Einführung
Azoren? Das sind doch die mit dem Azorenhoch!
Irgendwelche Inseln "weit draußen"
im Atlantik, zu Portugal gehörend. Und sonst
noch?..... Bei kaum einer anderen Inselgruppe ist die
Diskrepanz zwischen der guten Geläufigkeit des
Namens und der geringen Kenntnis der tatsächlichen
geographischen Bedingtheiten größer als bei den Azoren.
Sie umfassen 9 bewohnte Inseln, dazu einige kleinere
Eilande und Riffe mit insgesamt 2304 km² Fläche. Das
entspricht einem Quadrat mit 48 km Seitenlänge oder
fast genau der Fläche der Weststeiermark, verstanden
als Summe der politischen Bezirke Voitsberg, Deutschlandsberg
und Leibnitz. Gegliedert in 2 West-, 5
Mittel- und 2 Ostinseln mit einer ungefähren Anordnung
von NNW nach SSE liegen sie verteilt auf einen
Raum zwischen 36° 55´ und 39° 43´Nord bzw.
25° und 31° 7´West mit einer Entfernung von Portugal
zwischen 1370 km (Santa Maria) und 1890 km
(Corvo). Damit liegen die Inseln selbst bis zu 500 km
voneinander entfernt, doch beträgt der Abstand zwischen
den beiden benachbarten Inseln Faial und Pico
vergleichsweise nur 6 km.

Abb. 1: Die Lage der Azoren
Die Azoren werden von rund 237 ooo Menschen
(1990), bewohnt, was etwa der Einwohnerzahl von
Graz entspricht und eine Dichte von 103 Ew/km²
ergibt, doch ist die Bevölkerung recht ungleich verteilt
und konzentriert sich im wesentlichen auf die beiden
Hauptinseln São Miguel und Terceira, die mit 126 5oo
bzw. 59 3oo Einwohnern allein 78% der Menschen auf
sich vereinen. Entsprechend heterogen ist auch die
Bevölkerungsdichte mit einer Spannweite zwischen 21
(Corvo) und 166 (São Miguel).
Alle Inseln sind vulkanischen Ursprungs, somit also
echte "ozeanische" Inseln in dem Sinn, dass sie sich
seit ihrer Entstehung immer in isolierter Lage befunden
haben und niemals Kontakt zu einem Kontinent hatten
oder von diesem losgetrennt wurden, was wesentlich
für die Besiedlung durch Pflanzen und Tiere ist und in
beiden Fällen die Ausbildung endemischer Arten fördert.
Ihre Entstehung hängt mit der aktiven Azoren-
Gibraltar-Linie zusammen, die nicht nur die Funktion
eines Transform-Faults erfüllt, sondern als Haupt-Plattengrenze
zwischen den hier ozeanischen europäischen
und afrikanischen Platten anzusehen ist. In
ihrem Westteil, unmittelbar östl. an den Mittelatlantischen
Rücken anschließend (die Inseln liegen also
nicht auf dem Mittelatlantischen Rücken!) zeigt sich
dieses Lineament bis in die Gegenwart als tektonisch
und vulkanisch hochaktiv, was immer wieder zu Erdbeben
und Vulkanausbrüchen führt. Der Vulkanismus
ist also alles andere als erloschen, sondern im Gegenteil
recht "lebendig". Dieser Beziehung entsprechend
sind die Inseln auch parallel zur genannten Störung
angeordnet und eigentlich nur als höchste Erhebungen
von submarinen, lang gestreckten Horsten, welche
durch tiefe Gräben getrennt sind, aufzufassen.
