei. Die Kritik an der Vermittlungsfunktion, die von der Repräsentation auf den genetischen Prozess ausgeübt wird und die ein Denken der reinen Differenz verhindere, zieht sich durch das gesamte Werk Deleuzes und soll anhand des später zusammen mit Félix Guattari entworfenen Produktionsmodells des Unbewussten („Anti-Ödipus“, 1977) sowie anhand des Sprachmodells in „Tausend Plateaus“ (1992) untersucht werden. Die argumentative Grundfigur bemisst sich auch hier an einer produktiven Instanz, die als genetische Differenz, Wunsch oder abstrakte Maschine konzipiert und wird durch einschränkende Mechanismen zur Produktionsinstanz repräsentativer Konfigurationen degeneriert. Eine solche könne Deleuze zufolge schließlich den Anschein erwecken, dass sich das Denken im Abbilden der Realität, die Dynamik des Unbewussten im Nachvollzug des Ödipuskomplexes bzw. die Sprache im Beschreiben von Sachverhalten erfüllt.

Im Bereich der analytischen Sprachphilosophie ist es vor allem der Inferentialismus, dem die Rolle einer alternativen semantischen Theorie zum repräsentationalistischen Bedeutungs- und Referenzmodell zukommt. In besonderem Maß hat Robert Brandom in seinem opus magnum „Making It Explicit“ (1994) moniert, dass eine bestimmte Auffassung der Repräsentation – weit davon entfernt, als semantischer Grundterminus fungieren zu können – selbst anhand eines fundamentaleren Mechanismus zu erklären sei, der im Anschluss an Wittgenstein (1988) und Wilfrid Sellars (1953, 1963, 1969, 1974, 1999) als normative Praxis des materialen Schlussfolgerns bestimmt wird. Brandom erarbeitet ein soziales „Kontoführungsmodell“ des Sprache, aus dessen Komplexität das Bedürfnis nach bestimmten Bezugspunkten erwächst; das Aufkommen einer repräsentationalen Dimension und der Vorstellung von Gegenständen des Sprechens lassen sich Brandom zufolge auf eben diese Bedürfnisse zurückführen, nicht aber als unhintergehbare oder gar für explanatorische oder sprachphilosophische Intentionen geeignete Phänomene verstehen. Zugleich wird deutlich, dass der Verzicht auf statische Repräsentationsrelationen eine Abkehr von der Vorstellung einer autonomen, d.h. von jeglicher Pragmatik losgelösten oder bloß modifizierten Semantik impliziert.

Die methodologischen und philosophischen Reflexionen innerhalb der „cognitive sciences“ lassen in den letzten zwei Jahrzehnten eine verstärkte Abkehr von bis dahin vorherrschenden repräsentationalistischen Ansätzen beobachten. Orientierte sich zuvor die Mehrheit der Forschenden an der Computermetapher des Geistes, derzufolge die Grundbausteine der Kognition als neuronale Abbildungen der Realität definierbar seien, die ähnlich wie Symbolketten manipuliert werden (siehe etwa Boden 1988, Churchland/Sejnowski 1992, Fodor 1981, 1987, Sterelny 1995), so verabschieden neuere Ansätze des Konnektionismus (die sich nicht um subsymbolische bzw. distribuierte Repräsentationstypen bemühen) sowie VertreterInnen der Theorie dynamischer Systeme die repräsentationalistischen Grundprämissen, indem sie anstelle von Computationsprozessen und Repräsentationen die lebenspraktische Situiertheit und Problemorientiertheit („embodiment“ bzw. „enaction“) komplexer dynamischer Systeme und Prozesse in den Vordergrund rücken (Beer 1995, Clark 1997, Horgan/Tienson 1992, 1994, Lakoff/Johnson 1980, 1999, Smolensky 1988, Thelen/Smith 1994, van Gelder 1995, van Gelder/Port 1995, Varela, Thompson, Rosch 1991). Dabei wird argumentiert, dass das Vorliegen von Repräsentationen einerseits keine notwendige Voraussetzung darstellt, um bestimmte kognitive Prozesse zu gewährleisten, und andererseits, dass repräsentationale Strukturen – falls sich dergleichen überhaupt in befriedigender Form definieren lässt – gegenüber bestimmten subrepräsentationalen Mechanismen äußerst ineffizient erscheinen würden. Einerseits wird zu fragen sein, ob sich derartige Ansätze tatsächlich vollständig von den repräsentationalistischen Voraussetzungen der „klassischen“ Kognitionswissenschaft zu emanzipieren vermögen und ob nicht bestimmte Fragestellungen dieses Forschungsbereichs einen zumindest minimalen Repräsentationalismus erzwingen; andererseits bleibt zu klären, mit welchen Verschiebungen und neuen Problemstellungen ein tatsächlicher Verzicht auf Repräsentationen in den Kognitionswissenschaften einher geht.

