Kometensturz auf Jupiter


Shoemaker-Levy enttäuschte


Einer der Schwerpunkte einer Tagung in Graz befaßte sich mit der Frage: Was konnte uns der Kometensturz auf Jupiter zum Aufbau der Magnetosphäre sagen? Zur Enttäuschung der Forscher machte sich Shoemaker-Levy kaum bemerkbar.

"Die Vermutungen über die physikalischen Vorgänge haben sich nur zum Teil bestätigt", bedauert Univ.Prof. Siegfried Bauer und weist auf den im optischen Bereich spektakulären, im Radiobereich kaum bemerkbaren Kometensturz auf den Jupiter im Sommer hin. Bauer ist Vorstand des Institutes für Meteorologie und Geophysik sowie stellevertretender Direktor des Institutes für Weltraumforschung und auf Planetenhüllen und deren Atmosphäre spezialisiert.

Zum Thema "Die Magnetosphäre äußerer Planeten" hatten sich rund 100 Forscher an der Karl-Franzens-Universität Graz eingefunden. Somit bot diese Tagung das erste Forum zur Diskussion einer Reihe von wissenschaftlichen Beobachtungen des Bombardements des Kometen Shoemaker-Levy auf Jupiter.

"Synchronstrahlung sowie Auroraphänomene in der nördlichen Polarregion von Jupiter wurden registriert", so Bauer. Weitere Themen der Tagung befaßten sich mit planetaren Magnetfeldern sowie dem in Planetennähe befindlichen Plasma.

Sonde Galileo
Die Auswertung der Daten von der Raumsonde "Ulysses", die weit entfernt von der Planetenebene das Schauspiel mit ihren Instrumenten eingefangen hat, ist im vollen Gange und die halb-"blinde" Sonde "Galileo" (sie hat an Antennenleistung eingebüßt) wird erst in naher Zukunft in den Jupiterorbit einschwenken.

Eines ist klar: Man will "weg von den Punktmessungen kommen", sozusagen ein globaleres Bild dessen bekommen, was sich rund um die äußeren Planeten abspielt. Man will die Messungen abgleichen mit den verschiedensten Hypothesen. "Das ist ein allgemeiner Trend in der Forschung", erläutert Bauer, "von der Ferne her Gesamteindrücke zu erhalten".

Dazu kommt: Längst noch nicht sind die Informationsbruchstücke, die die älteren Sonden in den 70er und 80er-Jahren vom Jupiter, Saturn und Neptun geliefert haben, vollständig ausgewertet. Für seine Disziplin ist das bisherige Material jedenfalls aufregend genug. Die wenigen Weltraumsonden, die in die Nähe der äußeren Planeten gekommen sind, haben insgesamt überraschendes geliefert: Planetare Magnetfeldestrukturen, die sich ganz "unirdisch" verhalten, d.h. sehr stark von der irdischen Feldstrulktur abweichen, lassen die Forscher rätseln, wie es mit der inneren Dynamik der Gasriesen bestellt ist.

Cassini-Huygens
Vielleicht liefert die nächste Expedition entscheidende Tips: Auch die Grazer sind am Projekt Cassini-Hygens beteiligt, einer Raumsonde zum Saturn mit einem Abstiegsteil zum Mond Titan. Da werden allerdings noch ein paar Tagungen vorübergehen: Cassini soll 1997 starten und erst nach der Jahrtausendwende den Saturn erreichen.

Norbert Swoboda


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