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BetreuerIn *05.06.02


Das neue Curriculum für Human- und Zahnmedizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Graz

Die Neuerungen für Medizin-Studium an der Universität Graz ab Herbst 2002 stellten in einer Pressekonferenz am 5. Juni 2002 folgende GesprächspartnerInnen vor:
- O.Univ.-Prof. DDr. Egon Marth, Leiter des Instituts für Hygiene
- O.Univ.-Prof. Dr. Gilbert Reibnegger, Studiendekan
- Ao.Univ.-Prof. Dr. Jörg Stein, Vorsitzender der Studienkommission
- Andreas Szeberenyi, Leiter der Studien- und Prüfungsabteilung
- Mag. Christine Thornton, Projektmanagerin des Curriculums
- Dekan Univ.-Prof. Dr. Helmut Wurm

Beginn des Studiums und Inskription

Der modulare Aufbau der neuen Curricula bedingt eine strenge zeitliche Koordination und Planung: So beginnen die Lehrveranstaltungen des ersten Moduls pünktlich am 1. Oktober 2002, dem ersten Tag des Wintersemesters 2002/03. Für eine ausreichende und frühzeitige Information sowie eine notwendige Aufteilung der Studierenden auf verschiedene Gruppen sind folgende Voraussetzungen entscheidend:
- Die Inskriptionsfrist beginnt bereits am 16. September 2002. Die zeitliche Reihenfolge der Inskriptionen ist jedoch für die Zuteilung von Plätzen nicht ausschlaggebend; dennoch sollten die Studierenden die Inskription im Laufe der zweiten Septemberhälfte durchführen, um termingerecht das Studium starten zu können.
- In der letzten Septemberwoche finden unter dem Titel „Erste Schritte in der Medizin“ bereits Veranstaltungen statt, die den Studierenden eine Übersicht über das Human- und Zahnmedizinstudium, die Berufsmöglichkeiten und die Fort- und Weiterbildung bieten:
Montag, 23. September 2002, 10.00 bis 13.00 Uhr
Dienstag, 24. September 2002, 10.00 bis 12.35 Uhr

Hepatitis B-Impfung

Da die Studierenden bereits am Beginn des Studiums im Rahmen des Stationspraktikums und der ärztlichen Hospitation mit realen Krankheitssituationen konfrontiert werden, ist zum Schutz vor einer Hepatitis B-Infektion, die über die akute Erkrankung hinaus schwerwiegende Langzeitfolgen nach sich ziehen kann, eine entsprechende Impfung unbedingt anzuraten. Um den Studierenden, die eine derartige Impfung noch nicht haben, den entsprechenden Impfschutz dennoch zeitgerecht anbieten zu können, wurde mit der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) und der Herstellerfirma des Impfpräparates vereinbart, dass sich Studierende ab sofort am Institut für Hygiene kostenlos gegen Hepatitis B impfen lassen können – wenn sie ernsthaft beabsichtigen, ab Oktober an der Medizinischen Fakultät der Uni Graz ein Human- oder Zahnmedizinstudium zu beginnen. Sollten sich Studierende im Rahmen dieser Aktion impfen lassen, aber dann doch nicht Medizin studieren, muss allerdings mit einer Rückforderung der Kosten gerechnet werden.
Um Terminvereinbarung am Institut für Hygiene unter der Telefonnummer 0316-380-7696 wird gebeten,
Studierende erhalten nach Durchführung der Impfung einen Impfpass, der bei der Inskription im Herbst unbedingt mitgebracht werden muss.

Das neue Curriculum unter der Lupe

Mit 1. Oktober 2002 wird an der Medizinischen Fakultät der Universität Graz, so wie an den beiden anderen Medizinischen Fakultäten in Wien und Innsbruck, ein neues Curriculum für Human- und Zahnmedizin in Betrieb gehen.
Im Gegensatz zur bisherigen Situation eines bundesweit einheitlichen Studienplanes erlaubt die derzeitige gesetzliche Situation den einzelnen Fakultäten – in einem gewissen Rahmen - durchaus eigenständige Gestaltungen des Curriculums.
Die Grazer Fakultät hat sich dieser Herausforderung in mehrfacher Hinsicht gestellt: In einem jahrelangen und von ausländischen Experten begleiteten Diskussionsprozess wurden die Grundzüge eines modernen Medizin-Curriculums erarbeitet. Diese intensive konzeptionelle Arbeit wurde flankierend von einer auf Initiative des damaligen Studiendekans, Univ.-Prof. Dr. Franz Ebner, mit Unterstützung der Österreichischen Nationalbank durchgeführten Ist-Stand-Analyse begleitet, deren fachliche Leitung von Univ.-Prof. Dr. Christiane Spiel, Institut für Psychologie der Universität Wien, übernommen wurde.


