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BetreuerIn *26.06.03

Rotstift und Hungertuch: Uni Graz beschließt Marsch nach Wien

Mit einer Protestversammlung in der Aula hat die Universität Graz am 26. Juni 2003 auf ihre äußerst prekäre Finanzlage aufmerksam gemacht. Entgegen aller Versprechungen gab das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kunst (bm:bwk) vergangene Woche Budgetkürzungen gegenüber dem Vorjahr von 6,2 Millionen Euro bekannt. Der Uni (ohne Medizinische Fakultät und Universitätssportinstitut) stehen also für 2003 95,3 Millionen Euro zur Verfügung, um 6,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig sind die Ausgaben im heurigen Jahr allein für das Personal um 2,6 Millionen Euro gestiegen, hinzu kommt die von der Regierung verordnete Implementierung des UG 2002 und die Ausgliederung der Medizin, die sich mit weiteren 1,2 Millionen Euro zu Buche schlagen. Praktisch ersatzlos gestrichen wurde den Universitäten seitens des bm:bwk die so genannte Uni-Milliarde, die aus einem Teil der Studiengebühren gespeist wird.

„Mit diesen Mitteln können wir Lehre und Forschung nicht mehr aufrecht erhalten", wies Franz Kappel, Vizerektor für Finanzen, auf den Ernst der Lage hin. Er hat auch einen sofortigen Investitionsstop verhängt. Da die Uni Graz im heurigen Jahr mit einem wesentlich höheren Budget kalkuliert hat, wären jetzt drastische Kürzungen vonnöten, um ein Defizit im heurigen Jahr zu vermeiden. „Wir befinden uns in der letzten Semesterwoche, können also jetzt in der Lehre nichts mehr einsparen. Um einem Minus zu entgehen, müssten wir die Vorlesungen und Seminare im kommenden Wintersemester um ein Viertel kürzen", so Kappel. Die Planung der Lehrveranstaltungen des nächsten Studienjahres musste am vergangenen 20. Juni bereits abgeschlossen sein. „Das neue Vorlesungsverzeichnis wird also lediglich ein Traumbuch sein", bilanzierte der Dekan der Geisteswissenschaften Walter Höflechner. Er rechnete vor, dass er an seiner Fakultät ein Drittel des Personals kündigen müsste, um nicht in die roten Zahlen zu geraten – was allerdings gesetzeswidrig wäre. Nicht mehr gesetzeskonform ist auch die Situation am Institut für Psychologie, wie der Vorstand Wolfgang Kallus schildert: „Eine externe Evaluierung hat ergeben, dass wir vier- bis sechsmal so viele ProfessorInnen benötigen würden. Aufgrund dieses Engpasses müssen Studierende oft länger als ein Jahr auf einen Seminarplatz warten – solche Verzögerungen sind eigentlich rechtlich nicht gedeckt."

Der neu gewählte ÖH-Vorsitzende Philipp Funovits sieht in den jüngsten Budgetkürzungen die Vorstufe zur totalen Privatisierung der Universitäten: „Zuerst versucht man, sich der Verantwortung, in weiterer Folge auch der Kosten zu entledigen. Der nächste Schritt wird eine totale Freigabe der Studiengebühren und ein De-facto-Aus des unbeschränkten Hochschulzugangs sein", warnt er. Symbolisch für die kritische Situation überreichte er Rektor Zechlin einen Rotstift für die anstehenden Kürzungen und ein Hungertuch. Die Studierendenvertreterin der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Angelika Utz stieß ins selbe Horn wie Funovits: „Das bm:bwk nennt sich auch Zukunftsministerium. Damit bringt es zum Ausdruck, dass es kein Interesse an der Bildung und Ausbildung von MaturantInnen hat." In ihrer Studienrichtung BWL sei die Lage ähnlich dramatisch wie an der Psychologie. „Man muss pro Semester acht Lehrveranstaltungen besuchen, um in Mindestzeit studieren zu können. Den AnfängerInnen im nächsten Jahr können allerdings lediglich vier garantiert werden, dann sind die Kapazitäten erschöpft.

Zum Abschluss der Veranstaltung in der Aula verfassten die zahlreichen Anwesenden geschlossen eine Protestresolution an das bm:bwk.

Foto: AI/Schweiger

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