Fäden, Filme, Forschung


Physiker der Universität Graz sind am 5. Spezialforschungsbereich beteiligt


Univ.-Prof. Dr. Falko Netzer (re) und Univ.-Ass. Dr. Michael Ramsey vor der Ultrahochvakuumapparatur zur ortsaufgelösten Oberflächenanalyse von Festkörpern.


Im Herbst wurde der jüngste Spezialforschungsbereich "Elektroaktive Stoffe" nach Graz vergeben. Wenngleich der Schwerpunkt des SFB an der Technischen Universität beheimatet ist, steuert das Institut für Experimentalphysik der Karl-Franzens-Universität wichtige Projektteile und Projektunterstützung bei.

"Unser eigentliches Forschungsprogramm befaßt sich mit organischen Materialien, das heißt mit leitenden Polymeren", erklärt Institutsvorstand und Leiter der Abteilung für Oberflächen- und Grenzflächenphysik, Univ.-Prof. Dr. Falko Netzer. Diese Materialien - vereinfacht gesagt handelt es sich um Kunststoffe, die auch elektrischen Strom leiten können - werden international sehr intensiv studiert. An der KFUG sollen sie vor allem grundlagenorientiert untersucht werden. Und das in einem besonders wesentlichen Bereich: an der Grenzschicht.

Dazu will die Gruppe um Netzer fädenartige Substanzen - eindimensionale Molekülketten, sogenannte "molekulare Drähte" - verwenden, die zu dünnen Filmen präpariert werden. Der Vorteil dieses Verfahrens: Diese Fäden sind besser zu untersuchen als übliche Quantitäten von Polymeren, denn sie enthalten wesentlich weniger Verunreinigungen. Diese dünnen Filme aus Fäden haben dann Modellcharakter für die leitenden Polymere selbst.

Im Ultrahochvakuum, das besser ist als das Vakuum im Weltraum, wird das "ganze Arsenal" (Netzer) physikalischer Geräte eingesetzt, die das Institut zu bieten hat. Damit wird die zu untersuchende Grenzfläche Atom für Atom, Molekül für Molekül abgetastet. Das Ergebnis ist die genaue Kenntnis der Struktur und Morphologie der Schichten, ihre chemische Zusammensetzung und die Energieverhältnisse der Elektronen.

Oberflächenanalyse
Ganz speziell interessiert man sich dafür, wie das Wachstum derartiger Schichten vor sich geht. Insbesondere soll untersucht werden, was passiert, wenn diese Stoffe auf metallischen oder halbleitenden Substraten aufwachsen. Auch der Einfluß von gezielt eingebrachten Gasmengen auf die Oberflächen soll vermessen werden.

Dem gesamten "Rest" des Spezialforschungsbereiches (sechs chemische und physikalische Institute der TU Graz) soll die Apparateausstattung und vor allem die experimentelle Erfahrung der Netzer-Gruppe zugute kommen: Materialien der anderen Forschungsgruppen werden an der KFUG mit Röntgen-, UV-, Elektronenstrahlen etc. "malträtiert" und ihre Oberflächen analysiert. Umgekehrt greifen die Physiker auf die Erfahrungen ihrer TU-Kollegen, z. B. der Chemiker, bei der Herstellung der gewünschten Substanzen zurück.

Erwartungen an diesen SFB, mit dem sich ein Assistent, ein Doktorand und ein "Post-Doc" befassen sollen, richtet Netzer vor allem darauf, "fundamentale Kenntnisse über die Wechselwirkung dieser Polymere mit Kontaktmaterialien" zu erzielen. Die stärkere Praxisnähe der TU-Kollegen und deren Erfahrungen mit anderen Materialien wird wiederum ein wichtiger Input für das Institut sein.

Norbert Swoboda


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