Ausgehend von den Analysen des ersten Teils wird zu fragen sein, inwiefern und wie sich auf deren Grundlage ein methodologisches Paradigma erarbeiten lässt, das sich nicht auf Repräsentationen oder Repräsentationalität stützt. Anhand der herauszustellenden Vorzüge und Schwachpunkte der drei untersuchten Ansätze soll eine Synthese unter dem Aspekt einer neuartigen Methodologie für die theoretische Philosophie geleistet werden. Mit der Opposition gegen repräsentationalistische Denkmuster soll also keineswegs die theoretische Philosophie verabschiedet werden, sondern im Hinblick auf die notwendigen Voraussetzungen und Bedingungen traditioneller Grundprämissen und Argumentationsmuster eine methodologische Neuorientierung vorgeschlagen werden. Da sich deren Diskussion auf dem Boden von philosophisch fundamentalen Prämissen abspielt, die zumeist als keiner weiteren Begründung fähig erachtet werden und den Status von Axiomen einnehmen, kann ein Paradigma der theoretischen Philosophie kaum direkt kritisiert werden; dementsprechend nimmt meine Argumentation den „Umweg“ über einzelne Bereiche der theoretischen Philosophie (Ontologie, Sprachphilosophie, Philosophie der Kognitionswissenschaft), um anhand von exemplarischen Studien die Kontingenz sowie mögliche Defizite und Unplausibilitäten der traditionellen Grundpfeiler theoretischer Philosophie aufzuzeigen.

 

d. Untersuchungsmethoden

Im ersten Teil der Arbeit dominiert die themenbezogene Darstellung und Interpretation der drei untersuchten Ansätze. Da diese von sich aus nicht primär als Beispiele oder Vorstufen einer generellen antirepräsentationalistischen Methodologie intendiert sind, sondern eher einen innovativen Vorstoß in einem Teilbereich der theoretischen Philosophie vorstellen wollen, wird besonderes Augenmerk auf ihre theoretischen Ansprüche und Ambitionen gelegt, ein Alternativmodell im Rahmen des jeweiligen Bereiches etablieren zu können. Dadurch erscheint eine kritische Analyse des Umfanges sinnvoll, in dem sich die dargestellten Ansätze tatsächlich von repräsentationalistischen Erklärungsmustern und Denkfiguren emanzipieren können bzw. inwiefern die konsequente Absage an Repräsentationen zu bestimmten spekulativ-metaphysischen Erfordernissen und Zusätzen führt, um die resultierende Leerstelle in der Erklärungspraxis und im Verstehen zu überbrücken. Die durchzuführende Kritik verfährt weitgehend immanent, indem sie nicht bestimmte Erfordernisse und Fragestellung von Außen an die Ansätze heranträgt, sondern diese an ihren impliziten Ansprüchen misst und etwaige Inkonsistenzen und pragmatische Selbstwidersprüche aufdeckt.

