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BetreuerIn * 12.03.01

„Frauen äußerst kreativ bei Hochschulentwicklung” – Bilanz zur 6. Wissenschafterinnentagung

Ada Pellert, Vizrektorin für Lehre, Personalentwicklung und Frauenförderung, zieht nach der 6. österreichischen Wissenschaftlerinnen-Tagung vom 28.2. – 2.3. in Graz Bilanz:

Wir haben ihr bewusst den Titel „Frauenförderung=Hochschulreform!” gegeben, um zum Ausdruck zu bringen, dass eine Modernisierung der Hochschulen nur dann gelingen wird, wenn wir auch die Potenziale und Leistungen von Frauen an Universitäten und in der Wissenschaft adäquater zum Ausdruck bringen.
Im ganzen deutschsprachigen Raum wird darüber nachgedacht, wie man die Repräsentanz von Frauen insbesondere in den höheren Rängen der Universität verbessern kann. Daher haben wir Kolleginnen aus Deutschland und der Schweiz eingeladen, um zu hören, von welchen Strategien und Maßnahmen, Erfolgen und Misserfolgen anderorts zu berichten ist. Es gilt die neuen Ansätze und Instrumente der Hochschulentwicklung – Evaluation, Personalentwicklung, Budgetsteuerung - für das Ziel der Frauenförderung zu nützen und einzusetzen. Gerade über das Budget Anreize für die Frauenförderung zu setzen, wurde als kompatibel mit den neuen Steuerungsmodellen im Hochschulbereich gesehen. Es wurde die Erarbeitung eines ebenso einfachen wie wirksamen Indikatormodells noch in diesem Frühjahr (basierend auf österreichischen Vorarbeiten mit Unterstützung deutscher Kolleginnen) vereinbart, so dass nicht nur die Budgeterteilung innerhalb der Hochschulen einen entsprechenden Indikator enthält, sondern auch die zukünftige Mittelvergabe zwischen dem Staat und den Universitäten. In diesem Zusammenhang zeigte sich auch, dass sich Frauen äußerst kreativ mit den neuen Formen der Hochschulentwicklung auseinandersetzen, zum Teil interessierter und offener als ihre männlichen Kollegen, vielleicht auch weil sie weniger zu verlieren haben. Sorgen macht allerdings, dass im Zuge der Autonomie die erreichten rechtlichen Standards der Frauenförderung gesenkt werden könnten. Das Bundesgleichbehandlungsgesetz müßte daher beibehalten werden. Gender-Mreaming, das ja die Universität auf ihrem Weg in die Vollrechtsfähigkeit begleiten soll, wird zwar im Sinne der Durchdringung aller Strukturen und Prozesse als prinzipiell sinnvoller Ansatz gesehen, ersetzt aber keinesfalls explizite Frauenförderung – das wurde auch im Laufe dieser Tagung mehr als deutlich.

