Universitaet Graz Forschungsschwerpunkt MEDIATION

Was ist Mediation


Präsentation


MitarbeiterInnen


Diskussionsforum


Links


Lehre


Bibliotheken


Mediation-Home


Uni Graz



BetreuerIn * 06.2002
Podiumsdiskussion Schulmediation - Ein neuer Weg der Konfliktregelung

Ein Rückblick auf die Veranstaltung am 3. Juni 2002


Jede Schülerin, jeder Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer kennen sie: Konflikte im Klassenzimmer; oft rühren sie aus der unfreiwilligen und unterschiedlichen Zusammensetzung einer Gemeinschaft, dem Leistungsdruck und der Konkurrenz. Fehlende Zeit oder Sorgsamkeit, auf Gefühle und Bedürfnisse einzugehen, führt oft zu Intoleranz, Ausgrenzung und letztlich zu Aggression.
Aber auch Konflikte, die vertikal verlaufen, also zwischen Schülern und Lehrer, belasten vielfach das schulische Arbeitsklima. Weitet sich der Konflikt schließlich noch auf nicht direkt am Vorfall Beteiligte aus (Eltern, Direktion, Schulbehörde), bedarf es um so mehr gezielter und komplexer Konfliktlösungsstrategien.
Schulmediation kann dabei eine hilfreiche Methode zur Gewaltprävention und Konfliktregelung im Beziehungsdreieck von Schülerinnen bzw. Schülern, Lehrkräften und Eltern sein.

Zur Podiumsdiskussion waren folgende Vortragende eingeladen:


  • Prof. Dr. Karl Hofer, Institut für Erziehungswissenschaften
  • Dr. Heidi Hudabiunigg, Schülerombudsstelle des Vereins SAB
  • Mag. Maria Liebscher, Landesschulinspektorin für AHS
  • Prof. Mag. Erich Sammer, AHS-Lehrer und Schulmediator
  • HR Dkfm. Mag. Egon Sommer, Direktor BHAK Weiz
  • Mag. Christian Theiss, Kinder- und Jugendanwalt des Landes Steiermark

Moderiert wurde der Abend von VAss. Mag. Dr. Sascha Ferz.

Den Beginn machte eine Vorstellungsrunde, in der alle Vortragenden sich und ihren Arbeitsbereich den Zuhörern vorstellten. Danach sollten die Zuhörer die Möglichkeit bekommen, aktiv an der Diskussion teilzunehmen.



Prof. Mag. Erich Sammer ist Lehrer und Schulmediator am Sacré Coeur Graz. Diese Schule nimmt in der Steiermark eine Vorreiterrolle im Bereich der Schulmediation ein. Prof. Sammer arbeitet unmittelbar mit Kindern und Jugendlichen im Bereich Mediation. Es nehmen ca. 300 Schüler pro Jahr an den diversen Workshops teil. Diese Workshops werden während der Schul- bzw. Freizeit angeboten. Ab der vierten Klasse AHS wird die sog. Peermediation angeboten. Prof. Sammer betrachtet Mediation als präventives Modell, das mehr Möglichkeiten für eine Konfliktlösung anbieten soll.

Mag. Christian Theiss ist Psychologe und arbeitet als Kinder- und Jugendanwalt des Landes Steiermark. In der Praxis stellt er oft fest, dass Kinder selten positive Beispiele der Konfliktlösung von ihren Eltern erlernen. Die Auswahl der Bezugspersonen der Kinder werde immer geringer. Jedes Kind ist einem großen Erwartungsdruck ausgesetzt, was die schulischen, finanziellen und privaten Bedürfnisse angeht. Ein Kind muss in der heutigen Gesellschaft schneller erwachsen werden. Die Schule reagiert erst dann, wenn es bereits zu spät ist, es also zum "Ausbruch" des Schülers gekommen ist. Die Eltern erwarten von der Schule, dass diese in die Rolle des Erziehers schlüpft. Dies ist jedoch unmöglich. Es herrscht die Forderung nach einem sog. "lebensnahen Fach".



