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Die Suche nach dem goldenen Gen

Das Forschungs-Projekt GOLD will Fettleibigkeit und Herzinfarkt eindämmen
von Dagmar Eklaude
Am 1. November 2002 startet ein riesiges Drittmittelprojekt an der Universität Graz. Der Koordinator, Univ.-Prof. Dr. Rudolf Zechner, erwartet sich davon bahnbrechende Forschungsergebnisse. Mit seinem Team möchte er bislang unbekannte Gene finden, die für die Fettleibigkeit verantwortlich sind. Und in weiterer Folge Artherosklerose und Herzinfarkt frühzeitig zu verhindern helfen.
GOLD steht für Genomics Of Lipid-associated Disorders. Es geht dem Forscherteam also darum, jene Gene zu finden, die für Störungen des Fettstoffwechsels verantwortlich sind. Die wissenschaftlichen Arbeiten werden aus dem Budget des österreichischen Genforschungsprogramms GEN-AU mit zunächst vier Millionen Euro gefördert.
"Es ist ein großer Erfolg, dass die Universität Graz dieses Projekt an Land ziehen konnte", freut sich Koordinator Rudolf Zechner vom Institut für Molekularbiologie, Biochemie und Mikrobiologie. Nur vier von österreichweit 31 eingereichten Forschungskonzepten machten das Rennen. Ein Grund, warum das Bildungsministerium für die Grazer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tief in die Tasche greift, sind die überaus "goldenen" Zukunftsaussichten des Projekts. "Wir werden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu patentierbaren Ergebnissen kommen, auch Firmengründungen sind im Zuge der Forschungen durchaus möglich. Die Resultate unserer Arbeit werden sich also verkaufen lassen", erläutert Zechner die wirtschaftliche Relevanz der Grazer Gen-Studien.
Volkskrankheit Übergewicht
Die Fettleibigkeit nimmt in der westlichen Bevölkerung so massiv zu, dass man das Gesundheitsproblem nicht mehr mit Diät-Ratschlägen bekämpfen kann. An den Folge-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Hirnschlag sterben bereits doppelt so viele Menschen wie an Krebs. Durch langjährige Fehlernährung kommt es zur übermäßigen Einlagerung von Triglyzeriden (Fettbausteinen) im Fettgewebe – die Ursache für krankhaftes Übergewicht. Die Folge sind unter anderem die Ablage von Cholesterin in den Arterienwänden. Und die Entstehung genau dieser Fettablagerungen hoffen Zechner und sein Team durch die Forschungsarbeit zu verhindern.
"Wir sind uns sicher, dass die Gene für ganz zentrale Verdauungs-Enzyme, wie zum Beispiel Lipasen, noch unbekannt sind", erklärt der Molekularbiologe. Lipasen spalten Fette und sind für den Stoffwechsel in den Zellen unverzichtbar. Das Motiv der Forschungen ist es, die gesuchten Gene aufzufinden und zu charakterisieren. Auf Basis dieser Erkenntnisse könnten dann Medikamente zur Regulation des Fettstoffwechsels entwickelt werden – ähnlich dem bereits auf dem Markt befindlichen Arzneimittel Xenical, allerdings ohne die bekannten Nebenwirkungen.
Des weiteren gilt es, die Mechanismen der so genannten Makrophagen – Fresszellen des körpereigenen Immunsystems – zu verstehen, die unter anderem für die Ablagerung von Cholesterin in den Gefäßen verantwortlich sind. "Auch hier sollen in weiterer Folge Medikamente entwickelt werden, die derartige Ablagerungen und damit auch einen Herzinfarkt verhindern", beschreibt der Projekt-Koordinator die weit reichenden Effekte der geplanten wissenschaftlichen Arbeiten.