Innerer und äußerer Bau entsprechen dabei
offensichtlich einem auf allen humiden und semihumiden
vulkanischen Inseln der Tropen und Subtropen
feststellbaren Grundmuster: Nach der submarinen
Phase des Vulkanismus folgt die subaerische mit reichlicher
Förderung basischer Laven des Basalttyps,
wodurch ausgedehnte Decken und Schildvulkane aus
"Plateaubasalten" entstehen und den Inseln auch ihre
Grundgestalt, die Form flacher Schilde, Kuppeln oder
Schildkrötenpanzer verleihen. Spätere Aktivitäten
fügen dem noch die Aufbauformen von steilen
Schichtvulkanen, ganzen Scharen oder Reihen von
kleineren Aschenkegeln als Folge von mehr sauren
und gasreichen Ausbrüchen des Stromboli- und plinianischen
Typs hinzu. Schließlich sind auch noch Calderen
als Ergebnis des Einbruchs teilweise entleerter
Magmakammern zu nennen.
Bei den Zerstörungsformen ist zwischen der linear-erosiven
fluvialen Tätigkeit des Inselinneren und der Brandungserosion
an der Küste zu unterscheiden. Ihr jeweiliges
Stadium ist dabei abhängig von der Dauer ihrer
Einwirkung und damit indirektes Indiz für das Alter der
Inseln oder wenigstens die Dauer der inaktiven Phase.
Die lineare Zerschneidung schafft zuerst seichte Barrancos,
d.h. mehr oder weniger radiale schluchtartige
Kerben, die sich später immer mehr zu mächtigen,
mehrere 100 Meter tiefen Schluchttälern vertiefen und
ausweiten, wobei sich diese Täler schließlich an ihrem
Oberlauf stärker weiten als an ihrem Unterlauf und
solcherart die typische Form der Kesseltäler erhalten,
für welche hier der portugiesische Ausdruck "Ribeira"
verwendet wird. Schließlich werden die Rücken zwischen
den Tälern aufgezehrt, zu bizarren Felsburgen
zurückerodiert und allmählich eingeebnet. Auf den
Azoren haben die reifsten Formen gerade das Stadium
zwischen Schluchttälern und Ribeiras erreicht.
Entsprechend den Lagebedingungen ist das Klima
natürlich hochozeanisch-subtropisch, d.h. bei nur 8
bis 9 K Jahresschwankung bewegen sich die Durchschnittstemperaturen
zwischen milden 14-15° im
Februar und angenehmen 22-23° im August. Das vielzitierte
Azorenhoch ist bestenfalls im Sommer länger
wirksam, während ansonsten und vor allem im Winter
die wechselhafte zyklonale Witterung der ektropischen
Westwindzone mit häufigem und reichlichem Regen
vorherrscht. Demnach sind nur auf den beiden südöstl.
Inseln die beiden Sommermonate Juli und August
als "arid" anzusprechen, weshalb auch Bewässerung
in der Landwirtschaft nirgends nötig wird. Das augenfälligste
Kennzeichen des Klimas ist aber eine in allen
Jahreszeiten hohe Luftfeuchtigkeit im immer ozeanisch
geprägten Luftkörper der Grundschicht, die zum Leidwesen
der Besucher eine hohe Neigung zu niedriger
Bewölkung, Nebel und sogar sommerlicher Schwüle
zur Folge hat.
Was die natürliche Pflanzenwelt anlangt, so sind
die Azoren floristisch gemeinsam mit Madeira, den
Kanaren und Kapverden der Makaronesischen Florenregion
zuzuordnen, wobei die ursprüngliche Flora nur
etwa 170 Arten umfasste, von denen ein Drittel als
Azoren-Endemiten gelten kann. Bis in die Gegenwart
ist die Zahl der Arten durch eingeschleppte Neophyten
auf etwa 800 angewachsen. Als typische Vertreter
der Baumschicht gelten die Vertreter der Lorbeergewächse,
dazu Myrica und Erica. Die einst flächendekkenden
Lorbeerwälder sind heute nur mehr in bescheidenen
Resten erhalten; sie mussten überwiegend Kulturland
Platz machen, örtlich auch Aufforstungen mit
landfremden Arten.
Als natürliche Vegetation war bis ca. 600 m die Lorbeerwaldstufe
entwickelt, darüber bis 1000 m eine
Strauchstufe mit Vaccinum, Erica und Juniperus-Arten
und noch höher oben eine niedrige Strauch- und
Zwergstrauchstufe bestehend aus den selben Gattungen
wie darunter, dazu aus reichlich Farnen und Gräsern.
