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BetreuerIn * 05.12.01

Rektor Zechlin gegen eigene medizinische Hochschulen

Schwere Bedenken und Kritik hinsichtlich der Gründung eigener Medizinischer Hochschulen äußert Lothar Zechlin, Rektor der Universität Graz.
„Seit einem halben Jahr ist nun das vom bm:bwk finanzierte Gutachten ,Strukturen für die Hochschul-Medizin in Österreich‘ von Bernhard Fleckenstein (Universität Erlangen-Nürnberg) bekannt, das diese Pläne klar ablehnt”, so der Rektor der Universität Graz. Dieses, in den Medien mehrfach zitierte Gutachten, warnt „vor dem Fehlschluss, dass die Medizinischen Fakultäten aus den Universitäten komplett herausgelöst werden müssten”. Diese Herauslösung erschwere, so das Gutachten, die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit den forschungsintensiven Fächern, aber gerade die fakultätsübergreifende, interdisziplinäre Kooperation würde den innovativsten Anteil der medizinischen Forschung darstellen.

„Die Frage, ob eigene Medizinische Hochschulen geschaffen werden sollen, oder ob es weiterhin medizinische Fakultäten an den drei großen Unis in Wien, Graz und Innsbruck geben soll, ist von der Diskussion über die Vollrechtsfähigkeit der Universitäten völlig unabhängig”, stellt Rektor Zechlin fest: „Auch vollrechtsfähige Universitäten können medizinische Fakultäten haben, Medizinische Hochschulen können auch neben den Universitäten nach UOG 93 errichtet werden.”
Weiters erläutert der Grazer Uni-Rektor: „Die Universität Graz hat einen breit angelegten strategischen Entwicklungsprozess eingeleitet, in dessen Verlauf auch gemeinsame Studienangebote der Medizinischen und anderer Fakultäten diskutiert werden, z.B. ein Bachelor-Studium ,Life Science‘ gemeinsam mit der Naturwissenschaftlichen Fakultät. Diese zukunftsweisenden innovativen Kooperationen mehrerer Disziplinen sind innerhalb einer Universität leichter erreichbar als zwischen verschiedenen Organisationen.”

„Die Gründung eigener Medizinischer Hochschulen dürfte überdies sehr teuer werden”, so Zechlin, „weil neue Parallel- und Doppelstrukturen in den medizinnahen naturwissenschaftlichen Disziplinen sowie im Management-Bereich geschaffen werden müssten.” Das Ministerium sei an sich bestrebt, vorhandene Doppelstrukturen abzubauen, wie sich aus den Arbeiten der im Ministerium angesiedelten Gruppe „Profilentwicklung”, ergäbe. Die Herauslösung der Medizinischen Fakultät aus der Universität bedeute hingegen eine Verstärkung von Doppelgleisigkeiten.
Letztlich müsse man sich darüber auch im Klaren sein, dass durch diese Entwicklung die umfassende, ganzheitliche Ausbildung im Sinne der „universitas” zugunsten berufsspezifisch ausbildender Hochschulen geopfert werde. ”Ein solcher Prozess”, so Zechlin, „muss gründlich diskutiert werden und darf nicht in einer Nacht- und Nebelaktion beschlossen werden. Vor allem bedarf er einer längst fälligen Grundsatzentscheidung des Ministeriums, die politisch zu begründen und zu verantworten ist. Es kann nicht sein, dass jede Fakultät selbst entscheidet, ob sie eine eigene Hochschule werden will.”