Aktuelles und Veranstaltungen
Suche
Sitemap
Hilfe
Homepage der Uni Graz
Homepage

BetreuerIn *08.04.03

Religionen+lokale Kulturen = Weltkultur?
Knnen die Weltreligionen einen Beitrag zur Bildung einer Weltkultur leisten?
Symposion der Katholisch-Theologischen Fakultt der Universitt Graz

Anlässlich des Krieges im Irak aktueller denn je: Am 1. und 2. April 2003 fand an der Kath.-Theol. Fakultt Graz ein Symposion zum Thema Knnen die Weltreligionen einen Beitrag zur Bildung einer Weltkultur leisten? statt. Die Frage, welche Rolle Religionen angesichts einer zunehmend globalisierten Gesellschaft, in der die Kulturen immer fter unmittelbar aufeinander prallen, spielen knnen, wurde im Rahmen des Symposions von ReligionswissenschaftlerInnen und ReligionsphilosophInnen allgemein sowie fr die fnf Weltreligionen Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus zu beantworten versucht.

Die religionswissenschaftliche Perspektive allgemein bzw. religionsphilosophische Fragestellungen brachten Prof. DDr. Johann Figl, Leiter des Institutes fr Religionswissenschaft an der Universitt Wien und Vorstand der sterreichischen Gesellschaft fr Religionswissenschaft, Prof. Dr. Karl Woschitz, Leiter des Institut fr Religionswissenschaft an der Theol. Fakultt der Universitt Graz und Prof. Dr. Peter Strasser, Professor am Institut fr Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie und Rechtsinformatik an der Rechtswiss. Fakultt der Universitt Graz ein. Ihre Beitrge kreisten um die Frage eines mglichen religisen Universalismus (Strasser) und dessen Bedingungen, Chancen und Probleme, oder im Gegenzug um die Mglichkeiten der Bewahrung religiser Identitt als Voraussetzung fr ein friedliches Miteinander der Kulturen. Als wesentlicher Begriff fr alle Beitrge erwies sich jener der Skularisierung, der im Zuge der religionswissenschaftlichen und religionsphilosophischen Referate zu przisieren versucht wurde als wesentliches Merkmal der westlichen (Post)Moderne, das in den nicht-westlichen Religionen und Kulturen aber in Anstzen bereits da war (etwa im mittelalterlichen Islam) und mittlerweile alle Religionen in irgendeiner Form erfasst hat.

Die fnf Weltreligionen wurden von VertreterInnen der religionswissenschaftlichen Teilgebiete hinsichtlich ihrer Kompatibilitt mit einer Weltkultur untersucht: Prof. Dr. Gerhard Bodendorfer, Professor fr Alttestamentliche Wissenschaft und Judaistik und Abteilungsleiter fr Judaistik am Institut fr Alt- und Neutestamentliche Wissenschaft an Kath.-Theol. Fakultt der Universitt Salzburg (Judentum), Prof. Dr. Hanna-Brabara Gerl-Falkovitz, Professorin fr Religionsphilosophie und Vergleichende Religionswissenschaften am Institut fr Philosophie an der TU-Dresden (Christentum), Prof. Dr. Peter Heine, Direktor des Institutes fr Asien- und Afrikawissenschaften an der Humbold-Universitt Berlin (Islam), Prof. Dr. Karin Preisendanz, Leiterin des Institutes fr Sdasien-, Tibet- und Buddhismuskunde der Universitt Wien (Hinduismus) und Prof. Dr. Max Deeg, Professor fr Religionswissenschaften am Institut fr Systematische Theologie an der Evangelisch-Theol. Fakultt der Universitt Wien (Buddhismus).

In diesen Referaten wurden einerseits Vorurteile gegenber den einzelnen Religionen beseitigt, so zeigte Prof. Heine die Mglichkeiten des Islam, seine Rechtsauslegung genderten gesellschaftlichen Bedingungen anzupassen, auf, whrend Prof. Deeg die inneren Spannungen und Konflikte des Buddhismus als vorweg zu beseitigendes Problem fr einen interreligisen Dialog ansprach. Die Frage der innerreligisen Divergenzen und die damit verbundene Problematik der autorisierten Dialogpartner erwies sich auch fr die anderen Religionen als Thema, dem es aus Sicht der ReferentInnen - in Hinkunft verstrkte Aufmerksamkeit zu widmen gilt, wenn der interreligise Dialog Erfolg haben soll.

Ein weiterer Schwerpunkt der Beitrge befasste sich mit der Frage der Inklusivitt und Exklusivitt der Weltreligionen gegenber Angehrigen anderer Religionen: Sowohl eine zu groe Inklusivitt, insbesondere in aggressiver Form der Bekehrung als auch eine an jeglichem Dialog desinteressierte Exklusivitt wurden als Hindernisse fr einen Beitrag der Religionen zu einer Weltkultur gesehen, es wurde aber betont, dass alle fnf Weltreligionen beide Elemente, Inklusivitt und Exklusivitt in unterschiedlichem Ausma besitzen und von daher Mglichkeiten fr einen Beitrag zu einem Miteinander der Kulturen bieten. Die Frage des Symposions nach einer von den Religionen mitgetragenen Weltkultur konnte dahin gehend beantwortet werden, dass die Religionen alle das Potenzial mitbringen, am Aufbau einer Weltkultur mitzuwirken, dass aber gleichzeitig die Eigenarten der Religionen und lokalen kulturellen Traditionen weiter wesentlich bleiben mssen, um nicht in einen rein akademischen Universalismus abzugleiten, dessen Rckseite mglicherweise ein religiser und kultureller Fundamentalismus wre.

© Theresia Heimerl, Institut für Religionswissenschaft