Der Deckungsgrad dieser Formation nimmt
oberhalb 1500 m, d.h. nur auf dem Vulkan Pico auf
der gleichnamigen Insel, mehr und mehr ab, kleine
Spaliersträucher (Vaccinien) sind aber bis wenigstens
2200 m anzutreffen.
Die Bevölkerung besteht durchwegs aus Nachkommen
von seit dem 15. Jh. eingewanderten Portugiesen,
dazu einigen anderen Westeuropäern; entsprechend
ist die Amtssprache Portugiesisch, desgleichen
die Umgangssprache, wenn auch mit inseltypischer
Dialektfärbung.
Die Wirtschaft ist immer noch stark auf den primären
Sektor orientiert, wobei nach einer recht bunten,
immer wieder auf Monokulturen (Getreide, Färbepflanzen,
Zuckerrohr, Wein, Orangen) ausgerichteten
Wirtschaftsgeschichte der Schwerpunkt heute auf der
Viehwirtschaft (Rinder) liegt, hinter welcher der Feldbau
(Mais, Tabak, Wein, Batate, Bananen, Ananas) an
Bedeutung deutlich zurücksteht. Der sekundäre Sektor
ist nur wenig und bestenfalls im Bereich der Bauwirtschaft
und Lebensmittelverarbeitung präsent, beim tertiären
Sektor ist der Tourismus gerade so weit entwickelt,
dass man als Reisender durchwegs ausreichende
Infrastrukturen vorfindet, nirgends jedoch Auswüchsen eines
Massentourismus begegnet, was den
Aufenthalt auf den Azoren besonders angenehm und
reizvoll macht.
Übervölkerung zusammen mit der begrenzten landwirtschaftlichen
Ertragslage und den wenig entwickelten
sonstigen Wirtschaftssektoren führte immer wieder
und besonders in der zweiten Hälfte des 20. Jhs. zu
Auswanderungswellen, wodurch die Azoren schon um
1960 mit knapp 337 ooo Einwohnern den Höhepunkt
der Bevölkerungsentwicklung erreicht hatten und in
den nächsten drei Jahrzehnten einen Rückgang um
100 ooo Menschen hinnehmen mussten. Für 2000
kann eine Bevölkerungszahl von ca. 252 ooo angenommen
werden.
Reiselogistik
Die Azoren sind nicht so einfach zu erreichen wie die
"Tourismusinseln" der Kanaren oder Madeira. Zuerst
muss man über Frankfurt oder von Wien aus nach Lissabon
fliegen, von dort mit einer portugiesischen
Monopolgesellschaft nach Ponta Delgada auf die
Hauptinsel São Miguel und dann nochmals mit kleineren
Maschinen zu den einzelnen Inseln, wobei man
diese Flüge aber wenigstens schon in Graz buchen
kann. Diese etwas umständliche Anreise ist wohl der
Hauptgrund, warum die Inseln noch nicht vom Tourismus
überschwemmt worden sind. Trotzdem ist die
Infrastruktur ausreichend entwickelt, man findet in
allen Inselhauptorten (ausgenommen die winzige Insel
Corvo) Hotels mit ausreichendem Standard, Autovermietungen
und Gasthäuser oder Restaurants, dazu ist
das Straßennetz gut bis zufriedenstellend ausgebaut.
Geradezu überraschend ist das kartographische
Angebot, neben einer F&B Karte 1:75 000 ist sogar
in Graz die amtliche Karte 1:50 000 in mehreren Blättern
erhältlich.
"Tourismusindustrie" mit allen ihren Auswüchsen gibt
es bislang noch nicht; für Ideen und Aktivitäten hat
man schon selbst zu sorgen, doch sind die Möglichkeiten
zum Wandern, Bergsteigen (Pico), Radfahren,
Baden und Whale-Watching ausgezeichnet bis gut
und für Atlantik-Sportsegler sind die Inseln ein Muss.
Als Besonderheiten können interessante botanische
Gärten und Parks sowie die Fumarolen und Kochquellen
auf São Miguel und natürlich die Besteigung des
Pico genannt werden. Dazu kommen noch einige kleinere
"Feinheiten" und "Highlights".
