|
Ergebnisse
zur Pilotphase der Evaluation von Lehrveranstaltungen an der Uni
Graz
Fünf Fakultäten der Universität Graz haben im vergangenen
Wintersemester an der Pilotphase zur Evaluation der Lehrveranstaltungen
teilgenommen. Insgesamt 277 Lehrveranstaltungen etwa 6% des
gesamtuniversitären Angebots wurden bewertet, insgesamt
8.867 Fragebögen mit je 19 Fragen von Studierenden ausgefüllt.
Die Ergebnisse liegen mittlerweile auf dem Tisch. Im laufenden Sommersemester
wurde die Phase auf alle Fakultäten ausgedehnt, die Auswertung
dieser Resultate ist abgeschlossen, deren Veröffentlichung
in Vorbereitung.
Die Erhebung stellt vorrangig die Zufriedenheit der Studierenden
dar, sagt jedoch weniger etwas über die Qualität der Lehre
aus, stellte Ada Pellert, Vizerektorin für Lehre, Personalentwicklung
und Frauenförderung, im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung
zur Evaluation am 19. Juni 2001 an der Universität Graz klar.
Die vorliegenden Bewertungen sind lediglich ein kleiner Ausschnitt.
Eine Gegenüberstellung der Fakultäten untereinander sei
deshalb derzeit auch nicht zulässig. Ein repräsentativer
Vergleich werde erst dann machbar, wenn wie vom Gesetzgeber
vorgeschrieben innerhalb der kommenden zwei Semester die
gesamten Lehrveranstaltungen der Uni Graz evaluiert seien. Der Startschuss
zur universitätsweiten Erhebung fällt im Wintersemester
01/02. Es muss uns nun gelingen, Anreize für eine gute
Lehre zu bieten, hat sich Pellert zum Ziel gesetzt. Über
Konsequenzen müsse auch an den Fakultäten diskutiert werden.
Der gesetzliche Mindestrahmen sieht erst nach zweimaliger negativer
Beurteilung ein Gespräch zwischen betroffenen Lehrenden und
dem jeweiligen Studiendekan vor.
Begleitend
zur Pilotphase nahm Psychologe Mag. Patrick Wolf die methodische
Begleitforschung der Erhebung vor und kam zum Schluss: Der verwendete
Fragebogen ist gut einsetzbar und praktikabel. Die Erwartungen bezüglich
der Ermittlung der Lehrwirksamkeit wurden durchaus erfüllt.
Und Wolf unterstrich: Vergleichbare Untersuchungen im deutschsprachigen
Raum zeigen ein ähnliches Ergebnis. Und zeigte die Grenzen
der Begleitforschung auf: Sie kann nicht leisten, wann Lehre
gut oder schlecht ist. Das liegt bei den EntscheidungsträgerInnen
an den Fakultäten.
Einige Trends lassen die Auswertungen, basierend auf der Evaluation
im Wintersemester 00/01, dennoch erkennen, wie Projektmitarbeiterin
und Psychologin Mag. Dagmar Strohmeier und Mag. Doris Carstensen
von der Stabsstelle für Lehrentwicklung und Evaluation wie
folgt erläuterten:
- Lehrende werden, wenn auch mit geringen Unterschieden, im allgemeinen
besser beurteilt als die Lehrveranstaltungen selbst. Grundsätzlich
werden sowohl Lehrende als auch die Lehrveranstaltungen im Durchschnitt
mit sehr gut bis gut auf der Notenskala von 1 bis 5
bewertet. Damit könnte untermauert werden, dass die Lehre gut
ist.
- Etwa 90% der befragten Studierenden geben an, die Lehrveranstaltung
fast immer zu besuchen und sie bewerten sowohl Lehrveranstaltung
als auch Lehrende besser als jene, die seltener anwesend sind.
- Studierende im 2. und 3. Abschnitt bewerten die Lehrveranstaltungen
etwas positiver als Studierende im 1. Studienabschnitt. Wenngleich
es nur geringe Unterschiede gibt, erklärt Strohmeier.
- Gegliedert nach der beruflichem Hintergrund beurteilen Seniorenstudierende
die Lehrveranstaltungen auffällig besser.
- Die Berufstätigkeit der Studierenden in der vorliegenden
Stichprobe schwankt zwischen den Fakultäten: An der Naturwissenschaftlichen
Fakultät sind etwa drei Viertel nicht berufstätig, an
der Katholisch-Theologischen sowie an der Geisteswissenschaftlichen
Fakultät hingegen ist der Anteil der nicht Berufstätigen
am niedrigsten: Theol. 56,2%, Gewi 52,1%. Jener der Seniorenstudierenden
Theol. 10,8%, GeWi 5,3% wiederum am höchsten.
- Studierende, die ein Pflichtfach besuchen, bewerten die Lehrveranstaltung
etwas kritischer als jene in freiwillig gewählten Wahl- bzw.
Freifächern. Eine Erklärung hierfür ist im hohen
Anteil von abgefragten Lehrveranstaltungen im 1. Studienabschnitt
zu finden.
- Ebenso erhalten Vorlesungen eine etwas kritischere Beurteilung
als Lehrveranstaltungen mit immanentem Prüfungscharakter wie
etwa Seminare. Am besten schneiden Lehrveranstaltungen an der Katholisch-Theologischen
Fakultät ab.
- Schlussfolgerung:
Welche Variable beeinflusst die Beurteilung am meisten? Ausschlaggebend
dürften das Vorinteresse und das Interesse sein, das in der
Lehrveranstaltung geweckt wird, wie Strohmeier begründet. Das
bestätigt nachweislich die Auswertung der Fragebögen:
z. B. Seniorenstudierende haben das höchste Vorinteresse, auch
Studierende in höheren Semestern können interessensgeleitet
ihre Lehrveranstaltung auswählen. Geringer wurde daher das
Vorinteresse beim Besuch von Pflichtfächern angegeben. Gegliedert
nach Fakultäten ist an der Kath.-Theol. Fakultät das Vorinteresse
am höchsten, am geringsten an der Naturwissenschaftlichen Fakultät.
Alle
Auswertungen im Detail in Kürze unter www.uni-graz.at/evaluation/
|