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BetreuerIn *03.07.01.01
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Hochkarätige Handarbeit
Hildegunde Piza, gebürtige Steirerin, als Wissenschaftlerin des Jahres.

Eine 17-stündige Operation, die weltweit erste erfolgreiche Transplantation beider Unterarme, rückte die rekonstruktive Chirurgie ins Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit.

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Piza, seit 1999 Vorständin in Innsbruck.

Hildegunde Piza bei ihrer Promotion mit Monsignore Dr. Reichenpfader, Pater Dr. Severin Schneider und Dr. Dinawitzer.

Fotos:Piza

Für Hildegunde Piza, die das Ärzteteam anführte und als erste Frau heuer zum „Wissenschaftler des Jahres“ gewählt wurde, ist dieses Ergebnis nur die Summe der Bemühungen der letzten 30 Jahre. O.Univ.-Prof. Dr. Hildegunde Piza gehört zu jenen Frauen, die in einer ausgesprochenen Männerdomäne Karriere gemacht hat, auch wenn sie nicht gerne darüber spricht. Die Überzeugungsarbeit, Widerstände zu überwinden, stand schon am Anfang ihrer Laufbahn. 1970 an der I. Chirurgischen Universitätsklinik in Wien war ihr damaliger Chef der Auffassung, dass „Frauen in der Chi-rurgie prinzipiell nichts zu suchen hätten“. Nun, sie wurde dennoch Assis-tenzärztin, dann Oberärztin, 1982 erhielt sie die Lehrbefugnis für Plastische Chirurgie an der Universität Wien. 1992 gründete sie die Abteilung für Plastische- und Wiederherstellungschirurgie im Krankenhaus Lainz. 1999 wurde sie zur Vorständin der Universitätsklinik für Plastische- und Wiederherstellungschirurgie in Innsbruck – übrigens als erste Frau Leiterin einer chirurgischen Abteilung – ernannt.
Der Weg dorthin war durchaus nicht geebnet, Hürden waren zu nehmen, neuerlich war Überzeugungsarbeit zu leisten, um akzeptiert zu werden. Dennoch will Hildegunde Piza es nicht überbewertet wissen: „Als Frau braucht man in diesem Beruf nicht männlicher sein als ein Mann. Widerstände kann man wirklich gut überwinden, wenn man durch die Arbeit zeigt, dass man niemandem etwas wegnehmen will und dass man ein Ziel hat, das man erreichen möchte. Notwendig ist wohl, dass man demons-triert, man macht es nicht schlechter, vielleicht auch nicht besser, aber eben gleich gut wie ein Mann.“


Prägende Professoren

Der Beruf, den Hildegunde Piza jetzt ausübt, war zunächst nicht Berufung. Obwohl der Vater, fast 60 Jahre Arzt in Weiz, ein großes Vorbild ausübte – „so etwas wie die Vatermilch für mich.“ Dennoch war die Entscheidung für das Medizinstudium nicht vorgefasst. „Mein Wunsch insgeheim war eigentlich Sport oder irgendein Lehrfach, es hätte auch eine Sprache sein können.“ Diesbezüglich war eindeutig die Zeit bei den Ursulinen in Graz prägend. Schließlich siegte aber doch die Medizin. 1959 inskribierte Hildegunde Piza an der Medizinischen Fakultät in Graz. Eine entscheidende Bemerkung machte einer ihrer Professoren, Univ.Prof. Thiel, in einer der ersten Vorlesungen: „Sie können heute entscheiden, ob Sie zu Ärzten gehören wollen, die viel Zeit und wenig Geld oder wenig Zeit und viel Geld haben“. „Er wollte uns damals, glaube ich, einfach sagen, dass das sicher kein Beruf ist, der mit Zeit begrenzt sein kann, sondern ein ständiges Studium, ein ständiges Hinterfragen. Das ist mir wortwörtlich im Kopf geblieben.“ Es gab einige Universitätsprofessoren, die durchaus prägend waren, wohl auch „weil sich damals noch Professoren getraut haben, über sich und ihr Weltbild in der Vorlesung zu sprechen. Professor Lieb in der Chemie, Professor Musger, Professor Spath, der Chirurg, ein sehr eleganter und vornehmer Herr, der viele gute Schüler um sich geschart hat, oder Professor Riegler von der Physiologie, der uns hingeführt hat in die biomedizinische Denkweise“, erinnert sich Piza.