Ich habe die Azoren zusammen mit meiner Familie im
Sommer 2000 besucht, wobei wir nach reiflicher
Überlegung den Inseln Flores, Faial, Pico und São
Miguel unterschiedlich lange Besuche abstatteten.
Flores
Flores ist die westlichste Insel der Azoren und beherbergt
auf 143 km², ca. 44oo Einwohner, was eine
Dichte von 31 ergibt. In dem an der Ostküste gelegenen
Hauptort Santa Cruz das Flores wohnt allein ein
gutes Drittel der Inselbevölkerung.
Morphologisch läßt sich die Insel in zwei Einheiten
gliedern: Das Inselinnere zeigt noch recht gut die flach
gewölbte Kuppelform der primären Anlage mit zahlreichen
aufgesetzten Schlacken- und Schichtvulkanen,
Verflachungen und sanften Muldentälern. Die auffälligste
Besonderheit sind aber wenigstens 7 Kraterseen
mit 100-300 m Durchmesser und bis 100 m Tiefe, die
allesamt keinen oberflächlichen Abfluss haben, deren
steile Innenflanken von dichtem Buschwerk bewachsen
und die durchwegs völlig unerschlossen sind. Mit
ihrem schwarz-grünen Wasser machen sie zumal bei
Nebelwetter einen recht abweisenden und düsteren
Eindruck.
Demgegenüber zeigt der periphere Teil der Insel
durchwegs Züge weit fortgeschrittener Erosion und die
erwähnten typischen Zerstörungsformen: Insbesondere
an der Ostseite ist in einigen Fällen bereits das
Übergangsstadium zwischen tiefen Schluchttälern und
Ribeiras erreicht, in der größten, der Ribeira Fazenda,
ist der obere Talquerschnitt schon etwas breiter als der
untere und wird durch eindrucksvolle, von hohen Wasserfällen
durchzogene Steilwände als direkte Indizien
der rückschreitenden Erosion eingefasst.
Auch die Küsten sind überwiegend als Steilküsten ausgebildet,
wobei vielfach Kliffhöhen von 100 m, im NW
sogar bis 400 m erreicht werden. Landschaftlich am
reizvollsten ist aber der W der Insel mit seinen Steilabstürzen,
wobei im Mittelteil sogar an eine Großgleitung
im Sinne der nischenförmigen Täler von Orotava
und Güimar auf Teneriffa zu denken ist. Dadurch
ergibt sich ein vergleichsweise flacher Küstenhof, der
etlichen kleinen Dörfern in reizvoller Lage Platz geboten
hat und von einem Steilabsturz mit rund 400 m
Höhe im E begrenzt wird.
Diese landschaftliche Szenerie, dazu die weithin intakte
Bedeckung mit dichtem Lorbeerwald, dazwischen
ganze Bestände blau blühender Hortensien und etliche
Silberfäden von Wasserfällen, die vielfach noch
vor Erreichen ihrer Tosbecken in eine Wolke dichter
Regentropfen zerstieben, die Abgeschiedenheit, Unerschlossenheit
und Ursprünglichkeit der Bauerndörfer
mit ihren weiß getünchten Häusern bescheren ein
besonderes Reiseerlebnis, doch darf diese scheinbare
Idylle nicht über die Strukturschwächen dieses Landstriches
wie der ganzen Insel hinwegtäuschen, die zwischen
1860 und 1991 zu einem Bevölkerungsschwund
von fast 60% geführt hat.
Im winzigen Weiler Ponta mit seiner kleinen Kirche
kann man sich dem Gefühl hingeben, am "westlichsten
Punkt Europas" zu stehen, an einem Strand aus
fast schwarzem Basaltgeröll, welches von den Winterstürmen
bis zu 10 m hoch aufgetürmt wurde bis zur
äußersten von zahlreichen Trockenmauern reicht, mit
denen hier die Parzellen des Kulturlandes eingefasst
sind.
