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Rektor Zechlin warnt vor politischer Steuerung
von Universitäten
Universitätsgesetz 2002 führt zu Rückgang von Autonomie!
Abschied von der Voll-Universität? Verselbstständigung
der Medizinischen Fakultät unter diesem Titel
lud die Universität Graz am 21. März zu einer Podiumsdiskussion
rund um die Debatte zur Gründung einer eigenen Medizinischen
Universität Graz.
Eine vierte Universität soll demnächst in Graz entstehen.
Sieht doch der Entwurf zum Universitätsgesetz 2002, dessen
Begutachtung noch bis zum 19. April läuft, eigene Medizinische
Universitäten in Graz, Innsbruck und Wien vor. Während
die Innsbrucker Medizinische Fakultät eine Loslösung aus
dem Uni-Verbund entschieden ablehnt, wird an der Universität
Graz die Verselbstständigung der Medizin heftigst diskutiert.
Trotz eines Beschlusses des Fakultätskollegiums, das sich mehrheitlich
für die Errichtung einer eigenen Universität aussprach,
gehen die Meinungen auch an der Fakultät selbst auseinander.
Zusätzlich zum laufenden Dialog zwischen Rektor Lothar Zechlin
und Dekan Helmut Wurm veranstaltete das Ausseninstitut der Uni Graz
am 21. März 2002 eine Podiumsdiskussion zum Thema Abschied
von der Voll-Universität? Verselbstständigung der Medizinischen
Fakultät.
Die verlangte Kostenneutralität ist keineswegs gegeben,
warnte Rektor Lothar Zechlin. Dienstrechtliche und budgetäre
im Entwurf zum Unigesetz 2002 enthaltene Probleme der Medizinischen
Fakultät zu lösen, sei ein Kinderspiel. Zechlin
ortete vielmehr die Eröffnung scheinbarer Sachzwänge,
um die Medizinische Fakultät aus dem Uni-Verbund zu treiben.
Mit Hilfe des Universitätsrates, der bis zu 60% von der
Regierung entsandt werden könnte, kann eine Medizinische Universität
gesundheitspolitisch gesteuert werden, kritisierte Zechlin.
Angesichts des Entwurfes zum Universitätsgesetz 2002 ist überhaupt
in wichtigen Bereichen Budget, Personal sowie vor allem im
Universitätsrat ein Rückgang der Autonomie zu erwarten.
Eine Sorge, die auch andere Diskutierende teilten und als eigentliche
Ursache der entbrannten Debatte zur MedizinerInnen-Abspaltung vermuteten.
Die Probleme, welche die gesamte Universität betreffen,
werden völlig übersehen, wunderte sich der Dekan
der Medizinischen Fakultät, Helmut Wurm. Sei doch die Zerschlagung
der Fakultäten in den Reformplänen die treibende Kraft
für den Beschluss der Fakultät gewesen. Dennoch sei er
für eine Prüfung aller Möglichkeiten. Wenn
die Sonderbstimmungen, die es jetzt für die Fakultät gibt,
fortbestehen, bleiben wir im Uni-Verbund.
Wenn auch nur vorerst theoretisch, Gedanken zur Verselbstständigung
werden unterdessen auch an der Rechtwissenschaftlichen Fakultät
diskutiert. Die Gründe der Mediziner könnten auch
für eine eigene juridische Universität sprechen,
bestätigte Fakultätskollegiumsvorsitzende Monika Hinteregger.
Die Mediziner hätten die Probleme mit dem geplanten Universitätsgesetz
entstanden im Reformtaumel der Regierung als erste
erkannt. Hinteregger appellierte daher an die KollegInnen: Wir
müssen gemeinsam das Gesetz ändern!
Als Nebenschauplatz ortete Walter Höflechner, Dekan der Geisteswissenschaftlichen
Fakultät, die Diskussion rund um die Trennung: Auch wenn
die Debatte nach Analyse des Gesetzes rational nachvollziehbar ist.
Für Höflechner stellte sich vielmehr die Frage nach Identität
und der Rolle der Universitäten: Ist das Modell Universität
obsolet?
Eine Gefahr für die interfakultäre Zusammenarbeit und
Kommunikation befürchtete Rudolf Zechner, Vorsitzender des
Naturwissenschaftlichen Fakultätskollegiums und Motor des Zentrums
für Molekulare Biowissenschaften, das beide Fakultäten
eng miteinander verknüpft. Zum einen für die erfolgreichen
fakultätsübergreifenden Forschungsbereiche, zum anderen
für die Lehre wäre eine Trennung des Uni-Campus fatal.
Eine Trennung, wie sie etwa Peter Soyer, stellvertretender Vorsitzender
des Medizinischen Fakultätskollegiums, befürwortet. Die
Zusammenführung der klinischen und vorklinischen Bereiche ist
ein wichtiger Punkt, wenn auch Vision.
Die Diskussion als Video (Real Player)
Online
Diskussion-Forum
http://medizindiskussion.uni-graz.at/
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| Die
Runde auf dem Podium (v.l.): Peter Soyer, Walter Höflechner,
Helmut Wurm, Christian Reiser, Lothar Zechlin, Monika HInteregger,
Rudolf Zechner. |
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Foto:
AI/Schweiger
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