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BetreuerIn *23.05.02
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Stress, lass nach

Mit präzisen neuen medizinischen Messmethoden dem stress auf der Spur

Jeder kennt ihn, viele fürchten ihn, manche funktionieren ohne ihn gar nicht richtig. Er ist der Wegbegleiter der heutigen Zeit: der Stress. Doch diese Angespanntheit des Körpers genau zu bestimmen, ist alles andere als trivial. Sepp Porta, Universitätsprofessor für Endokrinologie am Institut für Pathophysiologie, beschäftigt sich genau damit. Wie entsteht Stress, wie misst man ihn, wie bewältigt der Körper ihn. Vor kurzem hat Porta für den Laien eine spannende Zusammenfassung zum Thema Stress veröffentlicht.

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Blutmessung zur Untersuchung desStress-Spiegels

Ao. Univ.-Prof. Dr. Sepp Porta, Dozent für Experimentelle Endokrinologie am Institut für Pathphysiologie und Leiter des Insituts für angewandte Stress-Forschung in Bad Radkersburg.

Fotos: Porter

Eine Zeit lang war es fast ein Modewort. Jeder, der etwas auf sich hielt, musste „im Stress" sein. Was vor tausenden von Jahren eine sinnvolle Antwort auf Gefahren bei der Jagd und überhaupt im Überlebenskampf war, hat heute – wie es scheint – den Menschen umgekehrt im Griff. Manche suchen den Stress sogar, die meisten fühlen sich vom Tempo und den Anforderungen unserer Zeit überfordert. Doch was ist Stress genau, und wie kann man ihn wissenschaftlich objektivieren?

Sepp Porta beschäftigt sich mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen anderen Fachdisziplinen (Medizin, Psychologie) genau mit dieser Frage. Wie entsteht Stress, wie verarbeitet der Körper ihn, wo endet der „gesunde Stress", und wo warten Bluthochdruck und Herzkrankheiten.

"Stressmessungen waren eigentlich immer eine Domäne der Psychologen", erzählt Porta. Kein Wunder, kann man mit Fragebögen einen großen Personenkreis in verhältnismäßig kurzer Zeit und ohne Unannehmlichkeiten für den Patientinnen und Patienten erfassen. Die Hormonforschung hat es da viel schwerer. Denn Stress entsteht durch ein kompliziertes Wechselspiel verschiedener Hormone, jener entscheidenden Botenstoffe und Auslöser, die in winzigen Mengen über das Blut die Körperaktivitäten regulieren. Beim Stress fordert der Körper – und insbesondere das Gehirn – raschest Zuckernachschub. Die Gruppe der Katecholaminen (Dopamin, Nor-Adrenalin, Adrenalin) sorgen dann dafür, dass der dringend verlangte Zucker aus eigenen Depots im Körper (etwa der Leber) herausgeholt wird.

"Die Messung dieser Stoffe ist keine Routineangelegenheit", betont Porta. Es geht hier um pico-Gramm an Mengen, also buchstäblich verschwindende Mengen, die in speziellen Hochdruck-Flüssigkeits-Chromatographen analysiert werden müssen. „Um 10 bis 15 Leute zu untersuchen, muss man rund drei Wochen rechnen", sagt Porta. Deshalb messen die Grazer nicht direkt die Katecholamine, sondern die Effekte, die sie produzieren. So beschleunigt sich die Atmung in Stresssituationen, die Lactatwerte steigen und anderes mehr. Der springende Punkt ist aber nun, diese sekundären Werte so zu gewichten, dass sie ein Mass für den Stress werden können.

Analysiert wird auch hier das Blutbild, und dann mit Hilfe eines computerunterstützten Mustererkennungssystems auf den Stress „zurückgerechnet". Denn Stress ist nicht gleich Stress. "Arbeitsstress bedeutet etwa einen großen Sauerstoffverbrauch, psychischer Stress schaut anders aus", erläutert Porta. Die Dauer dieser Messungen ist im Vergleich zur herkömmlichen Methode extrem kurz: Rund 60 bis 70 Personen können pro Tag untersucht werden, „und das ist das Neue und Besondere: Noch nie konnte man soviele Probandinnen und Probanden in so kurzer Zeit untersuchen, außer mit psychologischen Tests". Die Kompetenz der Forschung liegt darin, dass die Werte sehr gut mit jenen Messungen korrelieren, die von der Psychologie geliefert werden. Weil aber sozusagen "simple" Analysegeräte zur Anwendung kommen, die in jeder Klinik zur Verfügung stehen, ist die Methode auch außerhalb des Wissenschaftler-Labors ideal, etwa auch für die Arbeitsmedizin und für Bereiche, in denen gerade das Verhalten des Menschen im Stress-Zustand von größter Bedeutung ist.

