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Rektor
Zechlin gegen eigene medizinische Hochschulen
Schwere Bedenken und Kritik hinsichtlich der Gründung eigener
Medizinischer Hochschulen äußert Lothar Zechlin, Rektor
der Universität Graz.
Seit einem halben Jahr ist nun das vom bm:bwk finanzierte
Gutachten ,Strukturen für die Hochschul-Medizin in Österreich
von Bernhard Fleckenstein (Universität Erlangen-Nürnberg)
bekannt, das diese Pläne klar ablehnt, so der Rektor
der Universität Graz. Dieses, in den Medien mehrfach zitierte
Gutachten, warnt vor dem Fehlschluss, dass die Medizinischen
Fakultäten aus den Universitäten komplett herausgelöst
werden müssten. Diese Herauslösung erschwere, so
das Gutachten, die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit den forschungsintensiven
Fächern, aber gerade die fakultätsübergreifende,
interdisziplinäre Kooperation würde den innovativsten
Anteil der medizinischen Forschung darstellen.
Die Frage, ob eigene Medizinische Hochschulen geschaffen werden
sollen, oder ob es weiterhin medizinische Fakultäten an den
drei großen Unis in Wien, Graz und Innsbruck geben soll, ist
von der Diskussion über die Vollrechtsfähigkeit der Universitäten
völlig unabhängig, stellt Rektor Zechlin fest: Auch
vollrechtsfähige Universitäten können medizinische
Fakultäten haben, Medizinische Hochschulen können auch
neben den Universitäten nach UOG 93 errichtet werden.
Weiters erläutert der Grazer Uni-Rektor: Die Universität
Graz hat einen breit angelegten strategischen Entwicklungsprozess
eingeleitet, in dessen Verlauf auch gemeinsame Studienangebote der
Medizinischen und anderer Fakultäten diskutiert werden, z.B.
ein Bachelor-Studium ,Life Science gemeinsam mit der Naturwissenschaftlichen
Fakultät. Diese zukunftsweisenden innovativen Kooperationen
mehrerer Disziplinen sind innerhalb einer Universität leichter
erreichbar als zwischen verschiedenen Organisationen.
Die
Gründung eigener Medizinischer Hochschulen dürfte überdies
sehr teuer werden, so Zechlin, weil neue Parallel- und
Doppelstrukturen in den medizinnahen naturwissenschaftlichen Disziplinen
sowie im Management-Bereich geschaffen werden müssten.
Das Ministerium sei an sich bestrebt, vorhandene Doppelstrukturen
abzubauen, wie sich aus den Arbeiten der im Ministerium angesiedelten
Gruppe Profilentwicklung, ergäbe. Die Herauslösung
der Medizinischen Fakultät aus der Universität bedeute
hingegen eine Verstärkung von Doppelgleisigkeiten.
Letztlich müsse man sich darüber auch im Klaren sein,
dass durch diese Entwicklung die umfassende, ganzheitliche Ausbildung
im Sinne der universitas zugunsten berufsspezifisch
ausbildender Hochschulen geopfert werde. Ein solcher Prozess,
so Zechlin, muss gründlich diskutiert werden und darf
nicht in einer Nacht- und Nebelaktion beschlossen werden. Vor allem
bedarf er einer längst fälligen Grundsatzentscheidung
des Ministeriums, die politisch zu begründen und zu verantworten
ist. Es kann nicht sein, dass jede Fakultät selbst entscheidet,
ob sie eine eigene Hochschule werden will.
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