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BetreuerIn *25.01.02

Personalmangel an der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Uni Graz
gefährdet den Studienbetrieb


„Kein Studienbetrieb für Neuzugänge der Studienrichtung Betriebswirtschaftslehre (BWL)” – dieses Schreckensszenario stellte die Sozial- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät (Sowi) an der Universität Graz für das kommende Wintersemester in Aussicht. "Mit dem zur Verfügung stehenden Personal können wir die Lehre nicht mehr im ausreichenden Maß und verantwortungsbewusst anbieten", begründet Sowi-Dekan Univ.-Prof. Dr. Lutz Beinsen.

Der Vergleich mit den übrigen Sowi-Fakultäten Österreichs belegt die schlechte Ausstattung der Grazer Fakultät: Mit 95 Studierenden pro Lehrenden bildet Graz das Schlusslicht, beträgt doch an den anderen Sowi-Fakultäten Österreichs das Betreuungsverhältnis durchschnittlich 68:1. Mit insgesamt 84 WissenschafterInnen weist die Grazer Sowi laut Hochschulbericht 1999 gerade die Hälfte an Lehrenden des österreichweiten Schnitts aus. Um das heimische Ausstattungsniveau zu gewährleisten, müsste der Personalstand um 40% angehoben werden.

„Die Belastung der drittgrößten Fakultät unserer Uni mit mehr als 4.900 Studierenden ist besonders groß. Die Lehrenden sind nachweislich um 75% mehr belastet als an den anderen österreichischen Sowi-Fakultäten. Der Hilferuf ist verständlich”, so Rektor Univ.-Prof. Dr. Lothar Zechlin. Er räumt aber ein, dass sich die Betreuungssituation von Studierenden in den letzten Jahren leicht verbessert habe. Dennoch hat Zechlin zur Unterstützung bereits 133.000 Ú (1,8 Millionen S, ca. eineindrittel AssistentInnen auf drei Jahre) intern umgeschichtet, um die gravierendsten Mängel zu beheben. In einem nächsten Schritt hat Zechlin der Fakultät eine zusätzliche vom bm:bwk bewilligte AssistentInnenstelle zugewiesen.

Außerdem verlangt der Rektor – im Sinne einer Sicherstellung des offenen Hochschulzugangs – zusätzliche Mittel vom Ministerium.Ein seitens der Fakultät entwickeltes Kapazitätanpassungsprojekt, das zusätzliche 34 Planstellen vorsieht, um durchschnittliche Betreuungsrelationen herzustellen, hat die Uni Graz bereits zweimal dem Ministerium vorgelegt. Verhandlungen sind bislang jedoch nicht erfolgt.
„Wir bestehen auf eine Gleichstellung mit den übrigen Sozial- und Wirtschaftswissenschaften”, so Zechlin und fordert für die Vergabe von Ressourcen ein indikatorengestütztes Modell, d.h. eine Bereitstellung von Geldmitteln nach der Anzahl von StudienanfängerInnen und AbsolventInnen. ”Nur so kann zukünftig die offensichtliche und extrem ungleiche Verteilung abgebaut werden.”

„Interessante und innovative Neuentwicklungen in den Studienrichtungen Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftspädagogik stoßen angesichts dieser Situation auf Probleme", ortet Ao.Univ-Prof. Dr. Ada Pellert, Vizerektorin für Lehre. Zukunftsorientierte Angebote und steigende Studierendenzahlen wie etwa für Soziologie verursachen aufgrund der Rahmenbedingungen paradoxerweise eher Sorge als Freude. Daher fordert Pellert: "Die Studienbeiträge müssen auch den besonders belastenden Studien zugute kommen. Die Vergabe darf nicht von einer ministeriellen Kommission abhängig sein.”