Geschichte des Instituts
Das Institut für Philosophie an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der KFU Graz wurde als Philosophisches Seminar an der Philosophischen Fakultät der Universität Graz zu Beginn des Studienjahres 1897/1898 gegründet. Die Lehre der Philosophie (u.a. Logik, Naturphilosophie, Metaphysik) reicht allerdings bis in die Gründungszeit der von Erzherzog Karl II. von Innerösterreich im Jahr 1585 bzw. 1586 eingerichteten Jesuitenuniversität zurück.
Im 19. Jahrhundert war die bedeutendste Forscherpersönlichkeit auf dem Gebiet der Philosophie zunächst der Neukantianer Alois Riehl, der sich in Graz 1870 habilitierte und hier als ao. und o. Professor von 1873 bis 1882 tätig war, bevor er seine akademische Laufbahn an den Universitäten in Freiburg, Kiel, Halle und schließlich Berlin fortsetzte.In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts und in den beiden ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurde die philosophische Forschung v.a. durch die Persönlichkeit von Alexius von Meinong (1853-1920) geprägt, einem Schüler von Franz Brentano, der 1882 von Wien nach Graz berufen wurde und hier als ao. Professor und von 1889 bis 1920 als o. Professor wirkte.
Meinong begründete die sog. "Grazer Schule der Gegenstandstheorie", deren Thesen und Probleme auch international, v.a. im angelsächsichen Sprachraum, starke Beachtung fanden, und richtete schon 1894 ein psychologisches Laboratorium ein. Er hatte zahlreiche nicht unbedeutende Schüler, so in seiner Frühzeit bereits Christian von Ehrenfels und Alois Höfler, dann u.a. Stephan Witasek, Vittorio Benussi und Ernst Mally, welcher sein Nachfolger wurde und die Gegenstandstheorie in ontologischer Richtung modifizierte und außerdem als einer der Begründer der deontischen Logik gilt.In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war am Institut vor allem die Denkströmung der Analytischen Philosophie vorherrschend. Darüber hinaus versuchte Amadeo Silva-Tarouca (1898-1971, ao. Professor 1949, o. Professor 1963) das System einer sog. „Onto-Phänomenologie“ zu entwickeln. Die Analytische Philosophie wurde durch die Professoren Rudolf Freundlich (1911-1988, o. Professor 1966-1981)
und Rudolf Haller (geb. 1929, o. Professor für Philosophische Grundlagenforschung 1967-1997) vertreten. Haller, Herausgeber der Zeitschrift Grazer Philosophische Studien und der Reihe Studien zur Österreichischen Philosophie, gründete 1982 auch die FDOEP (Forschungssstelle und Dokumentationszentrum für Österreichische Philosophie).
Auch der 1969 aus Heidelberg an das Institut berufene Ernst Topitsch (1919-2003, in Heidelberg Inhaber des Max Weber-Lehrstuhls) prägte durch seine auch in anderen Wissenschaftsdisziplinen (Geschichtswissenschaft, Sozialwissenschaften) rezipierten Publikationen den internationalen Ruf des Instituts. Als Nachfolger von Topitsch wurde 1991 Malte Hossenfelder aus Münster nach Graz berufen, er emeritierte 2003.
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