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BetreuerIn * 26.01.2001
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Kunst kommt von Arbeit

Tempel der Arbeit
"Kunst kommt von Arbeit": unter diesem Titel präsentiert der 45-jährige steirische Künstler Mag. Josef Schützenhöfer vor dem Hauptgebäude der Grazer Karl-Franzens-Universität eine monumentale Installation. Das 5,1 Meter lange, zwei Meter breite und 4,3 Meter hohe Objekt besteht aus acht Postamenten und einem auf ihnen ruhenden Kubus. Die Schauseiten sind bemalt: 16 Arbeiterinnen und Arbeiter der Grazer Steyr-Daimler-Puch Fahrzeugtechnik GmbH sind in ihren dunkelblauen Arbeitsmonturen zu sehen, über ihnen thronen Darstellungen eines roten Puch-Pinzgauer-Fahrzeuges, wie es von Feuerwehren verwendet wird. Mag. Josef Schützenhöfer thematisiert mit seinem Werk den Wert der menschlichen Arbeit, im Polit-Jargon mitunter "Humankapital" genant, in dem seit genau 100 Jahren bestehenden Grazer Puch-Werk. "Es ist für mich wichtig, dass dieser 'Tempel der Arbeit' vor der Universität, als dem 'Tempel der Wissenschaft' zu sehen ist", sagt Schützenhöfer. Das zerlegbare Objekt ist in der Sockelzone dort, wo die Arbeiterinnen und Arbeiter an gotische Schwebefiguren erinnern und das Gewicht des von ihnen produzierten Produktes auf ihre Schulter zu nehmen scheinen, begehbar. Als Bildträger der Ölmalerei fungieren Platten aus Pappelholz. "Die Traditionelle Malweise hat sich bei dieser Thematik angeboten", erklärt der Künstler, der das Objekt in nur vier Monaten realisiert hat. Für Schützenhöfer ist die "Kunst des Materials" von Bedeutung, egal, ob es sich um die Fertigung eines Tafelbildes oder etwa um die Montage eines Auto-Getriebes handelt. Werkspuren wie beispielsweise Farbspritzer illustrieren die Sinnlichkeit des Arbeitsprozesses.


Kunst ins Werk
Da ich lange in der Welt war, ja eigentlich ein Reisender bin, war es notwendig das Heimweh als wohltuenden Freund zu halten. In solchen Momenten tauchten die prägnantesten Kindheitserlebnisse auf. Da ist z. B. der Plattformwagen "Haflinger" mit seinen 13 Zoll Rädern und der 4 Mann-Besatzung samt Blechhut. Dieses Bild spendet mir sogar noch heute ein Lächeln. Also mit diesen periodisch aufwallenden Heimweh schrieb ich 1994 von Pennsylvania einen Brief nach Graz an Steyr Daimler Puch, gab mein Anliegen kund den verstaatlichten Betrieb meiner Kindheit, die Arbeiterwohnsiedlung, den Betriebsrat zu besuchen und vielleicht auch eine "Kunst ins Werk " Aktion zu starten. In Amerika hatte ich ja schon als bildender Künstler eine gewisse Erfahrung gesammelt. Diese Briefaktion ging gut, ermutigte mich doch der Pressesprecher der Firma mit den Satz: "Bei mir haben sie einen Befürworter ihrer künstlerischen Aktionen gefunden." Seit diesem Zeitpunkt war ich in regelmäßigen Intervallen in der Werkshalle der Firma Steyr-Daimler-Puch zu Gast und erarbeitete ein Kunstobjekt, daß sich an den Produkten der Firma orientiert und sich auch mit einem aufmerksamen Blick auf die allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung der Arbeiterschaft einstellt. Der Satz "Kunst kommt von Arbeit" wurde mir in den Hallen der Fabrik zum Leitmotiv. Ich bin stolz darauf, diesen Satz im Zusammenhang mit der 100Jahr Feier des Steyr Puch Konzerns auszusprechen. Wichtig erscheint mir vor allem, daß wir mit Stolz auf diese Hundert Jahre zurück blicken, noch wichtiger erscheint es mir, daß wir mit einer gewissen Schärfe und Selbstsicherheit die nächsten Hundert Jahre ARBEIT einfordern.
Josef Schützenhöfer


Kunst aus Arbeit
100 Jahre Puch. Dem Maler Josef Schützenhöfer ist dazu Gewichtiges eingefallen.

