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Geisteswissenschaftliche Fakultät HomeKarl-Franzens-Universität Graz

Institut und Fach

Sprachwissenschaft (Linguistik) behandelt alle Aspekte von Sprachen und ist eine stark interdisziplinär orientierte Wissenschaft. Im Folgenden wird ein kurzer Überblick über das Feld der Linguistik gegeben. Es finden sich kurze Beschreibungen zu den Punkten:

Ein weitere Überblick über das Feld der Linguistik sowie diverse Kurzbeschreibungen zu linguistischen Teilgebieten finden sich auf der Homepage der Linguistic Society of America: The domain of linguistic


Zeichentheorie

Sprachen sind zunächst eine besondere Art von Zeichensystemen, das Interessanteste dabei ist ihre Selbstbezüglichkeit: Manche Zeichen des Sprachsystems verweisen auf außerhalb der Sprache Liegendes (z.B. 'ein altes Haus'), andere verweisen auf etwas außerhalb der Sprache Liegendes in Form von Übertragungen ('Karl, altes Haus!'), einige Zeichen haben keine konkrete Bedeutung, sondern eher eine zusätzliche Funktion ('ein' bezeichnet eine etwas abstrakte Qualität des folgenden Nomens, nämlich 'nichtdeterminierte Referenz' (eine Existenzbehauptung)), und einige Zeichen verweisen sogar nur auf etwas innerhalb der Sprache Liegendes ('-es' in 'altes' bezeichnet eine Eigenschaft des folgenden Wortes) -- ganz zu schweigen von der komplexen Interaktion dieser Zeichen (vgl. 'das alt-e Haus'). Hierher gehört auch die Abgrenzung von sprachlicher und nichtsprachlicher Kommunikation als verschiedene Arten von Zeichensystemen (Semiotik).

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Theoretische Sprachwissenschaft und Sprachbeschreibung

Sprachen können daher auf ihre Regularitäten untersucht werden; so zeigt sich bald, daß wir bei unscharfen Grenzen Phonetik, Phonologie, Morphologie, Syntax und eine Textebene unterscheiden können. Dazu kommt die Untersuchungen zur Semantik und Pragmatik von Äußerungen.

  • Phonetik: das System möglicher Sprachlaute (in Artikulation, Akustik und Perzeption)

  • Phonologie: die Verwendung dieser Sprachlaute als lautliche Zeichen

  • Morphologie: Die Wortbildung und Wortabwandlung

  • Syntax: Die Regularitäten innerhalb von Phrasen und Sätzen

  • Text: Die Organisationsprinzipien von Äußerungen

  • Semantik: Die Bedeutung von Äußerungen

  • Pragmatik: Die Funktionen von Äußerungen im Kontext menschlichen Handelns

Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Sprachen untersucht man in der kontrastiven Linguistik und in der Universalienforschung und Typologie (Universaltypologie). In diesem Zusammenhang befaßt sich Sprachwissenschaft häufig mit Nichtschulsprachen, in Graz z.B. Baskisch, Bikol, Jaminjung, Romani, Savosavo, Tibetisch, und mit 'alten' Sprachen, in Graz z.B. anatolische und indo-iranische Sprachen. Die komplexen Möglichkeiten des Zeichensystems Sprache werden mit Hilfe von verschiedenen linguistischen Modellen beschrieben.

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Pragmalinguistik

Doch das ist vielleicht nicht das Wichtigste: Sprache hat in erster Linie soziale Funktion; die meiste Zeit werden eigentlich nicht, wie man leichthin annimmt, Informationen über die Welt ausgetauscht, sondern mittels Sprache werden soziale Beziehungen hergestellt, verändert oder bekräftigt. "Schönes Wetter heute!" ist keine ernstzunehmende Information, sondern ein Signal, daß man freundlich gesinnt ist -- hätte man nichts gesagt, es hätte auch etwas bedeutet ... "Es zieht!" oder "Können sie mir sagen, wie spät es ist?" wiederum meint etwas anderes, als man sagte ... (Pragmalinguistik) Und wenn jemand sagt, "Wienerisch klingt scheußlich", so sagt das eigentlich nichts über das Wienerische aus, sondern etwas über den Sprechenden.

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Soziolinguistik

Dasselbe gilt für mehrere Sprachen: Alle Menschen sind 'mehrsprachig', und die Verwendung von 'dominanten Sprachen' oder Minderheitensprachen ('Sprachvariation') hat starke soziale Auswirkungen; es ist dabei unerheblich, ob man an den Unterschied Soziolekt/Standardsprache (Dialekt/Hochsprache) denkt, oder echte Mehrsprachigkeit untersucht (Romani/Deutsch, Bretonisch/Französisch, etc.). Ebenso gibt es Unterschiede in den Einstellungen zu Sprachformen und im Gebrauch von Sprache auf Basis unterschiedlicher Parameter (Geschlecht, Alter, Schicht, usw.). Diese Rollenerwartungen sowie die Erfüllung sozialer Rollen in Gesprächen (und deren Auswirkungen) werden in der Diskursanalyse untersucht.

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Psycholinguistik

Die ontogenetische Entwicklung von Sprache ('kindliche Sprachentwicklung'), die Sprachverarbeitung im Gehirn allgemein, und der Rückbau der Sprachfähigkeit (Sprachverlust z.B. durch Hirnschäden) sind Gegenstand der Psycholinguistik. Dabei ist die Grundlagenforschung der Sprachverarbeitung im Gehirn und der Zusammenhang von Kognition und Sprache ebenso wichtig wie die Therapie beispielsweise von Aphasie (Sprachverlust) und Sprachstörungen bei Kindern (Sprechstörungen, Dyslexie, etc.).

Wie das hochkomplexe System Sprache im Gehirn verarbeitet wird, lernen wir, wenn wir Spracherwerb von Kindern und Erwachsenen, Schriftspracherwerb, Sprachstörungen und Sprachverlust beobachten und analysieren. Weiters kann man Kategorisierungen und Konzeptualisierungen (in verschiedenen Sprachen) vergleichen. Psycholinguistische Tests untersuchen die Regularitäten der Sprachverarbeitung.

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Anwendungen

Es gibt eine Reihe von praktischen Anwendungen der Sprachwissenschaft in den Bereichen Phonetik, Informatik/Telematik, Forensik, im klinischen Bereich und in der Sprachdidaktik. Querverbindungen bestehen zu allen Einzelphilologien (Germanistik, Romanistik, Slawistik, Orientalistik, etc.) und zur Übersetzungswissenschaft (hier konkret z.B. im Bereich Gebärdensprache).

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Schwerpunkte am Institut für Sprachwissenschaft

Am 1972 gegründeten Institut für Sprachwissenschaft in Graz sind die Bereiche Phonetik/Phonologie, Grammatiktheorie und Typologie, Sprachbeschreibung, Soziolinguistik und klinische Linguistik besonders hervorgehoben. Regelmäßig werden Strukturkurse zu Nichtschulsprachen angeboten (in den letzten Jahren: Baskisch, Bikol, Cree, Jaminjung, Maya, Romani, Sanskrit, Savosavo, Teop, Tibetisch, Totonakisch).

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