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Frauen
äußerst kreativ bei Hochschulentwicklung
Bilanz zur 6. Wissenschafterinnentagung
Ada
Pellert, Vizrektorin für Lehre, Personalentwicklung und
Frauenförderung, zieht nach der 6. österreichischen Wissenschaftlerinnen-Tagung
vom 28.2. 2.3. in Graz Bilanz:
Wir
haben ihr bewusst den Titel Frauenförderung=Hochschulreform!
gegeben, um zum Ausdruck zu bringen, dass eine Modernisierung der
Hochschulen nur dann gelingen wird, wenn wir auch die Potenziale
und Leistungen von Frauen an Universitäten und in der Wissenschaft
adäquater zum Ausdruck bringen.
Im ganzen deutschsprachigen Raum wird darüber nachgedacht,
wie man die Repräsentanz von Frauen insbesondere in den höheren
Rängen der Universität verbessern kann. Daher haben wir
Kolleginnen aus Deutschland und der Schweiz eingeladen, um zu hören,
von welchen Strategien und Maßnahmen, Erfolgen und Misserfolgen
anderorts zu berichten ist. Es gilt die neuen Ansätze und Instrumente
der Hochschulentwicklung Evaluation, Personalentwicklung,
Budgetsteuerung - für das Ziel der Frauenförderung zu
nützen und einzusetzen. Gerade über das Budget Anreize
für die Frauenförderung zu setzen, wurde als kompatibel
mit den neuen Steuerungsmodellen im Hochschulbereich gesehen. Es
wurde die Erarbeitung eines ebenso einfachen wie wirksamen Indikatormodells
noch in diesem Frühjahr (basierend auf österreichischen
Vorarbeiten mit Unterstützung deutscher Kolleginnen) vereinbart,
so dass nicht nur die Budgeterteilung innerhalb der Hochschulen
einen entsprechenden Indikator enthält, sondern auch die zukünftige
Mittelvergabe zwischen dem Staat und den Universitäten. In
diesem Zusammenhang zeigte sich auch, dass sich Frauen äußerst
kreativ mit den neuen Formen der Hochschulentwicklung auseinandersetzen,
zum Teil interessierter und offener als ihre männlichen Kollegen,
vielleicht auch weil sie weniger zu verlieren haben. Sorgen macht
allerdings, dass im Zuge der Autonomie die erreichten rechtlichen
Standards der Frauenförderung gesenkt werden könnten.
Das Bundesgleichbehandlungsgesetz müßte daher beibehalten
werden. Gender-Mreaming, das ja die Universität auf ihrem
Weg in die Vollrechtsfähigkeit begleiten soll, wird zwar im
Sinne der Durchdringung aller Strukturen und Prozesse als prinzipiell
sinnvoller Ansatz gesehen, ersetzt aber keinesfalls explizite Frauenförderung
das wurde auch im Laufe dieser Tagung mehr als deutlich.
Berufs- und Karriereplanung sollte bereits während des Studiums
einsetzen, denn es zeigte sich, dass bereits Studentinnen bei der
Entwicklung einer eigenen beruflichen Lebensperspektive Unterstützung,
Orientierung und Ermutigung brauchen und zwar in allen Studienrichtungen.
Rahmenbedingungen für weibliche Karriereverläufe müssen
modifiziert werden und frauenspezifische Formen der Personalentwicklung
zur Anwendung kommen. Unterstützung über Mentoring und
Coaching sind hier genauso hilfreich wie politisch-institutionelle
Lösungen zur Vereinbarkeit von privaten und beruflichen(Betreuungs-)Pflichten.
Hilfreich sind auch Kooperationen, Arbeitsgruppen und Netzwerke
zwischen Gleichgesinnten, im Bewusstsein, dass Netzwerke bilden
auch wichtige Arbeit ist.