Geistige Heimat

Ein zweites, absolut wichtiges Standbein bildete in dieser Zeit für Hilde-gunde Piza die katholische Hochschulgemeinde. Monsignore Reichenpfader, der jetzige Bischof Egon Kapellari und Pater Severin Schneider, der Benediktiner, der über Heidegger promovierte und die Gruppe der Mediziner in der Hochschulgemeinde führte. „Von diesen Wurzeln habe ich sehr viel mitgenommen: die interdisziplinären Diskussionsabende. Zum Beispiel die Diskussion ethischer Probleme in der Medizin damals war richtungsweisend, wahrscheinlich sogar für die Medizin in ganz Österreich. Wir haben natürlich nicht nur diskutiert, wir waren auch gemeinsam Schi fahren oder tanzen – ich habe es immer als meine geistige Heimat bezeichnet.“


Salzburger Festspiele

Nach der Promotion am 24. November 1965 in Graz, nach einem halben Jahr bei den Barmherzigen Brüdern in Eggenberg, fiel die Entscheidung für Salzburg. Primär nicht wegen der Ausbildung, sondern: „Ich wollte einmal einen Sommer lang um wenig Geld bei den Salzburger Festspielen verbringen. Daraus sind schließlich fünf Jahre geworden.“ Einem Zufall war es zu verdanken, dass Hildegunde Piza eine Ausbildungsstelle an der Chirurgie bekam. Daraus wuchs der Wunsch, sich in plastischer Chirurgie zu spezialisieren. Zur Auswahl standen Salzburg, Innsbruck oder Wien. Die Entscheidung für Wien war wohl auch schicksalhaft, denn an der Chirurgischen Universitätsklinik lernt sie ihren späteren Ehemann, Univ.-Prof. Dr. Franz Piza, kennen. „Mein Mann war ein großes Vorbild für mich. Viel gemeinsames Denken hat uns zusammengeführt. Ohne ihn hätte ich das nicht alles geschafft“.
Kinder und Karriere – ein Entweder- oder stand nie zur Diskussion. Drei Kinder – während das dritte im Säuglingsalter war, schrieb Hildegunde Piza die Habilitation. Mindestens so wichtig wie die Unterstützung des Mannes war „eine Handvoll Freunde, die man wirklich belasten kann, auch wenn es um schwierige Dinge mit den Kindern geht. Soweit ich das beurteilen kann, sind meine Kinder keine unglücklicheren Menschen geworden, als wenn ihre Mutter zu Hause gewesen wäre.“ Wichtiger als permanente Anwesenheit sei es, den Kindern ein Beispiel zu geben. „Die Talente zu erkennen und zu fördern ist eine der wesentlichen Aufgaben der Eltern, der Schulen und der Universität.“
24 Stunden sollte man nützen
Ihre eigene Studienzeit war für Hildegunde Piza wichtig und prägend. Deshalb legt sie den Studierenden heute auch nahe, die Universität mit ihrem vielseitigen Angebot in dieser Zeit zu nützen. „Das Hirn ist ja in dieser Zeit noch in all seiner Größe vorhanden. Und 24 Stunden sind ja eigentlich enorm viel Zeit, die man jeden Tag hat, die sollte man nützen. Wichtig ist der weitere Blick, den man sich aneignen sollte, die umfassendere Bildung.“
Das mediale Echo rund um den Titel Wissenschaftlerin des Jahres, den Piza der Club der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten kürzlich verliehen hat, sind für sie persönlich „freundliche Begleiterscheinungen“. Wirklich freut sie, dass es ihrem Patienten, Bombenopfer Theo Kelz, dank seiner neuen Hände wieder gut geht, und die damit verbundene Aufwertung, die dadurch die rekonstruktive Chirurgie erfahren hat.

Agnes Altziebler


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