Kultur- und Deutungsgeschichte Europas
In diesem Schwerpunkt werden Forschungen aus verschiedenen Fakultäten der Universität Graz, die sich im weitesten Sinne mit der spezifischen Kulturalität Europas befassen, gebündelt. Die Besonderheiten dieser historisch gewachsenen, aber uneindeutigen Kulturalität gründen einerseits in ihrer Offenheit, Flexibilität und Dynamik, andererseits in ihrem Bestreben, sich partiell abzugrenzen gegen alles, was als nicht-europäisch wahrgenommen wird. Europa bildet in diesem Zusammenhang nicht nur einen geographisch, politisch oder wirtschaftlich (wenngleich nur schwer) zu definierenden Raum, sondern auch eine Diskursfigur, an die implizit wie explizit Fragen nach der Ausprägung und dem Anspruch unterschiedlichster Identitäten – auch außerhalb Europas – geknüpft sind. Um die diesbezüglichen Konstellationen synchron und diachron zu erfassen, werden im Rahmen dieses Schwerpunkts die komplexen materiellen, visuellen, schriftlichen und performativen Ausdrucksformen aus den Bereichen Religion, Recht, Wissen und Bildung, Kunst und Literatur sowie in der Alltagspraxis und in lebensweltlichen Gefügen interdisziplinär erforscht – und dies unter besonderer Berücksichtigung der wechselnden Spannungsverhältnisse von lokalen, regionalen, nationalen und supranationalen Gegebenheiten. Nicht zuletzt ist eine wissenschaftliche Annäherung an Europa – abseits der Untersuchungen des mythologischen, metaphorischen und diskursiven Potentials dieses Raums – aber notwendigerweise auch an die Auseinandersetzung mit seiner politischen Macht- und Gewaltgeschichte geknüpft.
Im Rahmen der vielen an dem Forschungsschwerpunkt beteiligten und zum Teil Drittmittel-finanzierten Einzelprojekte und Aktivitäten von Forschungsgruppen finden auch regelmäßig Vorträge, Tagungen, Workshops und Forschungskolloquien statt, die öffentlich zugänglich sind. Die Nachwuchsförderung zeigt sich durch die verstärkte Einbindung von DissertantInnen und Postdocs.
Der Forschungsschwerpunkt "Kultur- und Deutungsgeschichte Europas" ist in methodisch und thematisch übergreifende Forschungsbereiche gegliedert:
- Kulturtheorien und (empirische) Methoden
- Ideen- und Wissenschaftsgeschichte
- Glaubenskonzepte und Rationalität
- Normen – Werte – Recht – Gerechtigkeit
- Körper – Person – Bewusstsein
- Konflikte – Gewalt – Krieg
- Alltag und Lebenswelt
- (Kollektive) Identitäten – Nation – Transnationalität
- Bild – Text – Performanz
- Orte – Räume – Regionen
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