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BetreuerIn 22.03.02


Rektor Zechlin warnt vor politischer Steuerung von Universitäten
Universitätsgesetz 2002 führt zu Rückgang von Autonomie!


„Abschied von der Voll-Universität? Verselbstständigung der Medizinischen Fakultät” – unter diesem Titel lud die Universität Graz am 21. März zu einer Podiumsdiskussion rund um die Debatte zur Gründung einer eigenen Medizinischen Universität Graz.


Eine vierte Universität soll demnächst in Graz entstehen. Sieht doch der Entwurf zum Universitätsgesetz 2002, dessen Begutachtung noch bis zum 19. April läuft, eigene Medizinische Universitäten in Graz, Innsbruck und Wien vor. Während die Innsbrucker Medizinische Fakultät eine Loslösung aus dem Uni-Verbund entschieden ablehnt, wird an der Universität Graz die Verselbstständigung der Medizin heftigst diskutiert. Trotz eines Beschlusses des Fakultätskollegiums, das sich mehrheitlich für die Errichtung einer eigenen Universität aussprach, gehen die Meinungen auch an der Fakultät selbst auseinander.
Zusätzlich zum laufenden Dialog zwischen Rektor Lothar Zechlin und Dekan Helmut Wurm veranstaltete das Ausseninstitut der Uni Graz am 21. März 2002 eine Podiumsdiskussion zum Thema „Abschied von der Voll-Universität? Verselbstständigung der Medizinischen Fakultät”.


„Die verlangte Kostenneutralität ist keineswegs gegeben”, warnte Rektor Lothar Zechlin. Dienstrechtliche und budgetäre im Entwurf zum Unigesetz 2002 enthaltene Probleme der Medizinischen Fakultät zu lösen, sei ein „Kinderspiel”. Zechlin ortete vielmehr die Eröffnung scheinbarer Sachzwänge, um die Medizinische Fakultät aus dem Uni-Verbund zu treiben. „Mit Hilfe des Universitätsrates, der bis zu 60% von der Regierung entsandt werden könnte, kann eine Medizinische Universität gesundheitspolitisch gesteuert werden”, kritisierte Zechlin. Angesichts des Entwurfes zum Universitätsgesetz 2002 ist überhaupt in wichtigen Bereichen – Budget, Personal sowie vor allem im Universitätsrat – ein Rückgang der Autonomie zu erwarten. Eine Sorge, die auch andere Diskutierende teilten und als eigentliche Ursache der entbrannten Debatte zur MedizinerInnen-Abspaltung vermuteten.
„Die Probleme, welche die gesamte Universität betreffen, werden völlig übersehen”, wunderte sich der Dekan der Medizinischen Fakultät, Helmut Wurm. Sei doch die Zerschlagung der Fakultäten in den Reformplänen die treibende Kraft für den Beschluss der Fakultät gewesen. Dennoch sei er für eine Prüfung aller Möglichkeiten. „Wenn die Sonderbstimmungen, die es jetzt für die Fakultät gibt, fortbestehen, bleiben wir im Uni-Verbund.”
Wenn auch nur vorerst theoretisch, Gedanken zur Verselbstständigung werden unterdessen auch an der Rechtwissenschaftlichen Fakultät diskutiert. „Die Gründe der Mediziner könnten auch für eine eigene juridische Universität sprechen”, bestätigte Fakultätskollegiumsvorsitzende Monika Hinteregger. Die Mediziner hätten die Probleme mit dem geplanten Universitätsgesetz – entstanden im Reformtaumel der Regierung – als erste erkannt. Hinteregger appellierte daher an die KollegInnen: „Wir müssen gemeinsam das Gesetz ändern!”
Als Nebenschauplatz ortete Walter Höflechner, Dekan der Geisteswissenschaftlichen Fakultät, die Diskussion rund um die Trennung: „Auch wenn die Debatte nach Analyse des Gesetzes rational nachvollziehbar ist.” Für Höflechner stellte sich vielmehr die Frage nach Identität und der Rolle der Universitäten: „Ist das Modell Universität obsolet?”
Eine Gefahr für die interfakultäre Zusammenarbeit und Kommunikation befürchtete Rudolf Zechner, Vorsitzender des Naturwissenschaftlichen Fakultätskollegiums und Motor des Zentrums für Molekulare Biowissenschaften, das beide Fakultäten eng miteinander verknüpft. Zum einen für die erfolgreichen fakultätsübergreifenden Forschungsbereiche, zum anderen für die Lehre wäre eine Trennung des Uni-Campus fatal. Eine Trennung, wie sie etwa Peter Soyer, stellvertretender Vorsitzender des Medizinischen Fakultätskollegiums, befürwortet. „Die Zusammenführung der klinischen und vorklinischen Bereiche ist ein wichtiger Punkt, wenn auch Vision.


Die Diskussion als Video (Real Player)

Online Diskussion-Forum
http://medizindiskussion.uni-graz.at/

 
Die Runde auf dem Podium (v.l.): Peter Soyer, Walter Höflechner, Helmut Wurm, Christian Reiser, Lothar Zechlin, Monika HInteregger, Rudolf Zechner.  

Foto: AI/Schweiger