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BetreuerIn * 09.01.01

Rektor Zechlin: „Bedingungen für Reform fehlen”

„Positive Ansätze” kann Rektor Lothar Zechlin dem neuen Dienstrecht abgewinnen, schränkt gleichzeitig ein, dass „wichtige Voraussetzungen für ein Gelingen der Reform fehlen”. Mit dem sogenannten „Vier-Säulen-Modell”, das fast nur noch befristete Karriereschritte an den Universitäten vorsieht, fällt die Pragmatisierung sowie die Voraussetzung der Habilitation für eine Vertrags-Professurenanstellung. Zechlin sieht damit ein gravierendes Problem des jetzigen Dienstrechts bereinigt: „Es hat dazu geführt, dass so gut wie alle Nachwuchsstellen dauerhaft besetzt sind und für Jung-Akademiker nicht zur Verfügung stehen.”

Für die sinnvolle Reform setzt der Grazer Rektor aber entscheidende Rahmenbedingungen voraus: „Zum einen müssen weite Teile der Mittelbaustellen in Professuren umgewandelt werden. Denn nur, wenn es deutlich mehr Professuren als AssistentInnenstellen gibt, haben NachwuchswissenschaftlerInnen faire Berufungschancen. Zum anderen müssen im erheblichen Umfang Stellen für nicht wissenschaftliches Personal geschaffen werden. Denn wenn sich die AssistentInnen in begrenzter Zeit qualifizieren sollen, müssen sie sich auf Lehre und Forschung konzentrieren, von derzeit wahrgenommenen Serviceaufgaben freigehalten werden.”
Zechlin führt zur Illustrierung Vergleiche mit dem deutschen System ins Treffen: Dort kommen auf etwa 38.000 Professuren an Universitäten und Fachhochschulen circa 14.000 AssistentInnen, ergibt eine Relation von 1 : 0,4. In Österreich steht mit rund 2.000 Professuren und knapp 6.700 Stellen für AssistentInnen bzw. DozentInnen eine Relation von 1 : 3,4 gegenüber. „Die Pyramide in der Stellenstruktur muss durch einen Kegel ersetzt werden”, fordert der Grazer Rektor – die ministerielle Reformgruppe soll die Struktur anderer ausländischer Hochschulsysteme untersuchen. Weiters ortet Zechlin „einen wesentlichen Nachholbedarf bei Planstellen für Servicepersonal”. Denn während in Österreich auf insgesamt 11.200 wissenschaftliche circa 8.500 nicht wissenschaftl. Planposten kommen (Relation 1 : 0,8), beträgt das Verhältnis an deutschen Hochschulen 1 : 1,7.

Insgesamt werde deutlich, dass die begrüßenswerte Reform nicht gelingen könne, wenn man jeweils bruchstückhaft einzelne Elemente verändere. „Ohne ein ganzheitliches Vorgehen droht sich der Fehler zu wiederholen, der bereits bei der Einführung der Studiengebühren begangen worden ist.”

Foto: Gasser
Rektor Lothar Zechlin