In Bezug auf die Differenzphilosophie Deleuzes wird insbesondere zu fragen sein, in welcher Form sich das neue Bild des Denkens bzw. die Produktionsterminologie auf das theoretische Selbstverständnis des Philosophierenden niederschlägt: Wenn es nicht mehr gilt, die Verfassung der Welt sprachlich oder schriftlich zu vergegenwärtigen, wie kann dann noch der Anspruch auf Verbindlichkeit, den die Ontologie der Differenz mit ihrem indikativischen Gestus implizit erhebt, aufrecht erhalten werden? Auch bleibt der deleuzesche Versuch, die Genese repräsentativer Formationen bzw. deren Vorherrschaft in Philosophie, Psychologie und Linguistik genetisch zu erklären, weitgehend unklar, zumal der differentielle Primärprozess nicht so angelegt scheint, dass ein „repräsentationalistischer Sündenfall“ überhaupt möglich ist.

Brandom hingegen ist sich mit seiner konsequent „expressivistischen Methode“ und seinem Anspruch auf die „expressive Vollständigkeit“ seines Ansatzes der Verpflichtungen bewusst, denen ein Verzicht auf Repräsentationen in der Sprachphilosophie nachzukommen hat. Seine Ambitionen, die objektive Wahrheit diskursiver Praktiken zu retten und diese letzten Endes von der Welt, nicht aber vom subjektiven Dafürhalten der Sprechergemeinschaft abhängig zu machen, drängt ihn allerdings zur weitestgehend spekulativen Annahme normativer Tatsachen, die sich aus einer angenommenen inferentiellen Gliederung der Welt selbst ergäben. Diese von mir als unzureichend erachtete – und mit dem von Brandom in Anspruch genommenen Pragmatismus schwer zu vereinbarende – Wendung soll durch eine detaillierte Kritik des mangelnden empiristischen Moments in Brandoms Modell als unnötig ausgewiesen werden. Positiv hervorzuheben ist jedoch das Bemühen um eine inferentialistische Rekonstruktion von repräsentationalen Phänomenen wie etwa Gegenstandsbezug, die wertvolle Einsichten für den im zweiten Teil zu erarbeitenden abgeleiteten Repräsentationsbegriff bereitstellt.

Aus dem philosophisch oftmals nicht sehr tief schürfenden Reflexionsniveau der kognitionswissenschaftlichen Forschung ergibt sich für deren Untersuchung die Aufgabe, die implizite Methodologie herauszuarbeiten und ihre Schwachstellen aus einer Metaperspektive zu beleuchten. Hierzu wird eine genaue Analyse der Postulate und Hintergrundannahmen des klassischen Computermodells des Geistes anzustellen sein; auf deren Hintergrund sollen diverse philosophische Versuche, Intentionalität oder Repräsentationalität zu naturalisieren und damit als theoretisch fundiert zu erweisen (Cummins 1989, Dretske 1981, 1995, Fodor 1987, Millikan 1984), kritisiert und als wenig aussichtsreich zurückgewiesen werden. Alternative konnektionistische und dynamizistische Ansätze bedienen sich demgegenüber zwar nicht eines unhinterfragten oder defizitär begründeten Repräsentationsbegriffs, ermangeln allerdings oft der adäquaten Reflexion über das Ziel und Selbstverständnis der eigenen wissenschaftlichen Praxis, wie sie sich für ein nichtrepräsentationalistisches Paradigma notwendig aufdrängt. Im Gegensatz zu praktisch ausgerichteten Forschungszweigen wie etwa der Konstruktion intelligenter Roboter (Brooks 1991, 1999, Nolfi/Floreano 2004) oder der neurochirurgischen Behandlung kognitiver Defizite kann es einer konsequent antirepräsentationalistischen Theorie nicht darum gehen, ein akkurates Modell im Sinne einer funktionell äquivalenten oder gar isomorphen Abbildung des realen Kognitionsprozesses zu schaffen. Daneben werden die bei der Anwendung der Theorie dynamischer Systeme zutage tretenden Schwächen erörtert, die in der mangelnden Voraussagbarkeit und der hochgradigen Faktendependenz dynamizistischer Modelle kulminieren. Zudem bleibt zu klären, ob im dynamizistischen Paradigma, das auf einen zugrunde liegenden Mechanismus verzichtet und nur noch die Dynamik des untersuchten Prozesses mit seinem begrifflichen Instrumentarium &bd quo;nachzeichnet“, noch von einer genuinen Erklärung bzw. einem genuinen Verständnis kognitiver Prozesse die Rede sein kann.

