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Uni
Graz beleuchtete in Podiumsdiskussion Terrorakte in den USA
Als
Reaktion auf die Terroranschläge in den USA und der aktuellen
weltpolitischen Ereignisse hatte Rektor Lothar Zechlin am 27. September
2001 zu einer Podiumsdiskussion Krieg & Terror
Angriff auf Demokratie und Ökonomie? eingeladen, um mit
anerkannten ExpertInnen die Situation einer wissenschaftlichen Betrachtung
zu unterziehen.
Auf dem Podium:
- Ao.Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Benedek, Inst. f. Völkerrecht
und Internationale Beziehungen
- Ass.-Prof. DDr. Renate Kicker, Inst. f. Völkerrecht und Internationale
Beziehungen
- O.Univ.-Prof. Dr. Helmut Konrad, Inst. f. Geschichte
- Ao.Univ.-Prof. Dr. Karl Prenner, Inst. f. Religionswissenschaft
- Mag. Angelika Vauti, Afro-Asiatisches Institut
- Univ.-Ass. Dr. Gerhard Wohlfahrt, Inst. f. Volkswirtschaftslehre
- Univ. Prof. Dr. Lothar Zechlin, Rektor der Universität Graz
Moderation: O.Univ.-Prof. Dr. Karl Kaser
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Rektor
Lothar Zechlin und Renate Kicker
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Karl
Prenner, Angelika Vauti, Helmut Konrad (v.l.)
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Wolfgang
Benedek (l.), Gerhard Wohlfahrt
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Moderator
Karl Kaser
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Fotos:
Ausseninstitut/Schweiger
Die
Uni-Angehörigen haben die Terroranschläge in den USA mit
Schock, Wut, Trauer, aber auch mit Hilflosigkeit aufgenommen,
leitete Rektor Lothar Zechlin die Diskussion ein und erklärte
das Motiv für die Veranstaltung: Die Universitäten
haben eine gesellschaftsverändernde, also auch eine politische
Aufgabe. Es ginge jedoch nicht um persönliche, sondern
um eine wissenschaftliche Betrachtung. Es hat sich eine Fülle
an Fragen ergeben, wozu die Universität prädestiniert
ist, sich damit auseinanderzusetzen. Ein Spektrum, das die
Uni Graz mit ihren sechs Fakultäten im Zuge der Podiumsdiskussion
deutlich veranschaulichte.
Zeithistoriker Helmut Konrad unterstrich die Symbolkraft der Anschläge:
Das Pentagon steht für die militärische Stärke,
das World Trade Center für den Kapitalismus und die vermutlich
geplante Attacke auf Camp David für die Außenpolitik.
Diese Symbolik sei in der Geschichte des Terrors neu. Das
ist die Einleitung eines neuen Zeitabschnittes.
Die völkerrechtliche Perspektive beleuchtete Renate Kicker.
Die Terrorakte wurden wie staatliche Angriffe, die das absolute
Gewaltverbot verletzten, behandelt. Das Problem besteht nur darin,
dass die Akte keinem Staat eindeutig zuordenbar sind. Doch
der UN-Sicherheitsrat stelle terroristische Anschläge als Bedrohung
des internationalen Friedens dar und anerkenne das natürliche
Recht auf individuelle und kollektive Selbstverteidigung als Reaktion
darauf. Kicker konkretisierte: Lediglich ein gezielter Angriff
gegen die Terroristen selbst zur Abwehr einer weiteren Bedrohung
und keinesfalls ein allgemeiner Vergeltungsschlag ist legitim.
Die Anschläge selbst hätten keine direkten Auswirkungen
auf die wirtschaftliche Situation, räumte Volkswirt Gerhard
Wohlfahrt. Die tatsächliche Schadenssumme sei vergleichsweise
gering, der Wiederaufbau zynisch betrachtet unter
Umständen sogar konjunkturfördernd. Die sinkenden
Aktienkurse der Fluggesellschaften haben sich schon vorher angekündigt.
Die Anschläge könnten nun zu einer Steigerung der Technologieaktien,
etwa im Bereich Videokonferenzen oder etwa der Bauwirtschaft führen.
Islamwissenschafter Karl Prenner wies die Theorie vom Kampf der
Kulturen als zu vereinfachend zurück. Denn der Islam
selbst ist Träger verschiedener Kulturen. Das muslimische
Recht spräche sich im Übrigen gegen den mittelalterliche
Jihad. Diesen können auch nicht Einzelpersonen, sondern
nur Staaten ausrufen. Ebenso nicht gegen einen Staat wie die USA,
wo Muslime ihre Religion frei ausüben können. Das
Problem sei, dass der politische Islam keine einheitliche Größe
und viele Strukturen aufweise.
An der Universität Graz studieren etwa 400 Muslime, schätzte
Angelika Vauti vom Afro-Asiatischen Institut. Die Befindlichkeiten
reichen von Abscheu über Angst bis hin Hilflosigkeit,
gab Vauti das Stimmungsbild wieder und forderte alle zum verstärkten
Dialog auf.
Die ganz große Provokation mit dem Ziel einen Dritten Weltkrieg
in Gang zu bringen, ortete Völkerrechtsexperte Wolfgang Benedek
als Hintergrund des Terrors. Zur Deeskalation meinte er: Die
vorhandenen Militärdoktrinen sind immer weniger dafür
geeignet, derartige Konflikte in den Griff zu bekommen. Es gibt
kaum erklärte Kriege, vielmehr neue Gefahren wie Drogen, Organhandel
und Terror. Die vielfach soziale Problematik verlange neue
Antworten. Das Militär muss sich daher umorientieren.
Wichtig sei es, die Wurzeln des Terrors anzupacken. Hinsichtlich
der Menschenrechte stellte Benedek fest, dass der Wert auf Freiheit
vor Furcht (freedom of fear) verloren gegangen sei. Damit
bestehe das Risiko auf Einschränkung der persönlichen
Sicherheit und Freiheit.
In der anschließenden lebendigen Diskussion mit dem Publikum
geleitet von Moderator Karl Kaser wurden unter anderem
Themen wie die Kommunikationsverweigerung mit Asien und Afrika,
soziale Ungleichheit sowie rechtsstaatliche Aspekte beleuchet.
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