Mag. Maria Liebscher ist seit 1996 die Landesschulinspektorin für AHS in Graz bzw. in der Südoststeiermark. Sie sieht die Steiermark in einer Vorreiterrolle, was den Bereich der Schulmediation betrifft. Die häufigsten Konflikte im Schulbereich treten, laut Landesschulinspektorin Liebscher, zwischen Schülern und Lehrern auf, vor allem dann, wenn es um die Notengebung geht. Von großer Bedeutung sind für sie ein gutes Schulklima und eine gute Atmosphäre in den Klassenräumen. Erster Ansprechpartner zur Konfliktlösung innerhalb der Klasse ist für Frau LSI Liebscher der Klassenvorstand. In den letzten Jahren kam es jedoch zur Abschaffung der traditionellen "Klassenvorstandsstunde" aufgrund der derzeitigen Ressourcenknappheit. Als Alternativen dazu führte sie einen schulpsychologischen Folder zum Thema "Konkrete Hilfe im Schulalltag" sowie den Handlungsleitfaden "Was tun im Konfliktfall" an.

Prof. Dr. Karl Hofer bildet am Institut für Erziehungswissenschaften die Lehramtskandidaten für ihre Schulpraxis aus. Es gibt an den Schulen eine sehr starke Stofforientierung. Es fehlt jedoch eine Konfliktkultur. Die Lehrer scheitern nicht an ihrer fachlichen, sondern an ihrer sozialen Kompetenz. Prof. Hofer versucht den Studierenden in seinen Lehrveranstaltungen beizubringen, dem anderen richtig zuhören zu können. Er geht hierbei nach dem Prinzip von Gordon vor. Es wird im Laufe der Lehramtskandidatenausbildung nur ein einziges Wahlfach, und dieses ist angeblich nicht allzu hoch frequentiert, über das Thema "Konfliktbewältigung in der Schule" angeboten.

Frau Dr. Heidi Hudabiunigg stellte die Aufgaben und das Wirken der Schülerombudsstelle des Vereins SAB (Schul- und Ausbildungsberatung) vor. Zu ihr kommen hauptsächlich Eltern, deren Kinder sich schweren schulischen Konflikten ausgesetzt sehen. Aus ihrer Praxis weiß sie, dass Eltern vor allem auf aktives Zuhören und Verständnis der Schülerombudsstelle abstellen.

HR Dkfm. Mag. Egon Sommer ist seit 1982 Direktor der BHAK Weiz. Zuvor war er in der Privatwirtschaft tätig. Momentan gibt es 3 Lehrer an der BHAK Weiz, die Mediation anbieten. Laut Direktor Sommer soll Mediation auch "von Außen" eingebracht werden, damit die Schule und der Entwicklungsprozess dynamisch bleiben. Des weiteren stellte Direktor Sommer die Frage in den Raum, ob man an einer Schule einen "Mediator für Alle" oder einen Fachmediator mit pädagogischem und organisatorischem Hintergrundwissen braucht.



Nach dieser Einstiegsrunde entwickelte sich eine interessante und vor allem lebhafte Diskussion über das Thema Schulmediation.

Fragen: Wie funktionieren die von Prof. Sammer gestalteten Workshops? Welche Konflikte sind im Bereich der Schulmediation mediierbar? Wie könnte man Mediation an den Schulen bzw. die Ausbildung zur/zum Mediatorin/Mediator finanzieren? Was tun, wenn ein Lehrer nicht akzeptiert wird?

Resümee: Die Diskussion endete um 21.40 Uhr. Es wurde im Laufe dieses Abends viel über Schulmediation und verschiedene Konfliktlösungsmöglichkeiten debattiert, aber es gab dennoch keinen einheitlichen Tenor mit einem klaren Bekenntnis zur Schulmediation. Zu viele Interessen schienen aufeinander zutreffen (Ausbildung, Landesschulinspektorin etc.). Andererseits ist den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bewusst (geworden), dass es Konflikte an unseren Schulen gibt und dass diese einer Lösung bedürfen. Schulmediation wäre hier mit allen Vor- und Nachteilen, am Beispiel von Prof. Sammer, vielleicht eine fruchtbringende Alternative.



Schließlich möchte ich mich noch bei den Referentinnen und Referenten, den zahlreich erschienen Zuhörerinnen und Zuhörern für ihrer aktive Teilnahme und bei Dr. Ferz für die Organisation und Moderation bedanken.

Martin Buchgraber