Folgende Grundsätze des neuen Curriculums ergaben sich aus dem internen Diskussionsprozess und der Ist-Stand-Analyse:

Inhaltliches Konzept

Das neue Medizin-Curriculum vermittelt den Studierenden theoretische Grundlagen und praktische Fertigkeiten in integrativer, themenzentrierter und patienten-orientierter Form auf der Basis des biopsychosozialen Modells.
Integrative und themenzentrierte Vermittelung des Lehrstoffes
Im Gegensatz zur bisherigen Fächerorientierung des Curriculums wird das Studium in fünfwöchige Module zerlegt, die sich jeweils einem Schwerpunktthema widmen, wobei mehrere Fächer ihre diesbezüglich relevanten Inhalte „vernetzt“ einbringen. Die Integration soll dabei nicht nur „horizontal“ (also etwa innerhalb der theoretischen Fächer oder innerhalb der klinischen Fächer) erfolgen, sondern auch „vertikal“: Klinische Inhalte sollen von Beginn an den Studierenden vermittelt werden, und die theoretischen Grundlagen sollen auch in den späteren, mehr klinisch orientierten Modulen eingebaut werden.

PatientInnenorientierung
Im neuen Curriculum wird der frühzeitigen Konfrontation mit der realen Arbeitswelt der Medizin besonderes Augenmerk geschenkt: Bereits im ersten Semester müssen alle Studierenden ein mehrwöchiges Stationspraktikum absolvieren, in welchem sie die Realität des Krankenhausalltags aus pflegerischer Sicht kennenlernen werden. Außerdem müssen sie eine Hospitation in psycho-sozialen Einrichtungen oder auch in Praxen von Allgemein- oder Fachärzten durchführen, wobei hier besonders auf die Kommunikation mit Patientinnen und Patienten Wert gelegt wird.
Das sechste Jahr des Curriculums ist ein echtes Praxisjahr; durch intensiven Unterricht am Krankenbett werden die künftigen Absolventinnen und Absolventen auf die eigentliche postpromotionelle ärztliche Ausbildung wesentlich intensiver und besser vorbereitet werden als es bisher der Fall ist.Innovative Lehrformen
Das neue Curriculum setzt verstärkt auf Kleingruppenunterricht zu Lasten der Frontalvorlesungen. Seminare und Übungen mit Anwesenheitspflicht werden die Studierenden stärker an die Lehrenden binden.
Problembasiertes Lernen soll zunehmend eingeführt werden und die Teamfähigkeit, die Selbstorganisierfähigkeit und die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen stärken.
Neue Medien werden ein gewichtiges Mittel zur Unterstützung des selbstverantwortlichen Lernens werden. Dazu wird an der Medizinischen Fakultät der Universität Graz derzeit ein aus Mitteln einer Initiative des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur (Projekt „Neue Medien in der Lehre“) gefördertes Projekt „Virtueller Campus Medizin“ durchgeführt, welches in einer fakultätsweiten Anstrengung ein Instrumentarium zur nachhaltigen IT-Unterstützung des neuen Curriculums Medizin erarbeitet.
Organisatorische Umsetzung
Die Umsetzung des inhaltlichen Konzeptes in die organisatorische Praxis wird derzeit von einem kleinen Team unter Leitung des Studiendekans, Univ.-Prof. Dr. Gilbert Reibnegger, unter aktiver und engagierter Mithilfe des Lehrkörpers der Fakultät betrieben. Die angesichts der zu erwartenden großen Zahl an Studienbeginnern nicht unerheblichen zeitlichen und räumlichen Organisationsprobleme sind praktisch gelöst; die Fakultät ist auf den 1. Oktober 2002 bestens vorbereitet.


„Das neue Curriculum ist eine große Chance für die medizinische Ausbildung“, hält Ao.Univ.-Prof. Dr. Ada Pellert, Vizerektorin für Lehre, Personalentwicklung und Frauenförderung der Uni Graz, fest. Gleichzeitig hofft sie, „dass über die Frage der organisatorischen Ausgliederung der Medizin dieses enorm wichtige Projekt nicht an Energie und Aufmerksamkeit verliert. Es steckt viel Arbeit und Zeit vieler engagierter Lehrender und Studierender in diesem neuen Studienplan.“ Bei gelungener Umsetzung stehe einem „qualitätsmäßigen Quantensprung“ nichts im Wege.
Pellert beurteilt des Weiteren die beendete Evaluierung des neuen Curriculums der Medizinischen Fakultät als vorbildhaft: „Wir hoffen, dass der Funke auf möglichst viele Fakultäten überspringt. Evaluierung hilft nicht nur bei der realistischen Einschätzung des Ist-Zustandes, sondern unterstützt – als begleitende Prozessevaluierung – auch den Prozess der Umsetzung von Innovationen."

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