Die Durchlässigkeit der Universitäten gilt es auch zu
fördern. Gerade Frauen arbeiten wissenschaftlich oft auf neuen
Gebieten, die zwischen dem Innen und Außen
der Universität angesiedelt sind. Außeruniversitäre
Wissenschaft hat multiple Formen und Themen entwickelt, die ebenfalls
innovative Impulse für die Universitäten bieten. Der wissenschaftliche
Nachwuchs befindet sich ebenfalls immer stärker im außeruniversitären
Bereich, da die Universitäten wenig neue Stellen und wenig
Personalfluktuation haben. Die Gestaltung befriedigender Kooperationsbeziehungen
an dieser Schnittstelle zwischen innen und außen ist auch
eine wichtige Aufgabe universitärer Personalentwicklung. Für
die Forschungsförderung ist es wiederum ein Ziel, dass Gleichstellung
als wichtiges Kriterium für Auftragsvergaben, Basissubventionen,
ExpertInnenentsendung, Projektleitungsfunktionen beachtet wird.
Es kann nicht angehen, dass Frauen auch in Wissenschaft und Universität
vor allem die billigen, ungesicherten Arbeitsplätze innehaben.
Die neuen Themen und Aufgaben, die die Hochschulreform den Universitäten
gebracht hat, haben auch ein Fülle von neuen Arbeitsplätzen
im wissenschaftsstützenden Dienstleistungsbereich entstehen
lassen, die überwiegend von Frauen bekleidet werden
Evaluation, Öffentlichkeitsarbeit, Internationalisierung, Personalentwicklung
etc. Auch für die administrativ-managenden Bereiche gilt es
zukunftsträchtige Laufbahnmodelle für Frauen zu entwickeln
und sie nicht in berufliche Sackgassen zu führen unter vorheriger
Ausnutzung ihrer Pionierenergie und ihres reichlichen Institutionenwissens
über die männerdominierte Organisation Universität.
Zur wissenschaftlichen Selbstaufklärung kann auch die Frauen-
und Geschlechterforschung viele Beiträge leisten. Insbesondere
ihr kritisches Wissenschaftsverständnis beinhaltet wichtige
Innovationsimpulse für die wissenschaftlichen Disziplinen und
sollte flächendeckend im Sinne wissenschaftlicher Reflexivität
in allen Studienplänen verankert werden. Da Studienplanerstellung
ein Feilschen um knappe fachliche Territorien ist, bedarf es hier
auch der Unterstützung durch die Universitätsleitung und
das Ministerium.
Und natürlich müssen die überwiegend männlichen
universitären Führungskräfte für die Fragen
der Frauen gewonnen werden. Im Sinne der Nachhaltigkeit der Bemühungen
wird es kaum ausreichen, wenn Frauen Frauen erzählen, was man
für Frauen tun muss. Führungskräfte müssen auf
ihre diesbezüglichen Dienstpflichten eindrücklich hingewiesen
werden. Es müssen vielfältige Versuche unternommen und
Formen gefunden werden, damit diese den Zusammenhang zwischen der
Frage der Frauenförderung und der Qualitätsentwicklung
an den Hochschulen entdecken. Es geht letztlich um die generelle
Fähigkeit der Wissenschaft, sich neuen gesellschaftlichen Fragen
und Entwicklungen zu stellen. In vielen Fachbereichen erleben wir
zur Zeit, wie durch weibliche Forscherinnen neue Fragen gestellt
und äußerst kreative Beiträge zur wissenschaftlichen
Weiterentwicklung geleistet werden und Disziplinen befähigt
werden, sich neuen, bislang vernachlässigten Fragen zu öffnen.
Es bedarf einer Mischung von Instrumenten und Zugängen. Recht,
Information, Bewusstseinsbildung, Geld und gute Pilotprojekte sind
einander ergänzende Medien und Maßnahmen. Drei während
der Tagung präsentierte und vom Europäischen Sozialfonds
und dem österreichischen Ministerium geförderte Projekte
zur frauenspezifischer Personalentwicklung über Mentoring,
Coaching, Weiterbildung und Infrastrukturmaßnahmen für
wissenschaftliches Arbeiten waren diesbezüglich durch ihren
intelligenten Policy-Mix äußerst ermutigend.
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