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BetreuerIn * 20.06.01

Ergebnisse zur Pilotphase der Evaluation von Lehrveranstaltungen an der Uni Graz

Fünf Fakultäten der Universität Graz haben im vergangenen Wintersemester an der Pilotphase zur Evaluation der Lehrveranstaltungen teilgenommen. Insgesamt 277 Lehrveranstaltungen – etwa 6% des gesamtuniversitären Angebots – wurden bewertet, insgesamt 8.867 Fragebögen mit je 19 Fragen von Studierenden ausgefüllt. Die Ergebnisse liegen mittlerweile auf dem Tisch. Im laufenden Sommersemester wurde die Phase auf alle Fakultäten ausgedehnt, die Auswertung dieser Resultate ist abgeschlossen, deren Veröffentlichung in Vorbereitung.

„Die Erhebung stellt vorrangig die Zufriedenheit der Studierenden dar, sagt jedoch weniger etwas über die Qualität der Lehre aus”, stellte Ada Pellert, Vizerektorin für Lehre, Personalentwicklung und Frauenförderung, im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung zur Evaluation am 19. Juni 2001 an der Universität Graz klar. „Die vorliegenden Bewertungen sind lediglich ein kleiner Ausschnitt.” Eine Gegenüberstellung der Fakultäten untereinander sei deshalb derzeit auch nicht zulässig. Ein repräsentativer Vergleich werde erst dann machbar, wenn – wie vom Gesetzgeber vorgeschrieben – innerhalb der kommenden zwei Semester die gesamten Lehrveranstaltungen der Uni Graz evaluiert seien. Der Startschuss zur universitätsweiten Erhebung fällt im Wintersemester 01/02. „Es muss uns nun gelingen, Anreize für eine gute Lehre zu bieten”, hat sich Pellert zum Ziel gesetzt. Über Konsequenzen müsse auch an den Fakultäten diskutiert werden. Der gesetzliche Mindestrahmen sieht erst nach zweimaliger negativer Beurteilung ein Gespräch zwischen betroffenen Lehrenden und dem jeweiligen Studiendekan vor.

Begleitend zur Pilotphase nahm Psychologe Mag. Patrick Wolf die methodische Begleitforschung der Erhebung vor und kam zum Schluss: Der verwendete Fragebogen ist gut einsetzbar und praktikabel. Die Erwartungen bezüglich der Ermittlung der Lehrwirksamkeit wurden durchaus erfüllt. Und Wolf unterstrich: „Vergleichbare Untersuchungen im deutschsprachigen Raum zeigen ein ähnliches Ergebnis.” Und zeigte die Grenzen der Begleitforschung auf: „Sie kann nicht leisten, wann Lehre gut oder schlecht ist. Das liegt bei den EntscheidungsträgerInnen an den Fakultäten.”

Einige Trends lassen die Auswertungen, basierend auf der Evaluation im Wintersemester 00/01, dennoch erkennen, wie Projektmitarbeiterin und Psychologin Mag. Dagmar Strohmeier und Mag. Doris Carstensen von der Stabsstelle für Lehrentwicklung und Evaluation wie folgt erläuterten:

- Lehrende werden, wenn auch mit geringen Unterschieden, im allgemeinen besser beurteilt als die Lehrveranstaltungen selbst. Grundsätzlich werden sowohl Lehrende als auch die Lehrveranstaltungen im Durchschnitt mit sehr gut bis gut – auf der Notenskala von 1 bis 5 – bewertet. Damit könnte untermauert werden, dass die Lehre gut ist.

- Etwa 90% der befragten Studierenden geben an, die Lehrveranstaltung fast immer zu besuchen und sie bewerten sowohl Lehrveranstaltung als auch Lehrende besser als jene, die seltener anwesend sind.

- Studierende im 2. und 3. Abschnitt bewerten die Lehrveranstaltungen etwas positiver als Studierende im 1. Studienabschnitt. „Wenngleich es nur geringe Unterschiede gibt”, erklärt Strohmeier.

- Gegliedert nach der beruflichem Hintergrund beurteilen Seniorenstudierende die Lehrveranstaltungen auffällig besser.

- Die Berufstätigkeit der Studierenden in der vorliegenden Stichprobe schwankt zwischen den Fakultäten: An der Naturwissenschaftlichen Fakultät sind etwa drei Viertel nicht berufstätig, an der Katholisch-Theologischen sowie an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät hingegen ist der Anteil der nicht Berufstätigen am niedrigsten: Theol. 56,2%, Gewi 52,1%. Jener der Seniorenstudierenden – Theol. 10,8%, GeWi 5,3% – wiederum am höchsten.

- Studierende, die ein Pflichtfach besuchen, bewerten die Lehrveranstaltung etwas kritischer als jene in freiwillig gewählten Wahl- bzw. Freifächern. Eine Erklärung hierfür ist im hohen Anteil von abgefragten Lehrveranstaltungen im 1. Studienabschnitt zu finden.

- Ebenso erhalten Vorlesungen eine etwas kritischere Beurteilung als Lehrveranstaltungen mit immanentem Prüfungscharakter wie etwa Seminare. Am besten schneiden Lehrveranstaltungen an der Katholisch-Theologischen Fakultät ab.

- Schlussfolgerung: Welche Variable beeinflusst die Beurteilung am meisten? Ausschlaggebend dürften das Vorinteresse und das Interesse sein, das in der Lehrveranstaltung geweckt wird, wie Strohmeier begründet. Das bestätigt nachweislich die Auswertung der Fragebögen: z. B. Seniorenstudierende haben das höchste Vorinteresse, auch Studierende in höheren Semestern können interessensgeleitet ihre Lehrveranstaltung auswählen. Geringer wurde daher das Vorinteresse beim Besuch von Pflichtfächern angegeben. Gegliedert nach Fakultäten ist an der Kath.-Theol. Fakultät das Vorinteresse am höchsten, am geringsten an der Naturwissenschaftlichen Fakultät.

Alle Auswertungen im Detail in Kürze unter www.uni-graz.at/evaluation/