Es kam nur der Pinzgauer in Frage. Dreiachsig. Keiner kann so quaderschwer perfekt auf den Säulen der Arbeit ruhen wie dieser weltbeste Geländewagen mit dem genialen Zentralrohrrahmen. Schützenhöfer kennt sich aus. Wenn er einen Menschen malt, kannst du aus dem Bild Röntgenbefunde ziehen und wenn er ein Auto oder einen Traktor malt, suchst du den Boden darunter nach Ölflecken ab. Wenn er sich ein Sujet einverleibt, dann wohnt und lebt er damit. Vom Gedanken, einen gebrauchten Pinzgauer zu erwerben, ist er nach der Schwerarbeit, den Wagen in Originalgröße von oben, unten, von vorn, von hinten und den beiden Seiten zu malen, abgekommen: "Jetzt kenne ich ihn schon wirklich ganz genau. Damit habe ich in hinter mich gebracht." Josef Schützenhöfer ist der Sozialdemokrat unter den Malern, von einer arbeitskämpferischen Grundhaltung durchdrungen, die fast schon romantisch wirkt in ihrer Aufrichtigkeit. Die hat er sich in den USA konserviert, wo er einundzwanzig Jahre lang lernte, lehrte, wirkte, ohne je seine Herkunft und den Respekt vor österreichischer Wertarbeit zu verleugnen. Er fuhr VW-Bus aus innerer Haltung, blieb immer kritisch dem Pursuit of Happiness gegenüber, das die Amerikaner sogar in die Verfassung eingetragen haben: Das Streben, die Jagd, nach dem Glück und seine grotesken Ausformungen. Zurück in Österreich, sämtliche amerikanische Reputationen hinter sich lassend, pflegt der geborene Steierer eine tiefe Zuneigung zur Arbeiterschaft der Steyr-Daimler-Puch AG, wo er sich durch Hartnäckigkeit und Ausdauer einen stillen Status als Werksmaler erarbeiten konnte. Zum Jubiläum 100 Jahre Puch erarbeitete er in monatelanger Arbeit diesen Aufbau, Öl auf Malerplatte, massiv, zwölf lebensgroße Arbeiterportraits (zwölf Namen, zwölf Schicksale), auf denen ein dreiachsiger Pinzgauer in Feuerwehrausführung als leicht dramatisierter Fronthauber ruht, technisch, dynamisch, in unnachahmlicher Spurwinkel-Perspektive. Detaillierter Unterboden, auch dort, wo man ihn nicht sehen kann. Und wenn Schützenhöfer Räder malt, sind es Portraits von Rädern. Man spürt, wie das Gewicht auf ihnen ruht. Und wenn er Rot einsetzt, dann ist das eine Kraftnummer. "Kunst kommt von Arbeit", lautet Schützenhöfers Manifest, um diesem überstandigen "& kommt von Können" entgegenzutreten.
David Staretz, Chefredakteur autorevue


Video-Clip von Christian Reiser
Quicktime (2,2 MB)

LINKS



Schützenhöfer im Kino
DIAGONALE 2000: "Kunst kommt von Arbeit" - ein Film von Christian Reiser

Schützenhöfer in der autorevue

UNIZEIT 4/99

Salzburger Nachrichten 13.10.99

 

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Heimat: Tiefe Spuren. Abwegig.


BIOGRAFIE



Josef Schützenhöfer
Important dates


GALERIE(N)

Galery 1 - The Sketches

Galery 2 - The Studio

Galery 3 - The Art Work

Galery 4 - The Stations



13. bis 29. Oktober 1999
Hauptgebäude der Karl-Franzens-Universität
A-8010 Graz, Universitätsplatz 3