Der zweite Teil meiner Arbeit ist demgegenüber konstruktiver Natur; wenn auch nicht ein vollständiges oder konkretes System erarbeitet werden soll, so steht hier die Ausarbeitung von Präliminarien einer theoretisch geschlossenen antirepräsentationalistischen Methode im Vordergrund, die ihren Ausgang von der im ersten Teil geleisteten Analyse und Kritik nimmt. Neben einer angemessenen terminologischen Grundlegung wird insbesondere zu fragen sein, in welchen Aspekten sich eine solche Methode vom klassischen repräsentationalistischen Selbstverständnis distanziert bzw. zu distanzieren hat. Es soll eine Gegenüberstellung vor allem hinsichtlich des in Anspruch genommenen konzeptuellen Instrumentariums (Pragmatik umfassender dynamischer Systeme anstelle von Abbildungsrelationen und -prozessen diskreter Komponenten) und des wissenschaftstheoretischen Selbstverständnisses (Ingenieurmetapher statt Erkenntnistheorie als rein deskriptive Metaerkenntnis) vorgenommen werden. Ebenso wird die Selbstanwendungsproblematik einer konsequent antirepräsentationalistischen Methode zu diskutieren sein, die sich in Reflexionen über einen angemessenen Wahrheits- und Modellbegriff niederschlägt. Ein Ansatz, der sich gegen Repräsentationalität im Allgemeinen wendet, kann nicht für sich in Anspruch nehmen, eine akkurate Darstellung der Tatsachen zu liefern, oder korrespondenztheoretisch definierte Wahrheit für sich reklamieren – dies liefe auf einen pragmatischen Selbstwiderspruch hinaus; vielmehr sind hier apriorische Reflexionen anzustellen, wie ein solcher Vorschlag in konsistenter Form vertreten werden kann bzw. inwieweit der indikativische Gestus philosophischer Theorien als eine bestimmte Art von Praxis rekonstruiert werden muss.
In ähnlicher Weise wird es als ein besonderes Erfordernis erachtet, dass die kritisierten „Repräsentationen“ nicht einfach eliminiert oder einem alternativen Modell unvermittelt gegenübergestellt werden, sondern ein Rekonstruktionsversuch repräsentativer Phänomene auf dem Hintergrund einer nichtrepräsentationalistischen Methodologie unternommen wird. Es soll somit ein der erarbeiteten Perspektive angemessener Repräsentationsbegriff vorgestellt werden, der nun offenbar keinerlei explanatorischen Wert mehr besitzt, dessen Analyse allerdings die Neigung zu und Verbreitung von repräsentationalistischen Erklärungsmustern plausibel macht. Die erforderliche „Theorie der Repräsentation“ wird nominalistisch ausfallen: Repräsentationen seien demnach keine Phänomene per se, sondern als bloße Benennungen für komplexe Phänomene zu erachten, die nicht von natürlicher Intentionalität, Isomorphierelationen o. dgl. abhängen, sondern zum Einen von einer repräsentationalistischen Zuschreibung durch eine(n) BeobachterIn („Repräsentationalitätsbedingung“) und andererseits von einem komplexen dynamischen Funktionszusammenhang („Seinsbedingung“).

 

e. Auswahlbibliographie

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