Berufs- und Karriereplanung sollte bereits während des Studiums einsetzen, denn es zeigte sich, dass bereits Studentinnen bei der Entwicklung einer eigenen beruflichen Lebensperspektive Unterstützung, Orientierung und Ermutigung brauchen – und zwar in allen Studienrichtungen. Rahmenbedingungen für weibliche Karriereverläufe müssen modifiziert werden und frauenspezifische Formen der Personalentwicklung zur Anwendung kommen. Unterstützung über Mentoring und Coaching sind hier genauso hilfreich wie politisch-institutionelle Lösungen zur Vereinbarkeit von privaten und beruflichen(Betreuungs-)Pflichten. Hilfreich sind auch Kooperationen, Arbeitsgruppen und Netzwerke zwischen Gleichgesinnten, im Bewusstsein, dass Netzwerke bilden auch wichtige Arbeit ist.
Die Durchlässigkeit der Universitäten gilt es auch zu fördern. Gerade Frauen arbeiten wissenschaftlich oft auf neuen Gebieten, die zwischen dem „Innen” und „Außen” der Universität angesiedelt sind. Außeruniversitäre Wissenschaft hat multiple Formen und Themen entwickelt, die ebenfalls innovative Impulse für die Universitäten bieten. Der wissenschaftliche Nachwuchs befindet sich ebenfalls immer stärker im außeruniversitären Bereich, da die Universitäten wenig neue Stellen und wenig Personalfluktuation haben. Die Gestaltung befriedigender Kooperationsbeziehungen an dieser Schnittstelle zwischen innen und außen ist auch eine wichtige Aufgabe universitärer Personalentwicklung. Für die Forschungsförderung ist es wiederum ein Ziel, dass Gleichstellung als wichtiges Kriterium für Auftragsvergaben, Basissubventionen, ExpertInnenentsendung, Projektleitungsfunktionen beachtet wird. Es kann nicht angehen, dass Frauen auch in Wissenschaft und Universität vor allem die billigen, ungesicherten Arbeitsplätze innehaben.
Die neuen Themen und Aufgaben, die die Hochschulreform den Universitäten gebracht hat, haben auch ein Fülle von neuen Arbeitsplätzen im wissenschaftsstützenden Dienstleistungsbereich entstehen lassen, die überwiegend von Frauen bekleidet werden – Evaluation, Öffentlichkeitsarbeit, Internationalisierung, Personalentwicklung etc. Auch für die administrativ-managenden Bereiche gilt es zukunftsträchtige Laufbahnmodelle für Frauen zu entwickeln und sie nicht in berufliche Sackgassen zu führen unter vorheriger Ausnutzung ihrer Pionierenergie und ihres reichlichen Institutionenwissens über die männerdominierte Organisation Universität. Zur wissenschaftlichen Selbstaufklärung kann auch die Frauen- und Geschlechterforschung viele Beiträge leisten. Insbesondere ihr kritisches Wissenschaftsverständnis beinhaltet wichtige Innovationsimpulse für die wissenschaftlichen Disziplinen und sollte flächendeckend im Sinne wissenschaftlicher Reflexivität in allen Studienplänen verankert werden. Da Studienplanerstellung ein Feilschen um knappe fachliche Territorien ist, bedarf es hier auch der Unterstützung durch die Universitätsleitung und das Ministerium.
Und natürlich müssen die überwiegend männlichen universitären Führungskräfte für die Fragen der Frauen gewonnen werden. Im Sinne der Nachhaltigkeit der Bemühungen wird es kaum ausreichen, wenn Frauen Frauen erzählen, was man für Frauen tun muss. Führungskräfte müssen auf ihre diesbezüglichen Dienstpflichten eindrücklich hingewiesen werden. Es müssen vielfältige Versuche unternommen und Formen gefunden werden, damit diese den Zusammenhang zwischen der Frage der Frauenförderung und der Qualitätsentwicklung an den Hochschulen entdecken. Es geht letztlich um die generelle Fähigkeit der Wissenschaft, sich neuen gesellschaftlichen Fragen und Entwicklungen zu stellen. In vielen Fachbereichen erleben wir zur Zeit, wie durch weibliche Forscherinnen neue Fragen gestellt und äußerst kreative Beiträge zur wissenschaftlichen Weiterentwicklung geleistet werden und Disziplinen befähigt werden, sich neuen, bislang vernachlässigten Fragen zu öffnen.

Es bedarf einer Mischung von Instrumenten und Zugängen. Recht, Information, Bewusstseinsbildung, Geld und gute Pilotprojekte sind einander ergänzende Medien und Maßnahmen. Drei während der Tagung präsentierte und vom Europäischen Sozialfonds und dem österreichischen Ministerium geförderte Projekte zur frauenspezifischer Personalentwicklung über Mentoring, Coaching, Weiterbildung und Infrastrukturmaßnahmen für wissenschaftliches Arbeiten waren diesbezüglich durch ihren intelligenten Policy-Mix äußerst ermutigend.