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Pressekonferenz der Universität Graz am 31. Jänner 2002,
Wien:
Selbstbewusst und aktiv ein eigenes Profil
erarbeiten
Vorreiterrolle der Universität Graz für strategische Entwicklung
Ziel
Die Universität Graz reagiert nicht lediglich auf Druck
von außen, sondern agiert, will die neuen Autonomiespielräume
selbst auszufüllen sowie ihre Zukunft aktiv und zuversichtlich
selbst gestalten, betonte Univ.-Prof. Dr. Lothar Zechlin,
Rektor der Universität Graz, in einer Presssekonferenz am 31.
Jänner 2002 in Wien. Daraus resultierend zeichnet sich die
Uni Graz als Universität aus, die sich den Herausforderungen
aktiv stellt und ihre Entwicklung selbst in die Hand nimmt. Für
den Diskussionsprozess haben wir uns ein Jahr Zeit genommen, damit
der Senat bis zum Sommer 2002 strategische Pläne zur Zukunft
der Uni Graz beschließen kann, erläuterte Zechlin
die Grazer Vorreiterrolle für ein österreichisches Gesamtkonzept
zur Uni-Entwicklung. So stehen im Rahmen der Profilbildung mehr
als nur Ausschnitte wie Südosteuropa, Standortfrage
von einzelnen Studienrichtungen, Lehramtsausbildung, Frauenförderung,
flächendeckende Forschungsevaluierung etc. im Mittelpunkt.
Es ist ein ganzheitlicher Prozess, der alle Bereiche und die
gesamte Organisation miteinschließt. Dazu wurden zudem
sechs Integrierte Universitätskommissionen eingerichtet, die
mit Unterstützung von Projektgruppen und mit Zustimmung des
Senats innovative Arbeitsprogramme entwickeln und abarbeiten.
Methode
Derzeit läuft an der zweitgrößten Universität
Österreichs ein breit angelegter Entwicklungsprozess, dessen
Ziel es ist, ein eigenes Profil herauszuarbeiten, das dem universitären
Selbstverständnis und den gesellschaftlichen Anforderungen
entspricht. In neun zentralen Leistungsbereichen Lehre, Forschung,
Wissenstransfer, Internationalisierung, Öffentlichkeitsarbeit,
Gleichstellung/Gleichbehandlung/Frauenförderung, Personalentwicklung,
Budget & Ressourcen, Organisationsentwicklung werden
die Zielsetzungen definiert.
Den Ausgangspunkt für die genannten Leistungsbereiche lieferten
zwei Großveranstaltungen, zu denen alle Uni-Angehörigen
zur eingeladen worden waren. Zusammengefasst in den Materialien
zur strategischen Entwicklung der Universität Graz stimmte
der Senat im November 2001 in einer ersten Lesung dieser Diskussionsgrundlage
zu.
Die Materialien, mit einer Analyse der Stärken,
Schwächen, Chancen und Risiken, stellen zurzeit die Basis für
das Gegenstromverfahren dar, in dem bis Mitte März
die sechs Fakultäten, Integrierten Universitätskommissionen,
Dienstleistungseinrichtungen Dienststellenausschüsse der Arbeitskreis
für Gleichbehandlungsfragen sowie der Universitätsbeirat
ihre Stellungnahmen abgeben. So ist gewährleistet, dass
die Entwicklung nicht von oben verordnet, sondern unter Beteiligung
aller Uni-Angehörigen auch von diesen selbst getragen wird,
unterstrich Zechlin. Damit setze die Uni Graz deutliche Signale,
die von der gewohnten Kuriendemokratie weg- und zu einem partizipativen
Management hinführen.
Mit Hearings von Studierenden und externen Stakeholdern VertreterInnen
aus Politik, Wirtschaft und Kultur werden zusätzliche
Aspekte in die Diskussion eingebracht. Die Strategiekonferenz der
Führungsebene im kommenden April bildet einen weiteren zentralen
Eckpfeiler und die Clearingstelle, um die Kommentare
und Äußerungen zu diskutieren und zusammenzuführen.