Die Kulturlandschaft der Insel wird im sanfter geformten
Inselinneren weithin von Weideland, dazwischen
aber auch von größeren Aufforstungen mit Cryptomeria
japonica (Japanische Sicheltanne) eingenommen,
Siedlungen gibt es keine. Im nördl. Teil des im Morro
Alto bis 914 m aufragenden Hochlandes mit seinen
2000 mm sicher überschreitenden Niederschlägen
und häufigen Nebellagen gibt es noch Bestände eines
Nebel-Buschwaldes mit Lorbeer- und Erika-Gewächsen
und reichlich Farnen und Moosen, welche örtlich
zu nässetriefenden Bülten aufgetürmt sind.
Auch das Kulturland der tieferen Lagen wird heute
längst von Rinderweiden dominiert, Ackerflächen sind
die Ausnahme und dienen nur mehr dem häuslichen
Bedarf. Allenthalben findet man kleine Parzellen mit
"Yams", bei dem es sich tatsächlich aber um Taro
(Colocasia esculenta), ein aus Ostasien stammendes
Knollengewächs aus der Familie der Arazeen, handelt.
Man hat Flores nicht wirklich beschrieben, wenn man
nicht auf die üppig blühenden, die Parzellengrenzen
bildenden Hortensienhecken, auf den reichen Blumenschmuck
in den pittoresken kleinen Ortschaften mit
ihren weißen Häusern, auf die allgemeine Sauberkeit,
Stille und Harmonie dieser Landschaft hingewiesen
hat.
Ist Flores eine Reise wert? Wenn man schon eine Fahrt
auf die Azoren plant auf jeden Fall! Sicher, für einen
"Aufenthalts-Urlaub" gibt die Insel zu wenig her, Baden
im Meer ist praktisch nicht möglich, aber an Aktivitäten
ist außer der Erkundung mit genügend geographischer
Neugierde und Freude am Entdecken und Erleben
vor allem an Wanderungen zu denken, wobei
man insbesondere den "Klassiker" über den Steilabstürzen
der Nordwestküste von Ponta nach Ponta Delgada
an die Nordspitze einplanen sollte. Einen Abstecher
für 3 bis 4 Tage zu diesem Kleinod "am Rande
Europas" wird man sicher nicht bereuen!
Faial
Welch ein Kontrast zu Flores! Faial ist als eine der 5
mittleren Inseln mit 172 km2 zwar nur um ein Fünftel
größer als Flores, beherbergt aber mit ca. 14 8oo
Menschen fast dreimal so viele Einwohner. Auch die
Hauptstadt Horta ist mit angeblich 8ooo Einwohnern
und ihrer engen, geschlossenen Verbauung eine "richtige"
Kleinstadt und nicht nur eine zufällige Ansammlung
von Häusern, wie z.B. Santa Cruz das Flores.
Bau und Formenwelt von Faial sind vergleichsweise
einfach: Alles beherrschend ist der inaktive und von
dichtem Grün überzogene Zentralkrater "Caldeira" in
der Mitte der Insel, der wohl keine echte Caldera, sondern
nur ein ausnehmend großer Krater mit immerhin
2 km Durchmesser am Oberrand, 1 km am Kraterboden
und einer mittleren Tiefe von 400 m ist. Der höchste
Punkt, der 1043 m hohe Cabezo Gordo befindet
sich südl. des Kraterrandes und wird von etlichen Sendemasten
gekrönt. Der Kraterrand ist von Horta aus
bequem mit dem Auto auf einer asphaltierten Straße
erreichbar, nicht weniger einfach und bequem ist die
Fußwanderung auf den nur 140 m höheren Gipfel.
Vom Kraterrand fallen die Hänge in alle Richtungen
mehr oder weniger konkav und gleichmäßig ab und
sind von einem radialen Gewässer- bzw. Talnetz nur
mäßig tief, d.h. in Form der schon genannten Barrancos
zerschnitten.
