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BetreuerIn * 28.09.01

Uni Graz beleuchtete in Podiumsdiskussion Terrorakte in den USA

Als Reaktion auf die Terroranschläge in den USA und der aktuellen weltpolitischen Ereignisse hatte Rektor Lothar Zechlin am 27. September 2001 zu einer Podiumsdiskussion „Krieg & Terror – Angriff auf Demokratie und Ökonomie?” eingeladen, um mit anerkannten ExpertInnen die Situation einer wissenschaftlichen Betrachtung zu unterziehen.
Auf dem Podium:
- Ao.Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Benedek, Inst. f. Völkerrecht und Internationale Beziehungen
- Ass.-Prof. DDr. Renate Kicker, Inst. f. Völkerrecht und Internationale Beziehungen
- O.Univ.-Prof. Dr. Helmut Konrad, Inst. f. Geschichte
- Ao.Univ.-Prof. Dr. Karl Prenner, Inst. f. Religionswissenschaft
- Mag. Angelika Vauti, Afro-Asiatisches Institut
- Univ.-Ass. Dr. Gerhard Wohlfahrt, Inst. f. Volkswirtschaftslehre
- Univ. Prof. Dr. Lothar Zechlin, Rektor der Universität Graz

Moderation: O.Univ.-Prof. Dr. Karl Kaser

Rektor Lothar Zechlin und Renate Kicker
Karl Prenner, Angelika Vauti, Helmut Konrad (v.l.)
Wolfgang Benedek (l.), Gerhard Wohlfahrt
Moderator Karl Kaser

Fotos: Ausseninstitut/Schweiger

„Die Uni-Angehörigen haben die Terroranschläge in den USA mit Schock, Wut, Trauer, aber auch mit Hilflosigkeit aufgenommen”, leitete Rektor Lothar Zechlin die Diskussion ein und erklärte das Motiv für die Veranstaltung: „Die Universitäten haben eine gesellschaftsverändernde, also auch eine politische Aufgabe.” Es ginge jedoch nicht um persönliche, sondern um eine wissenschaftliche Betrachtung. „Es hat sich eine Fülle an Fragen ergeben, wozu die Universität prädestiniert ist, sich damit auseinanderzusetzen.” Ein Spektrum, das die Uni Graz mit ihren sechs Fakultäten im Zuge der Podiumsdiskussion deutlich veranschaulichte.
Zeithistoriker Helmut Konrad unterstrich die Symbolkraft der Anschläge: „Das Pentagon steht für die militärische Stärke, das World Trade Center für den Kapitalismus und die vermutlich geplante Attacke auf Camp David für die Außenpolitik.” Diese Symbolik sei in der Geschichte des Terrors neu. „Das ist die Einleitung eines neuen Zeitabschnittes.”

Die völkerrechtliche Perspektive beleuchtete Renate Kicker. „Die Terrorakte wurden wie staatliche Angriffe, die das absolute Gewaltverbot verletzten, behandelt. Das Problem besteht nur darin, dass die Akte keinem Staat eindeutig zuordenbar sind.” Doch der UN-Sicherheitsrat stelle terroristische Anschläge als Bedrohung des internationalen Friedens dar und anerkenne das natürliche Recht auf individuelle und kollektive Selbstverteidigung als Reaktion darauf. Kicker konkretisierte: „Lediglich ein gezielter Angriff gegen die Terroristen selbst zur Abwehr einer weiteren Bedrohung und keinesfalls ein allgemeiner Vergeltungsschlag ist legitim.”
Die Anschläge selbst hätten keine direkten Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation, räumte Volkswirt Gerhard Wohlfahrt. Die tatsächliche Schadenssumme sei vergleichsweise gering, der Wiederaufbau – zynisch betrachtet – unter Umständen sogar konjunkturfördernd. „Die sinkenden Aktienkurse der Fluggesellschaften haben sich schon vorher angekündigt. Die Anschläge könnten nun zu einer Steigerung der Technologieaktien, etwa im Bereich Videokonferenzen oder etwa der Bauwirtschaft führen.”
Islamwissenschafter Karl Prenner wies die Theorie vom Kampf der Kulturen als zu vereinfachend zurück. „Denn der Islam selbst ist Träger verschiedener Kulturen.” Das muslimische Recht spräche sich im Übrigen gegen den mittelalterliche Jihad. „Diesen können auch nicht Einzelpersonen, sondern nur Staaten ausrufen. Ebenso nicht gegen einen Staat wie die USA, wo Muslime ihre Religion frei ausüben können.” Das Problem sei, dass der politische Islam keine einheitliche Größe und viele Strukturen aufweise.
An der Universität Graz studieren etwa 400 Muslime, schätzte Angelika Vauti vom Afro-Asiatischen Institut. „Die Befindlichkeiten reichen von Abscheu über Angst bis hin Hilflosigkeit”, gab Vauti das Stimmungsbild wieder und forderte alle zum verstärkten Dialog auf.

Die ganz große Provokation mit dem Ziel einen Dritten Weltkrieg in Gang zu bringen, ortete Völkerrechtsexperte Wolfgang Benedek als Hintergrund des Terrors. Zur Deeskalation meinte er: „Die vorhandenen Militärdoktrinen sind immer weniger dafür geeignet, derartige Konflikte in den Griff zu bekommen. Es gibt kaum erklärte Kriege, vielmehr neue Gefahren wie Drogen, Organhandel und Terror.” Die vielfach soziale Problematik verlange neue Antworten. „Das Militär muss sich daher umorientieren.” Wichtig sei es, die Wurzeln des Terrors anzupacken. Hinsichtlich der Menschenrechte stellte Benedek fest, dass der Wert auf „Freiheit vor Furcht” (freedom of fear) verloren gegangen sei. Damit bestehe das Risiko auf Einschränkung der persönlichen Sicherheit und Freiheit.
In der anschließenden lebendigen Diskussion mit dem Publikum – geleitet von Moderator Karl Kaser – wurden unter anderem Themen wie die Kommunikationsverweigerung mit Asien und Afrika, soziale Ungleichheit sowie rechtsstaatliche Aspekte beleuchet.