Dementsprechend rege ist das Interesse an der Methode und den Erkenntnissen. So gibt es eine bewährte Zusammenarbeit mit dem österreichischen Bundesheer, auch die US-Air Force ist schon seit Jahren zu Gast in Bad Radkersburg. Dort ist das Institut für Angewandte Stress-Forschung beheimatet, dessen Leiter Sepp Porta ist. Der Ort Bad Radkersburg kommt dadurch ins Spiel, weil Magnesium als der Stress-Killer schlechthin gilt.

Der Magnesium-Effekt erklärt zu einem gewissen Grad übrigens auch, warum gestresste Menschen instinktiv zu Schokolade greifen: Weil Kakao den Mineralstoff in großen Mengen enthält, kann man schon mit wenigen Riegeln (dunkler) Schokolade eine merkbare stressdämmende Wirkung feststellen.

Porta hält wenig von der Unterscheidung zwischen „gutem" und "schlechtem" Stress. Die Grenze verlaufe eher zwischen Forderung an den Körper und Überforderung. Denn seit Millionen von Jahren sei das Leben "ein einziges Stresstraining, eine Materialprüfung für den Körper".

Allerdings gibt es speziell beim Stress Besonderheiten: Die zuständigen Hormone werden nicht – wie im Vergleich dazu etwa die Sexualhormone – einfach zurückgeregelt. Im Gegenteil: Bei entsprechender Anspannung werden sie im Nebennierenmark immer weiter produziert. Schon dreimal konnte man diese Erkenntnisse in der internationalen Zeitschrift „Life Sciences" publizieren.

Wie schädlich oder tödlich Stress tatsächlich sein kann, lässt sich schwer beziffern. Porta schätzt, dass es „bei einer großen Grauzone" rund 30 bis 40 Patientinnen und Patienten im Jahr in der Steiermark sind, die wegen übermäßigem Stress mit Bluthochdruck und Herzkrankheiten zu rechnen haben.

Was empfiehlt man also dem stressgeplagten Menschen des 21. Jahrhunderts, wo die Menschen nicht mehr „die Keule schwingen, sondern das Keyboard", wie es Porta formuliert? "Der Plan ist der Feind jeden Stresses", verrät Porta ein probates „Hausmittel". Sozusagen „Gefahr erkannt, im Plan gebannt". Doch wenn es dazu kommt, dann hilft am besten Bewegung. „Auslaufen, sich körperlich betätigen", so drückt man den Blutzuckerspiegel, der durch die Stresshormone sozusagen aus dem Gleichgewicht gekommen ist. Und wie hält es der Stressforscher selbst: „Rad fahren und Karl May lesen", gesteht Sepp Porta.

 

Über das Projekt "Stress am Bau" vom Institut für Psychologie berichtete die UNIZEIT 3/01.

 

Buchtipp

  • "Gib den Stresshormonen, was sie brauchen", so titelt Sepp Porta mit seinem Co-Autor, dem Zeitschriftenjournalisten Günther Zagler, einen populärwissenschaftlichen Ratgeber zum Thema Stress, der kürzlich im Verlag Kreuz in der Ratgeber-Reihe „Was Menschen bewegt" erschienen ist. Porta spricht auf 192 Seiten praktisch alles an, was es zum Thema Stress zu sagen gibt. Mit zahlreichen anschaulichen Beispielen und in flotter Sprache geht der Stressforscher an das Thema heran. Von "Das Burnout-Syndrom" bis zu "Trennungs-Stress und was dagegen hilft", von Ernährungshinweisen samt Rezepten bis hin zum „Stress beim Abnehmen" reicht das breite Spektrum. Der Wissenschaftler belässt es aber nicht nur bei Tipps, sondern gibt dem Laien einen guten Einblick darüber, wie das Phänomen zu Stande kommt. Porta folgt dabei dem zentralen Motto, das er dem Buch voranstellt: „Es gibt nicht nur Stress, der uns nervt, ärgert, krank und kaputt macht, sondern auch Stress, der uns glücklich macht."

Norbert Swoboda

 


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