Außer dem beherrschenden Zentralvulkan, der etwa
die Hälfte der Inselfläche beansprucht, gibt es im W
einen weiteren auffallenden Kegel, den Cabezo da
Fonte (488 m) und am Westkap den erst 1957/58
letztmals aktiven Vulkan Capelinhos, dessen Ascheund
Schlackenförderung damals etlichen Landgewinn
bedeutete, von dem aber seither vieles wieder durch
die Brandung abgetragen worden ist. Nach W fallen
seine Flanken heute etwa 140 m fast senkrecht zur
Küste ab. Eine Begehung dieser urweltlichen Landschaft
lohnt sich auf jeden Fall, sie gehört zu den
angesprochenen Highlights der Inseln, auch wenn
heute keinerlei vulkanische Aktivitäten mehr zu beobachten
sind.
Abweichend von diesem Bauplan ist der E, insbesondere
der SE. Dort gibt es reifere, tiefer eingeschnittene,
z.T. aber auch sanfte, muldenförmige Täler mit
Streichrichtung ESE, und die Umgebung von Horta
bzw. ihres südl. Stadtteils Angustias wird durch etliche
jüngere Kegel als Aufbauformen gestaltet. Besonders
markant sind der Monte Carneiro (267 m) und der die
südöstlichste Landspitze bildende Monte da Guía als
vom Inselblock abgesetzte Halbinsel mit ihrem vom
Meer erfüllten Doppelkrater "Caldeira do Inferno".
Die wesentlich flacheren und sanfteren Oberflächenformen
sind letztlich die Ursache der viel stärkeren
Rodung und Transformation zu Kulturland und der
damit einhergehenden größeren Bevölkerungsdichte
gegenüber Flores. Richtiger Wald bedeckt kaum noch
10 % der Insel; im W zwischen Cabezo da Fonte und
Cabezo do Fogo (529 m), die schon als Parasitärkrater
der Caldeira anzusprechen sind, liegt der mit 6 bis
7 km² größte erhalten gebliebene, urig-beeindruckende
Lorbeerwald, der aber örtlich schon reichlich von
Cryptomeria japonica und teilweise von Pinus
(pinaster?) durchsetzt ist. Dort an der Nordwestküste
in der Baia da Ribeira das Cabras gibt es einen schönen,
recht einsamen Strand, bestehend aus feinem,
fast schwarzem vulkanischen Sand mit hohem grünlich-
goldig glänzendem Olivin-Anteil.
Reine Aufforstungen mit Cryptomeria japonica finden
sich vor allem noch in 700 bis 900 m an der SE-Flanke
der Caldeira; der überwiegende Teil der Insel ist
aber Kulturland mit vorherrschenden Rinderweiden,
wobei die Hortensien - die Charakterblumen der Azoren
- hier weniger beherrschend sind als auf Flores.
Andererseits finden sich, wohl bedingt durch weniger
reichliche Niederschläge bereits etwas trockenheitsliebendere
Zierpflanzen und Exoten wie Drachenbäume,
Kakteen, Palmen, Bougainvilleen und Agaven,
besonders die dornenfreie und weiche Agave attenuata,
die etwa auf Madeira als erstrangige Zierpflanze
gelten kann.
Die Überlegung, wie weit man Faial in sein Reiseprogramm
einplanen sollte, muss daran gemessen werden,
dass diese Insel nur einen Katzensprung, d.h.
eine dreiviertelstündige Schiffspassage von Pico, dem
absoluten Muss der Azoren entfernt ist. Neben dem
Besuch der Caldeira gibt es das Abenteuer des Capelinhos,
einige schöne Strände, darunter die knapp
nördl. von Horta liegende Praia de Almoxarife und
den etwas belebteren "Stadtstrand" Porto Pim sowie
natürlich die Hauptstadt selbst mit ihrem berühmten,
von tausenden Malereien verzierten Yachthafen und
ihrem dezenten Charme eines Hafenstädtchens, dessen
"bessere Zeiten" längst Vergangenheit sind. Einige
solide ausgestattete Hotels und eine ausreichende
gastronomische Infrastruktur lassen auch einen "Aufenthalts-
Urlaub" im Umfang von einer Woche durchaus
erstrebenswert erscheinen.
(Fortsetzung im Heft 31)
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