Interne Ziel- und Leistungsvereinbarungen
Bis zum Sommer 2002 werden schließlich die Zielsetzungen fest-
und dem Senat zum Beschluss vorgelegt. Daraus resultierend wird
die Universitätsleitung mit den Fakultäten und Dienstleistungseinrichtungen
Verhandlungen aufnehmen, um deren Leistungen zur Erreichung der
strategischen Ziele die internen Ziel- und Leistungsvereinbarungen
zu definieren. So wird einerseits eine Steuerung erreicht,
jedoch ohne zu straffe Führung der Uni-Leitung. Die dezentralen
Einrichtungen haben darin genügend Freiräume, wie sie
die Ziele erfüllen wollen, versicherte Rektor Zechlin.
In der Folge sollen gegen Ende des Jahres 2002 die internen Ziel-
und Leistungsvereinbarungen mit den Budgetzuweisungen für 2003
verknüpft werden.
Indikatorengestützte Mittelvergabe
Mit diesem genannten Verfahren entwickelt die Uni Graz einerseits
für sich selbst ein funktionierendes System, das andererseits
auf das Verhältnis zwischen Staat und Universitäten zu
übertragen ist. Wir stellen an die Politik die Anforderung,
mit den Universitäten in Ziel- und Leistungsvereinbarungen
zu treten, appellierte Zechlin. Und er fordert die Einführung
eines indikatorengestützten Modells für die Vergabe von
Ressourcen, d.h. eine Bereitstellung von Geldmitteln nach der Anzahl
von StudienanfängerInnen und AbsolventInnen. Nur so kann
zukünftig die oft extrem ungleiche Verteilung abgebaut werden.
Denn Bildung müsse weiterhin als öffentliche Aufgabe wahrgenommen
werden, daher sei auch in Zukunft die Politik ein wichtiger Partner.
Fit für den Wettbewerb
Am Ende des Prozesses wird eine gestärkte Universität
Graz stehen, die sich mit einem eigenen, unverwechselbaren Profil
selbstbewusst dem künftigen Wettbewerb mit den anderen Unis,
aber auch den Fachhochschulen und den neuen Privatuniversitäten
stellt. Zechlin bekräftigte: Die Uni Graz hat damit bewiesen,
dass sie auch den Anforderungen der künftigen Autonomie gewachsen
ist. Des Weiteren liefert die Uni Graz einen wesentlichen Beitrag
gegen die weit verbreitete öffentliche Meinung, Universitäten
seien nicht in der Lage selbstständig und aktiv zu agieren.
Im Zuge der Profilbildung werden ebenso die Angebote an Studienrichtungen
durchleuchtet. Vorrangig geht es auch um die Forschungsbereiche,
denn diese sind im Aufwand wesentlich intensiver, räumte
Ao.Univ.-Prof. Dr. Hans-Ludwig Holzer, Senatsvorsitzender der Uni
Graz, ein.
Dass eingeleitete Rationalisierungen Probleme verursachen werden,
ist sich Ao.Univ.-Prof. Dr. Peter Soyer, Vorsitzender der Integrierten
Universitätskommission Organisations-/Personalentwicklung,
bewusst. Er kann in der Debatte durchaus positive Züge erkennen:
Es wird damit erwünschte Unruhe erzeugt.
Die Voll-Universität muss gelebt werden, appellierte
Ao.Univ.-Prof. Dr. Ada Pellert, Vizerektorin für Lehre, Personalentwicklung
und Frauenförderung. Die Vernetzung von Fakultäten, Generationen
und Frauen seien in diesem Zusammenhang wesentliche Pfeiler. Die
Uni Graz ist dazu auf dem besten Weg und hat mit den Umweltsystemwissenschaften
und den Kulturwissenschaften bereits interdisziplinäre Angebote
auf die Beine gestellt.
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Rektor
Lothar Zechlin
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