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Das Franz-Nabl-Institut für Literaturforschung, das seinen Betrieb im Jahr 1990 aufgenommen hat, ist ein Forschungsinstitut der Karl-Franzens-Universität Graz und wird zur einen Hälfte (Personal) vom Bund, zur anderen (Sachaufwand) vom Land Steiermark finanziert. Publikationen und Sonderprojekte werden fallweise von der Stadt Graz gefördert. Das Nabl-Institut beschäftigt sich vorrangig mit aktuellen und historischen Aspekten des Literaturgeschehens in der Steiermark, berücksichtigt aber selbstverständlich die gesamtösterreichischen und internationalen Zusammenhänge, in die dieses Geschehen eingebettet ist. Die Bibliothek und die verschiedenen Sammlungen des Instituts stehen allen Interessenten (AutorInnen, SchülerInnen, StudentInnen, WissenschaftlerInnen, LeserInnen) zur Verfügung.
"Traditionen, die sich aus regionalen Bezügen und Zusammenhängen aufbauen, laufen in besonderer Weise Gefahr, die Enge zum Prinzip und den engstirnigen, ewigen "Inländer" zum Hüter des Prinzips zu machen. Solcher Verengung wird das Nabl-Institut entgegenwirken müssen, und zwar am besten - meine ich -, indem es die Überschaubarkeit des Literaturgeschehens in der Steiermark nicht als Einschränkung, sondern als Chance begreift. Ob nicht dort, wo ein großer Künstler gearbeitet habe, der Mittelpunkt der Welt sei, fragt sich Peter Handke in der Lehre der Sainte-Victoire, und wer aus dieser Frage bloß Arroganz herauslesen will, hat nicht verstanden, daß hier von der anderen, weltläufigen "Heimat" der Kunst die Rede ist. In so eine Perspektive gestellt, entsteht in der Steiermark nicht "steirische" Literatur, sondern schlicht und einfach Literatur, die selbst dort, wo der regionale und lokale Bezug unverkennbar ist, das Modell der Welt in sich enthält."
Gerhard Melzer: Aus der Rede zur Eröffnung des Nabl-Instituts am 3. Oktober 1990
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