Ehrendoktorat der Katholisch-Theologischen Fakultät für Patriarchen von Konstantinopel
 

Andreas Schweiger
18.06.2004

Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I. – geistliches Oberhaupt von weltweit 350 Millionen orthodoxen Christen – erhielt am 18. Juni 2004 das Ehrendoktorat der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz.
Rektor Univ.-Prof. Dr. Alfred Gutschelhofer begrüßte als „Hausherr“ beim Festakt in der Aula zahlreiche Ehrengäste, darunter LH Waltraud Klasnic, Bischof Egon Kapellari, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Gerard Sonnenschein, Superintendent Hermann Miklas und weitere Spitzen aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Gesellschaft.

„Wir würdigen einerseits die wissenschaftlichen Leistungen des Patriarchen und bringen andererseits die Verbundenheit der Fakultät in den südosteuropäischen Raum zum Ausdruck“, begründete Dekan O.Univ.-Prof. Dr. Bernhard Körner.
Univ.-Prof. Dr. Basilius J. Groen, Institut für Liturgiewissenschaft, christliche Kunst und Hymnologie, stellte in seiner Laudatio das vielseitige Wirken des Patriarchen in den Mittelpunkt: „Er hat den Prozess der Versöhnung zwischen Rom und Konstantinopel gefördert. Trotz Proteste einiger Gruppierungen geht er mit seiner epochalen Versöhnungsaufgabe weiter voran.“ Zudem engagiere sich der Patriarch in freundschaftlichen Kontakten mit anderen Weltreligionen und pflege den interreligiösen Dialog. So rief er vor zehn Jahren, mitten im Bosnienkrieg, bei einer Konferenz über Frieden zu religiöser Toleranz auf.
Wiederholt hat Bartholomaios I. für die Spiritualität Europas plädiert. „Er wird nicht müde darzulegen, dass auch die orthodoxen Regionen in Ost- und Südeuropa in die EU aufgenommen werden sollen“, hob Groen am Vorbild Griechenland vor. Seine Heiligkeit setze sich außerdem stark für den Umweltschutz ein. Daher werde er oft als der „grüne Patriarch“ bezeichnet.

Univ.-Prof. Dr. Grigorios Larentzakis, international anerkannter Wissenschafter für Ökumenische Theologie und Ostkirchliche Orthodoxie und seit 1970 in Graz, fungierte bei der Feier als Promotor und überreichte die Promotionsurkunde.
Der frischgebackene Ehrendoktor unterstrich die langjährige Verbindung zur Universität Graz, erinnerte sich auch an eine Gastvorlesung in den 1980er-Jahren und würdigte die Ausrichtung der Fakultät in die südosteuropäischen Regionen: „Sie wirft den Blick in die Zukunft.“ Gleichzeitig appellierte er als neues „Mitglied“ an die Fakultät, die Funktion als Bindeglied fortzusetzen.


Biographische Daten:
Bartholomaios I. wurde am 29. Februar 1940 als Dimitrios Archondonis auf der Ägäisinsel Imbros (Türkei) geboren. Das Studium der orthodoxen Theologie schloss er 1963 ab, 1968 promovierte er zum Dr. theol. in Kirchenrecht an der Universität Gregoriana in Rom. 1963 wurde er zum Diakon, 1969 zum Priester, 1973 zum Metropoliten und schließlich 1991 zum Ökumenischen Patriarchen gewählt.

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Begrüßung
Rektor Gutschelhofer (l.) begrüßte den Patriarchen, rechts Bischof Kapellari
Bartholomaios
Ehrendoktor der Kath.-Theologischen Fakultät
der Patriarch
Geschenke vom und für den Ehrengast, links Prof. Larentzakis