Fasten oft keine Alternative
Tabletten gegen den Bierbauch und all seine gesundheitlichen Folgen wären eine große Hilfe für die westliche Zivilisation. Genießerinnen und Genießer finden auch sicher Gefallen daran, sich permanent lukullischen Verlockungen hingeben zu können, während die Medizin auf ihre Linie achtet. Diese Vorstellung ruft natürlich auch kritische Stimmen auf den Plan: Wäre es nicht gesünder, auf Schlagobers und Schweinsbraten zu verzichten, anstatt sich mit Abnehm-Pillen vollzustopfen? Täte es dem Körper nicht wohler, ausreichend Bewegung anstelle von pharmazeutischen Produkten zu bekommen? "Selbstverständlich muss ich diese Fragen mit ,"ja" beantworten", räumt Zechner ein, doch er gibt zu bedenken: "Appelle zur Änderung der Lebens- und Essgewohnheiten haben wenig Erfolg gezeigt. Eine Gewichtsreduktion auf diese Weise ist offenbar bedeutend schwieriger als landläufig angenommen. Daher ist es eine große medizinische Herausforderung, entsprechende Alternativen zu entwickeln, die der Fettleibigkeit Einhalt gebieten. Bei vielen Patienten reicht es einfach nicht aus zu sagen, hören Sie doch auf zu essen." Krankhaft übergewichtige Personen könnten kaum problemlos abnehmen, ist der Molekularbiologe überzeugt, mit der ganz pragmatischen Begründung: "Sonst hätten sie es schon getan, denn niemandem macht es Spaß, dick zu sein."
Aufwind für Graz
Am Forschungsprojekt GOLD ist auch die Universität Innsbruck beteiligt, das Zentrum ist jedoch Graz. Hier soll in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität auch eine eigene österreichweite Plattform für Bioinformatik gegründet werden, unter der Federführung von TU-Univ.-Prof. DI Dr. Zlatko Trajanoski. Diese Einrichtung wird wesentlich zum Erfolg des gesamten GEN-AU-Projekts beitragen, da dort das gewonnene Datenmaterial gespeichert, geordnet und aufbereitet wird. Ebenso mitverantwortlich für das Gelingen der Genforschung ist das längst geplante und noch immer nicht gebaute Zentrum für molekulare Biowissenschaften (ZMB), was für Zechner ein großes Problem darstellt: "Wir haben jetzt schon massivste Raumnot. Wenn das ZMB nicht bald gebaut wird, sehe ich schwarz, dass das Projekt verlängert wird."
Das Genforschungsprogramm ist grundsätzlich auf neun Jahre ausgelegt, die einzelnen Projekte wurden aber zunächst für drei Jahre genehmigt. Nach einer genauen Prüfung kann nach Ablauf dieser Zeit eine Verlängerung um sechs weitere Jahre erfolgen. Die momentane politische Situation gibt allerdings wenig Anlass zur Hoffnung auf einen baldigen Baubeginn. "Das Finanzministerium muss endlich die Mietzusage machen, spielt den Ball aber zum Wissenschaftsministerium", kritisiert Zechner. Die Regierungsauflösung hat nun überhaupt eine rasche Entscheidung unwahrscheinlich gemacht. Auch die geplante Teilung der Universitäten sei für die Forschungsarbeit nicht sehr hilfreich, so der Molekularbiologe. Trotz der derzeit widrigen Umstände hoffen die Grazer natürlich, dass sie nun, da die Universität dieses außergewöhnliche Projekt an Land ziehen konnte, es erfolgreich zu Ende führen werden.
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GEN-AU: Genforschungsprogramm in Österreich – stellt insgesamt 31 Millionen Euro für die ersten drei Jahre zur Verfügung
GOLD: eines von vier Projekten
Projekt geht von Uni Graz aus
Koordinator: Univ.-Prof. Dr. Rudolf Zechner
Subkontrakte mit TU Graz und Universität Innsbruck
insgesamt ca. 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 6 Arbeitsgruppen
Die drei weiteren Projekte:
"Epigenetic Transcriptional Control in Early Lymphopoiesis" (Institut für Molekulare Pathologie, Wien),
"Ultra-Sensitive Proteomik und Genomik" (Institut für Biophysik der Universität Linz),
"Genomweite Untersuchung der Tumorinvasion und Metastasierung" (Boehringer Ingelheim Austria)
www.gen-au.at/
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Cholesterinablagerung in einer Arterie unterm Mikroskop. Foto: GOLD
Die Suche nach Medikamenten zur Regulation des Fettstoffwechsels läuft. Foto: Wegscheidler
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